Pflanzenbau aktuell: Die Erfolgsaussichten der Nachsaat im Grünland

Ein wesentlich günstigeres Verfahren als eine vollständige Neueinsaat des Grünlandes ist die Nachsaat. Nichtsdestoweniger sind Erfolgsaussichten eines Nachsaatverfahrens oft zufallsbedingt resp. besonders unsicher, und das vor allem wenn die richtigen pedo-klimatischen Bedingungen nicht erfüllt sind. Ziel der Grünlandnachsaat ist, die Grasnarbe mit qualitativ hochwertigen Gräsern (oder Klee) auf lange Sicht zu verbessern und die vorhandenen Lücken zu füllen. Man muß beachten, daß die Grasnarbe ein sehr konkurrenzfähiges Umfeld darstellt, das von den anwesenden und gut entwickelten Pflanzen besiedelt ist. Aus diesem Grund sollte man nur auf sehr aggressive und konkurrenzfähige Pflanzen für die Nachsaat zurückgreifen (Deutsches Weidelgras, Weißklee).

Gegen Ende des Sommers resp. zum Herbstanfang bieten sich, unter der Voraussetzung, daß der Boden ausreichende Bodenfeuchtigkeit besitzt, die besten Gelegenheiten, um die Nachsaat durchzuführen. In diesem Jahreszeitraum sind das Wachstum und die damit verbundene Konkurrenzfähigkeit der vorhandenen Pflanzen relativ gering und die milden Temperaturen, in Kombination mit der vorhandenen Bodenfeuchtigkeit, bieten sehr günstige Voraussetzungen für das Keimen der Samen.

Eine weitere grundlegende Bedingung für das Gelingen der Nachsaat besteht im Vorhandensein einer ausreichend lückigen Grasnarbe, so daß die Samen Bodenkontakt bekommen. Minderwertige Gräser wie zum Beispiel die gemeine Rispe müssen zuerst mit einem scharf eingestellten Striegel herausgerissen werden, um so den nötigen Platz für die neuen, qualitativ besseren, Gräser zu schaffen. Auf den leichten bis mittleren Standorten kann das Gras dann beispielsweise mit einem Schneckenkornstreuer gesät werden. Auf den schweren Standorten hingegen sollte das Gras mit einer speziellen Scheibensämaschine in den Boden „geschlitzt“ werden (Vredo). Hier führt die vorhin aufgeführte Methode nur in den seltensten Fällen zu dem gewünschten Resultat. Die Aussaatmenge beim Weißklee soll zwischen 4 und 6 kg/ha und beim deutschen Weidelgras zwischen 15-20 kg/ha liegen. Dabei sollten besonders aggressive Sorten den Vorzug erhalten.

Um die Erfolgsaussichten zu erhöhen ist das Anwalzen des Samens ein absolutes Muß. Alternativ kann auch ein kurzer Viehtritt zum gewünschten Resultat führen. Ungefähr drei bis vier Wochen nach der Nachssaat sollte eine kurze Beweidung stattfinden. Dies hat den Vorteil, daß die Rinder die jungen Pflanzen nochmals in den Boden eindrücken. Des weiteren verliert die bestehende Grasnarbe durch die Beweidung an Konkurrenzfähigkeit und ermöglicht auch somit der jungen Pflanze einen schnellen Lichtzugang.

Nachsaat mit Weißklee macht nur Sinn auf unkrautarmem Grünland, denn der Klee wird bei einem eventuellen Herbizideinsatz wieder zurückgedrängt. Die mit Klee nachgesäten Parzellen sollten im nächsten Frühjahr sehr früh abgeweidet werden, um den Schatten der Gräser auf dem Klee zu beschränken. Die mineralische Stickstoffdüngung sollte unbedingt vermieden werden, um dem Klee eine Ausbreitung in der Parzelle zu ermöglichen.

Die Pflanzenbauberatung der Landwirtschaftskammer

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