Programm für das Erntejahr 2012

Jedes Jahr findet die offizielle Begehung des Versuchs- und Lehrfeldes von DELPA/Centrale Paysanne und Lycée technique agricole (LTAE) in Everlingen statt. Die Akzente bei der Versuchsanlage werden  im Erntejahr 2012 gezielt auf folgende Schwerpunkte gelegt:

  • Stickstoffdüngung: verschiedene Arten der Depotdüngung
  • Insektizidversuch im Raps
  • Eiweißpflanzenversuch

 Begehung der Versuchsparzellen in verschiedenen Gruppen mit den Schwerpunkten:

  • verschiedene Varianten der N-Düngung (Depotdüngung mit AHL, Gülle, CULTAN, SSA und fraktionierte Düngung)
  • unterschiedliche Insektizidbehandlungen im Raps
  • Vergleich unterschiedlicher Eiweißpflanzen

Stickstoffdüngung

Während der letzten drei Jahre wurden auf den Versuchsfeldern systematisch Versuche mit der Stickstoffflüssigdüngerdepotdüngung (AHL) gemacht. Hierbei wurden die Resultate von einer einzigen Flüssigdüngergabe mittels Schleppschlauchtechnik (Siehe Bild Schleppschlauchtechnik) mit denjenigen einer dreiteiligen Stickstoffzufuhr verglichen. Die Resultate waren insgesamt positiv. Deshalb wurde in 2009 erstmals eine Depotdüngung mit festem Stickstoffdünger (SSA) ausprobiert (Siehe Bild Düngung nach dem Cultanverfahren). Die Ergebnisse waren auch hierbei äußerst positiv.

Das große Interesse an der Depotdüngung sowohl von der landwirtschaftlichen Seite als auch in Hinsicht auf Umwelt- und Wasserschutzfragen hat die verantwortlichen Versuchsfeldleiter, nämlich die Ackerbauschule aus Ettelbruck, die DELPA aus Mersch, und den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Schroeder aus Everlingen dazu bewegt das Thema Stickstoffdüngung zum zentralen Thema der Versuchsfeldanlage der letzten Jahre zu machen. Auch im kommenden Jahr soll diese Versuchsart weitergeführt werden, um so die Sicherheit der Versuchsergebnisse der letzten Jahre zu festigen.

Der Begriff CULTAN steht als Abkürzung für (Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition)
Eine geregelte dauerhafte Pflanzenernährung durch Ammonium(NH4+) soll dabei sichergestellt werden.
Bei Sommerkulturen wird die gesamte N-Menge bei der Saat mitausgebracht
(Sämaschine mit Doppeltank und Düngerscheiben).
Bei Winterkulturen wird die gesamte N-Menge im Frühjahr zum Termin der üblichen ersten Düngung mit der Sämaschine mit Düngerscheiben alle 30 cm nachgeschlitzt.
Geeigneter Dünger ist Ammoniumsulfat (SSA) mit 21 % N und 24 % S.
Die Pflanze wächst zum Depot hin und umschließt es. Sie steuert die Aufnahme aus den Depots selbst, je nach Bedarf (zwischen 8 bis 12 Wochen) und nimmt den Dünger in Ammonium-Form auf. Die bekannte Umwandlung von Ammonium zu Nitrat geschieht hier nicht.
Der Wirkungsgrad bei Ammonium-CULTAN liegt bei angeblich 95 -100 % während für die konventionelle Düngung von etwa 65 – 70 % Wirkungsgrad auszugehen ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Reduzierung der mineralischen N-Düngung zwischen 25 und 30 % bei gleich bleibendem Ertrag ist sowohl für die Wirtschaftlichkeit des Landwirtschaftlichen Unternehmens wie auch für den Wasser- und Umweltschutz und damit für die Allgemeinheit äußerst anstrebenswert. Nebenbei kann man auch noch erwähnen, dass Ammonium nicht ausgewaschen wird.

Nach den guten Ergebnissen der CULTAN-Düngung in den Jahren 2009 und 2010 war das Jahr 2011 durch die extreme Dürre nicht genügend aussagekräftig was die Ertragsunterschiede zwischen den einzelnen Düngevarianten angeht, wenn man überhaupt von Unterschieden sprechen kann.

Insektizidversuch im Raps

Im Raps liegt im kommenden Kulturjahr neben dem N-Intensitätsversuch mit verschiedenen Ausbringungsformen der Schwerpunkt auf den unterschiedlichen Insektizidbehandlungen im Frühjahr 2012. Dieser
Versuch erstreckt sich über 2 Fahrgassen mit jeweils 4 Wiederholungen. Folgende Insektizideinsätze sind geplant:

• A: 0 I Stängelrüssler, 0 I Schotenschädlinge
• B: 0 I Stängelrüssler, 1 I Schotenschädlinge
• C: 1 I Stängelrüssler, 0 I Schotenschädlinge
• D: 1 I Stängelrüssler, 1 I Schotenschädlinge

Da im zurückliegenden Kulturjahr des Öfteren Diskussionen aufkamen ob nun eine Schädlingsbekämpfung erfolgen soll oder nicht, soll dieser Versuch dem Landwirten auf eine praktische Art und Weise zeigen, wie der Grenzgewinn pro Hektar trotz eventuell eines niedrigeren Ertrages durch das einsparen eines oder sogar mehrerer Insektizidbehandlungen gesteigert werden kann.

Eiweißpflanzenversuch

Neben diesen ausführlichen Versuchen Raps wird im Jahr 2012 erstmals ein ausgedehnter Eiweißpflanzenversuch stattfinden. Hierbei sollen über zehn Fahrgassen hinweg Sommererbsen, Bohnen, Lupinen, Soja und je nach Saatgutverfügbarkeit auch Wintererbsen angebaut werden. Neben der Aussaat mit verschiedenen Saatstärken wird hier ein Fungizidversuch durchgeführt werden.

Auch im Jahr 2012 werden im Winterraps und Winterweizen wieder Sortenversuche angebaut. Erstmals wird in Everlingen im kommenden Jahr ein Eiweißpflanzensortenversuch vorhanden sein.

Weitere Versuche mit Fungiziden erlauben auch umweltschonenden Bewirtschaftungsmethoden anzudenken. Es sind ökonomisch sinnvolle Verfahren, weil Sie die Lebensgrundlage für die landwirtschaftlichen Tätigkeiten darstellen!

Der Sinn und Zweck der Versuchsfelder liegt zum einen in der Weiterbildung der praktischen Landwirte zum anderen aber auch bei einer kompetenzorientierten Erstausbildung.

Das Everlinger Feld hat im Laufe der Jahre einen positiven Einfluss sowohl auf die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe als auch auf die Aus- und Weiterbildung unserer Junglandwirte ausgeübt. Die Versuchsfelder sind gerade in einer Zeit wo Nachhaltigkeit und Nahrungsmittelsicherheit gefragt sind unumgänglich.

Die Verantwortlichen im Überblick:

Größe des Feldes: 6.6 ha eingeteilt in etwa 400 unterschiedliche Kleinparzellen

Die Verantwortungsbereiche sind folgendermaßen aufgeteilt:

Erbsen, Bohnen und Raps:
DELPA/Centrale paysanne: Philippe Gauche (Ing. agronome)

Sommergetreide: (Sommergerste, Braugerste, Sommerweizen, Sommertriticale und Hafer)
Lycée Technique Agricole Ettelbruck: Guy Mirgain (Ing. agronome)

Wintergetreide (Winterweizen, Brotweizen, Wintergerste, Wintertriticale und Winterroggen):
Lycée Technique Agricole Ettelbruck: Guy Reiland (Ing. agronome)

Die Warndienste (SENTINELLE: modèle de prévision des maladies cryptogamiques du blé und Schädlingsprognosemodell in Raps) werden unter der Verantwortung des CRP-GL durchgeführt.

Die Oekoparzelle wird vom ökologischen Landwirtschaftberater der Junglandwirte und Jungwinzer und des Oekofonds betreut.

Ein Versuch zur Maisunkrautbekämpfung wird von der Firma VERSIS durchgeführt.

Die Sortenversuche werden von der Ackerbauschule betreut

Die praktischen Arbeiten werden teilweise mit versuchsspezifischen Maschinen und Geräten durch das technische Personal aus der Ackerbauschule (Herr Kails) und teilweise mit normalen landwirtschaftlichen Maschinen durch die Familien Schroeder und Ludovicy durchgeführt.

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