„Grünlandwetter“ zum 6. Internationalen Grünlandtag

Rheinland-Pfalz war zum zweiten Male Gastgeber bei dieser Fachveranstaltung der Großregion

Am 3. Juni fand der Internationale Grünlandtag der Großregion in Steinborn/Kyllburgweiler statt, dem Grünland-Versuchsstandort des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Eifel (DLR Eifel). Koordiniert wurde die Veranstaltung vom DLR Eifel und dem grenzüberschreitenden Netzwerk GLEA. Leider hatten die rheinland-pfälzischen Gastgeber, die im nahen Steinborn noch zusätzlich zu einem Tag des offenen Hofes auf drei Bauernhöfen einluden, diesmal kein Glück mit dem Wetter. Dieses zeigte sich von seiner kühl-nassen Seite, was zwar dem Grünland, nicht aber den Veranstaltungen zugute kam. Wie immer hatten sich zahlreiche Veranstalter rund um das Grünland aus Luxemburg, der Wallonie und Rheinland-Pfalz eingefunden, die verschiedenste Facetten zur Grünlandthematik im Freiland und in speziellen Themenzelten beleuchteten: Arten, Sorten und Mischungen, Pflege und Düngung, Mäuse- und Unkrautbekämpfung, Weidehaltung und Biodiversität sowie menschliche Ernährung. Zudem wurden Maschinen und Weidezaunsysteme auf dem Freigelände ausgestellt. Die eminente Bedeutung des Grünlands als Ausgangspunkt von Grundnahrungsmitteln für eine gesunde menschliche Ernährung wurde bereits im Leitmotto „Vom Gras ins Glas“ aufgegriffen. Auch die umfangreichen Versuche auf dem Standort konnten besichtigt werden.

Von Seiten Luxemburgs waren die ASTA, das LTA, die Landwirtschaftskammer und CONVIS als Veranstalter vertreten. Sie stellten zum einen im Themenzelt „Milchproduktion aus dem Grünland“ den umfangreichen Schweizer Versuch Hohenrain vor, wo über Jahre Weide- und Stallhaltung von Milchvieh vergleichend untersucht wurden. Zum anderen betreuten sie das Themenzelt Grünlandpflege, wo neben der gängigen Pflege im Frühjahr auch die Aspekte Ampfer-, Giftpflanzen- und Mäusebekämpfung thematisiert wurden. Letzteres ist so manchem Bewirtschafter noch vom Herbst und Winter in leidvoller Erinnerung. Ein von wallonischer Seite betreutes Themenzelt widmete sich der Gülletechnik. Hier konzentrierte man sich auf Aspekte wie Düngewert der Rindergülle, Ausbringtechniken und Ammoniakverluste.

Im Themenzelt Biodiversität wurden zum einen landschaftsprägende Elemente in von Grünland dominierten Mittelgebirgsregionen, zum anderen konkrete Beispiele von schützenswerten Grünlandtypen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes vorgestellt. Außerdem wurde die große Bedeutung von Agrarumweltprogrammen in den Grünlandregionen präsentiert. In Luxemburg unterliegen 8,4% des Grünlands solchen Programmen, in der Wallonie sind es 14,8% und in Rheinland-Pfalz gar 19,8%. Vertragsnaturschutz im Grünland wird laut der gezeigten Statistik in der Region insgesamt auf 25.834 ha betrieben.

Offizielle Eröffnung

Bei der offiziellen Eröffnung der Internationalen Grünlandtage lobten die offiziellen Vertreter der drei beteiligten Länder die internationale Zusammenarbeit im Grünlandbereich. Die Leiterin des DLR Eifel, Dr. Anja Stumpe, machte auf die große Bedeutung des Grünlands in den rheinland-pfälzischen Mittelgebirgslagen aufmerksam, das dort rund 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnimmt. Sie wies einerseits auf die Versuche zu den für diese Standorte geeigneten Arten und Sorten, zum anderen auf die Erhaltung von deren Leistungspotential durch angepaßte Pflegemaßnahmen hin. Weitere Aspekte, die sie ansprach, waren die optimierte Düngeausnutzung von Gülle durch entsprechende Ausbringtechnik und den Naturschutz unter dem Motto „Erhaltung durch Nutzung“.

Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken kam in ihrer Ansprache u.a. auf die aktuelle Marktsituation im Milchsektor zu sprechen, die durch eine Ausdehnung der Produktion in wichtigen Produktionsländern außerhalb der EU geprägt ist. Sie sprach sich für die Erhaltung des Grünlands und der Milchwirtschaft in den benachteiligten Mittelgebirgsregionen aus sowie in diesem Kontext für eine starke Agrarpolitik, die die Landwirtschaft nicht den Märkten opfert. Diesbezüglich zitierte sie Klaus Töpfer, den ehemaligen Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen: „Wer die Märkte alles regeln lassen will, der gibt die Demokratie preis.“

Karl-Heinz Cornely, der den wallonischen Agrarminister Di Antonio vertrat, wies auf die verschiedenen Aspekte des Grünlands hin: neben der reinen Produktionsfunktion nannte er den Schutz vor Erosion, die Verwertung von Hofdüngern, Grünland als Garant für eine offene Kulturlandschaft sowie die Erhaltung der Biodiversität. Der Redner warb abschließend für die Teilnahme an der siebten Ausgabe des Internationalen Grünlandtags Anfang September 2013 in Battice/Herve.

ASTA-Direktor Léon Wietor, der Landwirtschaftsminister Romain Schneider vertrat, machte vor allem auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Kosten in der Milchproduktion zu senken. Mittel- bis langfristig habe die Produktion in Grünlandregionen Standortvorteile, die es zu nutzen gelte, gab sich der ASTA-Direktor überzeugt. Er machte abschließend deutlich, daß ein besserer und schnellerer Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis nötig ist.

Der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau und der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Michael Horper, wies auf die Bedeutung eines ausreichenden Erzeugerpreises für Milch und Rindfleisch für den Erhalt der Landwirtschaft in den Mittelgebirgsregionen hin. Das Grünland bezeichnete er als Rückgrat der landwirtschaftlichen Nutzung in diesen Regionen.

Der Versuchsstandort Steinborn/Kyllburgweiler

Der Versuchsstandort liegt auf 520 müNN. Der Buntsandstein-Verwitterungsboden ist leicht und deshalb kommt es phasenweise vor, daß der Niederschlag nicht ausreicht – dies trotz eines Jahresniederschlags von 900 mm. Die umfangreichen Grünlandversuche in Steinborn/Kyllburgweiler mit Wertprüfungen und Landessortenversuchen sind Teil des Prüfungswesens des deutschen Bundessortenamtes. Dazu gehört das Prüfwesen für alle wichtigen Gräser, die in den verschiedenen Aussaatmischungen vorhanden sind. Allein vom Englischen Raygras stehen derzeit 150 Sorten im Versuch. Hinzu kommen verschiedene produktionstechnische Versuche, wie z.B. ein Versuch zur Langzeitwirkung von Rindergülle, ein Versuch mit allen gängigen Feldfuttermischungen sowie ein Etablierungsversuch mit Englischem Raygras und Wiesenrispe. Des weiteren gibt es einen Versuch zur Ampferbekämpfung.

Ansprechpartner für die Versuche ist Stefan Thiex, Tel. 0049-65 61 94 80-422. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.gruenland.rlp.de.


 

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