Wieviele Betriebe werden wohl noch zubetoniert?

Bauernzentrale fordert Schutz der landwirtschaftlichen Nutzflächen.

„Was den Flächenverbrauch angeht, stellt man fest, daß zwischen 1990 und 2006 (letztes verfügbares Jahr) der Anteil an nicht bebauten Flächen (landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder und Wasserläufe) von 92,3% auf 87% des Territoriums zurückgegangen ist. Dies bedeutet einen Rückgang von etwas mehr als 137 km2 (oder 5,3% des nationalen Territoriums). Diese 5,3% setzen sich folgendermaßen zusammen:

  1. bebaute Flächen (Wohnungen, Geschäfts- und Industriebauten, Urbanisation): +116 km2, d.h. 4,5% des Territoriums;
  2. Transportinfrastrukturen : +21 km2, d.h. 0,8% des Territoriums.

Allerdings hat sich das Tempo des Verbrauchs der unbebauten Flächen durch Konstruktionen und Infrastrukturen in den letzten Jahren gedrosselt. Zwischen 1990 und 2000 sind 11 km2 (oder 0,43% des Territoriums) pro Jahr unbebaute in bebaute Fläche verwandelt worden. Dies stellt einen täglichen Verbrauch von 3 ha dar. Zwischen 2000 und 2006 vermindert sich der Verbrauch pro Jahr auf 4,3 km2 (oder 0,17% des Territoriums), was einen täglichen Verbrauch von 1,3 ha bedeutet.“

Diese Ausführungen, die den Flächenverbrauch hierzulande beschreiben, sind dem 2010 verabschiedeten Regierungsdokument „PNDD Luxemburg – Ein nachhaltiges Luxemburg für mehr Lebensqualität“ entnommen.

Die Zahlen belegen deutlich die Problematik, mit welcher die hiesige Landwirtschaft konfrontiert ist: Derzeit verschwinden täglich 1,3 ha bzw. jährlich rund 450 ha an unbebauter Fläche, d.h. zum allergrößten Teil landwirtschaftliche Nutzfläche, sei es durch Infrastruktur- und Wohnungsbau oder durch Industrieansiedlung. Von 1990 bis 2006 wurden 13.700 ha neu versiegelt – 11.600 ha wurden verbaut und 2.100 ha wurden für Transportwege verbraucht, dies sozusagen ausschließlich auf Kosten der landwirtschaftlichen Nutzfläche. In anderen Worten, jährlich werden derzeit mindestens 5 bis 7 durchschnittlich große, landwirtschaftliche Betriebe zubetoniert – auf die letzten 20 Jahre, seit 1990, umgerechnet sind es weit über 200.

Hinzu kommen die Kompensierungsflächen: Bei jedem Bauvorhaben werden hierzulande bekanntlich mehr oder weniger weitreichende Kompensierungsmaßnahmen eingefordert – zur Durchführung derselben müssen wiederumpraktisch ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Flächen herhalten. Der Wald ist geschützt und bei Abholzung im Rahmen eines Bauprojektes, und seien es auch nur ein paar Bäume, werden Kompensierungsmaßnahmen erlassen … auf landwirtschaftlichem Boden. Diese Kompensierungsflächen werden wohl nicht versiegelt; sie werden jedoch weitestgehend bzw. gänzlich einer produktiven landwirtschaftlichen Nutzung entzogen, womit jährlich noch einigen weiteren landwirtschaftlichen Betrieben die Lebensgrundlage entzogen wird.

Der Deutsche Bauernverband veranschlagt den Verlust an landwirtschaftlicher Fläche in Deutschland auf täglich rund 95 ha und im Rahmen der gestarteten Aktion „Stopp dem Flächenfraß – Rettet den Boden für die Landwirtschaft“ wurde folgende Überlegung aufgestellt: „Bei einem Durchschnittsertrag von 76 Dezitonnen Getreide pro Hektar lassen sich 9.500 Brote à ein Kilogramm erzeugen. Bei einem Durchschnittsverzehr von 84 Kilogramm Brot pro Bürger und Jahr in Deutschland geht durch den täglichen Flächenverbrauch der Jahresbedarf am Grundnahrungsmittel Brot für 10.735 Menschen verloren.“

Legen wir diese Zahlen auf Luxemburg um: Durch den von der Regierung im PNDD angegebenen täglichen Flächenverbrauch von 1,3 ha geht der Jahresbedarf am Grundnahrungsmittel Brot für 147 Menschen/Tag hierzulande verloren. Bei einer Hochrechnung über ein oder gar mehrere Jahre kommt man dabei auf erschreckende Zahlen… Und die Analyse ergibt ein weiteres erschreckendes Ergebnis: Wenn in Deutschland bei einer Landesfläche von 357.022 km2 täglich 95 ha versiegelt werden, so ist, relativ gesehen, in Luxemburg bei einer Gesamtfläche von2.586 km2 die Versiegelung mit täglich 1,3 ha fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Auch im Vergleich zu anderen Nachbarstaaten zeigt sich hierzulande ein überproportional hoher Landverbrauch.

Und dennoch findet ein jeder es normal, daß weiterhin nicht nur weitläufige Wohngebiete und Verkehrswege, sondern auch große Einkaufszentren, Fußballstadion, Velodrom, usw. auf die „grüne Wiese“ gebaut werden und damit Flächen, die heute landwirtschaftlich genutzt sind, versiegelt werden. Und anscheinend findet es dann auch noch jeder normal, daß bei solchen Projekten großzügige Kompensierungsmaßnahmen durchgeführt werden und die Landwirtschaft dann doppelt zur Kasse gebeten wird.

Die Bauernzentrale bzw. die Landwirtschaft muß diese Entwicklung sehr kritisch bewerten – Boden stellt die Grundlage für den Agrarsektor und für die Lebensmittelproduktion dar; Boden ist ein nicht ausdehnbarer, auch nicht delokalisierbarer, jedoch unabdingbarer Produktionsfaktor. Umso dringender ist es, die noch vorhandene landwirtschaftliche Nutzfläche zu schützen, indem zunächst der leichtfertigen Versiegelung ein Riegel vorgeschoben und sparsam mit dem Faktor Boden bei allen Vorhaben umgegangen wird, indem auch Abstand von den bisherigen, oftmals überzogenen Kompensierungsmaßnahmen genommen wird.

Landwirtschaftlicher Boden, als Grundlage der Lebensmittelherstellung, verdient den gleichen Schutz wie Wälder oder sonstige nicht bebaute Flächen! Und landwirtschaftliche Nutzung des Bodens verdient den gleichen Stellenwert wie alle sonstigen Nutzungen.

Der Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzfläche – als wesentlicher Faktor der Nachhaltigkeit und der Lebensqualität  – muß demnach zu einer politischen Priorität werden und gleichrangig mit allen sonstigen Anliegen, auch im Bereich der Umwelt, gestellt werden. Dem sollte nicht nur im Rahmen des Naturschutzgesetzes oder der Fertigstellung des Landschaftsplanes Rechnung getragen werden, sondern auch in allen anderen Bereichen und Politiken.

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