LBJ-Generalversammlung im Vitarium

Am 11. April fand die Generalversammlung der Lëtzebuerger Bauerejugend (LBJ) im Vitarium in Roost statt. Mit einer Begrüßungsansprache eröffnete LBJ-Präsident René Ernst die Generalversammlung. In seiner Rede begrüßte er unter anderem die Herren Marc Fisch, Präsident und Romain Freichel, 1. Vize-Präsident der Bauernzentrale sowie Michael Eickermann, Gastredner vom Centre de Recherche Public Gabriel Lippmann, die sich die Zeit genommen haben, an der Generalversammlung der LBJ teilzunehmen.

Der LBJ-Präsident blickte zum einen auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück und zum anderen bot er eine kleine Vorschau auf die Aktivitäten im laufenden Jahr. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, den vielen Helfern des Dag um Bauerenhaff und der Familie Weiler aus Roodt für ihren großen Einsatz zu danken. Außerdem blickte er auf ein für die Landwirtschaft nicht ganz einfaches Jahr 2012 zurück, in welchem die LBJ an vielen Manifestationen teilnahm.

Im Anschluß an die Begrüßung durch den Präsidenten ging Jules Mergen auf die Aktivitäten der LBJ des Jahres 2012 ein. Als erstes fand bereits am 7. Januar 2012 der traditionelle Schnéibal erstmals in Keispelt statt, wo wie gewohnt das Disco-Team „The Incredibles“ für Stimmung sorgte. Vom 23. bis 25. März vergangenen Jahres führte die LBJ ihre traditionellen Theaterabende in Saeul auf. Am 5. April fand die Generalversammlung an gleicher Stelle statt. Als kleines Dankeschön an die Helfer des Schnéibal und der Theaterabende fand am 13. April ein Essen in Brouch/Mersch statt. Am 14. April war es eine Gruppe von knapp 30 Leuten, welche sich die letztjährige Aufführung der Revue in Großen Teater in Luxemburg angesehen hat. Weiter ging es mit den Vorbereitungen des Dag um Bauerenhaff, wo es letztes Jahr enorm schwierig war, einen Betrieb zu finden. Am 8. Juli fand dann der Dag um Bauerenhaff in Roodt/Septfontaines auf dem Betrieb Weiler Raymond et Fils statt, wo ebenfalls am 20. Juli als Dankeschön zu einem gemütlichen Essen für die freiwilligen Helfer eingeladen wurde. Am 1. September stand der traditionelle gemeinsame Besuch der Schueberfouer mit der obligatorischen Speise „gebaakene Fësch“ auf dem Programm. Am 6. Dezember fand erstmals in Brüssel der European Young Farmers’ Congress statt, an dem ebenfalls eine Delegation der LBJ auf Einladung von Frau Lulling teilnahm.

Nach dem Aktivitätsbericht stellte Schatzmeister Joé Biver den Kassenbericht vor, welcher von Jacques Berns, der auch im Namen von Jessica Gengler sprach, bestätigt wurde. Ebenfalls bat der Kassenrevisor die Generalversammlung, das LBJ-Comité zu entlasten, was auch einstimmig geschah.

Danach war es an Guy Wester, Bericht über die Entwicklung der europäischen Agrarpolitik und die Position der LBJ in Sachen GAP zu erstatten. Er stellte nochmals die Position des SJ in den einzelnen Punkten vor, welche bereits in der Pressekonferenz vor kurzer Zeit ausgesprochen wurden.

Im Anschluß an den politischen Teil war es Michael Eickermann vom Centre de Recherche Public Gabriel Lippmann, welcher über den Pflanzen- und Bienenschutz im Raps referierte.

Das CRP führt Forschungsprojekte zum Pflanzen- und Bienenschutz durch, welche von der ASTA finanziert werden und die den Landwirten einen bestmöglichen Pflanzenschutz bei geringstmöglicher Umweltgefährdung ermöglichen sollen. Dies ist besonders im Hinblick auf die Bienen wichtig, immerhin sind auch sie zu einem großen Teil für die Erträge der landwirtschaftlichen Kulturen mitverantwortlich. In diesem Zusammenhang ist es sehr bedrohlich, wenn man betrachtet, daß die Zahl der Bienenvölker in Luxemburg von etwa 8.000 im Jahr 2000 auf nur noch knapp unter 4.000 im vergangenen Jahr zurückgegangen sind. Ursachen hierfür sind in den Bereichen Ackerbau, Beratung, Verwaltung und Forschung, Imkerpraxis, Krankheiten und Parasiten, Pollenversorgung und Agrarstruktur zu suchen. Jedes einzelne Stück dieses Puzzles hat einen Einfluß auf die Gesundheit der Bienen. Im Bereich Landwirtschaft hat insbesondere die Rapskultur einen großen Einfluß auf die Bienen.

Eigentlich sollte man meinen, der Raps und die Biene sollten doch perfekt zusammenpassen. Der Raps ist zwar ein Windbestäuber, allerdings werden durch den zusätzlichen Transport der Rapspollen durch die Bienen Ertragssteigerungen erzielt. Hier haben die Leute vom CRP in den letzten Jahren einige konkrete Vorteile der Bienen für den Raps ermittelt: Die Schotenbildung geht schneller vonstatten aufgrund der zusätzlichen Bestäubung durch die Bienen, wodurch sich eine höhere Photosyntheseleistung ergibt, was wiederum eine gleichmäßigere Abreife zur Folge hat. Dies steigert den Rapsertrag um etwa 11%.

Im Gegenzug bietet die Rapsblüte den Imkern einen sicheren Honigertrag, der sich gut vermarkten läßt. Allerdings ist der Raps durch seine vielen Schädlinge und die dadurch hohe Pflanzenschutzintensivität auch eine große Gefahr für die Imkerei.

Rapserdfloh, kleine Kohlfliege, Stengelschädlinge und Rapsglanzkäfer sowie die Schotenschädlinge bilden eine riesige Gefahrenquelle im Rapsanbau, welche oft nur durch intensiven und vor allem gezielten Insektizideinsatz im Griff zu halten sind. Abhängig von Schädlingsaufkommen, Wetter- und Anbaubedingungen sind Ertragsreduktionen durch Rapsschädlinge in der Größenordnung von 11% bis 23% möglich! Durch den Warndienst SENTINELLE seitens des CRP wird es den Landwirten ermöglicht, die Rapsschädlinge sehr gezielt nach Überschreiten der Schadschwelle zu bekämpfen. Hierfür gibt es im ganzen Großherzogtum fünf Referenzstandorte in Reuler, Oberkorn, Everlingen, Christnach und Bürmeringen, an denen eine Überwachung von Ende August bis Oktober und von Februar bis Ende Mai durch Michael Eickermann stattfindet. Hierbei werden zweimal pro Woche die aufgestellten Gelbschalen kontrolliert und die in ihnen gefangenen Schadinsekten bestimmt und ausgezählt. Dies zusammen mit Angaben des Zufluges, Entwicklung der Pflanzen und allgemeinen Hinweisen wird im Letzeburger Bauer, auf der Webseite der LWK und des LTA sowie auf AGRIMETEO publiziert und durch Warndienst-SMS vom LTA an Schüler und Landwirte weitergeleitet, damit die Praxis immer aktuell informiert ist.

Um dem Bienenschutz einfachstmöglich gerecht zu werden, sollten die Bauern in der Praxis die Prinzipien des integrierten Pflanzenschutzes, Anwendung der Insektizide gemäß Bienenschutzauflagen, sowie Wetterbedingungen, Spritztechnik und eine sorgfältige Dokumentation berücksichtigen. Resistenzmanagement ist ein wichtiges Schlagwort in der Schädlingsbekämpfung im Raps, da es hier lediglich zwei Wirkstoffgruppen gibt, die Pyrethroide und die Neonikotinoide, die den drei Bienenschutzauflagen B1, B2 und B4 unterliegen, deren Angaben in der Beschreibung jedes einzelnen Insektizids zu finden sind.

Die Insektizide wirken auf die Bienen durch eine akute (einmalige Aufnahme eines Wirkstoffes) respektive chronische Toxizität (langanhaltende, mehrmalige Aufnahme eines Wirkstoffes in geringen Konzentrationen). Ersteres führt zum sofortigen Tod (letaler Effekt), was im Zulassungsverfahren geprüft wird, während letzteres zu reduziertem Lernverhalten und Erinnerung, Orientierungslosigkeit, verminderter Abwehr von Krankheitserregern und zu einer reduzierten Lebenserwartung führt (subletale Effekte). Dies wird im Zulassungsverfahren bislang nicht geprüft.

Die Wirkstoffgruppe der Neonikotinoide, welche seit den 1990er Jahren existieren, sind hochwirksam durch Blockierung und Überstimulierung der Reizweiterleitung im Insekt. Sie tauchen in den Kulturen Mais, Raps, Getreide und Sonnenblumen auf. In den Spritzmitteln Biscaya, Gazelle SG und Mospilan, sowie in den Beizmitteln Poncho/Poncho Pro, Elado, Cruiser, Chinook und Gaucho sind sie enthalten. Die Neonikotinoide, eine sehr kritische Wirkstoffgruppe, wird direkt durch Spritzung oder über Pollen und Nektar, durch Ausstäubung und über Guttationstropfen (bei Saatgutbeizung) aufgenommen. Die neonikotinoidhaltigen Spritzmittel sind für die Bienen in dem Sinn ungefährlicher als die Beizmittel, da die letale Dosis hierbei um das hundertfache geringer ist, allerdings muß die Anwendung bienenschutzgerecht erfolgen!

Die EU-Kommission hat die EFSA (European Food Safety Authority) damit beauftragt, eine Risikoabschätzung über Neonikotinoide in Beizmitteln zu geben. Die Ausstäubung bei der Saat stellt das größte Problem für die Bienen in den Kulturen Mais, Getreide, Raps und Sonnenblumen dar. Des weiteren werden die Neonikotinoide in Raps und Sonnenblume durch Pollen übertragen, während die Übertragung durch Guttationstropfen nur in Mais eine Rolle spielt.

Im Raps ist durch eine konsequente Feldhygiene allerdings auch ein neonikotinoidfreier Anbau möglich. Durch schnelles Entfernen des Ausfallrapses wird die „grüne Brücke“ für die Schädlinge zerstört. Weitere Mittel hierzu sind eine lange Fruchtfolge, optimale Saatbettbereitung und der bestmögliche Saattermin (nicht zu früh säen!!!).

In der freien Aussprache wurde insbesondere über die Zukunft des Tages der offenen Tür diskutiert. Das Schlußwort kam von Christian Wester, welcher in seiner Rede verschiedene aktuelle Themen anschnitt.

Im Anschluß an die Tagesordnung lud Christian Wester im Namen der LBJ zum Ausklang eines gelungenen Abends zu einem Glas in der Luxlounge ein, wo das Personal der Luxlait auch Schnittchen vorbereitet hatte.

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