Fungizidmaßnahmen im Wintergetreide 2013

Pflanzenschutzstrategie LWK 2013©

WINTERGERSTE

Allein gegen die Blattfleckenkrankheit wäre es möglich, nur eine Fungizidbehandlung als Standard vorzuschlagen. Gegen Ramularia sieht dies aber anders aus. Ramularia sollte behandelt werden, bevor man sie deutlich sieht. Wirtschaftlichen Schaden verursacht die Krankheit erst später, wenn nach dem Ährenschieben – zuerst auf den unteren Blättern, und dann auch in den oberen Blattetagen – wertvolle Blattfläche verlorengeht. Gegen Ramularia sollten zwei Behandlungen eingeplant werden.

Strebt man hohe Erträge in der Wintergerste an, weil die Lage dies ermöglicht, sind auf jeden Fall zwei Behandlungen notwendig.

Die sinnvollen Möglichkeiten wären im Stadium:


  1. EC 32 – 34: Input 1,25 l/ha
  2. EC 39: Opus team 1,5 l/ha + Bravo 1,5 l/ha

oder eine einmalige Behandlung mit maximal

1,7 l/ha Fandango Pro

nach dem Stadium EC 32 bis spätestens EC 49 gegen Blatt- und Netzflecken.

WINTERWEIZEN & TRITICALE

Tritt früh in der Saison Septoria auf, so muß gehandelt werden. Sollen dann die letzten Blätter und die Ähre vor Pilzkrankheiten geschützt werden, ist eine zweite Fungizidmaßnahme notwendig.

Gegen Septoria besteht nur Handlungsbedarf, wenn Regen die Sporen auf die oberen Blätter verteilt hat und die Schadschwelle (siehe regelmäßige Sentinelle-Berichte) erreicht ist.

Die Sporenproduktion von Mehltau wird nur bei hoher Luftfeuchtigkeit gefördert.

Wenn zur Blühzeit optimale Bedingungen für Fusarien herrschen sollten, kommt man um eine Ährenbehandlung nicht herum.

Fusarium-Arten können Ähren nur über die offene Blüte bei Regen infizieren. Wenn zur Blütezeit des Getreides kein Regen fällt, ist keine Fusarium-Behandlung notwendig.

Mit den aktuell verfügbaren Wirkstoffgruppen (Azole, Kontaktfungizide, Carboxamide, Strobilurine) sollte sehr überlegt umgegangen werden. Es gilt die Resistenz von Septoria zu stoppen, respektiv die Resistenzentwicklung so gut wie nur möglich zu verlangsamen. Bei den Fungiziden der neuesten Generation scheinen Aviator Xpro und Skyway Xpro Adexar gegen Septoria leicht überlegen zu sein.

Folgende Punkte sollten bei den Fungizidmaßnahmen berücksichtigt werden:

  • Unnötige Behandlungen sollten vermieden werden. Die Sentinelle-Berichte geben Auskunft über den Krankheitszustand der Referenzparzelle in ihrer Gegend.
  • Im Laufe des Jahres sollten Produkte von verschiedenen Wirkstoffgruppen angewendet werden.
  • Eine Tankmischung sollte immer aus Fungiziden verschiedener Aktionsgruppen (MoA) bestehen. Auf Anfrage ist die Tabelle mit den MoA-Gruppen bei uns erhältlich.
  • Die maximalen Aufwandmengen der Zulassungen sind einzuhalten. Die Anzahl der Behandlungen pro Jahr ist festgelegt.

Auch wenn Sie eine geringere Dosis zur Vorbeugung vorgelegt hatten (diese Vorgehensweise ist in Zeiten von Resistenzbildungen äußerst fragwürdig), darf man dafür nicht öfter über die Parzelle fahren. Die maximal zugelassenen Behandlungen finden Sie unter https://saturn.etat.lu/tapes.

  • Die Aufwandmengen sollten nicht gesplittet werden.
  • Die Fungizidmaßnahme sollte möglichst infektionsnah eingesetzt werden.

Schema mit 1 Behandlung:

Wenn auf Standorten mit niedrigerem Ertragspotential nur eine Fungizidmaßnahme durchgeführt wird, lauten die Möglichkeiten:

Stadium EC 39 – 49

Fandango Pro 0,8 l/ha + Aviator Xpro 0,8 l/ha + Bravo 1 l/ha
oder
Skyway Xpro 1,25 l/ha + Bravo 1 l/ha
oder
Adexar 2 l/ha + Bravo 1 l/ha

Falls notwendig, kann gegen Mehltau 1 l/ha Corbel zugemischt werden.

Schema mit 2 Behandlungen:

Beim Auftreten von Halmbruch sollten zwei Behandlungen durchgeführt werden. Die erste Behandlung sollte im 1-Knoten-Stadium durchgeführt werden. Ab dem 2-Knoten-Stadium ist der Behandlungserfolg deutlich gemindert. Halmbruch ist vor allem eine Fruchtfolgekrankheit (Stoppelweizen).

Das ertragsrelevanteste Stadium für Septoria ist BBCH 39 (Fahnenblatt voll entwickelt). Je nach Krankheitsdruck sollte eine der Behandlungen immer dieses Stadium treffen. Die Sentinelle-Berichte im De Lëtzeburger Bauer helfen beim Feststellen vom Stadium und der Schadschwelle der Septoriasporen.

Erste Behandlung gegen Halmbruch (falls notwendig gegen frühe Septoria):

Zweite Behandlung gegen Septoria:

(2. Knoten) BBCH 32 – BBCH 58 (80% Ähren sichtbar)

Wenn Braunrost spät bekämpft werden soll, stehen folgende Produkte zur Verfügung:

ab Stadium EC 31

Stadium EC 39

Sportak 1 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

+ 1 l/ha Bravo

max. 1 l/ha Amistar (bis Stadium BBCH 59)

oder

oder

Aviator Xpro 0,8 l/ha + Fandango Pro 0,8 l/ha

max. 1 l/ha Acanto (bis Stadium BBCH 59)

(nicht im Dinkel anwenden)

oder

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

max. 1 l/ha Allegro (bis Stadium BBCH 59)

Capalo 2 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

oder

max. 2 l/ha Fandango Pro (bis Stadium BBCH 65)

Aviator Xpro 0,8 l/ha + Fandango Pro 0,8 l/ha

oder

oder

max. 1,5 l/ha Fandango (bis Stadium BBCH 61)

Skyway Xpro 1,25 l/ha

oder

Input 1.25 l/ha

Adexar 2 l/ha

max. 2,5 l/ha Olympus (bis Stadium BBCH 59)

gegen Mehltau kann

Corbel 1 l/ha

zugemischt werden

bei Fusariumbefall sollte Fandango Pro, Prosaro oder Caramba angewendet werden (Caramba hat keine Zul. im Dinkel)

Beachten Sie bitte unbedingt, daß Produkte oder Produkte die den gleichen Wirktoff enthalten, nicht unbegrenzt oft pro Jahr angewendet werden dürfen.

Capalo hat eine bessere vorbeugende Wirkung auf Mehltau als Input und wirkt auch „anhaltender“, dafür hat Impuls (enthalten im Input) aber eine bessere heilende Wirkung. Im Opus Team ist Fenpropimorph gegen Mehltau enthalten (Corbel).

Bei Stoppelweizen sollte, wenn eine frühe Behandlung durchgeführt wird, ein Produkt mit Wirkung gegen Halmbruch gewählt werden (Sportak, Capalo, Input). Stereo ist ausschließlich in Wintergerste zugelassen!

Braunrost bekämpft sich am besten mit Strobilurin-haltigen Fungiziden (Fandango Pro).

Bei Fusariumbefall kurz vor Vollblüte:

Wer bereits pfluglos arbeitet und viel Mais in der Fruchtfolge hat, sollte sich auf jeden Fall ab dem Stadium 59 (Ende Ährenschieben) über Fusarien informieren und dann ggfs. ab EC 61 – 65 die Pilze bekämpfen. Fusarium-Arten können Ähren nur über die offene Blüte bei Regen infizieren. Wenn zur Blütezeit des Getreides kein Regen fällt, ist eine Behandlung gegen Fusarium notwendig.

Stadium EC 61 – 65

Prosaro 1 l/ha (zugelassen gegen Fusarien in den Kulturen: Weizen, Dinkel, Triticale und Roggen)
oder
Caramba 60 SL 1 l/ha (zugelassen gegen Fusarien in: Winterweizen & Triticale)
(Caramba darf nicht vor dem 15. Mai angewendet werden)

DINKEL

Dinkel sollte wie Winterweizen gegen Krankheiten behandelt werden. Sportak hat allerdings keine Zulassung im Dinkel. Gegen Halmbruch sollte im Dinkel daher Input oder Capalo eingesetzt werden. Es muß ebenfalls beachtet werden, daß Bravo im Dinkel mit 2 l/ha zugelassen ist und Banko 500 mit 1 l/ha. Caramba hat keine Zulassung im Dinkel. Cherokee oder Olympus enthalten beide Chlorothalonil und sind beide im Dinkel zugelassen. Wenn eines dieser Produkte eingesetzt wird (z.B. Cherokee gegen Septoria ab dem 1-Knoten-Stadium und/oder Olympus gegen Septoria und Braunrost mit 2,5 l/ha ab dem 2-Knoten-Stadium, muß beachtet werden, daß mindestens 21 Tage zwischen den beiden Anwendungen liegen.

Schema mit 2 Behandlungen in ROGGEN

Erste Behandlung:

Zweite Behandlung:

Stadium EC 31 – 39

Stadium EC 49 – 51

Opus Team 1 l/ha + Sportak 1 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

Capalo 2 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Aviator Xpro 0,6 l/ha + Fandango Pro 0,6 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

Input 1,25 l/ha

Adexar 2 l/ha

 

Opus Team 1,5 l/ha

Cherokee 2 l/ha

oder

 

Input 1,25 l/ha

oder

Prosaro 1 l/ha

Corbel 1 l/ha

 Allgemein gilt:

  • Bei einer Fungizidbehandlung immer eine gute Benetzung der Blätter anstreben.
  • Nicht während großer Hitze fahren.
  • Fungizide und Herbizide möglichst nicht mischen (Ausnahme wäre evtl. eine Klettenbekämpfung mit Starane oder Primus).
  • Auf Septoria möglichst Mischprodukte wie Aviator Xpro, Skyway Xpro oder Adexar in einer Tankmischung mit Bravo/Banko 500 anwenden. Prothioconazol (Skyway Xpro, Aviator Xpro, Input, Fandango, Prosaro) sowie Epoxiconazol (Adexar, Opus, Opera, Venture, Capalo) jeweils nur 1x jährlich auf der gleichen Kultur anwenden. Wie dringend eine Behandlung gegen Septoria durchgeführt werden soll, entnehmen Sie am besten den Sentinelle-Berichten.
  • Gegen Ramularia in Wintergerste möglichst keine Strobilurine anwenden.
  • Gegen Braunrost möglichst eine Mischung von Strobilurinen und Triazolen anwenden.
  • Wenn Terpal mit Fungiziden gemischt wird, wird Terpal immer als Letztes in die Spritze eingefüllt.

Die Pflanzenbauberatung der Landwirtschaftskammer

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