Alternativen auf dem Bauernhof

Bei der Generalversammlung der Association pour la promotion des fermes d’accueil et pédagogiques au grand-duché de Luxembourg (APFAPL), die unlängst in der Festscheune „A Guddesch“ in Beringen/Mersch stattfand, standen alternative Projektideen auf Schulbauernhöfen im Mittelpunkt des Interesses. Mit reich bebilderten Vorträgen wurden die Ideen von den jeweiligen vier Betriebsleitern vorgestellt.

Claude Steichen vom Betrieb „Wissbei“ in Filsdorf erläuterte die Umgestaltung des Betriebs, die die Einrichtung verschiedener Verkaufsläden zum Ziel hatte. Es entstand ein Blumenladen und ein Keramik-Geschenkeladen auf dem Hof, wobei die Räumlichkeiten jeweils an die Betreiber vermietet wurden. Des weiteren existiert ein sog. Kreativatelier. Es besteht hier eine Zusammenarbeit mit einer Crêche. Die Tiere des Betriebs dürfen von den Kindern auch gefüttert werden.

Der Betrieb „A Mëchels“ in Flaxweiler ist auf Reittherapie spezialisiert. Sarah van Gelder stellte das Konzept vor. Kinder und Erwachsene mit psychischen Problemen, Verhaltensstörungen und auch behinderte Menschen gehören zu den Zielgruppen dieser Therapie, die kein reiterliches Können voraussetzt. Zudem ist fast jede Woche eine Schulklasse oder Kindertagesstätte zu Besuch auf dem Hof.

Ad de Jong vom „Neien Haff“ in Fentange arbeitet mit dem Haus vun der Natur auf Kockelscheuer zusammen. Beim Empfang von Klassen ist stets ein Mitarbeiter der Naturschutzeinrichtung zugegen. Während der Betriebsleiter den Kindern den Werdegang der Milchproduktion auf dem Betrieb vermittelt, gibt der externe Begleiter Erläuterungen zu den Maschinen.

Schließlich noch der Betrieb „A Guddesch“ von Marc Dentzer. Der Betriebsleiter beschrieb den Wandel von der intensiven Milchproduktion hin zur Fleischproduktion und zunehmender Direktvermarktung. Seit einigen Jahren schon ist das Bistro und die zu mietenden Räumlichkeiten eine wichtige Einnahmequelle. Demnächst soll ein Hotelbetrieb hinzukommen.

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Ansprache der Präsidentin

APFAPL-Präsidentin Apolline Hoffmann richtete eingangs ihren Dank an all jene Landwirtschafts-, Weinbau- und Gartenbaubetriebe, die ihre Tore öffnen, um Kindern und Erwachsenen einen Einblick in die Agrarproduktion zu bieten. Es sei nicht immer einfach, jede Woche oder gar jeden Tag Kinder auf dem Betrieb zu empfangen, um ihnen die Landwirtschaft näherzubringen.

Kinder würden hier erfahren, wo Milch, Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Obst herkämen, sie würden Tiere aufwachsen sehen, beigebracht bekommen, daß man den Tieren kein Leid zufügen dürfe. Gleichzeitig würden die Kinder den respektvollen Umgang mit den Tieren lernen. Auf der anderen Seite würde man den Kindern auch vermitteln, daß der Landwirt Lebensmittel herstellt und Tiere nicht allein zum Anschauen oder Streicheln da sind. Und sie würden erkennen, daß auf einem Hof sehr viel Arbeit anfällt.

Apolline Hoffmann machte deutlich, daß die Kinder vollauf begeistert sind und ihre Eltern in ihrer Begeisterung mitreißen. Aber nicht nur Kinderhorte, Schulkassen, Kindertagesstätten sowie Kinder und ihre Eltern kämen auf die Betriebe, sondern auch ältere Menschen sowie Behinderte. „Wir verbessern das Image der Landwirtschaft“, zeigte sich die Präsidentin überzeugt, die gleichzeitig den Nebeneffekt betonte, daß der Konsument Vertrauen fasse und der Erzeuger in seiner Position gestärkt werde. Sie hob hervor, daß auf Seiten der Betriebsleiter und deren Mitarbeitern Information und Weiterbildung wichtig sind.

Abschließend machte die Präsidentin deutlich, daß es für unsere heute überbehüteten Kinder wichtig wäre, wenn sie selbständig und ohne ständige Kontrolle arbeiten könnten. Sie verwies als Beispiel auf eine Studie, derzufolge zappelige ADHS-Kinder während arbeitsreicher Tage auf der Alm kein Medikament nötig haben.

Zum Abschluß war es Landwirtschaftsminister Romain Schneider, der die Aktivitäten der Schulbauernhöfe lobend hervorstrich und die Wichtigkeit dieser Form der Öffentlichkeitsarbeit betonte.

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