Nationaler Grünlandtag im Zeichen von Dairyman

Am 26.04.2013 fand in Erpeldange bei Ettelbrück wieder ein nationaler Grünlandtag statt. Am Vormittag widmete man sich auf dem Dairyman-Pilotbetrieb Leider in zwei Workshops der Gülleseparierung und der Färsenaufzucht, während es am Nachmittag auf das Grünland-Versuchsfeld ging, wo die Qualitätssicherung im Grünland und das Weidemanagement in zwei weiteren Workshops im Vordergrund standen. Die LTA-Klassen X2AG und T2AG waren mit praktischen Übungen an einzelnen Workshops beteiligt.

Gülleseparierung und bessere Nährstoffeffizienz

Der Grünlandtag stand im Zeichen des Interreg IV b-Projektes Dairyman, an dem milcherzeugende Regionen aus sechs Ländern aus dem Nordwesten Europas beteiligt sind. Ziel von Dairyman ist eine Stärkung dieser Regionen und letztlich auch eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in der Milcherzeugung. Die national Verantwortlichen für Dairyman – dies sind Jeff Boonen, Claude Felten, Marita Hoffmann, Henri Kohnen und Michel Santer – hatten mit Herrn Koos Verloop einen am Dairyman-Projekt beteiligten Experten aus Wageningen (Versuchsbetrieb KTC De Marke) eingeladen, der über die mehrjährigen Erfahrungen mit der Gülleseparierung und deren Auswirkungen auf die Nährstoffeffizienz in den Niederlanden referierte. Diese wurde auch praktisch auf dem Betrieb Leider vorgeführt. Der niederländische Experte stellte die Thematik zunächst in den umweltpolitischen Zusammenhang, in den man eingebettet ist, der aber in den Niederlanden noch eine andere Bedeutung hat als in Luxemburg. Zu beachten sind die Nitratdirektive und die Wasserrahmenrichtlinie, ferner die Forderungen nach Minimierung der Stickstoffverluste sowie der Emission von Treibhausgasen. Hieraus ergibt sich das Bestreben, auch die Nährstoffe aus der Gülle möglichst effizient und verlustarm einzusetzen und Transporte auf ein Minimum zu reduzieren. Dies ist in den Niederlanden ein beachtliches Problem, da Gülle nicht selten im Überschuß anfällt und somit die Notwendigkeit besteht, sie in Regionen zu verfrachten, wo es einen Mangel an Wirtschaftsdüngern gibt. Aber nicht allein das Problem geringerer Transportkosten kommt zum Tragen, sondern auch das von nicht unbedingt bedarfsgerechter, weil zu wenig zeitlich oder örtlich differenzierter Ausbringung auf verschiedenen Flächen eines Betriebs. Der Experte aus den Niederlanden kam u.a. auf solche Faktoren zu sprechen, die einem optimalen Güllemanagement in der Praxis entgegenstehen. Dazu gehört vor allem die nicht ausreichende Lagerkapazität, so daß die Gülle im Frühjahr nicht zum optimalen Zeitpunkt ausgebracht wird und somit Verluste vorprogrammiert sind. Außerdem ist es eben von der Abwicklung her einfacher, in einem kurzen Zeitraum alle Flächen via überbetriebliche Maschinenverwendung gleichmäßig mit Gülle zu versorgen, als dem individuellen Bedarf der Einzelflächen optimal Rechnung zu tragen.

Hier setzt die Gülleseparierung an, bei der die Gülle in eine feste und eine flüssige Fraktion separiert wird. Für die feste Fraktion ergibt sich ein Gewichtsanteil von 15-34%, für die flüssige entsprechend 66-85%. Die feste Fraktion hat anfangs einen TS-Gehalt von rund 25%, der bei Lagerung (je rund fünf Zentimeter starke Lagen werden hierfür nachgetrocknet) auf 60% gesteigert werden kann. Eine solche Nachtrocknung wird in der Praxis jedoch nur durchgeführt, wenn man das Material auf dem eigenen Betrieb einsetzen will. Für den Export wird die frische Festfraktion verwendet.

Die beiden Fraktionen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des TS-Gehaltes, sondern auch bei den Nährstoffen. Relativ gesehen verbleibt mehr mineralisierter Stickstoff und mehr Kalium in der flüssigen Fraktion, während die feste Fraktion einen höheren Anteil an organisch gebundenem Stickstoff und relativ viel Phosphor (niedriges N/P2O5-Verhältnis) enthält. Der P-Gehalt ist bei letzterer höher als in der Gülle, der N-Gehalt quasi identisch. Während sich in der Gülle Ammonium und Norg in etwa die Waage halten, ist der Ammoniumgehalt in der festen Fraktion niedriger als der Gehalt an Norg.

Technik entscheidet über Ausbeute und Nährstoffverteilung

Doch die jeweiligen Anteile und die Ausbeute an fester Fraktion können sich je nach verwendeter Technik deutlich unterscheiden. Der Experte aus den Niederlanden unterschied hierbei die drei Techniken Preßschnecke, Rollenpresse und Dekanter. Bei der Preßschneckentechnik wird die Gülle gegen ein Sieb gedrückt. Sie kostet zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Die Rollenpreßtechnik beruht auf dem Auspressen der Flüssigkeit durch Rollen bzw. Walzen. Diese kostet mit 30.000-50.000 Euro ähnlich viel. Viel teurer (80.000-120.000 Euro) ist hingegen die Dekantertechnik, bei der die Feststoffe durch Zentrifugalkraft gegen die Trommelinnenwand geschleudert werden.

Während man mit der Rollenpreßtechnik nur rund 15% feste Fraktion erhält, sind es bei der Preßschneckentechnik 21% und bei der Dekantertechnik über 34%. Ähnlich verhält es sich bei der Verteilung der Nährstoffe auf die beiden Fraktionen. Bei P2O5 differiert diese für die feste Fraktion je nach Technik zwischen 25% (Rollenpresse) und 67% (Dekanter). Ungleich ist ebenfalls der Stickstoffanteil in der festen Fraktion, der zwischen 18% (Rollentechnik) und 40% (Dekanter) liegen kann. So oder so ergibt sich eine Neuverteilung der Nährstoffe, die eben je nach Technik unterschiedlich ausgeprägt ist. Auf dem Versuchsbetrieb KTC De Marke kommt die Preßschneckentechnik zum Einsatz.

Motivationen der Landwirte

Woran sind Landwirte im Hinblick auf die Gülleseparierung speziell interessiert? Koos Verloop nannte verschiedene Gründe, warum die Gülleseparierung bei niederländischen Milchproduzenten auf großes Interesse stößt. Neben dem schon genannten Exportbedarf, der sich nur noch auf die feste Fraktion beschränkt, kommen weitere praktische Gründe hinzu:

  • Optimierung der Verteilung von organischer Substanz auf der Betriebsfläche.
  • Optimierung der Verteilung von N und P durch die Nutzung von Gülle, Fest- und Flüssigfraktion mit unterschiedlichen N/P-Verhältnissen.
  • Steigerung der N-Effizienz in organischen Düngern.
  • Reduzierung des Güllelagerungsbedarfs im Frühjahr.
  • Nutzung der festen Phase als Einstreu in Liegeboxen.

Der Experte aus Wageningen machte anschließend deutlich, daß es auch beim Parameter Gülleexport betriebliche Eigenheiten gibt. Während momentan oftmals noch wegen zuviel N exportiert wird, wird künftig der Export von überschüssigem P an Bedeutung stark zunehmen. Ein hinsichtlich betrieblicher Nährstoffversorgung optimierter Gülleexport ist nur mit separierter Gülle möglich. Beim Massentransport sind durch die Beschränkung auf die Festfraktion Einsparungen von 50% möglich. N wird hierbei zu 50% exportiert, K in ähnlicher Größenordnung. Aber beim Export von organischer Masse gibt es eine Zunahme. An einem Beispiel zeigte Koos Verloop auf, daß ein Betrieb, der mit seiner Gülle einen Überschuß an 400 kg P2O5 und 500 kg N loswerden will, anschließend auf den Zukauf von mineralischem N-Dünger angewiesen ist, da er mit der Gülle zuviel N exportiert. Mit einer gut separierten Festfraktion könnte dies zumindest verbessert werden. Koos Verloop macht deutlich, daß die Gülleseparierung nicht unbedingt Sinn macht, wenn man nur zuviel N hat.

N und P optimal verteilen

Aber auch bei der betrieblichen Nutzung gilt, durch die jeweils passende Wahl des organischen Düngers (Gülle, Festfraktion oder Flüssigfraktion) eine gute Bodenqualität und eine gute Futterqualität zu erreichen. Durch optimierte Nutzung sinkt auch der Bedarf an Mineraldünger und der N-Kreislauf kann besser geschlossen werden. Ziel muß es auch auf anderen Ebenen (Weidemanagement, Düngemanagement, Güllefermentation) sein, die N-Effizienz weiter zu erhöhen und so zu einer N-Autarkie zu kommen, also auf mineralischen N verzichten zu können.

Gesucht ist demnach auch das optimale N/P2O5-Verhältnis. Dieses Verhältnis ist abhängig vom Bodenvorrat und von der Kultur und kann demzufolge stark differieren. In der vom Experten gezeigten Tabelle schwanken die Optimumwerte zwischen 1,5 und 5,3. Ein besonders hohes N/P2O5-Verhältnis bis zu 7 in der Festfraktion kann nur mit dem Dekanter erzielt werden. Zu bedenken ist auch, daß ein großer Teil des N in der Festfraktion nur allmählich freigesetzt wird. Auch Biogasgülle kann separiert werden. Hier ist der P-Gehalt in der Festfraktion noch höher als bei frischer Gülle.

Koos Verloop erwähnte, daß in den Niederlanden recht viele Lohnunternehmen über Separatoren verfügen und in der Regel einen Euro pro cbm Gülle berechnen. Sie machten dabei keinen Profit, sondern betrachteten dies eher als Zusatzservice zu den sonstigen Arbeiten. Für die weitaus teurere Dekantertechnik mit ihren bekannten Vorzügen werden allerdings höhere Tarife bis zu 3 Euro pro cbm Gülle verlangt. Trotz dieses deutlich höheren Preises sind nicht wenige Betriebe dazu bereit, diesen Service zu nutzen, denn die Vorteile mit höherer Leistung und effizienterer Separierung sind nicht zu leugnen.

Zum Abschluß wurde auf dem Betrieb Leider die Preßschneckentechnik als mobile Variante vorgeführt. Die Technik arbeitet geräuscharm. Resultat ist eine Festfraktion mit 25% TM-Gehalt. Zum Nachtrocknen braucht man Platz und ein entsprechend gut ventiliertes Stallgebäude und kann dann auf 60% TM-Gehalt kommen.

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