Blick auf die Welt-Milchproduktion

Das Wachstum der globalen Welt- Milchproduktion dürfte sich im nächsten Jahr voraussichtlich abschwächen, so die jüngste Prognose des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums auf Basis der Entwicklung der Milcherzeugung in den wichtigsten Produzentenländern, auf die mit rund 450 Mio. t etwa 80% des gesamten Weltmilchaufkommens entfallen.

Wie aus nachstehender Tabelle hervorgeht, haben diese Länder ihre Milchproduktion in den letzten fünf Jahren von 427,7 auf 450,1 Mio. t gesteigert, d.h. um rund 5,7%. Für 2012 wird von einer weiteren Steigerung auf 458,1 Mio. t ausgegangen. Die relativ starke Steigerung der Erzeugung in 2011 führen die US-Marktexperten auf den starken Preisanstieg zu Jahresbeginn, als die weltweite Importnachfrage nach Milcherzeugnissen das verfügbare Angebot übertraf, zurück: Die Kuhbestände wurden aufgestockt und die Produktion ausgeweitet. Für 2012 wird eine noch stärkere Aufstockung der Milchkuhbestände auf annähernd 133 Millionen Tiere vorausgesagt, dies auf dem Hintergrund einer relativ stabilen Importnachfrage nach Milchprodukten, des anhaltenden Bevölkerungswachstums und des wachsenden Wohlstands insbesondere im asiatischen Raum.

Neuseeland und Australien

Angesichts äußerst günstiger Witterungsbedingungen dürfte das Milchaufkommen in Neuseeland in 2011 um fast 9% auf das Rekordniveau von 18,68 Mio. t zulegen, dies bei einem Milchkuhbestand von 4,82 Mio. Tieren. Die durchschnittliche Milchkuhleistung wird von den US Experten auf 3.880 kg veranschlagt. Für 2012 wird eine weitere Steigerung der neuseeländischen Milcherzeugung auf über 19 Mio. t vorausgesagt.

Für Australien wird die diesjährige Milchproduktion auf 9,55 Mio. t geschätzt, 2,4% mehr als in 2010, bei einem Milchkuhbestand von 1,61 Mio. Tieren. Probleme stellen immer noch das chronisch knappe Angebot an Färsen, eine Folge der extremen Dürrejahre 2006 und 2007, sowie die hohen Getreidepreise dar. Für 2012 prognostizieren die US-Experten eine Steigerung der Milchproduktion um 2% auf 9,75 Mio. t.

USA und Kanada

In den USA, so die Schätzungen der US-Experten, dürfte die Milchproduktion sich in 2011 auf 88,95 Mio. t belaufen, 1,7% mehr als 2010 bzw. 8,2% mehr als in 2007. Dabei wird von einer Aufstockung des Milchkuhbestandes auf 9,20 Mio. Tiere und einer Zunahme der durchschnittlichen Milchleistung pro Kuh auf 9.670 kg ausgegangen, womit die USA unter den erfaßten Ländern mit Abstand die höchste Milchmenge pro Kuh aufweisen. Für 2012 rechnen die Experten mit einer leichten Abstockung der Tierbestände, allerdings einer höheren Milchleistung, so daß das amerikanische Milchaufkommen die Marke von 90 Mio. t überschreiten dürfte.

Für Kanada wird die Milcherzeugung in 2011 auf 8,4 Mio. t geschätzt, etwas mehr als in 2010. Einen leichte Steigerung des Kuhbestandes sowie der Produktion wird auch für 2012 prognostisiert. Die durchschnittliche Milchleistung in Kanada liegt bei rund 8.500 kg.

Brasilien und Argentinien

In Brasilien ist die Milchproduktion in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden. Von 2007 bis 2010 wuchs das Aufkommen dort um insgesamt 3,2 Mio. t auf 29,95 Mio. t, in 2011 dürfte sie sich schätzungsweise auf 30,6 Mio. t belaufen. Für 2012 erwartet das US-Landwirtschaftsministerium eine weitere Zunahme auf über 31 Mio. t.

In Argentinien zeichnet sich in 2011, nach einer sehr schleppenden Entwicklung in den vergangenen Jahren, teilweise auch infolge der Dürre, eine Steigerung der Milchproduktion um mehr als 13% auf fast 12 Mio. t ab. Allerdings leidet die argentinische Milchwirtschaft unter der hohen Inflation, womit die Rentabilität stark beeinträchtigt wird. Laut Experten dürfte die argentinische Milchproduktion in 2012 weiter wachsen, allerdings in sehr viel geringerem Maß als in 2011. Der Kuhbestand wird auf rund 2,2 Mio. Tiere veranschlagt, die durchschnittliche Milchleistung auf etwa 5.600 kg.

EU und Rußland

Die diesjährige Milcherzeugung in der EU wird, bezogen auf die Anlieferungsmenge, auf 137,8 Mio. t veranschlagt, 1,7% mehr als in 2010. Laut US-Experten dürften die höheren Kosten, ein voraussichtlich nur schleppender Binnenverbrauch und die Unsicherheiten wegen der Euro- Staatsschuldenkrise die Expansion der Milchproduktion in der EU bremsen. Für 2012 wird demnach eine Ausweitung der Milcherzeugung in der Union um 0,8% auf 138,95 Mio. t prognostiziert. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh liegt im laufenden Jahr bei etwa 5.970 kg und dürfte in 2012 die Marke von 6.000 kg übertreffen.

In Rußland hat sich die Rohmilchproduktion nach dem Dürrejahr 2010 auf einem Niveau von etwa 32 Mio. t stabilisiert und es deutet wenig auf eine dynamischere Entwicklung hin. Laut russischem Landwirtschaftsministerium dürfte die Milchproduktion sogar leicht zurückgehen, da die Privathaushalte, auf die derzeit noch 45% bis 48% der gesamten russischen Milchproduktion entfallen, ihren Milchkuhbestand voraussichtlich weiter reduzieren. Unter den analysierten Ländern ist die Ukraine das Land, in dem über die letzten fünf Jahre der stärkste Rückgang des Milchaufkommens und des Kuhbestandes festzustellen ist.

Indien, China, Japan

Den wohl kräftigsten Anstieg der Milchproduktion in den letzten fünf Jahren ist in Indien zu verzeichnen: Dort stiegen die Milchablieferungen zwischen 2007 und 2011 von 42,8 Mio. t auf 52,5 Mio. t, d.h. um mehr als 23%. Ähnlich stark ist auch die Zunahme des Kuhbestandes – von 38 Mio. Tiere auf 46,2 Mio. in 2011, d.h. ein Plus von 21,5%. Das gesamte Milchaufkommen in Indien liegt bei über 120 Mio. t; davon wird aber nur ein Teil an Molkereien und Verarbeitungsunternehmen abgeliefert.

Sowohl in Japan als auch in China sind Milchaufkommen und Kuhbestand über die letzten fünf Jahre rückläufig gewesen, wobei allerdings (gemäß US-Experten) in China in 2010/11 eine Trendwende eingesetzt hat und die Milchablieferungen wiederum ansteigen.

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