Fungizidmaßnahmen 2012

Pflanzenbau aktuell

Pflanzenschutzstrategie LWK 2012©

WINTERGERSTE

Allein gegen die Blattfleckenkrankheit wäre es möglich, nur eine Fungizidbehandlung als Standard vorzuschlagen. Gegen Ramularia sieht dies aber anders aus. Ramularia sollte behandelt werden, bevor man sie deutlich sieht. Wirtschaftlichen Schaden verursacht die Krankheit erst später, wenn nach dem Ährenschieben zuerst auf den unteren Blättern, und dann auch in den oberen Blattetagen wertvolle Blattfläche verlorengeht. Gegen Ramularia sollten zwei Behandlungen eingeplant werden.

Strebt man hohe Erträge in der Wintergerste an, weil die Lage dies ermöglicht, sind auf jeden Fall zwei Behandlungen notwendig.

Die sinnvollen Möglichkeiten wären im Stadium:

  1.                     i.            EC 32 – 34: Input 1,25 l/ha

                              ii.            EC 39 – 49: Opus team 1,5 l/ha + Olympus 1,5 l/ha

oder eine einmalige Behandlung mit maximal

1,7 l/ha Fandango Pro

nach dem Stadium EC 32 bis spätestens EC 49 gegen Blatt- und Netzflecken.

 WINTERWEIZEN & TRITICALE

 Es wäre falsch, im Winterweizen prinzipiell von nur einer Behandlung auszugehen. Treten früh in der Saison Septoria und Mehltau auf, so muß gehandelt werden. Sollen dann die letzten Blätter und die Ähre vor Pilzkrankheiten geschützt werden, ist eine zweite Fungizidmaßnahme notwendig. Wenn zur Blühzeit optimale Bedingungen für Fusarien herrschen sollten, kommt man um eine Ährenbehandlung nicht herum.

Fusarium-Arten können Ähren nur über die offene Blüte bei Regen infizieren. Wenn zur Blütezeit des Getreides kein Regen fällt, ist keine Behandlung gegen Fusarium notwendig.

Gegen Septoria besteht nur Handlungsbedarf, wenn Regen die Sporen auf die oberen Blätter verteilt hat und die Schadschwelle (siehe regelmäßige Sentinelle-Berichte) erreicht ist.

Mehltau schädigt die jungen Pflanzen erst bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die Sporenproduktion von Mehltau wird nur dann gefördert.

 Mit den aktuell verfügbaren Wirkstoffgruppen (Azole, Kontaktfungizide, Carboxamide, Strobilurine) sollte sehr überlegt umgegangen werden. Es gilt die Resistenz von Septoria zu stoppen, respektiv die Resistenzentwicklung so gut wie nur möglich zu verlangsamen.

 Folgende Punkte sollten bei den Fungizidmaßnahmen berücksichtigt werden:

  • Unnötige Behandlungen sollten vermieden werden. Die Sentinelle-Berichte geben Auskunft über den Krankheitszustand der Referenzparzelle in Ihrer Gegend.
  • Im Laufe des Jahres sollten Produkte von verschiedenen Wirkstoffgruppen angewendet werden.
  • Eine Tankmischung sollte immer aus Fungiziden verschiedener Aktionsgruppen (MoA) bestehen. Auf Anfrage ist die Tabelle mit den MoA-Gruppen bei uns erhältlich und ist auf unserer Webseite veröffentlicht.

(http://www.lwk.lu/beratung/pflanzenschutz/fungizide/getreidefungizide.pdf)

  • Sie müssen sich an die maximalen Aufwandmengen der Zulassungen halten, auch wenn zwei Überfahrten notwendig sein sollten. Die maximal zugelassenen Behandlungen finden Sie unter https://saturn.etat.lu/tapes.
  • Die Aufwandmengen sollten nicht gesplittet werden.
  • Die Fungizidmaßnahmen sollten möglichst infektionsnah eingesetzt werden.

Schema mit 1 Behandlung:

Wenn auf Standorten mit wenig Potential nur eine Fungizidmaßnahme durchgeführt wird, lauten die Möglichkeiten:

Stadium EC 39 – 49

Fandango Pro 0,6 l/ha + Aviator Xpro 0,6 l/ha + Bravo 1 l/ha

oder

Olympus 1,5 l/ha + Skyway Xpro 1,25 l/ha

oder

Adexar 2 l/ha + Bravo 1 l/ha

Falls notwendig kann gegen Mehltau Mildin 0,75 l/ha oder Corbel 1 l/ha zugemischt werden.

(Mildin hat keine Zulassung in Roggen und Dinkel.)

  • Schema mit 2 Behandlungen:

Beim Auftreten von Mehltau und/oder Halmbruch sollten zwei Behandlungen durchgeführt werden. Das anfälligste Stadium für Septoria ist etwa EC 39. Je nach Krankheitsdruck sollte eine der Behandlungen immer dieses Stadium treffen. Die Sentinelle-Berichte im De Letzeburger Bauer und auf www.lwk.lu/beratung helfen beim Feststellen des Stadiums und der Schadschwelle der Septoriasporen.

Man muß beachten, daß bei verschiedenen Wirkstoffen Anwendungseinschränkungen bestehen; diese Produkte dürfen laut Zulassung (auch bei vorher reduzierten Dosen) nicht unbegrenzt oft eingesetzt werden.

Zustand der Kultur

Erste Behandlung:

Zweite Behandlung:

Stadium EC 31 – 39
Stadium EC 49 – 51
gut entwickelter Bestand mit Septoria, Halmbruch und wenig Mehltau am Stengel

Opus Team 0,9 l/ha + Sportak 1 l/ha + Bravo 1 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

stark entwickelter Bestand mit Septoria, Mehltau & Halmbruch

Capalo 1,3 l/ha + Bravo 1 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Aviator Xpro 0,6 l/ha + Fandango Pro 0,6 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

gut entwickelter Bestand mit Septoria, Mehltau und weniger gefährdet für Halmbruch

Input 0,8 l/ha + Bravo 1 l/ha

Adexar 2 l/ha

gut entwickelter Bestand gegen Mehltau, Halmbruch & mäßig Septoria

Stereo 2 l/ha + Bravo 1 l/ha

Olympus 2,5 l/ha + Opus team 1,5 l/ha

oder

oder

Cherokee 2 l/ha

Olympus 2,5 l/ha + Input 0,8 l/ha

nur Mehltau

Mildin 0,75 l/ha oder Corbel 1 l/ha

Bravo enthält genau wie Banko 500 Chlorothalonil (500 g/l). Bravo hat eine Zulassung in Gerste, Triticale und Weizen. Banko 500 ist zusätzlich im Dinkel zugelassen. Im Roggen haben beide Produkte keine Zulassung.

Capalo hat eine bessere vorbeugende Wirkung auf Mehltau als Input und wirkt auch „anhaltender“, dafür hat Impuls (enthalten im Input) aber eine bessere heilende Wirkung. Im Opus Team ist Fenpropimorph gegen Mehltau enthalten (Corbel).

Bei Stoppelweizen sollte, wenn eine frühe Behandlung durchgeführt wird, ein Produkt mit Wirkung gegen Halmbruch gewählt werden (Sportak, Capalo, zum Teil auch Input).

Braunrost bekämpft sich am besten mit strobilurin-haltigen Fungiziden (Fandango Pro, Olympus). Olympus enthält auch noch den Wirkstoff aus Bravo, der eine gute Wirkung auf resistente Septoria hat.

 Bei Fusariumbefall kurz vor Vollblüte:

Wer bereits pfluglos arbeitet und viel Mais in der Fruchtfolge hat, sollte sich auf jeden Fall ab dem Stadium 59 über Fusarien informieren und dann ggfs. ab EC 50-69 die Pilze bekämpfen. Fusarium-Arten können Ähren nur über die offene Blüte bei Regen infizieren. Wenn zur Blütezeit des Getreides kein Regen fällt, ist keine Behandlung gegen Fusarium notwendig.

Stadium EC 61 – 69

Prosaro 1 l/ha (zugelassen gegen Fusarien in den Kulturen Weizen, Dinkel, Triticale und Roggen)

oder

Caramba 60 SL 1 l/ha (zugelassen gegen Fusarien in Winterweizen)

 DINKEL

Schema mit 2 Behandlungen

 

Zustand der Kultur

Erste Behandlung:

Zweite Behandlung:

Stadium EC 31 – 39

Stadium EC 49 – 51

gut entwickelter Bestand mit Septoria, Halmbruch und wenig Mehltau am Stengel

Opus Team 0,9 l/ha + Sportak 1 l/ha + 1 l/ha Banko 500

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

oder

Aviator Xpro 0,6 l/ha + Fandango Pro 0,6 l/ha

gut entwickelter Bestand mit Septoria, Mehltau und weniger gefährdet für Halmbruch

Input 0,8 l/ha + 1 l/ha Banko 500

Adexar 2 l/ha

gut entwickelter Bestand gegen Mehltau, Halmbruch & mäßig Septoria

Cherokee 2 l/ha

Olympus 2,5 l/ha + Opus team 1,5 l/ha

oder

Olympus 2,5 l/ha + Input 0,8 l/ha

nur Mehltau

Corbel 1 l/ha

Bravo enthält genau wie Banko 500 Chlorothalonil (500 g/l). Bravo hat eine Zulassung in Gerste, Triticale und Weizen. Banko 500 ist zusätzlich im Dinkel zugelassen. Im Roggen haben beide Produkte keine Zulassung.

 ROGGEN

Schema mit 2 Behandlungen

 

Zustand der Kultur

Erste Behandlung:

Zweite Behandlung:

Stadium EC 31 – 39

Stadium EC 49 – 51

gut entwickelter Bestand mit Septoria, Halmbruch und wenig Mehltau am Stengel

Opus Team 0,9 l/ha + Sportak 1 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

stark entwickelter Bestand mit Septoria, Mehltau & Halmbruch

Capalo 1,3 l/ha

Aviator Xpro 1,25 l/ha

oder

Aviator Xpro 0,6 l/ha + Fandango Pro 0,6 l/ha

oder

Skyway Xpro 1,25 l/ha

gut entwickelter Bestand mit Septoria, Mehltau und weniger gefährdet für Halmbruch

Input 0,8 l/ha

Adexar 2 l/ha

gut entwickelter Bestand gegen Mehltau, Halmbruch & mäßig Septoria

Stereo 2 l/ha

Olympus 2,5 l/ha + Opus team 1,5 l/ha

oder

oder

Cherokee 2 l/ha

Olympus 2,5 l/ha + Input 0,8 l/ha

nur Mehltau

Corbel 1 l/ha

Allgemein gilt:

  •  Bei einer Fungizidbehandlung immer eine gute Benetzung der Blätter anstreben.
  • Nicht während großer Hitze fahren.
  • Fungizide und Herbizide möglichst nicht mischen (Ausnahme wäre evtl. eine Klettenbekämpfung mit Starane oder Primus).
  • Auf Septoria möglichst Triazole in Mischungen mit Aviator Xpro/Skyway Xpro oder Adexar in einer Tankmischung mit Bravo/Banko 500 anwenden. (Olympus enthält Bravo; Chlorothalonil + ein Strobilurin.) Prothioconazol (Skyway Xpro, Aviator Xpro, Input, Fandango, Prosaro) sowie Epoxiconazol (Adexar, Opus, Opera, Venture, Capalo) jeweils nur 1x jährlich auf der gleichen Kultur anwenden. Wie dringend eine Behandlung gegen Septoria durchgeführt werden soll, entnehmen Sie am besten den Sentinelle-Berichten.
  • Gegen Ramularia in Wintergerste möglichst keine Strobilurine anwenden.
  • Gegen Braunrost möglichst eine Mischung von Strobilurinen und Triazolen anwenden.
  • Wenn Terpal mit Fungiziden gemischt wird, wird Terpal immer als letztes in die Spritze eingefüllt.

Die Pflanzenbauberatung der Landwirtschaftskammer

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Regionaler Florist-WETTBEWERB der Auszubildenden im letzten Lehrjahr aus dem Saarland und Luxemburg

Sonntag, 25.3.2012

GRATULATION! Die talentierten und mutigen Floristlehrlinge Michèle Kass, Ausbildungsbetrieb Fleurs Bonzai, Düdelingen und Tom Dondelinger, Ausbildungsbetrieb Fleurs Stemper, Wiltz stellten sich der Herausforderung und vertraten die Ehre der Luxemburger Jung-Floristen auf dem regionalen Florist-Wettbewerb der Auszubildenden im Saarland. Dies anläßlich der Eröffnung der neuen Vermarktungszentrale der Saargärtner, Saarland Blumen Weber und Trendflor in Saarwellingen. Tom Dondelinger holte sich den Gesamtsieg und ist somit bester Florist-Lehrling der Regionen Saarland und Luxemburg.

Die sechs jungen Teilnehmer aus der Großregion haben sich getraut und haben alle an Erfahrung und in jedem Fall an Souveränität gewonnen. Durchaus ein Vorteil gegenüber ihren Mitschülern bei der bevorstehenden Abschlußprüfung im Juni.

Auf regionaler Ebene findet jährlich der Sar-Lor-Lux-Berufswettbewerb der Floristen im letzten Ausbildungsjahr statt. Der regionale Wettbewerb ist für alle Teilnehmer wie auch für die Prüfer, die Berufsschullehrer sowie die Ausbildungsbetriebe eine optimale Prüfungsvorbereitung. Der Wettbewerb umfaßt drei floristische Aufgabenstellungen. Im Vorfeld sind zwei der Arbeiten bekannt, welche die Kandidaten gemeinsam mit Berufsschullehrer und Ausbildungsbetrieb entwickeln und vorbereiten. Der Wettbewerb fördert durch die Vorbereitungsphase die Verbindung bzw. Beziehung zwischen Lehrling und Ausbildungsbetrieb. Der Lehrling lernt mit der Prüfungssituation umzugehen und wie er sich mit anderen Floristen vergleichen kann. Die Berufsschullehrer und Ausbildungsbetriebe können den Ausbildungsstand ihrer Lehrlinge bewerten. Es findet ein fachspezifischer Austausch auf allen Ebenen statt, man stellt die verschiedenen Bildungssysteme, Prüfungsordnungen und Bewertungskriterien gegenüber.

Die Organisation und Koordination des Wettbewerbes erfolgt zwischen den regionalen gartenbaulichen Verbänden gemeinsam mit den Berufsschulen.

Generell möchten wir die Wichtigkeit solcher Berufswettbewerbe unterstreichen. Darüber hinaus gibt es einen europäischen Berufswettbewerb für Junggärtner aller Fachsparten. Seit 2010 liefen Diskussionen zwischen Berufsschullehrern und den Junggärtnern, erstmals die Organisation eines Luxemburger Vorentscheids des europäischen Berufswettbewerbs zu planen. Dieser fand unter Mithilfe der Junggärtner im Oktober 2011 im Lycée Technique Agricole statt. Genauso werden die Junggärtner als Helfer des geplanten 6. europäischen Berufswettbewerbs der Junggärtner 2012 in Ettelbrück/Luxemburg fungieren. www.bwb.mysite.lu

Weitere Informationen zu Wettbewerben auf nationaler, europäischer & internationaler Ebene in den Bereichen Industrie, Handel und Handwerk finden Sie unter www.luxskill.lu.

Die Landwirtschaft leistet einen unbestreitbaren positiven Beitrag zum Umweltschutz und zur Artenvielfalt

Gelegentlich der Generalversammlung der Fördergemeinschaft Integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg Anfang dieser Woche (16. KW) äußerte deren Präsident Nico Kass seine Sorgen über den Platz, der künftig hierzulande einer produktiven Landwirtschaft bzw. der Herstellung von Lebensmitteln verbleibt, und stellte dabei zurecht (sinngemäß) die Frage, wie es möglich sein soll, eine nachhaltige und rentable Landwirtschaft auf einer immer kleineren Fläche mit immer mehr Auflagen und extensiveren Produktionsmethoden, so wie diese von manchen Politikern bzw. der Ökolobby gepredigt werden, zu betreiben. Zurecht verwies er ebenfalls darauf, daß gemäß vorliegenden sektoriellen Plänen, der Landwirtschaft noch tausende von Hektaren für Industrie, Wohnungs- und Infrastrukturbau entzogen werden sollen, wozu sich letztendlich noch die Kompensierungsflächen gesellen.

Seitens der Bauernzentrale war in der rezenten Vergangenheit bereits mehrfach auf die Problematik des Flächenverbrauchs hingewiesen, dabei auch ein verstärkter Schutz der landwirtschaftlichen Fläche eingefordert worden. Die Bauernzentrale wird allemal weiterhin auf diese Problematik hinweisen und ihre Forderung wiederholen.

In die gleiche Richtung gehen die Äußerungen von Landwirtschaftsminister Schneider, sei es im Rahmen der FILL-Generalversammlung oder aber bei anderen Gelegenheiten, dies mit Verweis auf die Zielsetzungen der Gemeinsamen Agrarpolitik und auf die notwendige Steigerung der Lebensmittelproduktion, die mit dem Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahrzehnten einhergeht. Angesichts der sich stellenden Herausforderungen in bezug auf die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung würden sämtliche landwirtschaftlich genutzten Flächen weiterhin gebraucht und es gelte demnach aufzupassen, daß die Flächen für die Landwirtschaft und damit auch die Nahrungsmittelproduktion erhalten blieben, so Minister Schneider, der zudem unterstrich, und dies zutreffend, daß die Landwirtschaft wesentlich zum Naturschutz beiträgt, das im übrigen der Landwirt seit hunderten von Jahren der erste Naturschützer ist und dies auch künftig bleiben wird.

Diese Ansichten scheinen andere Akteure der hiesigen politischen Szene nicht zu teilen und tendieren immer noch oder immer wieder dazu, Nachhaltigkeit ausschließlich auf Ökologie oder gar Biodiversität zu reduzieren, zögern dabei auch nicht, die Landwirtschaft an den Pranger zu stellen, obwohl gewußt ist, daß die angeführten Biodiversitätsverluste ihre Ursachen weitestgehend in der allgemeinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung haben. Diese Tatsache wird wohl mit vorgehaltener Hand angedeutet, um dann umso vehementer die Landwirtschaft als Hauptverursacher jeglichen Biodiversitätsverlustes zu stigmatisieren und ihr die ganze Last etwaiger Kompensierungen aufbürden zu wollen. Politisch  ist dies vielleicht der einfachere, weil populistische Weg, richtig und nachhaltig ist er dennoch nicht.

Fest steht allemal – es wurde bereits vielfach hervorgehoben –, daß Nachhaltigkeit sehr viel mehr als nur Umweltschutz oder Biodiversität ist; zur Nachhaltigkeit gehört auch die Modernisierung der Betriebe, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, die Sicherung des Einkommens oder aber die soziale Besserstellung der in der Landwirtschaft tätigen Menschen. Es wäre allemal fatal, Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft auf extensive Bewirtschaftungsmethoden oder gar auf Renaturierung und Haltung von Zotteltieren reduzieren zu wollen, wobei die Fragen über Sinn und Zweckmäßigkeit derartiger Projekte immer noch offen bleiben.

Ebenso fatal wäre es, die gemeinsame Agrarpolitik ausschließlich nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichten zu wollen und dabei die Herstellung von ausreichenden Lebensmitteln, den Einsatz moderner Techniken zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zu Produktivitätsgewinnen, angemessene Erzeugerpreise bzw. insgesamt die Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft hintanstellen zu wollen. Im Rahmen der Reformvorschläge wurden die Zielsetzungen der gemeinsamen Agrarpolitik nochmals klar definiert: (1) eine rentable Nahrungsmittelproduktion und die Sicherstellung der Ernährung in Europa und in der Welt als erste Priorität, (2) die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und (3) eine ausgewogene räumliche Entwicklung. Auch Wissenschaftler sind in ihren Analysen und Ausführungen gefordert, den sich stellenden Herausforderungen Rechnung zu tragen und nicht nur alles durch die grüne Brille zu sehen.

Die hiesige konventionelle Landwirtschaft wirtschaftet ressourcenschonend und nachhaltig, womit sie unbestreitbar einen bedeutenden und unersetzlichen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz ebenso wie zur Artenvielfalt leistet. Und wenn von der Anwendung umweltschonender Produktionsmethoden im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen die Rede geht, so muß ebenso unbestreitbar anerkannt werden, daß die hiesige Landwirtschaft sich diesbezüglich europaweit im Spitzenpeloton situiert und diese Maßnahmen auf eine sehr breite Akzeptanz bei den Landwirten stoßen.

Die Landwirtschaft erwartet allemal, daß die von ihr im Interesse der Umwelt erbrachten weitreichenden Leistungen voll anerkannt werden, und daß die Rahmenbedingungen mitsamt dem Schutz der landwirtschaftlich genutzten Fläche so gestaltet werden, daß auch künftig eine produktive und nachhaltige Landbewirtschaftung, so wie wir sie kennen, gefördert und politisch unterstützt wird.

Stellungnahme der Bauernzentrale zu den Reformvorschlägen der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Bauernzentrale hat sich mehrfach in ihren Gremien mit den Vorschlägen der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik befaßt und dazu nachstehende Stellungnahme ausgearbeitet.

In ihrer Mitteilung von Oktober 2010 unter dem Titel: „Die GAP bis 2020: Nahrungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Gebiete – die künftigen Herausforderungen“ skizziert die Kommission die spezifischen Herausforderungen für die Landwirtschaft der Zukunft und damit auch die Ziele der Agrarpolitik: (1) die Sicherstellung der Ernährung in Europa und in der Welt, als Hauptaufgabe der Landwirtschaft, sowie eine rentable Nahrungsmittelproduktion, (2) die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und die Steigerung des Potentials des Agrarsektors in bezug auf den Klimaschutz sowie dessen Anpassung an den Klimawandel; (3) eine ausgewogenen räumliche Entwicklung mit Förderung der Beschäftigung und Verbesserung der ländlichen Wirtschaften, wobei die Lebensfähigkeit und das Potential vieler ländlicher Gebiete weiterhin vom Vorhandensein eines wettbewerbsfähigen und dynamischen Agrarsektors abhängen.

Es sind dies wichtige und gewichtige Herausforderungen an die Gemeinsame Agrarpolitik und mithin an die Landwirtschaft, wobei auch gleichzeitig die an sie gestellten Erwartungen ständig wachsen, sei dies in bezug auf Produktqualität und Rückverfolgbarkeit oder aber in bezug auf Umwelt-, Natur- und Wasserschutz, sowie in bezug auf Klimaschutz, Landschaftsschutz, erneuerbaren Energien bzw. Nutzung der Biomasse zu Energiezwecken, ländliche Wirtschaft und Landesplanung. Damit werden der Landwirtschaft und der Gemeinsamen Agrarpolitik ständig zusätzliche Verantwortungen auferlegt, ohne daß allerdings die bereits von ihr erbrachten Leistungen die notwendige Anerkennung finden.

In der Tat werden bei den Diskussionen um die Landwirtschaft immer wieder die Kosten der Gemeinsamen Agrarpolitik in den Vordergrund gestellt ebenso wie die ökologischen Aspekte und Forderungen, nicht aber die Leistungen, die die Landwirtschaft bereits jetzt tagtäglich im Interesse der Gesellschaft erbringt, angefangen bei der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, dies zu relativ niedrigen Preisen, darüber hinaus im Bereich der Landschaftspflege und des Umwelt- und Naturschutzes, um nur diese Aspekte zu erwähnen.

Bei den Diskussionen um die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik gilt es demnach, zunächst diese Leistungen anzuerkennen, dabei auch zu beachten, daß die wirtschaftliche Nachhaltigkeit die Voraussetzung überhaupt für ökologische und soziale Nachhaltigkeit ist.

Der Einkommenslage in der Landwirtschaft muß demzufolge eine besondere Beachtung zukommen: Seit Jahren liegt das landwirtschaftliche Einkommen weit hinter demjenigen der anderen Wirtschaftszweige zurück, auch hierzulande. Die Erzeugerpreise situieren sich heute auf einem niedrigeren Niveau als vor zehn Jahren, während die Produktionskosten in diesem Zeitraum um 40% bis 50% angestiegen sind.

Die in den letzten zwei Jahrzehnten vorgenommenen Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik bzw. der damit vollzogene Paradigmenwechsel haben wesentliche Erzeugerpreissenkungen bewirkt, die zu einem Teil durch Direktzahlungen ausgeglichen wurden. Damit kommt den Direktzahlungen eine wesentliche Rolle in bezug auf das landwirtschaftliche Einkommen zu. Laut Kommissionsangaben liegt der Anteil der Direktzahlungen am landwirtschaftlichen Einkommen im EU-Durchschnitt bei 30% mit einer bedeutenden Variation je nach Mitgliedstaat (von ein paar Prozent auf Malta bis 70% in Dänemark). Sie stellen hierzulande in etwa 38% des Einkommens dar.

Diese Zahlen belegen, daß die Beibehaltung der Direktzahlungen unabdingbar für den Fortbestand der Betriebe ist. Das gleiche gilt für die Zahlungen innerhalb der zweiten Säule wobei die entsprechenden Maßnahmen eine eminent wichtige Rolle einerseits in bezug auf die Modernisierung der Betriebe und die Stärkung von deren Wettbewerbsfähigkeit spielen, andererseits in bezug auf die Entgeltung der von der Landwirtschaft erbrachten öffentlichen Güter im Bereich Natur- und Umweltschutz.

In dem Sinn bleibt es ebenfalls unabdingbar, daß auf europäischer Ebene die notwendigen Haushaltsmittel bereitgestellt werden. Angesichts der zu bewältigenden Aufgaben muß der EU-Agrarhaushalt zumindest auf dem derzeitigen Niveau erhalten bleiben bzw. müßte sogar noch angehoben werden. Die Aufgaben und Erwartungen an die Gemeinsame Agrarpolitik sind gewaltig: Dementsprechend muß Europa auch bereit sein, die dafür erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit der Landwirtschaft bzw. dem Agrarsektor insgesamt reale Perspektiven erhalten bleiben und die sich stellenden Herausforderungen angegangen werden können.

In nachstehenden Ausführungen wird auf die für die hiesige Landwirtschaft relevanten Aspekte der Reformvorschläge eingegangen, dies in bezug auf

–         die Direktzahlungen

–         die Politik zur ländlichen Entwicklung

–         die einheitliche Marktorganisation

 Die Direktzahlungen

  Basisprämie und Greening der Direktzahlungen

Vorschlag der Kommission:

1.  Spezifische Regelung für 2013

– Kürzung der Direktzahlungen um Modulationssatz:  Kürzung aller Direktzahlungen oberhalb von 5.000 Euro (10 % + zusätzlich 4% für Betriebe, die mehr als 300.000 Euro erhalten) Der Wert der einzelnen Betriebsprämien wird entsprechend reduziert

Keine Modulation mehr in 2013

2. Ab 2014

– Aufteilung der Direktzahlungen in eine Basisprämie und eine Greening-Zahlung, wobei 30% der Direktzahlungen an die Greening-Auflagen gebunden werden

– Greening der Direktzahlungen

Bedingungen:

  1. Anbau von drei verschiedenen Kulturpflanzen, wenn das Ackerland des Betriebsinhabers mehr als 3 Hektar beträgt – Die kleinste Kultur muss auf mindestens 5% der Ackerfläche angebaut werden, die Hauptkultur auf maximal 70%.
  2. Beibehalten des bestehenden Dauergrünlands
  3. Oekologische Stillegung  von mindestens 7% der beihilfefähigen Ackerlandfläche, wie Brachflächen, Terrassen, Landschaftselemente, Pufferstreifen sowie AufforstungsflächenBetriebsinhaber, deren Betriebe ganz oder teilweise in Natura-2000, Vogelschutzgebieten liegen, haben Anrecht auf die Zahlung, sofern sie die in genannten Landbewirtschaftungsmethoden in dem Umfang einhalten, wie diese in dem betreffenden Betrieb mit den Zielen der genannten Richtlinien vereinbar sind. Bio-Landwirtschaft hat automatisch Anrecht auf die Zahlung.

Eines der Hauptmerkmale der Reformvorschläge ist die Aufteilung der Direktzahlungen in eine Basisprämie und eine Greening-Komponente, wobei 30% der Direktzahlungen an das Einhalten der sogenannten Greening-Maßnahmen gebunden werden sollen.

Die Bauernzentrale spricht sich entschieden gegen die angedachten Greening-Maßnahmen aus. Dieselben sind aus ökologischer, wirtschaftlicher und vor allem auch ernährungspolitischer Sicht unvertretbar.

Wenn auch die angedachten Maßnahmen betreffend den Erhalt von Grünland und der obligate Anbau von mindestens drei Kulturen hierzulande weniger einschneidende Auswirkungen mit sich bringen dürften, ist dem nicht so für die angedachte sogenannte ökologische Vorrangfläche (auf 7 Prozent der Fläche), die konkret eine faktische Stillegung von 7% des Ackerlands bedeuten könnte.

Eine solche Maßnahme hätte unweigerlich schwerwiegende Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion, insofern damit die Produktionskapazitäten spürbar verringert würden, dies gerade zu einem Zeitpunkt wo das Thema einer ausreichenden Lebensmittelversorgung, immer mehr an politischer und gesellschaftlicher Brisanz gewinnt. Sie bedeutet nämlich, daß in der europäischen Union 5 bis 7 Millionen Hektar Ackerfläche aus der Produktion genommen werden müßten: Flächen, die für die Erzeugung von Lebensmitteln, von Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen fehlen und nicht auf andere Weise bzw. anderswo kompensiert werden können. Wesentlich sinnvoller wäre es, gerade den Anbau von Eiweißpflanzen in Europa allgemein zu fördern bzw. einen regelrechten Plan für den Anbau von Eiweißpflanzen in die Wege zu leiten.

Ackerland ist hierzulande bereits heute ein knapper Faktor und würde damit nochmals zusätzlich verringert, mit allen Negativfolgen in bezug auf die Betriebsführung, den Viehbesatz, usw. Zudem ist zu berücksichtigen, daß hierzulande bereits viele Flächen in Schutzzonen liegen, zu denen demnächst auch noch die Wasserschutzzonen hinzukommen. Eine 7%ige faktische Stillegung von Ackerland würde demzufolge die Produktionskapazitäten der hiesigen Landwirtschaft sehr stark schmälern.

Gleichzeitig würde damit das landwirtschaftliche Einkommen einmal mehr negativ beeinflußt, da dem Landwirt die Bewirtschaftung eines Teils seiner produktiven Ackerflächen untersagt bliebe.

 Auch aus ökologischer Sicht müssen solche Maßnahmen als wenig effizient bewertet werden. Wie auch von der europäischen Landwirtschaft angeführt, macht es keinen Sinn, quer durch Europa, ohne Berücksichtigung der natürlichen und klimatischen Begebenheiten bzw. der vorhandenen Betriebsstrukturen, alle Landwirte undifferenziert den gleichen Auflagen zu unterwerfen, dies unabhängig von den sich stellenden Problemen in bezug auf den Ressourcenschutz bzw. den bereits jetzt in dieser Hinsicht von Seiten der Landwirtschaft erbrachten Leistungen.

  • Die Bauernzentrale lehnt demnach das geplante Greening der Direktzahlungen entschieden ab. Ökologische Aspekte bzw. Bewirtschaftungsmethoden sollten wie bislang vertraglich ausschließlich in der 2. Säule verbleiben.
  •  Zudem sieht die Bauernzentrale es als nicht berechtigt an, Kleinsterzeuger sowie Betriebe, die nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft arbeiten, von dieser Maßnahme auszunehmen.

Bereits bei der Einführung der Flächenprämien in 2005 wurden den Betrieben zahlreiche ökologische Flächen aus ihrer förderfähigen Fläche herausgerechnet: Strukturelemente ab einer gewissen Größe, Ackerränder, Bäche, Uferränder …usw., d.h. alles Flächen von ökologischer Bedeutung, die jedoch keine oder eine negative Beachtung bei der Definition der förderfähigen Flächen fanden.

  • Demzufolge fordert die Bauernzentrale im Falle, wo die Greening-Komponente bei den Reformplänen zurückbehalten wird, daß diese bislang als nicht förderfähig geltenden Flächen als förderfähige ökologische Vorrangflächen angerechnet werden.

Unannehmbar und politisch nicht vertretbar wäre es allemal, wenn die Landwirte eine doppelte Kürzung ihrer Produktionsflächen hinnehmen müßten bzw. zweimal zur Kasse gebeten würden.

Die Agrarumweltmaßnahmen haben allgemein bei der hiesigen Landwirtschaft eine breite Akzeptanz gefunden. Viele Flächen wurden in die eine oder andere Agrarumweltmaßnahme eingebunden und erfüllen damit bereits eine bedeutende ökologische Rolle.

  • Die Bauernzentrale fordert, daß ebenfalls die in verschiedenen Agrarumweltmaßnahmen eingebundenen Flächen angerechnet werden, dies ohne den Verlust der anhängigen Ausgleichszahlungen.

 Cross Compliance

Vorschlag der Kommission:

Gewährung der Basisprämie an Einhalten der Cross Compliance Bestimmungen gebunden.

Zu den bestehenden Cross Compliance Auflagen sollen verpflichtend hinzu kommen:

– die Berücksichtigung der Auflagen im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie und der Richtlinien für Pflanzenschutzmittel,

– der Erhalt des Humusgehaltes im Boden, der Schutz von Feuchtgebieten und kohlenstoffreichen Böden ( Umpflugverbot),

–  Maßnahmen zur Verhinderung von invasiven Arten und Schädlingen

–  Maßnahmen in bezug auf die Landschaftsgestaltung, der Erhalt der Terrassen

– Schneideverbot von Hecken und Bäumen während der Brutzeit der Vögel.

 

Die Bauernzentrale stellt mit Bedauern fest, daß die Kommission, entgegen ihrer Ankündigung – dazu tendiert, die Cross Compliance-Bestimmungen noch zusätzlich auszudehnen und zu verschärfen. Zu den bestehenden Cross Compliance-Auflagen sollen verpflichtend hinzukommen: die Auflagen im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie und der Richtlinien für Pflanzenschutzmittel, der Erhalt des Humusgehaltes im Boden, Maßnahmen zur Verhinderung von invasiven Arten und Schädlingen sowie Maßnahmen in bezug auf die Landschaftsgestaltung.

Dies bedeutet konkret, daß die Landwirte gegebenenfalls spürbare Produktionsrestriktionen und Auflagen hinnehmen müssten, ohne Anspruch auf irgendeinen Ausgleich, daß auch bislang gewährte Ausgleichszahlungen für Leistungen in diesen Bereichen wegfallen würden, was sich negativ auf das Einkommen der Betriebe auswirkt.

  • Die Bauernzentrale lehnt eine solche Ausweitung der Cross Compliance-Bestimmungen entschieden ab. Ihrer Ansicht nach dürfen keinesfalls Auflagen in Natura 2000 und Wasserschutzgebieten in die Cross Compliance-Bestimmungen aufgenommen werden. Auch Maßnahmen in bezug auf die Landschaftsgestaltung oder invasive Arten dürfen nicht Bestandteil der Cross Compliance-Bestimmungen werden.

Eine solche Ausweitung würde einerseits eine unberechtigte und nicht zu rechtfertigende Belastung der in diesen Gebieten betroffenen Landwirte gegenüber nicht betroffenen Gebieten mit sich bringen. Andererseits würden der Landwirtschaft Auflagen auferlegt in Bereichen, in denen sie kaum Aktionsmöglichkeiten hätten. Invasive Arten können jedenfalls nicht der Landwirtschaft angelastet werden. Sie ist vielmehr das Opfer davon.

  • Die Bauernzentrale fordert demnach, daß sämtliche Auflagen in Zusammenhang mit etwaigen Schutzgebieten in der zweiten Säule belassen werden und in der zweiten Säule gebührend entschädigt werden. Das gleiche gilt für den Erhalt von Landschaftselementen bzw. für Maßnahmen , die sich im Kampf gegen invasive Arten aufdrängen.

 Umverteilung der Mittel zwischen den Mitgliedstaaten

 Vorschlag der Kommission:

Gemäß Vorschlag der Kommission soll für die Mitgliedstaaten, die 2013 pro Hektar weniger als 90% der durchschnittlichen EU-Direktbeihilfen erhalten, der Unterschied bis 2020 zu dem dann gültigen Durchschnitt um ein Drittel reduziert werden. Dazu erfolgt eine schrittweise Kürzung der nationalen Obergrenze um durchschnittlich 4 Prozent bis 2017

Insofern der Durchschnittswert der Direktzahlungen hierzulande sich in etwa auf dem europäischen Durchschnittswert der Direktzahlungen situiert, dürfte die Luxemburger Landwirtschaft weniger als andere Länder von der geplanten Umverteilung der Mittel zwischen den Mitgliedstaaten betroffen sein. Die Bauernzentrale kann sowohl die Argumente derjenigen Staaten nachvollziehen, die sich am Ende der Skala befinden und demzufolge eine Anpassung ihrer Direktzahlungen an den EU-Durchschnitt fordern, als auch diejenigen der Mitgliedstaaten, die sich an der Spitze befinden und riskieren, mit der vorgeschlagenen Umverteilung eine spürbare Kürzung ihrer Direktzahlungen hinnehmen zu müssen. Angesichts der Zusammensetzung des landwirtschaftlichen Einkommens wird nämlich jedwede Kürzung der Direktzahlungen wesentliche Auswirkungen auf das Betriebseinkommen haben, vor allem wird damit auch die dringend benötigte Planungssicherheit insbesondere für die Betriebe, die sich modernisieren, unterlaufen. Wenn es berechtigt ist, eine faire und gerechte Behandlung aller europäischen Landwirte anzustreben, so ist es ebenfalls dringend geboten, die Ausgangspositionen sowie die eventuellen Auswirkungen gebührend zu berücksichtigen, um eine Fragilisierung der Betriebe mit historisch bedingten höheren Direktzahlungen zu verhindern.

 Umverteilung auf Ebene der Mitgliedstaaten zwischen den Betrieben

Vorschlag der Kommission:

Bis 2019: schrittweise Annäherung des Wertes der Zahlungsansprüche auf nationaler oder regionaler Ebene –  ab 2019: nationale oder regionale Flatrate

Ähnliche Überlegungen müssen in bezug auf eine Umverteilung auf Ebene der Mitgliedstaaten getätigt werden, dies angesichts der Vorgabe, bis 2019 national oder regional eine Einheitsprämie zu gewähren.

Hierzulande liegen die Direktzahlungen in einer Spanne von rund 95 Euro bis über 600 Euro wobei das Gros davon zwischen 200 und 400 Euro liegt. Bei der Erstzuteilung 2005 lagen die Direktzahlungen für 82% der prämienfähigen Fläche in diesem Segment, während 8% der Flächen eine Prämie von weniger als 200 Euro (darunter auch die Stillegungsflächen) und 10% eine Prämie von mehr als 400 Euro erhielten. Gemäß den Angaben der EU-Kommission dürfte die durchschnittliche Direktzahlung hierzulande (unter Voraussetzung des geplanten EU-Agrarhaushaltes) bei etwa knapp 270 Euro liegen.

Die Angleichung der Direktzahlungen wird unweigerlich mit schwerwiegenden nachteiligen Auswirkungen für die Betriebe einhergehen, deren Ansprüche derzeit über diesem Durchschnittswert liegen und tiefgreifende Einschnitte in deren Einkommen mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, diese Angleichung möglichst behutsam zu machen und über den vollen Zeitraum bis 2019 zu strecken.

  • In dem Sinn spricht die Bauernzentrale sich gegen die von der Kommission vorgeschlagenen hohe Startlast im Jahr 2014 aus. Zudem erachtet sie es als dringend geboten, bei sonstigen Punkten die Weichen so zu stellen, daß möglichst viele Mittel für die tatsächlich produktiven Betriebe reserviert bleiben. Dies betrifft u.a. die Definition der Kleinerzeuger und diejenige der aktiven Landwirte.

 Kleinerzeuger und aktive Landwirte

 Vorgeschlagene Definition des aktiven Landwirts:

Keine Direktzahlungen dürfen gewährt werden, wenn

(a) der jährliche Betrag der Direktzahlungen sich auf weniger als 5% der Gesamteinkünfte aus nicht landwirtschaftlichen Tätigkeiten im jüngsten Steuerjahr beläuft

oder

(b) die landwirtschaftlichen Flächen hauptsächlich Flächen sind , die auf natürliche Weise in einem für die Beweidung oder den Anbau geeigneten Zustand erhalten werden, und auf denen nicht eine vom Mitgliedstaaten festgelegte Mindesttätigkeit stattfindet

Ausgenommen:    Landwirte, die weniger als 5000 Euro Direktzahlugen im Vorjahr erhalten haben

Gemäß Kommissionsvorschlag haben jene Landwirte Anrecht auf Direktzahlungen, die einen Mindestbetrag von 100 Euro erhalten oder mindestens 1 ha Land bewirtschaften. Diese Mindestgrenzen können je nach Land angepaßt werden. Für Luxemburg kann die Mindestgrenze bei 300 Euro oder 4 ha festgesetzt werden.

  • Die Bauernzentrale schlägt demzufolge vor, Direktzahlungen nur an Landwirte zu gewähren, die mindestens 4 ha bewirtschaften.

Insgesamt muß allerdings in diesem Zusammenhang bemängelt werden, daß auf europäischer Ebene, in bezug auf die Betriebsgrößen, keine ausreichende Differenzierung in bezug auf die verschiedenen Kulturen gemacht wird, d.h. zwischen rein landwirtschaftlicher Fläche und Flächen mit Spezialkulturen. Die Überlegungen in dieser Stellungnahme beziehen sich auf rein landwirtschaftliche Flächen.

Für die Bauernzentrale muß des weiteren sichergestellt werden, daß Direktzahlungen nur an Landwirte gewährt werden, die tatsächlich zur Ernährungssicherheit beitragen, d.h. konkret Produkte auf den Markt bringen. Direktzahlungen dürfen allemal nicht landwirtschaftlich nicht aktiven Grundbesitzern oder Hobby-Landwirten zugestanden werden.

Die von der Kommission vorgeschlagene Definition ist nach Meinung der Bauernzentrale nicht ausreichend, wenig operationell und mit viel Bürokratie verbunden, demzufolge auch wenig effizient. Zudem erachtet die Bauernzentrale es als nicht gerechtfertigt, Bezieher von Direktzahlungen bis zu 5.000 Euro automatisch als aktive Landwirte zu betrachten. Laut Kommissionsangaben erhielten 2010 EU-weit 81% der Bezieher von Direktzahlungen weniger als 5.000 Euro. Schwer vertretbar wäre es, eine Definition des Begriffs „aktiver Landwirt“ zurückzubehalten, die von vornherein für einen Großteil der Prämienbezieher keine Anwendung finden würde, zumal die Bauernzentrale davon überzeugt ist, daß sich darunter auch viele Bezieher von Direktzahlungen befinden, die so oder so die Bedingungen eines aktiven Landwirts nicht erfüllen.

  • Die Bauernzentrale lehnt die von der Kommission vorgeschlagene Definition des aktiven Landwirts ab, ebenso wie den Vorschlag, Prämienbezieher bis 5.000 Euro von der Definition des aktiven Landwirts auszuklammern.
  • Vielmehr sollte überprüft werden, inwieweit die Gewährung der Direktzahlungen auf diejenigen begrenzt werden kann, die als haupt- oder nebenberufliche Landwirte bei den Sozialversicherungen registriert sind bzw. deren Betrieb eine festzulegende Größe hat und tatsächlich Produkte auf den Markt bringt. Zusätzlich muß die Gewährung der Direktzahlungen an die Bedingung gebunden werden, daß der Bezieherbetrieb alle Mindestelemente eines landwirtschaftlichen Betriebes aufweist bzw. über funktionsfähige Betriebseinrichtungen verfügt und/oder eine Mindestbesatzdichte bei Vieh aufweist.
  • Die zurückbehaltene Definition des aktiven Landwirts muß auf alle Bezieher von Direktzahlungen, egal wie groß oder klein, Anwendung finden.
  • Des weiteren sollte darauf hingewirkt werden, die Definition des aktiven Landwirts, entsprechend dem Prinzip der Subsidiarität, in die Zuständigkeit der Nationalstaaten zu legen.

  Zuteilung von Prämienansprüchen

 Vorschlag der Kommission:

– Neuzuteilung der Zahlungsansprüche auf Basis des Flächenantrags von 2014 wobei gilt:

1 Hektar = 1 Zahlungsanspruch

– Nur Landwirte, die im Jahr 2011 mindestens 1 Zahlungsanspruch aktiviert haben, erhalten 2014 Zahlungsansprüche

– Festsetzung des Wertes der Basisprämien durch Teilung der nationalen Obergrenzen durch die Zahl der beantragten Prämienansprüche

Übertragung der Prämienansprüche weiterhin möglich durch Pacht oder Verkauf

Laut Kommissionsvorschlag werden die Direktzahlungen 2014 neu an die Betriebe zugeteilt, dies auf Basis der zu dem Zeitpunkt bewirtschafteten Flächen. Angesichts des hohen Pachtanteils in den landwirtschaftlichen Flächen muß verhindert werden, daß in den kommenden 2 Jahren nun massiv Pachtverträge gekündigt werden, in der Absicht sich 2014 eine möglichst große Zahl von Prämienansprüchen zu sichern. Es wäre dies nämlich eine für viele Betriebe schädigende Entwicklung, entweder weil sie Betriebsflächen verlieren würden oder aber überteuerte Pachtpreise zahlen müßten.

  • Die Bauernzentrale erachtet es demzufolge als dringend geboten, Schutzmechanismen in dieser Hinsicht vorzusehen.

Die Bauernzentrale bedauert, daß im Kommissionsvorschlag weiterhin die Möglichkeit des Prämienverkaufs bzw. der Prämienpacht vorgesehen ist; damit werden die aktiven Landwirte weiterhin mit unnötigen und eigentlich nicht gerechtfertigten Kosten belastet.

  • Die Bauernzentrale spricht sich allemal gegen die Möglichkeit von Prämientransfers durch Kauf oder Pacht aus. Nicht mehr genutzte Prämienansprüche sollen der Nationalreserve zugeführt und über diesen Weg neu zugeteilt werden.

Die Bauernzentrale hat Kenntnis davon genommen, daß nur Betriebe, die 2011 mindestens eine Prämienanspruch aktiviert haben, 2014 Prämienansprüche beantragen können. Dies bedeutet im Klartext, daß diejenigen Betriebe, die nach Einführung des Prämiensystems in 2005 ihre Flächen mit den dazugehörigen Prämienansprüchen verpachtet haben, keinen Anspruch mehr auf Prämien haben werden.

  • Nach Auffassung der Bauernzentrale wäre es angebracht, im Sinne einer Gleichbehandlung, vor einer Neuzuteilung von Direktzahlungen tatsächlich alle Betriebe einer Überprüfung zu unterziehen, dies entsprechend der vorgenannten Kriterien (aktiver Landwirt), um mißbräuchliche Anträge aussortieren zu können.

 Kappung der Direktzahlungen

 Vorschlag der Kommission:

– Kürzung der Direktzahlungen

                – um 20 % für die Tranche über 150 000 EUR bis zu 200 000 EUR;

                – um 40 % für die Tranche über 200 000 EUR bis zu 250 000 EUR;

                – um 70 % für die Tranche über 250 000 EUR bis zu 300 000 EUR;

                – um 100 % für die Tranche über 300 000 EUR.

 –  Vom Betrag der Direktzahlungen abgezogen werden die vom Betriebsinhaber im Vorjahr tatsächlich gezahlten und ausgewiesenen Löhne, einschließlich Steuern und Sozialbeiträge für die Beschäftigten

Betriebe dürfen nicht künstlich gesplittet werden, ansonsten Sanktionen

Das vorgeschlagene System der Kappung oder Deckelung der Direktzahlungen ist komplex in seiner Anwendung und bedeutet ein wesentliches Mehr an Verwaltungsaufwand, das in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen dadurch bewirkten Einsparungen steht. Zudem riskiert eine solche Bestimmung den Strukturwandel in der Landwirtschaft zu blockieren bzw. hierzulande gerade Gemeinschaftsbetriebe zu benachteiligen.

  • Die Bauernzentrale spricht sich demzufolge gegen die Kappung der Direktzahlungen aus.
  • Sollte ein solches System in irgendeiner Weise zurückbehalten werden, so müssen a) die Obergrenzen höher liegen, b) die Struktur der Betriebe (insbesondere der Gemeinschafts- oder Fusionsbetriebe) in Rechnung gestellt und c) die im Betrieb tätigen Familienarbeitskräfte gebührend berücksichtigt werden.

 Spezifische Zusatzzahlung an Junglandwirte

 Vorschlag der Kommission:

Gewährung einer zusätzlichen jährlichen Zahlung an Junglandwirte, d.h.

 (a) natürliche Personen, die sich erstmals in einem landwirtschaftlichen Betrieb installieren oder die sich während der fünf Jahre vor dem im Rahmen der Basisprämienregelung erstmalig gestellten Beihilfeantrag installiert haben  und
(b) die zum Zeitpunkt der Antragstellung weniger als 40 Jahre sind.

– Zahlung wird für maximal 5 Jahre gewährt

– Anhebung der Basisprämie um 25% des Durchschnittswertes der vom Betriebsinhaber aktivierten Zahlungsansprüche x Zahl der aktivierten Zahlungsansprüche – Wird für eine maximale Zahl an Hektaren gewährt: in Luxemburg für maximal 57 ha

– Maximal zur Verfügung stehender Betrag: 2 % der nationalen Obergrenze

Es ist zweifelsohne zu begrüßen, daß die Kommission das Problem des Generationswechsels in der Landwirtschaft verstärkt in den Mittelpunkt stellt. Auch hierzulande ist die Zahl der jährlichen Neuinstallierungen von Junglandwirten ungenügend, um einen tatsächlichen Generationswechsel zu gewährleisten.

Nach Meinung der Bauernzentrale sind die im Rahmen der Direktzahlungen vorgeschlagenen Maßnahmen allerdings weitgehend ungenügend, um den sich real stellenden Problemen, an erster Stelle die Einkommenslage, zu begegnen. Zudem bedeutet diese Maßnahme zunächst eine Kürzung um 2% aller Direktzahlungen, d.h. auch derjenigen der Junglandwirte, ohne daß die dadurch hierzulande gewährte Zusatzstützung während fünf Jahren zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lage führt.

  • Die Bauernzentrale wehrt sich nicht gegen eine solche Maßnahme, bezweifelt allerdings, daß damit die angestrebten Ziele tatsächlich erreicht werden können.

Eine solche Maßnahme macht nämlich (wie erwähnt), nur Sinn, wenn die übrigen Rahmenbedingungen stimmen. So wie die anderen Betriebsleiter werden nämlich auch die Junglandwirte mit den Greening-Maßnahmen und den damit einhergehenden Kosten bzw. mit ungenügenden Erzeugerpreisen, unfairen Wettbewerbsbedingungen und überhöhten Auflagen und Restriktionen behaftet werden.

 Gekoppelte Zahlungen, Kleinerzeugerregelung, benachteiligte Gebiete,…

Die Vorschläge zu gekoppelten Zahlungen sind kaum relevant für die hiesige Landwirtschaft: Sämtliche Zahlungen wurden bereits 2005 entkoppelt und es sollte demnach von einer erneuten Kopplung abgesehen werden.

Die Kleinerzeugerregelung dürfte hierzulande kaum Anwendung finden, wenn die unter „Aktive Landwirte und Kleinerzeuger“ erwähnten Kriterien berücksichtigt werden. Es wäre allemal schwer zu akzeptieren, wenn Gelder von den Direktzahlungen der aktiven Landwirte abgezweigt würden, dies zu Gunsten von Betrieben, die keine oder kaum eine marktfähige Produktion hätten, nicht wettbewerbsfähig sind und eigentlich nur auf die Selbstversorgung oder aber auf eine Hobby-Aktivität ausgerichtet sind.

Für Luxemburg bleibt das Thema der benachteiligten Gebiete ein äußerst wichtiges, aber auch ein sehr sensibles Thema. So oder so sollte jedenfalls nach Meinung der Bauernzentrale hierzulande von einer Stützung der benachteiligten Gebiete in der 1. Säule abgesehen werden.

Ebenso sollte kein Mitteltransfer von der ersten in die zweite Säule vorgenommen werden.

  Abschließende Bemerkungen

Die Bauernzentrale stellt fest, daß die Kommission sich bei allen Bestimmungen in bezug auf die Direktzahlungen sehr weitreichende Kompetenzen zum Erlassen delegierter Rechtsakte zu praktisch allen Maßnahmen einräumt.

  • Die Bauernzentrale spricht sich gegen diese Art der Ermächtigungen aus; sie fordert im Gegensatz dazu mehr Subsidiarität, damit bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen den nationalen Begebenheiten verstärkt Rechnung getragen werden kann.

Wie von den Kommissionsexperten selbst eingeräumt, werden die Reformvorschläge mit einem wesentlichen zusätzlichen Kontroll- und Verwaltungsaufwand einhergehen. Die Landwirte werden dabei die Erstbetroffenen sein.

  • Die Bauernzentrale fordert resolut, daß die wiederholt angekündigte administrative Vereinfachung endlich konkret umgesetzt wird und die Landwirte nicht ständig mit neuen Kontrollprozeduren und sonstigen administrativen Auflagen – das Ganze einhergehend mit Zusatzkosten – belastet werden.

 Die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums

In den nachstehenden Überlegungen wird sich auf die für die hiesige Landwirtschaft relevanten Aspekte beschränkt.

Insofern die Politik zur ländlichen Entwicklung im Rahmen von Partnerschaftsverträgen, die die Mitgliedstaaten mit der Kommission für den Zeitraum 2014 bis 2020 abschließen und in die übrigen gemeinschaftlichen Strukturfonds (der Europäische Fonds für regionale Entwicklung EFRE, der Europäische Sozialfonds ESF, der Kohäsionsfonds KF sowie der Europäische Meeres- und Fischereifonds EMFF) eingebunden sind, muß der Agrarsektor bei der Ausarbeitung dieses Partnerschaftsvertrages sowie der Festlegung der angestrebten Ziele unbedingt gebührend Berücksichtigung finden.

Das gleiche gilt für das Programm zur ländlichen Entwicklung: Insofern die Mittel nicht mehr, wie bislang, nach Achsen aufgeteilt sind, riskiert die Landwirtschaft, angesichts der sehr breitgefächerten Aufgaben der Politik des ländlichen Raumes sowie ebenfalls der sehr hohen Begierden anderer Akteure, zum großen Verlierer zu werden.

  • Die Bauernzentrale fordert dementsprechend eine klare vorrangige Behandlung des Agrarsektors in der Politik zur Entwicklung des ländlichen Raumes ebenso wie eine vorrangige Mittelzuteilung. Die Entwicklung ländlicher Gebiete sollte im Fonds für regionale Entwicklung angegangen werden.

Im Plan zur ländlichen Entwicklung werden erfahrungsgemäß nicht nur die Zielsetzungen festgelegt, sondern auch weitestgehend die Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen mit dem Resultat, daß im nachhinein kein oder kaum noch Anpassungsspielraum für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen auf nationaler Ebene bleibt.

  • Demzufolge fordert die Bauernzentrale, daß die Landwirtschaft von Anbeginn an in die Ausarbeitung des Planes zur ländlichen Entwicklung eingebunden ist und dabei als vorrangiger Gesprächspartner gilt.

In den Kommissionsvorschlägen ist die Möglichkeit thematischer Teilprogramme für Junglandwirte, (b) kleine landwirtschaftliche Betriebe, (c) Berggebiete und (d) kurze Versorgungsketten vorgesehen.

Nach Auffassung der Bauernzentrale bleibt Sinn und Zweck solcher spezifischer thematischer Teilprogramme abzuwägen – die entsprechenden Maßnahmen sollten ihrer Meinung nach im Rahmen der allgemeinen Fördermaßnahmen verankert werden. Dies betrifft insbesondere die spezifischen Beihilfen für Junglandwirte sowie die Stützungsmaßnahmen für benachteiligte Gebiete.

 Investitionsbeihilfen und Junglandwirte

Die Bauernzentrale hat Kenntnis genommen von den sechs von der Kommission vorgeschlagenen Prioritäten und erachtet eine angemessene Gewichtung dieser Prioritäten als unbedingt notwendig.

Als besonders wichtig bewertet sie hierbei die 2. Priorität – Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft und der Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe – sowie die damit einhergehenden Modernisierungsbeihilfen. Die Bauernzentrale lehnt aber entschieden den Ansatz der Kommission ab, den Schwerpunk auf die Umstrukturierung landwirtschaftlicher Betriebe mit erheblichen strukturellen Problemen zu legen bzw. die Investitionsförderung auf Betriebe bis zu einer bestimmten Größe zu beschränken. Die Kommission hat mehrfach wissen lassen, daß bei der künftigen Politik zur Förderung der Modernisierung und der Wettbewerbsfähigkeit selektiver vorgegangen werden sollte.

  • Die Bauernzentrale lehnt den Ansatz der Kommission ab und fordert nachdrücklich, daß der Zugang zu den Investitionsbeihilfen auch künftig leistungsstarken Betrieben – ob klein, mittel oder groß – erhalten bleibt. Falls Selektivitätskriterien in bezug auf die Investitionsbeihilfen zur Anwendung gelangen sollten, müssen diese so gestaltet sein, daß sie nicht gerade die zukunftsorientierten bzw. größeren Betriebe von der Förderung ausschließen, d.h. die Betriebe, die bereits eine gewisse Größe erreicht haben bzw. die sich bereits modernisiert haben und sich weiter entwickeln wollen. Demzufolge darf die Investitionsförderung keinesfalls auf zu definierende Kleinbetriebe beschränkt werden.

Letzteres wäre eine fatale Entwicklung für die Landwirtschaft insgesamt, ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit ihre Zukunftschancen. Aus der Sicht der Bauernzentrale muß die Politik Kontinuität und Planungssicherheit gewähren, auch in bezug auf die Modernisierung der Betriebe und damit die Investitionsförderung.

Die Unterstützung der Junglandwirte bei der Betriebsübernahme oder gegebenenfalls bei einer Betriebsneugründung ist seit jeher ein besonderes Anliegen der Bauernzentrale. Diesbezüglich fordert sie seit Jahren eine flexiblere und besser auf die Strukturen der Betriebe ausgerichtete Installierungspolitik.

  • Die Bauernzentrale fordert demnach nicht nur die Gewährung der von der Kommission vorgeschlagenen spezifischen Stützungsmaßnahmen für Junglandwirte, sondern auch eine den hiesigen Begebenheiten und den Betriebsstrukturen angepaßte praktische Umsetzung und Ausgestaltung dieser Maßnahmen.

Hierbei legt sie besonderen Wert auf die Individualisierung der Junglandwirteförderung, mit Anerkennung des hauptberuflich in der Landwirtschaft tätigen Ehepartners, dies im Sinne der. u.a. auch von der Kommission angestrebten verstärkten Anerkennung und Förderung der Frauen im ländlichen Raum.

 Ressourceneffizienz und Agrarumweltmaßnahmen

Die von der Kommission genannte 4. und 5. Priorität – die Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der von der Land- und Forstwirtschaft abhängigen Ökosysteme bzw. die Förderung der Ressourceneffizienz und Unterstützung des Agrar-, Ernährungs- und Forstsektors beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft – betreffen insbesondere die ökologischen Aspekte. Bezeichnend ist, daß die Kommission in der Folge nicht nur mehr Agrarumweltmaßnahmen, sondern Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen vorschlägt.

Die bisherigen Agrarumweltmaßnahmen haben allgemein ein positives Echo bei den Landwirten gefunden und sind auf breiter Front zur Anwendung gelangt.

  • Die Bauernzentrale vertritt demzufolge den Standpunkt, daß diese Agrarumweltmaßnahmen fortgeschrieben werden sollen, wobei die eine oder andere auf deren Anwendungsmodalitäten zu überprüfen ist. Zusätzlich sollten die bestehenden Maßnahmen um etliche weitere Maßnahmen erweitert werden, insbesondere zur Anerkennung der von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen in bezug auf den Wasserschutz, den Natur- und den Klimaschutz.
  • Darüber hinaus fordert die Bauernzentrale die Einführung von spezifischen Zahlungen für Landwirte in Natura 2000- und in Wasserschutzgebieten, und zwar als Ausgleich für alle Auflagen, die in diesem Zusammenhang an die Bewirtschafter gestellt werden. Die Bauernzentrale spricht sich nochmals entschieden dagegen aus, daß diese Auflagen als verpflichtend in die Cross Compliance-Bestimmunen eingeschrieben werden.

Es ist dies eine Frage der Gleichbehandlung aller Landwirte: Landwirte, die wegen etwaiger Schutzzonen spezifische Anforderungen zu erfüllen haben, müssen Anspruch auf einen Ausgleich für diese Zusatzauflagen und Produktionsrestriktionen erhalten. Jede andere Vorgehensweise würde für die betroffenen Betriebe zu nicht zu rechtfertigenden Benachteilungen im Vergleich zu denjenigen Betrieben, die nicht in Schutzzonen liegen und demzufolge nicht von den damit verbundenen Auflagen berührt sind, führen.

Die Bauernzentrale stellt fest, daß für die Kommission die Ressourceneffizienz, sei es in bezug auf die Wassernutzung oder die Energienutzung oder aber in bezug auf die Lieferung und Verwendung von Erneuerbaren Energien, prioritär ist, daß diesbezüglich jedoch keine konkreten Fördermaßnahmen vorgeschlagen werden.

  • Die Bauernzentrale fordert demzufolge, daß spezifische Fördermaßnahmen in diesen Bereichen in den Plan zur ländlichen Entwicklung eingeschrieben werden.

 Benachteiligte Gebiete

Die Neudefinition der benachteiligten Gebieten anhand der acht biophysikalischen Kriterien ist, wie bereits erwähnt, ein besonders sensibles Thema für die europäische Landwirtschaft und mithin für die Luxemburger Landwirtschaft. Leider wurde bislang die Landwirtschaft nicht in die diesbezüglich laufenden Diskussionen zwischen Landwirtschaftsministerium und EU-Kommission eingebunden und auch nur sehr spärlich über diese Verhandlungen informiert, so daß sich eine Bewertung als schwierig erweist.

  • Die Bauernzentrale fordert allemal das Landwirtschaftsministerium auf, alles daran zu setzen, daß sämtliche landwirtschaftlich genutzten Flächen wie bislang in der Kategorie der benachteiligten Gebiete eingestuft bleiben, und daß den Landwirten dementsprechend die einschlägige Unterstützung gewährt wird.

 Biologische Landwirtschaft

Die Bauernzentrale stellt fest, daß hierzulande die im Förderplan für biologische Landwirtschaft gesetzten Ziele nicht erreicht wurden.

  • Demzufolge wiederholt die Bauernzentrale ihre Forderung nach Schaffung der Möglichkeit einer teilweisen Umstellung auf biologischen Landbau.

 Qualitätssicherungssysteme und Risikomanagement

Die 3. Priorität – Förderung einer Organisation der Nahrungsmittelkette und Förderung des Risikomanagements in der Landwirtschaft – bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Qualitätssicherungssysteme, die Verkaufsförderung auf lokalen Märkten, Erzeugergruppierungen und Branchenorganisationen sowie auf das Risikomanagement in den landwirtschaftlichen Betrieben. Für die hiesige Landwirtschaft dürften dabei vor allem Maßnahmen in bezug auf die Qualitätssicherungssysteme und das Risikomanagement relevant sein.

  • Die Bauernzentrale fordert diesbezüglich eine Überprüfung der vorgeschlagenen Maßnahmen mit dem Ziel, den Betrieben eine bestmögliche Unterstützung zu gewähren. Sie erachtet ebenfalls eine verstärkte Förderung der regionalen Produkte als dringend geboten. 

 Beratung

Die Förderung von Wissenstransfer und Innovation (1. Priorität) ist sicherlich wichtig – sie kann den Landwirten allerdings nur zum Vorteil gereichen, wenn sie praxisnah und operationell ist, wenn vor allem auch die übrigen Rahmenbedingungen stimmen. In diesem Zusammenhang soll der Beratung ein besonderer Stellenwert zukommen. Damit das Ziel tatsächlich erreicht werden kann, ist die Ausgestaltung dieser Maßnahme so vorzunehmen, daß sie den betroffenen Akteuren, u.a. den Beratungsdiensten, auch ohne zu großen, unnötigen Verwaltungsaufwand zugute kommen kann.

  • Die Bauernzentrale fordert demzufolge eine verstärkte und weniger bürokratische Unterstützung der Beratungsdienste.

Gegenüber der 6. Priorität – Förderung der sozialen Eingliederung, der Armutsbekämpfung und der wirtschaftlichen Entwicklung in den ländlichen Gebieten und den aufgeführten Schwerpunktbereichen äußert die Bauernzentrale etliche Vorbehalte, insofern die genannten Schwerpunktbereiche in anderen Politikfeldern angesiedelt bzw. anzusiedeln sind und nicht in der ländlichen Entwicklung.

  Einheitliche Gemeinsame Marktorganisation

Die Kommission schlägt die Beibehaltung der existierenden Sicherheitsnetz-Maßnahmen und deren Ausdehnung auf alle Produkte vor. Die geplante Beibehaltung darf positiv bewertet werden als Krisenmaßnahme, allerdings stellt sich die Frage, auch unter Berücksichtigung der Tatsache, daß diese Instrumente seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr angepaßt wurden, ob sie bei der zu erwartenden zunehmenden Preisvolatilität noch ausreichen.

  • Die Bauernzentrale würde demnach eine eingehende Überprüfung der Sicherheitsnetze befürworten mit dem Ziel dieselben zu aktualisieren und damit vor allem auch zu stärken.
  • Gleichzeitig erwartet die Bauernzentrale, daß das Landwirtschaftsministerium sich weiterhin auf europäischer Ebene mit Nachdruck für die Beibehaltung der Pflanzrechtregelung im Weinbau einsetzt.

Die vorgeschlagene Krisenreserve wird künftig eine zentrale Rolle spielen, wobei dieselbe so zu gestalten ist, daß schnell und effizient gehandelt und die notwendigen Mittel freigesetzt werden können, um den Marktkrisen zu begegnen. Darüber hinaus sollte, wie im übrigen von Copa gefordert, diese Krisenreserve alle Arten von Landwirtschaftskrisen abdecken können und die Mittel von einem Jahr auf das andere übertragbar sein.

Die Bauernzentrale übernimmt ebenfalls die von Copa formulierte Forderung betreffend die Stärkung der Position der Landwirte in der Lebensmittelversorgungskette insgesamt durch Stärkung der Erzeugerorganisationen und der Genossenschaften sowie die Gewährleistung fairer Handelspraktiken, u.a. mit der Beseitigung unlauterer und mißbräuchlicher Handelspraktiken.

Des weiteren erachtet die Bauernzentrale es als unerläßlich, daß über die Agrarpolitik hinaus in anderen Politikbereichen Maßnahmen überprüft und angepaßt werden, daß u.a. auch bei Freihandelsabkommen, bzw. bei Importen allgemein die europäischen Standards für Importlebensmittel Anwendung finden und damit nur Lebensmittel auf den europäischen Markt gelangen, die den Normen entsprechen, die für die europäische Landwirtschaft gelten.

Effiziente Bekämpfung von Septoria tritici im Weizen

Erreger

Der Erreger der Blattdürre Septoria tritici (oder auch Mycosphaerella graminicola) zerstört die Blattfläche von Weizen und anderen Gräsern. Ertragsverluste können ohne Gegenmaßnahmen bis zu 40% erreichen. Den Befall erkennt man an abgestorbenen Blattstücken mit kleinen schwarzen Punkten, den Fruchtkörpern des Pilzes, die mit bloßem Auge gerade noch erkennbar sind (Abbildung 1).

Faktoren, die den Befall fördern

  • Erntereste, die auf dem Feld verbleiben, erlauben dem Pilz im Winter auf der Bodenoberfläche zu überleben.
  • Frühe Aussaat verlängert den Zeitraum, in dem der Erreger den Pflanzenbestand schädigen kann.
  • Anfällige Sorten erhöhen das Risiko eines wirtschaftlichen Schadens.
  • Kurzstrohige Sorten und starke Halmverkürzung durch Wachstumsregulatoren verkürzen den Weg vom Boden und erleichtern dem Erreger die Besiedlung der für den Ertrag wichtigen oberen Blattetagen.

 Bekämpfung

Vorbeugende Maßnahmen

  • Erntereste aus dem Vorjahr entfernen;
  • späte Aussaat;
  • Sorten mit geringer Anfälligkeit wählen (zum Beispiel Achat, Flair, Magister, Manager, Privileg, Tommi);
  • Wachstumsregulatoren zur Halmverkürzung nicht überdosieren.

 Fungizide

Anwendungszeitpunkt: Fungizide sind am wirksamsten, wenn sie zum Zeitpunkt der Infektion ausgebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Symptome der Krankheit noch nicht sichtbar. Es ist möglich, mit einer Spritzung zum Infektionszeitpunkt eine ähnliche Befallsreduktion zu erzielen wie mit drei Spritzungen, von denen auch nur eine den Infektionszeitpunkt trifft (Abbildung 2).

Wenn man den monetären Ertrag betrachtet, die Kosten für die Fungizide und ihre Ausbringung berücksichtigt, ist eine einzelne Spritzung zum Infektionszeitpunkt oft genauso gut wie eine Dreifach-Spritzung (Abbildung 4). In Jahren mit einem sehr trockenen Mai – wie es zum Beispiel 2011 der Fall war – kann es die wirtschaftlich sinnvollste Alternative sein, gar kein Fungizid zu spritzen, weil sich die auf Feuchtigkeit angewiesenen Erreger nicht in ertragsrelevanter Menge in den Pflanzenbeständen etablieren konnten. Falls die Witterung mehrere Zyklen von Septoria tritici erlaubt oder andere Erreger außerhalb des Infektionszeitpunktes von Septoria tritici auftauchen, kann es auch notwendig sein, mehr als eine Spritzung in der Saison durchzuführen. Achten Sie bezüglich der Spritzzeitpunkte auf die Warndiensthinweise des CRP-Gabriel Lippmann und der Landwirtschaftskammer (http://www.lwk.lu/beratung/) oder auf die Hinweise an dieser Stelle im De Letzeburger Bauer.

Wirkstoffe: Azole (zum Beispiel Epoxiconazol oder Prothioconazol) oder Multi-Site-Hemmstoffe (zum Beispiel Chlorothalonil) erzielen nach wie vor eine gute Wirkung gegen Septoria tritici, Strobilurine (zum Beispiel Azoxystrobin, Trifloxystrobin) sind nahezu unwirksam. Die neue Generation der Succinat-Dehydrogenase-Hemmstoffe wie zum Beispiel Isopyrazam besitzen eine gute Wirksamkeit gegen Septoria tritici, sind aber noch nicht EU-weit zugelassen. Für die aktuell zugelassenen Präparate und Dosierungen beachten Sie die Datenbank der ASTA (https://saturn.etat.lu/tapes/tapes_de_lst_pdt.jsp). Die neuen Wirkstoffe aus der Gruppe der Succinat-Dehydrogenase-Hemmstoffe besitzen wie die Strobilurine nur einen Wirkmechanismus. Bei allen Wirkstoffen mit nur einem Wirkmechanismus ist das Risiko, daß sich die Schadpilze an den Wirkstoff anpassen und resistent werden, relativ hoch. Darum sollten diese Wirkstoffe nach erfolgter Zulassung nur in Kombination mit einem Azol oder einem Multi-Site-Hemmstoff verwendet werden.

Beachten Sie bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln die rechtlichen Regeln, den Eigenschutz beim Ansetzen der Spritzbrühe sowie einen ausreichenden Abstand zu Gewässern.

Wir danken der Administration des Services Techniques de l’Agriculture (ASTA) für die finanzielle Unterstützung.

KONTAKT: Dr. Marco Beyer (beyer@lippmann.lu), Centre de Recherche Public – Gabriel Lippmann

LBJ blickte auf ereignisreiches Jahr zurück

Am 5. April fand die Generalversammlung der Lëtzebuerger Bauerejugend im Vitarium auf dem Roost statt.

Mit seiner Begrüßungsansprache eröffnete LBJ-Präsident René Ernst die Generalversammlung. In seiner Rede begrüßte er unter anderem die Herren Marc Fisch, Präsident und Romain Freichel, 1. Vizepräsident der Bauernzentrale, sowie Thierry Kozlik, Gastredner von der Landwirtschaftskammer, die sich die Zeit genommen haben, an der Generalversammlung der LBJ teilzunehmen.

Der LBJ-Präsident blickte zum einen auf die vielen Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück und zum anderen bot er eine kleine Vorschau auf die Aktivitäten im laufenden Jahr. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, den vielen Helfern des Dag um Bauerenhaff sowie den Familien Bormann, Janssen, Schrenger und Schroeder aus Reimberg zu danken. Des weiteren richtete sich sein Dank an die Gemeindeverwaltung Préizerdaul für ihre großzügige finanzielle Unterstützung. Ebenfalls blickte René Ernst auf ein außergewöhnlich trockenes Jahr 2011 zurück, welches viele Schwierigkeiten für die Landwirtschaft mit sich brachte, in welchem die LBJ an vielen Manifestationen teilnahm.

Im Anschluß an die Begrüßung durch den Präsidenten ging Jules Mergen auf die Aktivitäten der LBJ des Jahres 2011 ein. Als erstes fand bereits am 8. Januar 2011 der traditionelle Schnéibal in Beckerich statt, wo wie gewohnt das Disco-Team „The Incredibles“ für Stimmung sorgte. Am 24. Februar besuchte eine Reihe SJ-Mitglieder zusammen die Sima in Paris, während am 27. Februar eine Delegation einer Einladung zur Après-Ski-Party nach Reimberg gefolgt war, um erste Eindrücke für den Tag der offenen Tür zu sammeln. Vom 18. bis 20. März vergangenen Jahres führte die LBJ ihre traditionellen Theaterabende in Saeul auf. Am 31. März fand die Generalversammlung an gleicher Stelle statt. Am 30. April war es eine Gruppe von gut 20 Leuten, welche sich die letztjährige Aufführung der Revue in Ettelbruck angesehen hat. Am 21. Mai fand in Ettelbruck in der „Däichhal“ der große Alcovit’s Bal statt, wo die LBJ beim Ticketverkauf behilflich war, und die hierfür erhaltenen 3.000 € spendete man zusammen mit den Jongbaueren a Jongwënzer an deren ONG, welche der ländlichen Bevölkerung in Afrika zugute kommt. Weiter ging es mit den Vorbereitungen des Dag um Bauerenhaff, wozu man am 4. Juli eine Pressekonferenz im Agrocenter in Mersch organisierte. Am 10. Juli fand dann der Dag um Bauerenhaff in Reimberg auf den Betrieben Bormann, Janssen, Schrenger und Schroeder statt. Als kleines Dankeschön an die Helfer des Schnéibal und der Theaterabende fand am 6. August ein Essen in der Fuussekaul mit anschließendem Bowling statt. Eine ereignisreiche Woche begann Ende August mit dem Besuch des Mähdreschercross in Rambrouch am 28. August, gefolgt vom Besuch der Schueberfouer am 2. September und der Teilnahme an der Hochzeit der Mitglieder Christine Ries und Frank Hoffmann. Am 5. September nahmen René Ernst und Guy Wester gemeinsam mit Frau Astrid Lulling an einer Pressekonferenz betreffend die gemeinsame Agrarpolitik nach 2013 teil. Zum Abschluß des vergangenen Jahres fand ein Essen für die Helfer des Tages der offenen Tür in der Fuussekaul am 3. Dezember statt. Am 7. Dezember besuchte man zusammen mit Mitgliedern der Bauernzentrale die Agribex in Brüssel.

Nach dem Aktivitätsbericht stellte Schatzmeister Joé Biver den Kassenbericht vor, welcher von Jacques Berns, der auch im Namen von Jessica Gengler sprach, bestätigt wurde. Ebenfalls bat der Kassenrevisor die Generalversammlung, das LBJ-Comité zu entlasten, was auch einstimmig gemacht wurde.

Danach war es an Guy Wester, Bericht über die Entwicklung der europäischen Agrarpolitik zu erstatten. Er bezeichnete 2011 als ein agrarpolitisch sehr bewegendes Jahr, in dem EU-Agrarkommissar Ciolos im Herbst seine Ideen für die Agrarpolitik zwischen 2013 und 2020 vorgestellt hat. Hier werden drei große Herausforderungen deutlich. An erster Stelle steht die Lebensmittelsicherheit, welche bedeutet, daß die wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft ist, weiterhin die Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmittel für die europäische und die Weltbevölkerung herzustellen. Gleichzeitig sehen die Ideen von Herrn Ciolos vor, die Landwirtschaft „grüner“ zu gestalten, dies durch Maßnahmen, welche ohnehin bereits Standard in der Landwirtschaft sind. Guy Wester unterstreicht, daß die von Ciolos vorgesehenen Maßnahmen des Greenings der Direktzahlungen auf keinen Fall gutgeheißen werden dürfen, denn immerhin steht dadurch die Ernährung der immer größer werdenden Weltbevölkerung auf dem Spiel. Die Herausforderung, die an die Landwirtschaft gestellt wird, sieht vor, die Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen Gegenden in Großstädte zu verhindern. Die LBJ begrüßt laut Guy Wester den Einsatz Ciolos’ für die Interessen der Jungbauern, allerdings müßte ein Weg gefunden werden, auch jene jungen Landwirte, die bereits fünf Jahre berufstätig sind, aber politisch gesehen nicht mehr als Junglandwirte gelten, trotzdem weiterhin zu unterstützen, da viele von ihnen noch dabei sind, die als Junglandwirt begonnenen Projekte zu vollenden.

Im Anschluß an den politischen Teil war es an Herrn Thierry Kozlik von der Landwirtschaftskammer, über den neuesten Wissensstand in Sachen Ausweisung der Wasserschutzgebiete in Luxemburg zu berichten. Hierauf kommen wir in Kürze an gleicher Stelle ausführlicher zurück.

Das Schlußwort kam von Christian Wester, welcher in seiner Rede verschiedene Themen ansprach. Als erstes schnitt er das Thema Bauen in der Grünzone an, in denen die Landwirte oft langwierige Genehmigungsprozeduren über sich ergehen lassen müssen. Ein weiteres Thema, welches auf Unverständnis bei manchen Landwirten führt, ist die Einführung einer Obergrenze bei den Beihilfen von 500.000 €, welche so manches größere Vorhaben zumindest ins Stocken brachte.

 Im Anschluß an die Tagesordnung lud Christian Wester im Namen der LBJ zum Ausklang eines gelungenen Abends zu einem Glas in der Luxlounge ein, wo das Personal der Luxlait auch Schnittchen vorbereitet hatte.

Grauschimmel im Winterraps

Grauschimmel (Botryotinia fuckeliana, Nebenfruchtform: Botrytis cinerea) ist insbesondere im Wein- und Gemüsebau eine weit verbreitete und gefürchtete Krankheit. Gelegentlich kann man diesen Schadpilz aber auch in Beständen von Winterraps antreffen.

 Schadbild

Der Pilz ist besonders auf Rapspflanzen zu finden, die bereits durch den starken Frost Anfang Februar in Mitleidenschaft gezogen wurden. Infektionen sind insbesondere in der Phase des Längenwachstums zu finden. Die Pflanzen bleiben bei Frühbefall im Wachstum zurück. Auf den Blättern erscheinen weißgraue Flecken, die sich vergrößern und über das gesamte Blatt ausbreiten. Die Blätter vergilben oder werden fahlgrün, welken und sterben ab. Meist nach Regen erscheint am unteren Teil des Haupttriebes eine Gelb- bis Graubraunfärbung in Form oval-länglicher Flecken. Die Symptome sind erst einseitig am Stengel, später stengelumfassend, und die Pflanzen können an der Infektionsstelle umbrechen (Foto). Bei spätem Befall werden auch Knospen und Blüten befallen und sterben ab. Befallene Schoten können bei wechselfeuchter Witterung vorzeitig aufplatzen.

Biologie des Schadpilzes

Der Pilz ist luftbürtig und bildet bei hoher Luftfeuchte Konidienträger mit Konidien aus, die als grau-blauer Pilzrasen erkennbar sind. Der Erreger wächst ausgehend vom Befall der älteren Blätter über die Blattstiele in den Stengel hinein. Feucht-kühle Witterung und Temperaturen um 10-15°C begünstigen den Befall. Dies trifft vor allem in windgeschützten Lagen zu. Das Wetter der letzten Wochen (warme Tage und kalte Nächte) war optimal für Taubildung in den Morgenstunden, der für die Infektion des Pilzes hilfreich war. Obwohl der Pilz zur Massenvermehrung von Sporen in der Lage ist, findet sich selten ein epidemisches Auftreten im Feld, sondern es werden eher Einzelpflanzen befallen, die bereits deutlich durch Frosteinwirkung geschwächt ins Wachstum gegangen sind. Licht- und Nährstoffmangel begünstigen die Infektion, aber auch Pflanzenschädigung durch Insekten oder Spritzschäden (Herbizide) können dazu beitragen.

 Bekämpfung

Momentan ist kein Fungizid für eine chemische Bekämpfung von Grauschimmel im Raps zugelassen. Die gegen die Weißstengeligkeit zugelassenen Produkte, wie z.B. Cantus (Boscalid), würden zwar den Grauschimmel-Erreger mit erfassen, aber für eine solche Spritzung ist es jetzt noch zu früh. Eine Fungizidmaßnahme allein gegen den Grauschimmel wäre auch nicht wirtschaftlich, insbesondere wenn der Stengel bereits deutliche Symptome aufweist. Es ist dann für eine chemische Bekämpfung zu spät. Auch bei dieser Erkrankung muß man auf eine weite Fruchtfolge als vorbeugende Maßnahme setzen. Optimal geführte Rapsbestände sind deutlich weniger anfällig als geschwächte Bestände.

Gilles Parisot (Chambre d’ Agriculture)

 Michael Eickermann (CRP-Gabriel Lippmann) 

Grünland-Info No 1, Stand: 10. April

Wie auch in den vergangenen Jahren soll auch in diesem Jahr der optimale Zeitpunkt zur Grassilageernte, abgestimmt auf die unterschiedlichen Regionen Luxemburgs, ermittelt werden. In diesem Jahr werden auf sieben Standorten jeweils jeden Montag Grasproben gezogen, die dann auf die Inhaltsstoffe Eiweiß und Rohfaser untersucht werden, gleichzeitig werden Energiegehalt und Ertrag ermittelt. Als Standorte werden teilweise die Versuchsflächen von ASTA und LTAE in Schönfels und Erpeldange herangezogen, gleichzeitig werden aber auch Praxisflächen aus der Moselregion, dem Minette, dem Gutland und dem Ösling beprobt. So können auch Sie in den nächsten Wochen die Entwicklung des Graswachstums verfolgen und für Ihre Schnittflächen den optimalen Schnittzeitpunkt ermitteln.

Der optimale Schnittzeitpunkt definiert sich physiologisch durch den Eiweiß- und Rohfasergehalt; für Milchviehsilage werden ein Rohfasergehalt von 22% und ein Eiweißgehalt von 20% in der TM angestrebt. Gleichzeitig gibt es auch phänologische, also sichtbare Merkmale, die den Entwicklungszustand der Pflanzen kennzeichnen. Hierzu gehört das Ähren- und Rispenschieben der bestandsbildenden Gräser (bei 50 % der bestandsbildenden Gräser sind Ähren oder Rispen geschoben) oder die Blüte des Löwenzahns (1/4 der Blüten haben Samenstände). Während der nächsten Wochen werden Sie deshalb regelmäßig von ASTA, Ackerbauschule und CONVIS über den aktuellen Entwicklungszustand der Pflanzenbestände – hoffentlich auch in Ihrer Nähe – informiert.

Vergleichen lohnt sich!

Auf der Karte sind die Schnittflächen ausgewiesen und in der Tabelle können Sie die ersten Ergebnisse vom 10. April 2012 nachlesen. Weiswampach wurde zum ersten Termin noch nicht beerntet, da hier der Aufwuchs noch nicht ausreichte. Im allgemeinen sind die Grünlandbestände lückig, das englische Raygras hat den Mäusefraß im Herbst und die niedrigen Temperaturen im Februar vielerorts nicht so gut überstanden. Der Timothee hat sich oftmals als Lückenfüller in den Bestandslücken breitgemacht. Durch Nach- und Übersaat kann hier der Anteil an engl. Raygras bei großen Bestandslücken gefördert werden. Dort wo die Pflanzenbestände Mäuse und Frost überlebt haben, kann die Ertrags- und Qualitätsentwicklung in den nächsten Wochen verfolgt werden.

Standort

TS in %

Ertrag in dt/ha

Rohprotein in der TS in %

Rohfaser in der TS in %

Energie in VEM

Canach

17,9

3,6

29,2

17,7

1.086

Schouweiler

19,5

4,2

28,6

17,3

1.078

Schoenfels

16,0

8,4

27,4

19,2

1.067

Erpeldange

20,1

0,9

21,8

17,4

1.088

Merscheid bei Mertzig

18,2

2,7

26,4

16,9

1.067

Wahlhausen I

19,4

2,3

27,0

15,5

1.096

Wahlhausen II

17,5

2,9

29,8

15,2

1.107

Weiswampach I

noch keine Messungen

Weiswampach II
Elvange/Schweich

14,3

9,7

29,5

16,2

1.102

 

Alle Ergebnisse werden auch immer zeitnah (also schon mittwochs oder donnerstags) auf den Internetseiten von CONVIS www.convis.lu, ASTA www.asta.etat.lu und Ackerbauschule www.lta.lu veröffentlicht.

 

 

 

Vereinigte Hagel ruft zur Gründung eines Regionalvereins in Luxemburg auf

Älteste Auslandsniederlassung ist bislang nicht genossenschaftlich organisiert

(hl).- Auf Einladung der Vereinigten Hagel Luxemburg fand am 28. März im Agrocenter in Mersch eine Informationsversammlung statt. Anlaß war das Ansinnen der Vereinigten Hagel Luxemburg, die Kunden zur Gründung eines Regionalvereins zu bewegen. Die Vereinigte Hagel ist nämlich als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit im Stammland Deutschland und inzwischen auch in Litauen genossenschaftlich organisiert und die Mitglieder können über einen Delegierten aus ihren Reihen somit Einfluß nehmen auf die Politik der Versicherung. Zurzeit gibt es rund 80.000 Mitglieder, die in 63 Regionalvereinen organisiert sind und über einen regionalen Delegierten jeweils eine Stimme in der Hauptversammlung der Versicherungsgruppe haben. Da in den Satzungen eine Obergrenze von 10% der Versicherungssumme für Nichtmitglieder festgeschrieben ist und die Vereinigte Hagel ihre Auslandsaktivitäten weiter ausbaut, ist man seitens der Vereinigten Hagel bestrebt, auch bei allen ausländischen Töchtern (neben Luxemburg betrifft dies Polen, Italien, Dänemark und die Niederlande) Regionalvereine zu etablieren. Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel, Dr. Rainer Langner, war eigens nach Mersch gekommen, um für dieses Ziel zu werben. Auf einen Mitgliedsbeitrag soll verzichtet werden.

Seit 13 Jahren in Luxemburg aktiver Spezialversicherer

Zunächst erläuterte der Mandataire Générale für die Vereinigte Hagel Luxemburg, Toni Esch, die Entwicklung im Großherzogtum. 1999 wurde in Kooperation mit „Le Foyer“ die Gesellschaft Vereinigte Hagel – Succursale Luxembourg gegründet und die Weinfrostversicherung eingeführt. Bereits im Folgejahr erlebte man das bislang schlimmste Schadereignis für die damals noch neue Versicherung, und zwar am 2.7.2000 mit großflächigen Hagelschäden entlang der Luxemburger Mosel. 2001 wurde dann eine Kooperation mit La Luxembourgeoise besiegelt. Drei Jahre später folgte die Einführung der Mehrgefahrenversicherung durch die Vereinigte Hagel Luxemburg. Bereits ein Jahr danach wurden die Bedingungen für dieses Versicherungsangebot etwas überarbeitet. Letztes Jahr wurde dann vor dem Hintergrund der Harmonisierung der Produkte in Europa das flexiblere Angebot Secufarm eingeführt mit neuen Produkten und Bedingungen. Winterstaunässe wurde als Schadereignis gänzlich herausgenommen. Gleichzeitig wurde die Hagelversicherung in die Mehrgefahrenversicherung integriert. Dieses neue Angebot erlaubte eine verbesserte Anpassung an die Schadenssituation.

Toni Esch zeigte anhand von Graphiken die deutlichen Steigerungen bei Versicherungssumme und Prämienzahlungen. Erstere stieg von anfangs 43 Mio. Euro auf rund 90 Mio. Euro, während die Prämien von rund einer Mio. Euro auf ca. zwei Millionen Euro stiegen.

Gruppe Vereinigte Hagel mit 150jähriger Tradition

Im folgenden erläuterte Dr. Rainer Langner den Aufbau der Versicherungsgruppe, die sich traditionell – die Ursprünge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – als genossenschaftliche Hagelversicherung dem Gegenseitigkeitsgedanken verschrieben hat. Die in Gießen ansässige Gruppe ist im Gartenbau, im Weinbau und in der Landwirtschaft aktiv und verfügt über rund 1.000 Sachverständige, die für eine schnelle, unbürokratische Schadensabwicklung sorgen. Neben der Zentrale in Gießen, wo sämtliche Produkte über eine Datenbank verwaltet werden, existieren acht Regionalbüros, wo Schadensdossiers primär bearbeitet werden. Daneben betreibt die Versicherung ein umfangreiches Versuchswesen.

Die Gruppe nimmt in der Summe rund 150 Millionen Euro Prämien ein. Allein in Deutschland sind 4,8 Mio. ha versichert. Auf das Auslandsgeschäft entfallen inzwischen 40 Mio. Euro Prämien. Das Doppelte dessen, was innerhalb der Gruppe als Prämien eingezahlt wird, steht aufgrund der obligatorischen Rückversicherung zur Verfügung, um Schäden auszubezahlen. Dr. Langner stellte heraus, daß die inzwischen breite räumliche Streuung von Dänemark bis Italien für eine Risikostreuung bei den Schadereignissen sorgt, so daß das Gegenseitigkeitsprinzip noch besser in die Praxis umgesetzt werden kann. Als aktuelles Schadereignis nannte er die großflächige Auswinterung von Wintergetreide in Polen mit einem Ausfall von insgesamt 25% der Bestände. Kernprodukt bleibt die Hagelversicherung, aber die Nachfrage nach einem umfassenderen Risikomanagement in Acker-, Wein- und Gartenbau nimmt zu, dies nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels.

Dr. Langner hob hervor, daß es sich bei der Vereinigten Hagel um ein nicht profitorientiertes Unternehmen handelt. Die Mitglieder seien gleichzeitig Eigentümer. Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel stellte klar, daß mit einem Verwaltungskostenanteil von 14,5% eine „schlanke Struktur“ vorliege und man aufgrund der Spezialisierung die Know-how-Führerschaft innehabe. Dann gab er Erläuterungen zu den beschlußfähigen Organen: Neben Vorstand und Aufsichtsrat sind dies die alljährlich stattfindende Hauptversammlung sowie die Mitgliederversammlungen auf regionaler Ebene.

Schadensdossiers werden in Alzey eingereicht

Abschließend gab Dr. Hurtmanns von der Bezirksdirektion Alzey Informationen zur Verwaltungsstruktur in den Regionen. Die Bezirksdirektion Alzey mit ihren acht Außendienstmitarbeitern ist für die Abwicklung von Schadensdossiers aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, dem südlichen Hessen und Luxemburg zuständig. Die Zuständigkeit für Luxemburg ergab sich aufgrund der räumlichen Nähe zum benachbarten Rheinland-Pfalz. Derzeit werden rund 7.000 Betriebe von hier aus betreut. Mit einem Verwaltungssatz von 10,5% fährt die Bezirksdirektion Alzey in puncto Kosten nochmals günstiger als die gesamte Gruppe. 120 ausgebildete Experten stehen zur Verfügung, um die jährlich 1.000-3.000 Schadensmeldungen zu bearbeiten. Bislang gibt es fünf Regionalvereine im Zuständigkeitsbereich der Bezirksdirektion Alzey.

Wird künftig nun auch das Regenwasser auf den Straßen gesondert erfaßt?

Sauberes Wasser, dies haben wir bereits vielfach unterstrichen, ist ein besonders wertvolles Gut, ein Tatbestand, dessen die Landwirtschaft sich voll und ganz bewußt ist. Die Landwirtschaft erbringt bereits heute eine Vielzahl von Leistungen in dieser Hinsicht und ist auch zu einer weiteren positiven Zusammenarbeit hinsichtlich der Gewährung eines guten Zustandes des Grundwassers sowie auch des Oberflächenwassers bereit. Dabei müssen jedoch die Auflagen und Restriktionen tatsächlich begründet und sinnvoll sein, sie müssen auch im Machbarkeitsbereich liegen. Bekanntlich stammen bei weitem nicht alle belastenden Eintragungen, sei es ins Grundwasser oder aber ins Oberflächenwasser, von der Landwirtschaft; darüber hinaus stellt sich allerdings die Frage, ob alle angedachten bzw. den landwirtschaftlichen Betrieben auferlegten Auflagen tatsächlich sinnvoll sind.

Seit Inkrafttreten des Wassergesetzes im Dezember 2008 unterliegt jedweder Neu- oder Ausbau von landwirtschaftlichen Gebäuden, neben allen sonstigen eingeforderten Genehmigungen, einer Genehmigung des Wasserwirtschaftsamtes, womit die Betriebe sich mit zusätzlichen kostenintensiven Auflagen konfrontiert sehen.

Gemäß den von dieser Verwaltung vorgegebenen Auflagen muß sämtliches Regenwasser von den Gebäudedächern separat erfaßt werden, um dann via Auffang- bzw. Retentionsbecken in einen Regenwasserkanal oder in das nächstliegende Fließgewässer abgeleitet zu werden, wobei der Bauherr sich beim Queren von fremden Grundstücken ein „droit de passage“ sichern muß. Versickert das Regenwasser, so gelten noch strengere Bedingungen.

Bei den versiegelten Hofflächen wird vom Wasserwirtschaftsamt zwischen den sogenannten „sauberen“ und „schmutzigen“ Flächen unterschieden. Sämtliches Regenwasser von den sogenannten „schmutzigen“ Flächen muß, laut Vorschrift des Wasserwirtschaftsamtes, separat erfaßt und in eine Güllegrube abgeleitet werden.

Daß Hofplätze, wo mit Öl oder Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird, als sogenannte „schmutzige“ Plätze gelten und dort Schutzmaßnahmen vorgesehen werden, mag noch nachvollziehbar sein. Nicht mehr nachvollziehbar ist es allerdings, daß auch die Gras- und Maissilos, die Hofabschnitte, die zwischen Silos und Stall liegen oder aber die Flächen, auf denen Vieh zirkuliert, wie etwa der Weg vom Stall auf die Weide, als sogenannte „schmutzige“ Flächen eingestuft werden und demzufolge sämtliches Regenwasser auf diesen Flächen spezifisch erfaßt und behandelt werden muß. Bei Silos geht hier nicht die Rede von Gärwasser, was bereits jetzt separat gefaßt werden muß; von den Auflagen anvisiert sind ebenfalls mit Plastik abgedeckte oder leere Silos.

Seitens des Wasserwirtschaftsamtes heißt es, daß zwecks Ausstellung der Genehmigung, wir zitieren, „die gesetzlich geforderten Mindestlagerkapazitäten garantiert sein müssen, dies mit ALLEN Wässern eingerechnet (Melkraum, Silagen, Regenwasser von Fahrsilos, angeschlossene Außenflächen, Gülleentnahmefläche, ggfs. Waschplatz, usw.)“.

Man möge sich die Mengen an Regenwasser vorstellen, die angesichts dieser Auflagen in einer Güllegrube aufgefangen und anschließend per Güllefaß auf die Felder ausgebracht werden müssen.

Bei den hierzulande üblichen rund 800 Liter Niederschlag pro m2 ergeben sich bei einer sogenannten „schmutzigen“ Hoffläche von 1.500 m2 in etwa 1.200.000 Liter Regenwasser, das gesondert erfaßt werden muß. Zu diesem Zweck muß zunächst ein spezifisches Wasserauffangbecken angelegt oder aber die Güllegrube von den Stallgebäuden entsprechend größer gebaut werden, sowie alle erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen (z.B. Ablaufrinnen) angelegt werden, was für den landwirtschaftlichen Betrieb Zusatzkosten von bis zu 100.000 Euro bedeutet. Wenn dann dieses nicht oder kaum belastete Regenwasser per Güllefaß beispielsweise à 12.000 Liter aufs Feld ausgebracht wird, werden dafür 100 Fahrten benötigt.

Kosten, Treibstoffverbrauch, Arbeitsaufwand und vor allem Klimaschutz lassen dabei grüßen!

Von integriertem, vernetztem und nachhaltigem Denken zeugen solche Auflagen, die den Landwirt verpflichten, sauberes bzw. kaum belastetes Wasser per Güllefaß auszubringen, allemal nicht.

Diese Auflagen sind umso unsinniger, als die Belastung von Regenwasser, welches auf diese Flächen fällt (und damit das Verunreinigungsrisiko der Gewässer), sicherlich nicht größer sein dürfte als die Belastung von Regenwasser bzw. die damit einhergehenden Eintragungen auf Parkplätzen oder Straßen, geschweige denn Autobahnen.

Deshalb unsere einleitende Frage, ob denn künftig nun auch alles Wasser von den Straßen separat erfaßt und spezifisch wieder ausgebracht (auf welche Flächen??) werden muß?

Deshalb auch die Frage nach Sinn und Unsinn etlicher dieser Maßnahmen und Auflagen, bei denen die Verhältnismäßigkeit jedenfalls nicht mehr gegeben ist, bei denen auch die Nachhaltigkeit nicht mehr gesichert ist.

Nicht nur im Interesse der Landwirtschaft, sondern auch im Interesse des Umwelt- und des Klimaschutzes kann nur die Forderung an die Verantwortlichen des Wasserwirtschaftsamtes ergehen, diese Auflagen zu überprüfen und gemeinsam mit der Landwirtschaft angemessene Schutzmaßnahmen festzulegen.