60. Vinsmoselle-Proufdag in Remerschen

Neuer Jahrgang stand im Fokus

Am Maifeiertag fand der traditionelle Proufdag in der Vinsmoselle-Kellerei in Remerschen, der Caves du Sud statt, dieses Jahr bereits zum 60. Male. Aber es war wie schon in den beiden Vorjahren keine kellereibezogene Weindegustationsveranstaltung mehr, sondern ein Schaufenster für Domaines Vinsmoselle schlechthin. Wie immer stand der neue Weinjahrgang im Fokus. Rund 1.400 Besucher machten den diesjährigen Jubiläums-Proufdag zu einem großen Erfolg. Am Nachmittag wurde die Veranstaltung vom „Couch Quartett“ musikalisch umrahmt.

Eine große Zahl von Ehrengästen hatte sich am vergangenen Dienstag in der Caves du Sud eingefunden, um sich ein Bild zu machen vom neuen Jahrgang 2011 und von den neuen Produkten von Domaines Vinsmoselle. Darunter war auch die Ministerin für Mittelstand und Tourismus, Françoise Hetto-Gaasch.

Rund 100 Weine aus den besten Lagen der Luxemburger Mosel standen für eine Verkostung zur Auswahl. Darunter waren die Weine der neuen, 24. Art&Vin-Serie, die in einer „Avant-Première“ probiert werden konnten (die eigentliche Vorstellung der neuen Serie ist für den 26. Juni geplant). Auch die besonderen Weine der Charta „Schengen Prestige“ waren zu probieren, wobei hier ein Vergleich der verschiedenen Jahrgänge möglich war. Des weiteren lockten die Weißweine der erweiterten Gamme „Chateau Edmond de Fontaine“ und weitere Raritäten, wie die „Vendange tardive des Jeunes Vignerons“, „Vin de Paille“ und „Vin de Glace“. Nicht zu vergessen die hervorragenden Crémants der Marke Poll-Fabaire, dem heimischen Marktführer. Wer sich für den Direktverkauf entschied, profitierte von Preisrabatten.

Als Novum war diesmal Sterneköchin Léa Linster vor Ort mit einem eigenen Stand vertreten. Sie stellte u.a. ihre beiden Crémants, einen weißen und einen Rosé-Crémant, vor, die sie in Zusammenarbeit mit Domaines Vinsmoselle entwickelt hat. Diese werden als „Cuvée spéciale LMEAAX“ vermarktet.

Daß Terroir nicht ein hypothetischer Begriff ist, zeigte man anhand von Bodensäulen aus hervorragenden Lagen, zum einen Bodenprofile von Muschelkalkstandorten (Grevenmacher Fels, Machtum Ongkâf, Wormeldange Koeppchen), zum anderen von Keuperstandorten (Wellenstein Kurschels, Schwebsange Kolteschberg, Schengen Markusberg).

Ansprache des Präsidenten

Der Präsident von Domaines Vinsmoselle, Henri Streng, lenkte die Aufmerksamkeit zunächst auf die Aussagen von Mittelstandsministerin Françoise Hetto-Gaasch. Die jüngst von der Confrérie St Cunibert als „Commandant d’Honneur“ geehrte Ministerin hatte nämlich darauf hingewiesen, daß Frauen ihre eigenen Weinvorlieben haben und in den meisten Fällen die Weineinkäufe tätigen.

Der Präsident sprach dann den Super-Jahrgang 2011 an, der den Winzern ewig in Erinnerung bleiben werde. Zunächst der Sommer im Frühjahr, dann der Sommer, der keiner war. Doch dann folgte ein Bilderbuchwetter, das den Trauben immens gut tat: Das Resultat waren gesunde, aromatische, harmonische, fruchtige Trauben mit vielen sortentypischen Aromen und von Natur aus angepaßte Säuren bei allen Sorten. Die Weine waren nach der Gärung rund, würzig, fruchtig und klassisch.

Im folgenden kam Henri Streng auf die Geschäftsentwicklung zu sprechen. 2011 wurde der Inlandsumsatz um 3% gesteigert. Besonders stark war das Wachstum bei Coteaux de Schengen, wo der Umsatz um 10% stieg. Gut angenommen wird auch die „Cuvée Jongwënzer“.

Im Ausland ist der Umsatz z.T. steigend, wie im Saarland, während in Belgien und Frankreich das Verkaufsniveau gehalten wurde.

Der Präsident sprach auch über die Auszeichnungen für Weine und Crémants und die Erfolge bei einzelnen Produkten. So wirkten sich mehrere Goldmedaillen und Sterne-Auszeichnungen bei 2010er Pinot Gris- und Rieslingweinen positiv auf den Verkauf aus.

Besonders gut läuft der Verkauf auch bei Roséweinen, wo nur noch 2011er Weine vorhanden sind.

Des weiteren kam Henri Streng auf den Erfolg beim Zugpferd Crémant POLL-FABAIRE zu sprechen. Im Jubiläumsjahr konnte der Verkauf nochmals um 2,5% gesteigert werden, was 30.000 Flaschen entspricht. Er wies auf die edle Cuvée millisimé 2009 hin, die als einzige bei den Vinalies in Paris eine Goldmedaille erhalten habe. Der Verkauf von Crémant mache fast ein Drittel des Gesamt-Umsatzes aus, lobte der Vinsmoselle-Präsident.

Im folgenden machte er darauf aufmerksam, daß die Gastronomen begeistert sind von der Kampagne „Ambassadeur des Vins“ und rief die Besucher dazu auf, in ihrem Restaurant hiernach zu fragen.

Als interne Neuerung nannte er die „Saison’s Menu“ (begleitet von passenden Weinen) in den vier Escales. Nach dem großen Anfangserfolg soll dieses Angebot weiter ausgebaut werden.

Schließlich rief Henri Streng dazu auf, in Luxemburger Wein und Crémant „zu investieren“. „Wo gibt es momentan positiveres und besseres zu vermelden als bei unserem Wein: Weder in der Politik noch in unserer Finanzwelt“, schloß der Vinsmoselle-Präsident.

FILL-Generalversammlung 2012: Landwirtschaft und Nachhaltigkeit

Am vergangenen 17. April fand in der Ackerbauschule in Ettelbrück in Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Romain Schneider die Generalversammlung 2012 des Fördervereins Integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg (FILL) statt. Im Mittelpunkt der diesjährigen Generalversammlung stand ein Vortrag zum Thema „Landwirtschaft und Bodenschutz“ durch Simone Marx von den Laboratoires de Contrôle et d’Essais der ASTA. Konkret ging es um zukünftige Herausforderungen im nachhaltigem Bodenschutz anhand von Bodenkarten und ausgewählter Themenkarten in bezug auf Indikatoren wie pH, Phosphor, Erosion usw.

In einführenden Worten ging FILL-Präsident Nico Kass auf die Aktualität des Konzepts der integrierten Landbewirtschaftung ein. „Die derzeitigen politischen Debatten über die Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der GAP-Reform nach 2013 zeigen, wie akut die Anliegen, welche die FILL seit fast zwanzig Jahren verfolgt, sind“, unterstrich der FILL-Präsident. In diesen Jahren sei viel Pionierarbeit geleistet worden, so Nico Kass, der den Landwirtschaftsminister aufforderte, auch in Zukunft die Arbeit der FILL weiterhin zu unterstützen. Ein Anliegen der FILL sei es, in Zukunft, d.h. im Rahmen des Agrargesetzes 2014-2020, auch wieder eigene Projekte initiieren zu können. Derzeit können Projekte nur dann genehmigt und unterstützt werden, wenn sie im Rahmen des Reglements über die landwirtschaftliche Vulgarisierung an externe Projektträger ausgelagert werden.

Der FILL-Präsident betonte, wie wichtig es sei, auch in Zukunft auf eine integrierte, produktive Landwirtschaft zu bauen. „Dieses Signal brauchen wir auch von Seiten der Landesplanung“, unterstrich Nico Kass und forderte einen angemessenen Spielraum für eine wirtschaftlich rentable sowie tier- und umweltgerechte Lebensmittelproduktion im Rahmen des Plan Sectoriel Paysage. „Wir Menschen können auf viele Dinge verzichten, nicht aber auf gesunde Nahrungsmittel – deshalb ist unsere integrierte Landwirtschaft von solch unermeßlicher Bedeutung“, betonte der Präsident abschließend.

Im Anschluß an die Begrüßung von Nico Kass ging FILL-Sekretär Marc Fiedler auf die Tätigkeiten des Fördervereins im Laufe des Jahres 2011 ein. Marc Fiedler unterstrich die Bedeutung der FILL als spartenübergreifende, politisch neutrale Organisation im Dienste der integrierten Landwirtschaft. 2011 zählte die FILL 24 Organisationen, Dienststellen und Einzelunternehmen aus Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau als Mitglieder.

Im Berichtsjahr kamen die Mitglieder des Verwaltungsrates fünfmal zusammen. Zusätzlich kam der Verwaltungsrat mit Nachhaltigkeitsminister Marco Schank zusammen, um über Themen im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Nachhaltigkeit, also u.a. über Biodiversität und Wasserschutz, die Stellung erneuerbarer Energien und die Problematik von Monokulturen zu debattieren. Weiterhin fanden im Vorfeld der Grünlandtags im Rahmen der Foire agricole in Ettelbrück mehrere Vorbereitungstreffen statt. Der FILL-Sekretär ging zuerst auf das FILL-Weideprojekt ein, welches nach einer dreijährigen Projektperiode im Jahr 2009 abgeschlossen wurde und ab 2010 in das Folgeprojekt „Opti-Gras“ einfließen konnte. Das Projekt, das im Rahmen einer breit gefächerten Arbeitsgruppe mit Vertretern von Weideteam und CONVIS ausgearbeitet wurde, wurde als Beratungsprogramm im Bereich „Effiziente Grünlandnutzung“ im Rahmen der großherzoglichen Verordnung über die landwirtschaftliche Vulgarisierung beim „Comité à coordination à la vulgarisation agricole“ eingereicht und im Juni 2010 genehmigt. Projektträger ist CONVIS. Mit diesem Projekt möchte die FILL in Zukunft bestehendes Wissen zwecks Information und Beratung gezielter einsetzen um so möglichst viele Landwirte und Verbraucher zu erreichen und für eine effiziente Grünlandnutzung zu sensibilisieren. Derzeit nehmen 23 Landwirte am Opti-Gras-Projekt teil, davon werden sechs Betriebe im Bereich Weidemanagement intensiv betreut.

Der FILL-Sekretär ging daraufhin auf das Projekt zur reduzierten Bodenbearbeitung ein. Auch dieses Projekt wurde im Jahr 2009 abgeschlossen. Zur Zeit laufen zwischen Landwirtschaftskammer und -ministerium Diskussionen über die Finanzierung des Folgeprojekts „Strategie für einen nachhaltigen Bodenschutz“. In erster Linie geht es darum, die Landwirte auf breiter Ebene für eine schonende Bodenbearbeitung, eine nachhaltige Humuswirtschaft und das Anlegen spezifischer Fruchtfolgen zu sensibilisieren, eine gesamtbetriebliche Erosionsschutzberatung zu etablieren und, bei komplexen Erosionsfällen in Hangeinzugsgebieten, mit einer gezielten Beratung einzuwirken.

Nach der Vorstellung des Kassenberichts durch den Kassierer der FILL, Léon Wietor, dem Bericht der Kassenrevisoren Guy Mirgain und Frank Aben sowie der Entlastung des Vorstandes, stellte Marc Fiedler das FILL-Arbeitsdokument „Integrierte Landbewirtschaftung und Wege zu einer nachhaltigen Landwirtschaft“ vor. Wir werden in einer der kommenden Ausgaben im Detail auf dieses Dokument zurückkommen.

Landwirtschaftsminister Romain Schneider bezeichnete in seiner Ansprache das Arbeitspapier der FILL als wertvollen Beitrag der Organisation zur Ausarbeitung des neuen PDR sowie der Umsetzung der Agrarreform. Auch der Landwirtschaftsminister betonte die Bedeutung der integrierten Landbewirtschaftung für die Landwirtschaft. Oft werde vergessen, daß die Landwirtschaft an allererster Stelle auch ein Wirtschaftssektor sei, der es Landwirten, Winzern und Gärtnern erlauben müsse, ihr Einkommen aus der Bewirtschaftung ihrer Betriebe zu beziehen. Die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und den sozialen Aspekten müsse stimmen. Diese Anliegen mache die FILL zu einem wichtigen Partner.

Nach der Ansprache des Landwirtschaftsministers stand das Referat von Simone Marx auf der Tagesordnung (siehe Sonderbeitrag in einer der kommenden Ausgaben).

Danach bedankte sich Verwaltungsratsmitglied Guy Reiland in seinem Schlußwort bei allen Landwirten, Organisationen und Verwaltungen, die zum Erfolg der FILL-Tätigkeiten im Laufe des Jahres 2011 beigetragen haben und lud im Namen von LTA-Direktorin Martine Hansen zum Ehrenwein ein.

Marc Fiedler

Forstzertifizierung aktueller denn je

Generalversammlung von Lëtzebuerger Privatbësch in Ettelbrück

Die Vereinigung der Privatwaldbesitzer, „Lëtzebuerger Privatbësch“, kam am 25. April zu ihrer Generalversammlung im Festsaal der Ackerbauschule zusammen. Sie warb ein ums andere Mal für die PEFC-Forstzertifizierung, die zwar von den Gemeinden in den vergangenen Jahren ganz gut angenommen wurde, jedoch noch sehr wenig im kleinstrukturierten Privatwald. Diese wird immer wichtiger, da nicht zertifiziertes Holz in Zukunft schwer zu vermarkten sein wird.

Der Präsident von Lëtzebuerger Privatbësch, Hubert de Schorlemer, konnte zu Beginn der Generalversammlung neben den Mitgliedern auch eine Reihe von Ehrengästen begrüßen, u.a. den delegierten Minister für nachhaltige Entwicklung, Marco Schank. Der Programmpunkt Wahlen zum Verwaltungsrat entfiel, da keine neuen Kandidaturen gestellt worden waren.

Große Bandbreite an Aktivitäten

Sekretär Henri Wurth kam im folgenden auf die große Vielfalt der letztjährigen Aktivitäten zu sprechen. Hervorzuheben sind die beiden Benefizveranstaltungen im Rahmen des Internationalen Jahres der Wälder: Zum einen ein Benefizkonzert in der Philharmonie mit der Künstlerin Quincy Jones und zum anderen eine Versteigerung im Rahmen von „Konscht am Bësch“ im Kikuoka Golf Club in Canach.

Mit dem Bitburger Waldbauverein kam man mehrmals zusammen. Der Sekretär machte darauf aufmerksam, daß für Luxemburger Waldbesitzer potentiell die Möglichkeit besteht, Holz via Bitburg zu vermarkten. Vom Wiltzer Waldbauverein wird dies jetzt schon praktiziert. Der Bitburger Waldbauverein kam 2010 auf ein ansehnliches Vermarktungsvolumen von 120.000 cbm.

Ein weiterer Punkt war das von Luxenergie auf dem Roost geplante Heizkraftwerk auf Basis von recycliertem Holz und Restholz. Der Frischholzbedarf liegt bei etwa 50.000 t. Diesbezüglich machte der Sekretär deutlich, daß es hierzulande ein großes Potential an nicht genutztem Holz gibt und dieses Potential durch eine wissenschaftliche Studie in Verbindung mit einer luftgestützten Waldinventur erhoben werden soll. Von Lëtzebuerger Privatbësch wurde beim Landwirtschaftsministerium eine Anfrage zwecks Finanzierung einer solchen Studie getätigt.

Als Highlight sei auch der letztjährige Preis „Mention speciale“ der Stiftung Hëllef fir d’Natur für das Engagement der Vereinigung für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung genannt.

Henri Wurth machte darauf aufmerksam, daß die Beratungsdichte in der nahen Eifel höher ist als hierzulande. Dort gilt ein Standard von einem Berater pro 2.000 ha Privatwald. Wegen des Auslaufens des Interreg-Projekts Regiowood im vergangenen Jahr mußte Lëtzebuerger Privatbësch zwei Ingenieure entlassen. Ein weiterer Techniker wurde eingestellt, so daß nun zwei Forstingenieure und zwei Forsttechniker in den Diensten von Lëtzebuerger Privatbësch stehen.

Technische Beratung und Weiterbildung

Details zu den letztjährigen Aktivitäten auf dem Terrain und bei der Forstzertifizierung erfuhren die Mitglieder von den Verantwortlichen der jeweiligen Beratungsdienste. Der forstliche Berater Winfried von Loë kam auf die wachsenden Beratungsaktivitäten des Service technique zu sprechen. Diesbezüglich wurden 2011 246 Ortstermine getätigt, ein Fünftel mehr als 2010. Schwerpunkte waren Durchforstungen, Wertberechnungen und PEFC-Zertifizierung. Bei letzterem Punkt gab es eine besonders starke Zunahme von 3 auf 32 Beratungstermine.

20% der Beratungstermine wurden von Nichtmitgliedern angefragt, die in vielen Fällen Mitglieder geworden sind. Als Gründe für den Anstieg der Vor-Ort-Beratung nannte Winfried von Loë die steigenden Holzpreise und das Greifen der Sensibilisierungsmaßnahmen von Lëtzebuerger Privatbësch. Immer mehr Waldbesitzer seien „auf der Suche nach ihren Waldparzellen“.

Fünf Gemeinschaftsdurchforstungen konnten 2011 abgeschlossen werden, und zwar in Bavigne-Mecher (1.070 cbm), Boulaide (2.087 cbm), Kuborn (1.828 cbm), Roodt-Beckerich (862 cbm) und Heltzingen (1.977 cbm). Für das laufende Jahr sind Durchforstungen in Kehmen, Savelborn, Boulaide, Brouch und Ell in Vorbereitung.

2011 wurden insgesamt 16.570 cbm Holz vermarktet. 80% der vermarkteten Holzmenge stammte aus Durchforstungen. 14 verschiedene Unternehmer kauften das Holz auf dem Fuß.

Zu den Weiterbildungsschwerpunkten zählte die Umsetzung des Leader-Projektes „Waldführerschein“ (diesmal im Mullerthal), das Symposium der Privatwaldbesitzer in Wiltz, die Motorsägenlehrgänge sowie diverse Informationsveranstaltungen und Info-Stände. Der forstliche Berater hob hervor, daß die Bedeutung der Weiterbildung insgesamt sehr stark zunimmt. Als Renner erwies sich abermals der acht Seminare beinhaltende Waldführerschein für Forstneulinge. Hierzu ist nun ein Aufbauseminar geplant. Auch die Motorsägenlehrgänge erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. 2012 werden neun Lehrgänge angeboten. Neben den Grundlehrgängen steht auch ein Aufbaulehrgang auf dem Programm.

Die Zeitung De Lëtzebuerger Privatbësch erschien fünfmal. Neu hinzugekommen sind jeweils zwei Seiten in Sachen Service technique. Aktuelles kann nun auch via www.privatbesch.lu im Internet abgerufen werden.

Des weiteren bleibt zu erwähnen, daß das forstliche Beraterteam die Vereinigung bei Leader Redange-Wiltz und Leader West, beim Life-Projekt Otter des Naturparks Obersauer, beim Forstremembrement Winseler sowie bei benachbarten Waldbauvereinen vertrat.

Abschließend sprach Winfried von Loë u.a. von der Notwendigkeit, durch den Sturm Cynthia betroffene Flächen sowie weitere Brachflächen wieder aufzuforsten.

Weiterhin großer Nachholbedarf bei der Forstzertifizierung

Es folgte der Bericht der neuen Verantwortlichen für die PEFC-Zertifizierung, Elisabeth Freymann. Neben dem üblichen Tagesgeschäft war der Service PEFC erneut im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig, u.a. auf Messen. Interessierte Waldbesitzer und Unternehmer wurden hinsichtlich PEFC-Zertifizierung beraten. Zu letzteren ist zu sagen, daß 19 bereits nach PEFC zertifiziert sind und 13 davon auch das PEFC-Logo nutzen. Mehr als die Hälfte der 19 Unternehmer sind Holzhändler.

Die PEFC-Beraterin zeigte anhand einer Tabelle auf, daß es hinsichtlich Zertifizierung im Privatwald noch einen erheblichen Nachholbedarf gibt. 32,2% der nationalen Forstfläche sind inzwischen nach dem luxemburgischen Qualitätsstandard zertifiziert. Von diesen 29.039 ha zertifiziertem Wald entfallen nur 2.216,27 ha (7,6%) auf den Privatwald. Elisabeth Freymann rief deshalb die Mitglieder nochmals dazu auf, ihren Wald nach PEFC zertifizieren zu lassen.

Die Beraterin kam des weiteren auf das dreijährige Interregprojekt Regiowood zu sprechen, das Ende Oktober 2011 auslief. 19 Organisationen aus den Regionen Wallonien, Lothringen, Rheinland-Pfalz und Luxemburg arbeiteten hierbei zusammen. Schwerpunkte von Lëtzebuerger Privatbësch war diesbezüglich die Holzmobilisierung im Kleinstprivatwald sowie die Verbesserung der forstlichen Infrastruktur. In Sachen Mobilisierung – eigentlich müßte man von Holzbesitzermobilisierung sprechen – wurden drei Pilotzonen in Luxemburg geschaffen. Insgesamt waren es zehn Pilotzonen im Projektgebiet. Elisabeth Freymann zog folgendes Fazit:

  • Das Procedere der „Holzbesitzermobilisierung“ ist sehr zeitaufwendig und der menschliche Kontakt in diesem Kontext immens wichtig.
  • Pro in die Holzmobilisierung hineingesteckten Euro kann man einen Mehrwert von 3-16 Euro erzielen.

Den Kassenbericht der Vereinigung trug Yves Weyland vor. Das Jahr 2011 wurde mit einem Plus von mehr als 3.500 Euro abgeschlossen. Die Kassenrevisoren bestätigten die Korrektheit der Angaben im Kassenbericht und empfahlen die Entlastung des Kassierers, was einstimmig geschah. Die Herren Erpelding und Steichen erklärten sich bereit, ihre Ämter als Kassenrevisoren fortzuführen. In der anschließenden Vorausschau auf das aktuelle Geschäftsjahr kam Yves Weyland zum Schluß, daß das Jahr voraussichtlich mit einem leichten Minus von 2.100 Euro abgeschlossen wird, sprach aber diesbezüglich von einem „Budget der Vorsicht“.

Ansprache des Präsidenten

Nach den umfangreichen Tätigkeitsberichten befand die Versammlung über die Entlastung des Vorstands. Diese wurde einstimmig vollzogen.

Präsident Hubert de Schorlemer kam in seiner Ansprache an die Versammlung auf die Erfolge bei den letztjährigen Benefizveranstaltungen zu sprechen. Allein beim Konzert in der Philharmonie kamen 15.000 Euro an Spenden zusammen, mit denen ein Aufforstungsprojekt in Indien unterstützt wird.

Der Präsident zeigte sich zudem sehr erfreut über die große Resonanz des Weiterbildungsangebots von Lëtzebuerger Privatbësch. Für den Waldführerschein haben sich aktuell ca. 60 Teilnehmer angemeldet und es gibt auch schon Anfragen für das kommende Jahr.

Weitere Punkte in der Ansprache waren der Naturschutz sowie die Forstpolitik der EU. Hubert de Schorlemer betonte, daß nur der Umweltminister Naturschutzzonen ausrufen könne und es wichtig ist, daß dies so bleibt.

Bezüglich der EU-Politik stellte er die geplanten Brüsseler Vorgaben heraus, wonach künftig der Waldbesitzer einen Nachweis über jeden Kubikmeter Holz erbringen muß, den er dem Wald entnommen hat. „Ich setze mich dafür ein, daß die Zertifizierung als Nachweis ausreicht“, so der Präsident der Waldbesitzervereinigung, die hierzulande 1.800 Privatwaldbesitzer vertritt.

Partnerschaft für Naturschutz unerläßlich

Der delegierte Minister für Nachhaltigkeit, Marco Schank, äußerte eingangs die Überzeugung, daß die naturnahe Bewirtschaftung die beste Voraussetzung für gesunde Wälder sei. Der Staatswald werde zunehmend naturnah bewirtschaftet. „Diese Form der Bewirtschaftung ist jedoch nur möglich bei einer verträglichen Wilddichte“, sagte der Minister einschränkend.

Marco Schank nannte im folgenden einige wichtige Punkte zum künftigen Plan développement rural (PDR), zum Plan national forestier (PNF) und zur Naturschutzpolitik. Beim PDR sollte es u.a. darum gehen, den Wald besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Der Minister machte zudem deutlich, daß man bei der Ausarbeitung des neuen PNF auf die Mithilfe von Lëtzebuerger Privatbësch zählt.

Zu den sogenannten Oekopunkten im Naturschutz erwähnte er, daß Ende Mai ein Vorschlag präsentiert wird. Die Waldbiotope nach Natura 2000 sollen seinen Worten zufolge bald festgelegt werden. Danach folgt noch der entsprechende Maßnahmenkatalog.

Auch der delegierte Minister für Nachhaltigkeit sprach von der enormen Bedeutung der Forstzertifizierung. Er lobte die gute Beratung von Lëtzebuerger Privatbësch in diesem Bereich und merkte an, daß die Regierung künftig Produkte aus zertifiziertem Holz bevorzugen wird.

Der Minister sprach abschließend von der Wichtigkeit, Naturschutz in Partnerschaft zu praktizieren. Er äußerte die Absicht, den kommunalen Naturschutz zu stärken und kündigte einen Workshop in Sachen Biodiversität und diesbezügliche Maßnahmen an.

Rio +20: Blick auf Nachhaltigkeit und grünes Wachstum

2012 jährt sich der Weltgipfel, auch Erdgipfel genannt, von Rio de Janeiro zum 20. Mal: Nach „Rio +5“ 1997 in New York und „Rio +10 in Johannesburg findet die dritte Nachfolgekonferenz „Rio +20“ vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro statt. Sie wird die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammenführen mit dem Ziel, der nachhaltigen Entwicklung auf höchster politischer Ebene neuen Aufschwung zu geben.

Im Mittelpunkt der Rio +20-Diskussionen, zu denen die EU-Kommission bereits im vergangenen Jahr eine entsprechende Mitteilung vorgelegt hat, sollen insbesondere drei Themen stehen, nämlich die Bewertung der bisherigen Fortschritte und der noch nicht umgesetzten Schlußfolgerungen der großen Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung; die Erneuerung des politischen Engagements für die nachhaltige Entwicklung sowie die Bewältigung neuer und zukünftiger Herausforderungen. Ein spezieller Akzent soll dabei auf die Entwicklung einer „grüneren“ Wirtschaft gelegt werden, ebenso wie auf die Armutsbekämpfung und die Schaffung eines angemessenen und handlungsfähigen institutionellen Rahmens der nachhaltigen Entwicklung.

Vor zwanzig Jahren definierte der sogenannte „Erdgipfel“ von Rio drei Säulen für nachhaltige Entwicklung: die wirtschaftliche Säule, die ökologische Säule und die soziale Säule. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wurde seither oft thematisiert: Es ist ein Konzept, welches transversal durch alle Politiken gehen müßte und bei dem die drei Dimensionen gleichwertig zu berücksichtigen sind. Und dennoch besteht immer noch der Ansatz, nachhaltige Entwicklung vorwiegend auf ökologische Aspekte zu reduzieren oder zumindest letzteren eine absolute Priorität einzuräumen, wobei dazu tendiert wird, wirtschaftliche Aspekte den ökologischen unterzuordnen, während die soziale Dimension mehr als stiefmütterlich behandelt wird. Sollte dem auch so bei der anstehenden Konferenz in Rio de Janeiro sein, riskiert das angestrebte Ziel einmal mehr verfehlt zu werden.

Es gilt auch einer anderen, viel verbreiteten Idee entgegenzuwirken: Nachhaltige Entwicklung, darin sind sich alle Experten einig, ist nicht nur ein Konzept für die sogenannten reichen, industrialisierten Länder; nachhaltige Entwicklung muß auch Einzug in die Politiken der Entwicklungs- und Schwellenländer halten und dort auf allen Gebieten umgesetzt werden, ansonsten die sich stellenden Herausforderungen nicht bewältigt werden können.

Eine der zentralen Herausforderungen, der sich die Welt gegenwärtig stellen muß, ist zweifelsohne, der wachsenden Nachfrage nach Lebensmitteln zu begegnen, dies trotz endlicher Boden- und Wasserressourcen und des Klimawandels, und die akuten Hunger- und Armutsprobleme zu beseitigen. Dazu ist allen voran der Schutz der vorhandenen, begrenzten Ressourcen sicherzustellen. Negative Auswirkungen sowohl in wirtschaftlicher als auch in ökologischer und in sozialer Hinsicht haben – wie dies bereits wiederholt seitens der Landwirtschaft unterstrichen wurde – insbesondere Bodenversiegelung und Landgrabbing, womit zunehmend hochwertige landwirtschaftliche Nutzflächen verlorengehen bzw. in vielen Entwicklungsländern der Bevölkerung geradezu ihre Lebensgrundlage entzogen wird. 80% der Ärmsten in der Welt leben in ländlichen Gebieten und bestreiten ihre Existenz aus der Landwirtschaft, der damit weltweit eine zentrale Rolle zukommt.

Mit Blick auf die UN-Konferenz Rio +20 unterstreicht die europäische Landwirtschaft richtigerweise, daß die Ernährungssicherheit ein weltumspannendes Gebot ist, und daß die Landwirtschaft in die Lage versetzt werden muß, dieser Herausforderung nachzukommen, wobei gerade grünes Wachstum viel stärker als bislang vorangetrieben werden muß, wobei jedoch auch feststeht, daß (ebenso wie bei der Nachhaltigkeit) grünes Wachstum nicht auf ökologische Aspekte reduziert werden kann. Fatal wäre es nämlich, die Landwirtschaft in ein allein von ökologischen Erwägungen bestimmtes Korsett hineinzwängen zu wollen, wobei sowohl die wirtschaftlichen als auch die sozialen Aspekte zu kurz kämen. Von ganz entscheidender Bedeutung wird es vielmehr sein, die Produktionskapazität zu entwickeln und gleichzeitig die Effizienz der Ressourcennutzung weiter zu verbessern.

Von entscheidender Bedeutung wird es ebenfalls sein, daß die Kohärenz zwischen den einzelnen Politikbereichen gewahrt ist und eine nachhaltige Entwicklung in einem Bereich nicht durch andere Politiken oder Handelspraktiken unterlaufen bzw. zunichte gemacht wird. Die Zielsetzungen für Rio +20 sind ambitiös; ob die Konferenz konkrete Resultate bringt, bleibt allerdings offen.

 

Rio +20: Blick auf Nachhaltigkeit und grünes Wachstum

2012 jährt sich der Weltgipfel, auch Erdgipfel genannt, von Rio de Janeiro zum 20. Mal: Nach „Rio +5“ 1997 in New York und „Rio +10 in Johannesburg findet die dritte Nachfolgekonferenz „Rio +20“ vom 20. bis 22. Juni 2012 in Rio de Janeiro statt. Sie wird die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammenführen mit dem Ziel, der nachhaltigen Entwicklung auf höchster politischer Ebene neuen Aufschwung zu geben.

Im Mittelpunkt der Rio +20-Diskussionen, zu denen die EU-Kommission bereits im vergangenen Jahr eine entsprechende Mitteilung vorgelegt hat, sollen insbesondere drei Themen stehen, nämlich die Bewertung der bisherigen Fortschritte und der noch nicht umgesetzten Schlußfolgerungen der großen Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung; die Erneuerung des politischen Engagements für die nachhaltige Entwicklung sowie die Bewältigung neuer und zukünftiger Herausforderungen. Ein spezieller Akzent soll dabei auf die Entwicklung einer „grüneren“ Wirtschaft gelegt werden, ebenso wie auf die Armutsbekämpfung und die Schaffung eines angemessenen und handlungsfähigen institutionellen Rahmens der nachhaltigen Entwicklung.

Vor zwanzig Jahren definierte der sogenannte „Erdgipfel“ von Rio drei Säulen für nachhaltige Entwicklung: die wirtschaftliche Säule, die ökologische Säule und die soziale Säule. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wurde seither oft thematisiert: Es ist ein Konzept, welches transversal durch alle Politiken gehen müßte und bei dem die drei Dimensionen gleichwertig zu berücksichtigen sind. Und dennoch besteht immer noch der Ansatz, nachhaltige Entwicklung vorwiegend auf ökologische Aspekte zu reduzieren oder zumindest letzteren eine absolute Priorität einzuräumen, wobei dazu tendiert wird, wirtschaftliche Aspekte den ökologischen unterzuordnen, während die soziale Dimension mehr als stiefmütterlich behandelt wird. Sollte dem auch so bei der anstehenden Konferenz in Rio de Janeiro sein, riskiert das angestrebte Ziel einmal mehr verfehlt zu werden.

Es gilt auch einer anderen, viel verbreiteten Idee entgegenzuwirken: Nachhaltige Entwicklung, darin sind sich alle Experten einig, ist nicht nur ein Konzept für die sogenannten reichen, industrialisierten Länder; nachhaltige Entwicklung muß auch Einzug in die Politiken der Entwicklungs- und Schwellenländer halten und dort auf allen Gebieten umgesetzt werden, ansonsten die sich stellenden Herausforderungen nicht bewältigt werden können.

Eine der zentralen Herausforderungen, der sich die Welt gegenwärtig stellen muß, ist zweifelsohne, der wachsenden Nachfrage nach Lebensmitteln zu begegnen, dies trotz endlicher Boden- und Wasserressourcen und des Klimawandels, und die akuten Hunger- und Armutsprobleme zu beseitigen. Dazu ist allen voran der Schutz der vorhandenen, begrenzten Ressourcen sicherzustellen. Negative Auswirkungen sowohl in wirtschaftlicher als auch in ökologischer und in sozialer Hinsicht haben – wie dies bereits wiederholt seitens der Landwirtschaft unterstrichen wurde – insbesondere Bodenversiegelung und Landgrabbing, womit zunehmend hochwertige landwirtschaftliche Nutzflächen verlorengehen bzw. in vielen Entwicklungsländern der Bevölkerung geradezu ihre Lebensgrundlage entzogen wird. 80% der Ärmsten in der Welt leben in ländlichen Gebieten und bestreiten ihre Existenz aus der Landwirtschaft, der damit weltweit eine zentrale Rolle zukommt.

Mit Blick auf die UN-Konferenz Rio +20 unterstreicht die europäische Landwirtschaft richtigerweise, daß die Ernährungssicherheit ein weltumspannendes Gebot ist, und daß die Landwirtschaft in die Lage versetzt werden muß, dieser Herausforderung nachzukommen, wobei gerade grünes Wachstum viel stärker als bislang vorangetrieben werden muß, wobei jedoch auch feststeht, daß (ebenso wie bei der Nachhaltigkeit) grünes Wachstum nicht auf ökologische Aspekte reduziert werden kann. Fatal wäre es nämlich, die Landwirtschaft in ein allein von ökologischen Erwägungen bestimmtes Korsett hineinzwängen zu wollen, wobei sowohl die wirtschaftlichen als auch die sozialen Aspekte zu kurz kämen. Von ganz entscheidender Bedeutung wird es vielmehr sein, die Produktionskapazität zu entwickeln und gleichzeitig die Effizienz der Ressourcennutzung weiter zu verbessern.

Von entscheidender Bedeutung wird es ebenfalls sein, daß die Kohärenz zwischen den einzelnen Politikbereichen gewahrt ist und eine nachhaltige Entwicklung in einem Bereich nicht durch andere Politiken oder Handelspraktiken unterlaufen bzw. zunichte gemacht wird. Die Zielsetzungen für Rio +20 sind ambitiös; ob die Konferenz konkrete Resultate bringt, bleibt allerdings offen.

Grünland-Info No 3

(Stand: 23. April 2012)

Die Niederschläge und die niedrigen Temperaturen der letzten Woche führten zu Ertragssteigerungen bei nahezu gleichbleibenden Rohfaserwerten. Durch die fehlende Wärme werden die Kohlenhydrate nur langsam in verdauliche und unverdauliche Rohfaser umgewandelt, so daß die Rohfasergehalte nur wenig ansteigen. Mit dem Ertragsanstieg sinken, bedingt durch einen Verdünnungseffekt, die Rohproteinwerte.

Auf den Standorten Canach, Schouweiler, Erpeldange und Schoenfels kommt der dort übliche Wiesenfuchsschwanz ins Ähren-/Rispenschieben ebenso wie die Gemeine Rispe. Die Raygräser sind auf den frühen Standorten im Schossen und der Löwenzahn blüht bereits. Auf den späten Standorten im Ösling ist die Entwicklung noch nicht so weit vorangeschritten.

Dennoch ist zurzeit auf allen Standorten bei den Vorbereitungen zur Siloernte noch keine Eile geboten. Die derzeitig eher stagnierende Qualitätsentwicklung wird sich jedoch schnell ändern, wenn die für das Wochenende vorausgesagten warmen Temperaturen eintreten.

Blattläuse und Zikaden als Virusüberträger im Getreide

Das Wort „Virus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „das Gift“. Daher findet man in Fachpublikationen oft die Bezeichnung „das Virus“. Heute wissen wir, daß Viren keine Gifte sind, sondern unbelebte Krankheitserreger, die in der Regel aus Erbinformation bestehen, die in einer Eiweißhülle verpackt ist. Gerstengelbverzwergungsviren (Barley yellow dwarf virus = BYDV) haben etwa einen Durchmesser von 30 Nanometern und enthalten ca. 25% Erbsubstanz und 75% Eiweiß. Die Erbinformation eines Virus wird bei erfolgreicher Infektion in die Erbinformation der Wirtszelle eingebaut und verhindert so das fehlerfreie Ablesen der Erbinformation der Wirtszelle. Blattläuse spielen eine wichtige Rolle als Überträger (Vektor) von Viruserkrankungen im Getreide. In den letzten Jahren wird von unseren europäischen Nachbarn eine Zunahme der Gerstengelbverzwergungsviren (BYDV) und des Weizenverzwergungsvirus (WDV) gemeldet. Beide Viruserkrankungen sind optisch nicht zu unterscheiden, da sich die Symptome stark ähneln. Erst eine molekulare Analyse im Labor kann das jeweilige Virus (oder eine Mischinfektionen aus mehreren Viren) nachweisen. Im folgenden sollen diese Erkrankungen vorgestellt und Hinweise zur Vermeidung gegeben werden.

 Gerstengelbverzwergungsviren

Es handelt sich um einen Komplex von mehreren verschiedenen, nahe verwandten Viren, bzw. Virusstämmen. Diese Viren werden ausschließlich über Blattläuse übertragen. Als Hauptüberträger gelten vor allem die Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi), die Große Getreideblattlaus (Sitobion avenae) und die Bleiche Getreideblattlaus (Metopolophium avenae), dazu können noch bis zu 20 weitere Arten die Viren übertragen. Unterschiedliche Läuse-Arten übertragen auch unterschiedliche Virus-Stämme des BYDV. Neben der Gerste wird auch Hafer, Weizen, Roggen, Mais sowie Wildgräser der Gattung Poaceae durch BYDV befallen. Auch in Mais und Weidelgras finden sich die Viren, ohne jedoch deutliche Symptome hervorzurufen. Alle Viren verursachen im Getreide eine Verzwergung bzw. Kümmerwuchs oder eine Behinderung von Sproß- und Wurzelwachstum. Teilweise unterbleibt das Schossen. Hinzu kommt bei der Gerste eine gelbe Verfärbung, bei Weizen und Hafer hingegen eine gelbliche bis rötliche Färbung (Haferröte), die erst an der Blattspitze beginnt und sich dann über das Blatt ausbreitet. Dies wird durch eine Anhäufung von Kohlenhydraten hervorgerufen, die das Phloem verstopfen und somit den Transport der Assimilate verhindern. Die Winterhärte infizierter Pflanzen kann reduziert sein. Eine rein visuelle Diagnose ist schwierig, weil andere biotische und abiotische Streßfaktoren (Stickstoffmangel, Frostschäden, Trockenheit) ähnliche Symptome verursachen können.

Die Erstinfektion findet im Herbst statt. Den Sommer haben die Läuse in Mais, Grünland, Ausfallgetreide oder Randbewuchs überdauert, nachdem sie bereits im Sommergetreide oder auch im Mais Viren aufgenommen haben. Bei Temperaturen zwischen 10-15°C findet die Zuwanderung der Läuse in Getreidefelder und damit auch eine mögliche Erstinfektion der Jungpflanzenbestände statt. Die Viren werden persistent-zirkulativ übertragen, was hier kurz erläutert werden soll. BYDV liegt tief im Pflanzengewebe vor (hier in den Leitbündeln, deswegen ist auch die mechanische Übertragung nicht möglich). Um das Virus aufzunehmen, muß die Laus die Pflanze anstechen, den Saugrüssel tief in das Phloem schieben und mehrere Stunden saugen. Nach der Aufnahme ist das Virus aber nicht sofort weiterübertragbar, sondern besitzt eine sogenannte Latenzzeit von mehreren Stunden. In dieser Zeit gelangt das Virus vom Verdauungstrakt der Laus über die Darmwand in die Speicheldrüse. Dies bezeichnet man als zirkulativ. Danach kann die Laus das Virus bei einem erneuten Anstich einer Pflanze über den Speichel weitergeben. BYDV ist bis zu 80 Tage durch die Laus übertragbar. Dies bezeichnet man als persistent.

Die Symptome einer Infektion zeigen sich meist erst im folgenden Frühjahr zunächst nesterweise, bei starkem Befall oder in einem vorangegangenen warmen Herbst hingegen schnell flächendeckend. Frühsaaten werden zuerst befallen und zeigen daher auch schnell erste Symptome der Vergilbung. Verwechselungsmöglichkeiten gibt es z.B. mit den Symptomen durch Bodenverdichtung und resultierenden Nährstoffmangel (verzögerte Nährstoffaufnahme). Während bei Nährstoffmangel die gelben Blätter schlaff sind und teilweise auf dem Boden liegen, stehen durch Viren vergilbte Blätter aufrecht. Bei einem milden Winter (wie z.B. in 2006/07) überleben die Läuse nicht als Winter-Ei, sondern als lebendgebärende Erwachsene auf den Sommerwirten, was die Infektionsgefahr für das Folgejahr deutlich erhöht, da die Läuse dann sofort mit der Produktion von Nachwuchs beginnen können. Die Viren können sich in den Läusen nicht vermehren und werden nicht an die Nachkommen weitergegeben.

Sollte hingegen aufgrund eines kalten Herbstes die Infektion erst im folgenden Frühjahr erfolgen, dann ist der Zwergwuchs meist weniger stark ausgeprägt. Infizierte Pflanzen bilden meist keine oder nur taube Ähren. Deswegen kann man den Ertragsverlust grob von der Befallshäufigkeit ableiten. Wenn also 10% der Pflanzen virusinfiziert sind, dann beträgt der Ertragsausfall auch etwa 10%. Grundsätzlich kann der Befall durch Läuse und die mit ihnen transportierte Viruslast nur schwer vorausgesagt werden, da eine Vielzahl von Faktoren (Wetter, Fruchtfolge, Kultur der Nachbarfelder, Feldhygiene und auch Düngung) eine Rolle spielen.

Die Verluste durch BYDV sind abhängig von der Gerstensorte, vom Infektionszeitpunkt und auch von dem jeweiligen Virusstamm. Erfolgt die Infektion vor dem Sprosswachstum, so können die Ertragsverluste bis zu 50% ausmachen (dann wird ein Umbruch empfohlen). Bei Infektionen nach dem Sproßwachstum betragen sie meist nur 10-15%. Die Verluste sind im Hafer zumeist höher als in der Gerste.

Für die Bekämpfung bedient man sich des Prinzips der Bekämpfungsschwelle, um unnötige Insektizidapplikationen gegen die Läuse zu vermeiden. Als Bekämpfungsrichtwert gilt: 10% befallene Pflanzen bei Frühsaaten (Auflaufen vor dem 25. September) und 25% bei Normalsaat (Auflaufen nach dem 25. September), wobei die Pflanzen im 2-3-Blattstadium sein sollten. Das setzt allerdings eine wiederholte Bestandskontrolle (alle 4 Tage) und eine genaue Bestimmung der jeweiligen Blattlausart voraus, da in erster Linie die Hauptüberträger (Haferblattlaus, Große Getreideblattlaus) erfaßt werden müssen. Die Verwendung von Insektizidbeizen auf der Basis von Neonikotinoiden ist zwar möglich, jedoch aufgrund der vermuteten Bienenschädlichkeit eher abzulehnen. Die Wirtschaftlichkeit einer Insektizid-Applikation im Herbst, z.B. mit Pyrethroiden, ist umstritten, da sie nicht immer mit einer Herbizidmaßnahme verbunden werden kann. Es fallen daher neben den reinen Mittelkosten (ca. 12 Euro/ha, abhängig vom verwendeten Mittel) auch zusätzliche Überfahrkosten (ca. 18 Euro/ha) an. Die Wirkungsdauer der Pyrethroide im Herbst beträgt etwa 5-7 Tage. Unnötige Insektizidmaßnahmen müssen unbedingt vermieden werden. Sicherheitsspritzungen sind nicht nur teuer, sondern auch ökologisch höchst bedenklich. Hilfe von Seiten der Offizialberatung sollte bei der Entscheidung über eine Insektizidmaßnahme in Anspruch genommen werden.

 Das Weizenverzwergungsvirus

Das Virus verursacht eine starke Wuchshemmung (Verzwergung) der Jungpflanzen. Außerdem zeigen sich streifige Aufhellungen, bzw. Vergilbungen der Pflanzen. Die Wurzeln sind nur schwach entwickelt. Befallene Pflanzen sind oftmals innerhalb einer Drillreihe zu finden. Das Virus wird durch eine Zwergzikade (Psammotettix alienus) übertragen. Die Zikade infiziert sich mit dem Virus durch Saugen am Xylem an befallenem Ausfallgetreide oder befallenen Wildgräsern, wie z.B. Trespe, Weidelgras oder Einjährige Rispe. Die Weitergabe des Virus kann aber erst nach einigen Tagen erfolgen, da der Erreger erst im Insektenkörper zirkuliert (sogenannte persistente Übertragung). Die Zikade wandert in die Weizenbestände ein und kann bereits nach kurzer Saugtätigkeit das Virus an die Pflanze abgeben. Erst bei Temperaturen unter 0°C wird die Aktivität der Zikade gestoppt. Es können sowohl erwachsene Zikaden als auch deren Larven das Virus übertragen. Damit ist eine Übertragung des Virus bis in den November hinein möglich. Die Zikade kann das Virus nicht nur auf Weizen, sondern auch auf andere Getreidearten (Gerste, Dinkel usw., allerdings nicht Mais) übertragen, ohne jedoch erheblich zu schädigen. Es kommt hinzu, daß die Zikade sehr mobil ist und daher einen Bestand schnell flächig infizieren kann. Viele Zikaden-Arten sehen sich recht ähnlich, eine genaue Bestimmung der Zwergzikade Psammotettix ist durch den Praktiker also schwierig. Außerdem springen Zikaden bei leichten Erschütterungen schon davon. Deswegen wird das Auftreten der Zikade eher geschätzt als gezählt. Einen konkreten Wert als Bekämpfungsrichtwert gibt es aber nicht. Eine chemische Bekämpfung der Zikade gilt als schwierig, weil systemische Insektizide kaum Wirkung zeigen. Auch der Bekämpfungserfolg durch Kontaktinsektizide (z.B. Pyrethroide) wird als mittelmäßig eingestuft.

 Was kann der Landwirt tun?

Virus- oder blattlausresistente Getreidesorten liegen derzeit noch nicht vor. Offenbar werden aber Getreidesorten mit sehr hell gefärbten Blättern von den Läuse bevorzugt angeflogen, weil sie diese vor einem dunklen Hintergrund (Boden) besser wahrnehmen können. Einige Sorten sind zusätzlich in der Lage, den physiologischen Streß einer Virusinfektion besser zu kompensieren, aber die Untersuchungen zu diesem Phänomen sind noch dürftig. Da eine direkte Bekämpfung der Viren nicht möglich ist, müssen in erster Linie pflanzenbauliche Maßnahmen und die Bekämpfung der Überträger im Vordergrund stehen. Zur Sicherung Ihres Getreidebestandes vor Virusbefall sollten Sie folgende Punkte beachten.

  •  Saatzeitpunkt spät wählen: Wintergerste und -roggen nicht vor dem 25. September und Winterweizen und Triticale nicht vor dem 20. Oktober (insbesondere bei windgeschützten Lagen).
  • Dünnsaaten vermeiden, da sie von den Läusen besser wahrgenommen werden.
  • Feldstoppel umgehend bearbeiten, Ausfallgetreide bekämpfen (Feldhygiene, keine grünen Brücken zulassen).
  • Am Feldrand Gräser abmähen.
  • Wintergerste möglichst nicht in Nachbarschaft zu spätreifen Maissorten.
  • Auf gefährdeten Flächen insektizide Saatgutbeizung entsprechend wählen.

 Michael Eickermann, Marco Beyer

Arbeitsgruppe Pflanzenschutz am CRP-Gabriel Lippmann

 

Domaines Vinsmoselle setzen weiterhin auf Qualität

Interview mit dem neuen Direktor Georges Schaaf

(hl).- Domaines Vinsmoselle – dieser Firmenname steht für den genossenschaftlichen Weinbau an der Luxemburger Mosel, für Winzer entlang der gesamten Mosel, die sich bereits vor mehreren Jahrzehnten zusammengeschlossen haben, um am Markt schlagkräftiger agieren zu können. Im Januar hat Georges Schaaf das Ruder von dem langjährigen Direktor Constant Infalt übernommen. Als ehemaliger Verkaufschef von Domaines Vinsmoselle (1993-95) kennt der Marketingexperte Georges Schaaf das Haus und die langjährigen Mitarbeiter. Zudem kommen ihm in seiner neuen Funktion die Erfahrungen aus seinen Tätigkeiten bei zwei bedeutenden Unternehmen – nämlich Sources Rosport und Villeroy & Boch – zugute, bei denen er auch viel im Exportgeschäft tätig war. De Letzeburger Bauer (LB) sprach mit dem neuen Direktor zu den kurz- und mittelfristigen Zielen des genossenschaftlich organisierten Unternehmens.

LB: Herr Schaaf, quasi zum großen Jubiläum der hauseigenen Erfolgsmarke Crémant POLL FABAIRE haben Sie bei Domaines Vinsmoselle das Ruder übernommen. Ist das genossenschaftliche Unternehmen allgemein gut aufgestellt?

Georges Schaaf: Domaines Vinsmoselle, das sind 340 Winzerfamilien, die ihr Brot mit uns verdienen, davon 120 hauptberuflich. Wir repräsentieren rund 60% der luxemburgischen Rebfläche und ohne uns ist die Mosel nicht denkbar. Wenn man bedenkt, wie wichtig der Wirtschaftszweig Wein hierzulande ist, dann sieht man, daß man beim heimischen Marktführer gut aufgehoben ist.

 LB: Wo möchten Sie kurzfristig neue Akzente setzen?

Georges Schaaf: Wir haben eine Kampagne gestartet, um die ausländische Bevölkerung in Luxemburg sowie die Grenzgänger anzusprechen. Marken wie Château Edmond de la Fontaine und POLL-FABAIRE werden ins Schaufenster gestellt. Zudem wollen wir das jüngere Volk ansprechen via neue Medien bzw. neue Informationskanäle. Mit Miss und Mister POLL-FABAIRE stehen uns zwei junge Botschafter zur Seite, die uns bei Weinfesten und Degustationen unterstützen.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist der Önotourismus. Derzeit gibt es eine Aufbruchstimmung und neue, dynamische Elemente, wie die Entente touristique de la Moselle oder die Schengen asbl. Auch so mancher Gemeinderat trägt zur Aufbruchstimmung bei. Es gilt in diesem Bereich, den Kunden an den Wein heranzuführen.

 LB: Was sind die großen Ziele für die kommenden Jahre?

Georges Schaaf: Wir müssen uns der Tatsache stellen, daß der Pro-Kopf-Konsum von Wein stetig fällt. Das ist unaufhaltsam. Also gilt es, neue Wege und neue Kunden zu finden. Bei uns heißt die Devise: wir gehen auf Qualität und nicht auf Quantität! Wir werden also weiterhin den Weg der Qualität beschreiten.

 LB: Welche Rolle spielt für Sie diesbezüglich der Export, also die ausländischen Märkte?

Georges Schaaf: Wir können und wollen Wachstum generieren, indem wir den Export ausbauen. Auf den Exportmärkten wollen wir verstärkt mit hoher Qualität werben. Eine wichtige Rolle spielen hier die Resultate bei renommierten internationalen Wettbewerben und die Auftritte bei renommierten europäischen Weinführern.

Auch bei den Eurokraten, die mitunter nur wenige Jahre im Land sind, sehen wir Chancen, langfristig Qualitätsprodukte an den Mann und an die Frau zu bekommen.

Beim Export waren wir bislang vor allem mit einer Standardsorte in Belgien erfolgreich. Wir wollen künftig auf diesem wichtigen Exportmarkt zusätzlich mit Pinotsorten und Crémant punkten. Weitere Märkte, die wir anvisieren, sind das Saarland, Rheinland-Pfalz und Lothringen. In der nächsten Phase werden wir auch die Niederlande und Großbritannien als Exportmärkte verstärkt bedienen.

LB: Sehen Sie Chancen, daß es beim Anteil des Luxemburger Weins am heimischen Konsum zu einer Trendwende, also zu einer Erhöhung kommt?

Georges Schaaf: Da arbeiten wir dran. Wir wollen jedenfalls erreichen, daß der inländische Umsatz steigt. Mit dem billigen Basisprodukt aus dem Ausland möchten wir nicht konkurrieren, sondern wir wollen mit höherer Qualität einen höheren Gesamtumsatz am heimischen Markt erzielen.

LB: Beim POLL-FABAIRE-Jubiläum wurde erneut besonders deutlich, daß Domaines Vinsmoselle die jungen Weintrinker im Visier hat. Welche Ziele verfolgen Sie speziell bei den jungen Kunden bzw. den Kunden von morgen?

Georges Schaaf: Uns geht es vor allem um ein Bewußtsein für langfristige Nachhaltigkeit, also für die Erhaltung des Weinbaus und der Weinkultur. Der junge Kunde, der seine ersten Erfahrungen mit Alkohol macht, soll dazu bewegt werden, nicht nach Alkopops oder Ähnlichem zu greifen, sondern nach einem natürlichen Getränk – und dazu eignet sich der Crémant vorzüglich. Das Leben wird vom Magen bestimmt und wir wollen deshalb die Genußkomponente hervorstreichen. Es geht letztlich darum, die jungen Leute darüber aufzuklären, daß sie vor Ort ein Superprodukt vorfinden, das zu probieren und zu genießen lohnt.

LB: Herr Schaaf, Sie kommen aus dem Marketingfach. Wird Domaines Vinsmoselle künftig noch mehr tun, um neue Kunden zu werben und am Markt sichtbarer zu werden?

Georges Schaaf: Das Marketing war schon vor meiner Zeit als Direktor progressiv und geradezu avantgardistisch, wenn man sich z.B. die sehr gelungenen Marktauftritte beim Einführen des Crémant POLL-FABAIRE oder der Serie Art & Vin anschaut. Neue Akzente werde ich bei der Nutzung neuer Distributionswege setzen. Wir werden uns mit einer anderen Herangehensweise, einer anderen Struktur auf den Märkten bewegen und versuchen, diese oder jene Zielgruppe zu erreichen.

 LB: Welche Ansätze in puncto Qualitätsprodukte finden Sie besonders lobenswert?

Georges Schaaf: Da möchte ich vor allem die „Cuvée Jongwënzer“ hervorheben, die vor drei Jahren eingeführt wurde. Die Jungwinzer von Domaines Vinsmoselle arbeiten hierfür eng mit den Kellermeistern zusammen und stellen alljährlich vier junge, innovative Weine zusammen, die in einer ansprechenden Schlegelflasche angeboten werden. Das ist zukunftsorientiert für Domaines Vinsmoselle und jungen Betrieben bietet sich eine Chance, sich zu verwirklichen. Wir haben eine Betriebsstruktur mit einem relativ hohen Durchschnittsalter der Betriebsleiter und müssen den kommenden Generationen eine Möglichkeit schaffen, vom Wein zu leben.

Sicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gefährdungspotential

Studie zu den Risiken der Biogasanlagen

Im Rahmen der Generalversammlung der Biogasvereenegong am 3. April präsentierte Herr Philippe Steffen von der ITM die von dieser Behörde in Auftrag gegebene Studie zu den Risiken auf Biogasanlagen in Luxemburg: „Sicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gefährdungspotential“.

Wie Herr Steffen erläuterte, wurde diese anlageübergreifende Studie nach mehrfachen Diskussionen einerseits mit den Biogasanlagen-Betreibern, andererseits mit der Feuerwehr in Auftrag gegeben, dies auch verbunden mit der Frage, ob die derzeitigen Bestimmungen der ITM für die Biogasanlagen noch angemessen sind und den tatsächlichen Risiken ausreichend Rechnung tragen bzw. in welchen Punkten sie einer Überprüfung oder Anpassung bedürfen.

Zur Risiko- oder Gefahrenbemessung werden die Biogasanlagen in drei Gruppen unterteilt:

– Typ I (klein): Gasspeicher < 400 m3

– Typ II (mittel): Gasspeicher 400 m3< 1.200 m3

– Typ III (groß): Gasspeicher > 1200 m3

Die Risikoeinteilung erfolgt auf Basis des größten Einzelvolumens (meistens Fermenter) einer Anlage und als Berechnungsbasis wurde ein Überdruck von 50 mbar vorausgesetzt, wobei gewußt ist, daß in den hiesigen Biogasanlagen allgemein der Überdruck wesentlich niedriger ist.

Wenn eine Biogasanlage gut funktioniert und als technisch dicht gilt, stellt sie im regulären Betrieb keine Gefahren betreffend das Gas dar, so die allgemeine Bewertung von Herrn Steffen. Dennoch gilt Gas als die größtmögliche von einer Anlage ausgehende Gefahr, insofern Gas brennbar ist, explosionsfähig und hochentzündlich, jedoch nur bei Kontakt mit Sauerstoff.

Zu den anlagenspezifischen Gefahren gehören Korrosion, Leckagen (Folie, Leitungen), Ausfall der Elektrik, Versagen von Sicherheitseinrichtungen, Fehlbedienung, mechanischer Schutz und Brand, wobei Leckagen bei Folien und Leitungen als größtmögliches Risiko gelten.

Bei der durchgeführten Studie wurden verschiedene Szenarien in Betracht gezogen,

–         einerseits die plötzliche Freisetzung von Gas etwa durch Folienriß, mechanische Beschädigung, Blitzeinschlag oder Durchbrennen,

–         andererseits eine Rohrleitungsleckage, sei es eine Leckage an einem Flansch, sei es ein mechanischer Leitungsabriß.

Wenig relevant ist insgesamt die thermische Strahlung, insofern kein langer Brand von Gas ausgeht. Bei Verpuffung/Explosion wird für einen ganz kurzen Moment (ein paar Sekunden) sehr viel Energie und Hitze freigesetzt, was für einen Menschen, der sich in direkter Nähe befindet, gefährlich ist, jedoch keine Auswirkungen auf die Nachbarschaft hat. Die Druckwelle dahingegen hat einen größeren Radius.

Auswertung-Gasaustritt: Druckwelle/Explosion

Bei der Explosion eines Gasspeichers von 2.000 m3 mit einem Überdruck von 50 mbar würden beispielsweise durch die entstandene Druckwelle sämtliche Fenster in einem Radius von 94 m zerbrechen – eine solche Druckwelle würde jedoch keinen Menschenschaden verursachen. Laut ITM-Bestimmungen sollen sich demnach auch in diesem Radius keine Nachbarschaftsgebäude oder öffentlichen Straßen befinden.

Alle Anlagenbetreiber sollen die entsprechenden Informationen zugestellt bekommen, womit dann jeder Betreiber über die für ihn geltenden Werte verfügt.

 Auswertung-Folienbrand: Wärmestrahlung/Feuerball

Bei einem Folienbrand ist der Radius wesentlich kleiner als derjenige der Druckwelle bei Explosion, weil der Überdruck geringer ist, insofern hierbei das Gasvolumen nie vollständig freigesetzt wird – nur etwa ein Drittel des Gases wird freigesetzt. Allerdings kann sich eine gewaltige Stichflamme ergeben, die Schaden verursacht. Die Gefahrenzone bleibt jedoch begrenzt: Je nach Anlagegröße ergibt sich eine Gefahrenzone von 5 bis 13 Metern. Diese Werte sollen als Schutzabstand zu anderen Gebäuden berücksichtigt werden.

 Leitungsabriß

Eine weitere Gefahrenquelle, die als zweithöchstes Kriterium gilt, ist der Leitungsabriß: Hier gelten als Gefahrenzone für eine Druckwelle je nach Leitungsdurchmesser (50 oder 80 mm) und einem Überdruck von 50 mbar Abstände von 16 m bzw. 22 m. Demnach ergibt sich hieraus keine Zusatzgefahr, insofern die vorgesehenen Abstände zum Gasspeicher sehr viel größer sind. Zudem können undichte Leitungen im Freien als nicht gefährlich eingestuft werden, da so wenig Gas freigesetzt wird, daß keine Explosionsgefahr gegeben ist.

Gefährlicher kann dahingegen die Jet-Flamme sein: Je nach Leitungsdurchmesser von 50 mm oder 80 mm kann die Flammenlänge, bei Windstille, 4 m bzw. 6 m betragen.

 Gefahrenabwehr und Anpassung der Vorschriften

Zu den Maßnahmen zwecks Gefahrenabwehr gehören die Verwendung der geeigneten Materialien, technische Schutzeinrichtungen, Schutzabstände, Explosionsschutzdokumente, Anfahrschutz bzw. Umzäunung der Anlagen, sowie eine geeignete räumliche Aufteilung, Blitzschutz, Feuerwehreinsatzpläne sowie auch die Wartung und Kontrolle der Anlage durch den Betreiber selbst.

Auf Basis der durchgeführten Studie wird eine Anpassung der ITM-Vorschriften für Biogasanlagen vorgenommen. So will die ITM in Zukunft einen verstärkten Akzent auf den Blitzschutz legen, da der Blitzeinschlag eine reale, nicht vorhersehbare Gefahrenquelle ist. Diesbezüglich wird das Heranziehen eines Experten angeraten. Anpassungen der Vorschriften sind ebenfalls in bezug auf eine räumliche Trennung von Maschinenraum und Kontrollraum vorgesehen. Da Brände oftmals durch die Elektrizität bedingt sind, ist eine Raumtrennung sinnvoll. Für Neuanlagen soll eine Anpassung der Schutzabstände erfolgen. Verpflichtend wird die Aufstellung eines Feuerwehreinsatzplanes: Insofern Explosionsgefahr bei Biogasanlagen besteht, wäre eine Dokumentation zum Explosionsschutz verpflichtend. Weil solche Prozeduren jedoch sehr aufwendig für die Anlagen wären, werden die Feuerwehreinsatzpläne als genügend betrachtet.

Altanlagen werden bei Umbau oder Erweiterung an die neuen Vorschriften angepaßt. Falls dies nicht möglich ist, kann die Anlage gegebenenfalls nicht dort ausgeweitet werden, wo sie steht und ein neuer Standort für den Fermenter oder den Gasspeicher muß gefunden werden. In solchen Fällen sollen die betroffenen Betreiber Kontakt mit der ITM zwecks Lösungssuche aufnehmen.

Besonderen Wert legt die ITM auf die Erstellung von Feuerwehreinsatzplänen: Alle Anlagen müssen über einen solchen Plan verfügen oder ihn anfertigen lassen. Der Plan muß in Papierform und in digitaler Form vorliegen und der Feuerwehr zu Verfügung gestellt werden. Im Feuerwehreinsatzplan enthalten sein müssen alle feuerwehrrelevanten Angaben (wie Absperrventil, Notausgang, Ex-Zonen, Wasserentnahmestellen) sein. Er muß ebenfalls eine Übersichtskarte als Luftbild beinhalten, damit die Anlage besser lokalisiert bzw. die Nähe zu anderen Bebauungen eingeschätzt werden kann. Darin angegeben sein müssen ebenfalls die Anfahrtswege, eventuelle Sammelstellen, weitere Vorsichtsmaßnahmen sowie die Kontaktperson.

Hierbei bietet die ITM ihre Mitarbeit an, bzw. ist bereit, eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Geplant ist ebenfalls eine spezifische Schulung der Feuerwehr im Bereich der Biogasanlagen.

Insgesamt zeigt die Studie, daß von den Biogasanlagen keine großen Gefahren ausgehen bzw. der Gefahren-Radius begrenzt ist. Zudem wird in der Studie jeweils vom „worst case“, d.h. dem schlimmstmöglichen Fall ausgegangen. Damit liefert die Studie auch wertvolle Informationen hinsichtlich des Abbaus unbegründeter Ängste und Befürchtungen und zurecht wird unterstrichen, daß gut greifbare Informationen dazu dienen können, die Akzeptanz der Biogasanlagen in der Bevölkerung allgemein zu steigern.

Erneuerbare Energien: Nägel mit Köpfen dringend notwendig

An anderer Stelle in dieser Ausgabe des „De Letzeburger Bauer“ ist eine Kurzdarstellung der von der ITM in Auftrag gegebenen Studie “Sicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gefährdungspotential“, in der die potentiellen Risiken auf Biogasanlagen in Luxemburg untersucht werden, einzusehen. Im Rahmen der Generalversammlung der Biogasvereenegong Anfang April wurde diese Studie präsentiert und kommentiert, wobei deutlich unterstrichen wurde, daß insgesamt das Risikopotential, welches von den hiesigen Biogasanlagen ausgeht, als gering einzuschätzen ist. Damit liefert diese Studie auch wertvolle Informationen hinsichtlich des Abbaus unbegründeter Ängste und Befürchtungen gegenüber solchen Anlagen und sicherlich zurecht wurde hervorgehoben, daß gut greifbare Informationen dazu dienen können, die Akzeptanz der Biogasanlagen in der Öffentlichkeit allgemein zu steigern.

Die Generalversammlung der Biogasvereenegong bot gleichzeitig die Gelegenheit, einmal mehr auf die politischen Inkohärenzen in bezug auf die Förderung der Erneuerbaren Energien, insbesondere im Zusammenhang mit den Biogasanlagen hinzuweisen. Wohl konnten in etlichen Fragen leichte Fortschritte erzielt werden, insgesamt bleibt allerdings die Lage weitestgehend unzufriedenstellend, sei dies in bezug auf die Fördermaßnahmen allgemein, in bezug auf die den Biogasanlagen gewährten Vergütungen bzw. Einspeisetarife, in bezug auf den angekündigten Güllebonus oder aber in bezug auf die Prozeduren, die sich immer noch sehr schleppend gestalten. Zu diesen und weiteren Punkten besteht dringender Handlungsbedarf, wobei alle zuständigen Instanzen gefordert sind.

Fest steht jedenfalls, daß es nicht genügt, auf der einen Seite ambitiöse Ziele in bezug auf die Energieversorgung durch Erneuerbare Energien anzukündigen, auf der anderen Seite bei der Umsetzung konkreter Fördermaßnahmen die Hände in den Schoß zu legen, wenn nicht sogar noch neue Stolpersteine in den Weg zu legen.

Auf europäischer Ebene steht derzeit die Strategie für eine kohlenstoffarme Wirtschaft bzw. eine effiziente Energieversorgung mit Horizont 2050 in der Diskussion. Darin wird der Akzent neben dem Energie-Einsparpotential u.a. auch auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien gelegt, die gemäß Vorgaben der EU-Kommission für den Zeithorizont 2030 mindestens Anteile von über 20% und für 2050 über 40% der Primärenergiebereitstellung übernehmen müßten. Im jüngsten EU-Energieministerrat hat Minister Etienne Schneider sich im übrigen klar für eine ambitiöse EU-Richtlinie in diesem Bereich ausgesprochen und für die Annahme des Kommissionstextes plädiert. Insofern die Energiepolitik grundsätzlich in der Kompetenz der Mitgliedstaaten bleibt, hat die EU formal gesehen nur sehr begrenzte Kompetenzen in diesem Bereich, faktisch hat die europäische Politik allerdings einen erheblichen, wenn nicht sogar entscheidenden Einfluß auf die Energiepolitik und die Energiewirtschaft der einzelnen Mitgliedstaaten, nicht zuletzt auch unter Berücksichtigung der Klimaschutzpolitik sowie weiterer gemeinsamer europäischer Vorhaben. Unabhängig von nationalen oder europäischen Zuständigkeiten darf man ganz allgemein gesehen erwarten, daß die Minister im Sinn der politischen Kohärenz und Glaubwürdigkeit die Politik, die sie auf europäischer Ebene befürworten, pro-aktiv auf nationaler Ebene umsetzen. Ob dem so in bezug auf die Erneuerbaren Energien sein wird, wird sich zeigen müssen.

In einem rezenten Schreiben an die Bauernzentrale hat Wirtschafts- und Energieminister Schneider angekündigt, hierzulande den Anteil Erneuerbarer Energien an der Energieversorgung bis 2015 verdoppeln zu wollen. Um die in bezug auf die Erneuerbaren Energien festgehaltenen Ziele bis 2020 zu erreichen, plane er dieses Jahr den reglementarischen Rahmen der Einspeisetarife für Elektrizität aus Erneuerbaren Energiequellen, unter Einbezug aller betroffenen Akteure, reformieren zu wollen, so Minister Schneider weiter in seinem Schreiben, in dem er ebenfalls mitteilt, in Zusammenarbeit mit den anderen Regierungsmitgliedern die Lage in bezug auf die Genehmigungsprozeduren für Installationen im Bereich der Erneuerbaren Energien verbessern zu wollen.

Diese Aussagen von Minister Schneider sind sicherlich zu begrüßen – allerdings darf es nicht, wie so oft bereits, nur bei einer politischen Absichtserklärung bleiben. Dringend notwendige Entscheidungen in bezug auf Förder- bzw. Unterstützungsmaßnahmen für die bestehenden oder geplanten Biogasanlagen wurden bereits zu lange verschleppt, sei es auf politischer oder aber auch auf verwaltungstechnischer Ebene, womit manche Anlagen sich in wirtschaftlich kritischer Situation wiederfinden. Sowohl Energieminister Etienne Schneider als auch Landwirtschaftsminister Romain Schneider mitsamt ihren Verwaltungen sind allemal gefordert, unter Berücksichtigung der Belange der betroffene Akteure, in dieser Angelegenheit schnellstmöglich Nägel mit Köpfen zu machen.