Nationaler Grünlandtag im Zeichen von Dairyman

Am 26. April fand in Erpeldange bei Ettelbrück der nationale Grünlandtag statt, der diesmal im Zeichen des Interreg IV b-Projektes Dairyman stand. Nachdem wir in Nr. 18 die Gülleseparierung thematisiert haben, geht es im zweiten Teil unseres Beitrags um Färsenaufzucht, Qualitätssicherung im Grünland und Weidemanagement.

Kostensenkungspotential in der Färsenaufzucht nutzen

Neben der Gülleseparierung stand am Vormittag auf dem Betrieb Leider der Workshop „Färsenaufzucht – Praxisnahe Methode zur Optimierung“ auf dem Programm. LTA-Professor Henri Kohnen erläuterte, was getan werden sollte, um das gewünschte Erstkalbealter (EKA) von maximal 24 Monaten zu erreichen. Anhand einer Graphik zeigte Henri Kohnen auf, daß Luxemburg im Vergleich zu anderen Dairyman-Regionen noch Nachholbedarf hat und das Erstkalbealter relativ hoch ist. Deshalb setzte man sich bei den heimischen Dairyman-Pilotbetrieben u.a. die Senkung des EKA zum Ziel. In den niederländischen Pilotbetrieben liegt das EKA durchweg bei maximal 24 Monaten.

Bekanntlich wirken sich die Nachzuchtkosten sehr stark auf die Wirtschaftlichkeit in der Milchproduktion aus. Der Referent zeigte hierzu eine Graphik eines US-Forschungsinstituts, wonach die auf das Einzeltier bezogene negative ökonomische Bilanz durch die Aufzuchtkosten immer schlechter wird, je später die erste Kalbung erfolgt, so daß der zur Kostendeckung erforderliche Milcherzeugerpreis entsprechend immer höher zu veranschlagen ist. Zwei bis drei Monate Verspätung beim EKA könne schon viel ausmachen bei der Wirtschaftlichkeit, so der Redner.

Der LTA-Professor kam im folgenden darauf zu sprechen, daß das Gewicht von entscheidender Bedeutung ist, denn für die Erstbelegung müssen zwei Drittel des Endgewichts erreicht sein. Dies geht umso früher, je besser der Verdauungstrakt auf die Verwertung von Futter vorbereitet wird. Er zeigte anhand einer graphischen Darstellung, in welchem Bereich das Gewicht in welchem Lebensalter liegen sollte und betonte, daß ein Gewichtsrückstand zum Zeitpunkt des Absetzens fast nicht mehr einzuholen sei.

Der Referent unterschied nun bei seinen Empfehlungen sechs Phasen bis zur 1. Kalbung, von denen die drei ersten im folgenden erläutert werden. Die Milchphase (bis max. 7. Woche) sollte so kurz wie möglich sein, im Idealfall nur fünf Wochen. Bereits in dieser frühen Phase sollte man mit der Zufütterung von hochverdaulichen festen Futtermitteln anfangen und hierzu parallel die Milchmenge begrenzen. Ziel ist hierbei die tägliche Verdauung von einem kg Kraftfutter in der 7. Woche.

Daran schließt sich die Kraftfutterphase (7. Woche bis 4. Monat) an, in der auf Rauhfutter noch gänzlich verzichtet werden muß. Gefüttert wird nur Milch und Kraftfutter. Dies führt zu einem deutlichen Längenwachstum der Zotten. Ziel ist hierbei, so schnell wie möglich einen funktionsfähigen Pansen zu erhalten. Heugaben sind in diesem Stadium kontraproduktiv.

Ab dem 4. Monat bis zur Geschlechtsreife folgt die frühe Rauhfutterphase. Das Kraftfutter wird zunächst auf 3 kg pro Tag begrenzt, ab dem 6. Monat noch weiter reduziert. Sollte das Kalb anfangs einen sichtbaren „Buckel“ und einen zu großen Bauch aufweisen, so ist es noch nicht reif für die Grobfutterverdauung.

Ab der Geschlechtsreife bis zur Erstbelegung sollte weniger hochwertiges Grobfutter gegeben werden, weil die Gefahr einer energetischen Überfütterung besteht. Die Belegung sollte erst erfolgen, wenn zwei Drittel des Endgewichts erreicht sind. Ansonsten erhält man eine zu geringe Milchleistung, bei zu früher Belegung weil die Kühe klein bleiben, bei einem zu späten Termin wegen Verfettung und Geburts- und Fütterungsproblemen.

Wie sollte man vorgehen, um das Erstkalbealter in drei Schritten nachhaltig zu senken? Erster Schritt muß die Diagnose der Fütterungsfehler mit Hilfe einer halbjährlichen Gewichtskontrolle sein. Hierzu wird der Brustumfang mit Hilfe des sogenannten ANImeters gemessen, wo direkt das Gewicht (bzw. dessen Schätzung) abzulesen ist. Mittels einer Excel-Graphik werden die Gewichtsdaten am PC ausgewertet.

Der zweite Schritt ist das Erstellen von Aufzuchtgruppen (Milchgruppe, Kraftfuttergruppe, Junge Wiederkäuergruppe, Besamungsgruppe, tragende Gruppe, Vorbereitungsgruppe). Mit dem Aktionskalender von CONVIS erfolgt dann der dritte Schritt, die Neueinteilung der Gruppen sowie die Schritte Brunsterkennung und Belegung.

Auf dem Betrieb Leider, wo das durchschnittliche EKA derzeit 27 Monate beträgt, stellten Schüler der Ackerbauschule vor, wie der Brustumfang gemessen wird und gaben Erläuterungen zur optimalen Kälberfütterung. Gilbert Leider nannte ein EKA von 25 Monaten als langfristiges betriebliches Ziel. Das durchschnittliche EKA aller heimischen Milchviehbetriebe liegt bei 30 Monaten. 22 Monate gelten als absolutes Minimum.

Versuchsfeld in Erpeldange

Nach einer kurzen Stärkung ging es dann am Nachmittag weiter auf dem Grünland-Versuchsfeld in Erpeldingen, wo Martine Hansen, zu diesem Zeitpunkt noch Direktorin der Ackerbauschule, eine kurze Ansprache an die Anwesenden richtete und vor allem den Verantwortlichen der Versuchsfelder und deren Mitarbeitern herzlich für deren Arbeit dankte. Sie begrüßte neben zahlreichen LTA-Schülern auch Vertreter der ASTA und von CONVIS, ehe es mit den nächsten Workshops weiterging.

Begonnen wurde mit dem Thema „Grünland, wichtige Motoren der Qualitätssicherung“. Zuerst stellte eine Gruppe Schüler die im Dauergrünland vorkommenden Gräser- sowie Kräuter- und Kleearten vor und bestimmte einige Gräserarten, denn dies ist die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Grünlandbewirtschaftung. Weiter wurde eine praktische Methode vorgestellt, um auf eine einfache Art und Weise die Grasnarbe auf Lücken zu überprüfen. Und zwar sucht man sich fünf zufällige Stellen im Bestand aus, wo man einen Rahmen von 40 x 40 cm hinlegt und mittels der Handfläche den Lückenanteil bestimmen kann. Weiter wurden den Interessierten verschiedene Unkrautbekämpfungsmöglichkeiten mechanischer und chemischer Art vorgestellt. Die Anteile der jeweiligen Arten hängen stark von der Form des N-Düngers ab. Gülle fördert Klee- und Kräuterarten am stärksten.

Danach berichtete Romain Gengler über die Grünlandversuche seitens der ASTA, bevor Dorothee Klöcker von CONVIS den Weg vom Grasaufwuchs bis hin zu einer guten Silage erklärte. CONVIS bietet seit kurzem schnellere Silageanalysen mit der AgriNIR-Technologie an, um eine optimale Rationsgestaltung zu erzielen. Da eine Silage aus Erntegut von verschiedenen Parzellen besteht und da meteorologische Einflüsse das Futter rasch verändern, sind regelmäßige Analysen mit kurzen Intervallen sehr wichtig für die optimale Tierfütterung, was durch das AgriNIR-Gerät kostengünstig ermöglicht wird.

Im letzten Workshop des Tages ging es um das Thema Weidehaltung von Milchkühen, vorgetragen von Henri Kohnen. Die Herausforderungen in der heutigen Milchwirtschaft bestehen darin, am wirtschaftlichsten zu arbeiten. Bei den starken Schwankungen des Milchpreises heutzutage muß das Produktionssystem gut durchdacht sein und die Grundfutterleistung muß am Optimum liegen. Die Weidehaltung ist eine interessante Haltungsform mit geringen Futterkosten, aber höherem Aufwand und etwas geringeren Leistungen. Die Futterkosten für 100 kg TM aus Weide betragen nur ein Drittel der Kosten von Silagen und sogar nur knapp 20% von 100 kg TM aus Kraftfutter. In einer Simulation wurde gezeigt, daß bei 95-prozentiger Weidefütterung die Milchleistung zwar nur 75% derer aus 50-prozentiger Weidefütterung sowie kompletter Stallfütterung betragen, allerdings liegen die Futterkosten je Liter Milch mit 4,5 Cent deutlich unter der 50-Prozent-Variante, welche mit etwa 7,5 Cent noch klar unter der Stallfütterungsvariante mit gut 11 Cent pro Kilogramm Milch rangiert.

Der große Nachteil der Weidehaltung ist der hohe Arbeits- und Zeitaufwand, den die Einteilung der Parzellen und der tägliche Austrieb der Kühe mit sich bringt. Man unterscheidet vier Weidesysteme: Die Standweide, die Umtriebsweide, die Portionsweide und die vereinfachte Umtriebsweide mit Kurzrasenweide. In puncto Futterausnutzung schneidet die Portionsweide am besten ab, und auch in der Milchleistung und der Futteranpassung ist dies das optimale Weidesystem. Allerdings ist hier auch der Arbeitsaufwand bei weitem am größten. Die Weideflächen sollten maximal 1 km von der Melkanlage entfernt sein und es müssen etwa 40 ar Weidefläche pro Milchkuh eingerechnet werden.

Bei Weidehaltung sollte man ganz auf eine Zufütterung im Stall verzichten, nur bei Futtermangel oder bei zu großer Entfernung einiger Weideparzellen sollte eine solche in Betracht gezogen werden, allerdings dann durch Grünfutter oder anhand von Kraftfutter oder Silageballen. Auf jeden Fall soll im Sommer versucht werden, auf den Futtermischwagen zu verzichten. Wenn man im Sommer Silage zufüttern muß, dann sollte man versuchen, dies nur mit Maissilage zu tun.

Folgende Schritte sollte man einhalten beim Beginn mit der Weidefütterung: Führung eines Weidekalenders. Zum Abschätzen des Aufwuchses und des damit zur Verfügung stehenden Futters kann man mit dem Herbometer Messungen auf den Parzellen durchführen, was man später durch dazugewonnene Erfahrung durch visuelle Abschätzung ersetzen kann. Eine professionellere Methode der Abschätzung des Aufwuchses ist die Messung mit dem Quad, ausgestattet mit einem „Feed Reader“, welcher die Grashöhe mit Hilfe von Ultraschall mißt. In einem 3. Schritt werden die Messungen mit Hilfe eines Weidefensters ausgewertet und so wird dann festgestellt, wieviel Futter je Kuh auf jeder einzelnen Parzelle zur Verfügung steht. Anhand dieser Daten ist es dann möglich, mit dem Weideschieber die nötige Zufuttermenge zu bestimmen, um die Milchleistung der Tiere konstant zu halten.

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