Grünland-Info No 1, Stand: 10. April

Wie auch in den vergangenen Jahren soll auch in diesem Jahr der optimale Zeitpunkt zur Grassilageernte, abgestimmt auf die unterschiedlichen Regionen Luxemburgs, ermittelt werden. In diesem Jahr werden auf sieben Standorten jeweils jeden Montag Grasproben gezogen, die dann auf die Inhaltsstoffe Eiweiß und Rohfaser untersucht werden, gleichzeitig werden Energiegehalt und Ertrag ermittelt. Als Standorte werden teilweise die Versuchsflächen von ASTA und LTAE in Schönfels und Erpeldange herangezogen, gleichzeitig werden aber auch Praxisflächen aus der Moselregion, dem Minette, dem Gutland und dem Ösling beprobt. So können auch Sie in den nächsten Wochen die Entwicklung des Graswachstums verfolgen und für Ihre Schnittflächen den optimalen Schnittzeitpunkt ermitteln.

Der optimale Schnittzeitpunkt definiert sich physiologisch durch den Eiweiß- und Rohfasergehalt; für Milchviehsilage werden ein Rohfasergehalt von 22% und ein Eiweißgehalt von 20% in der TM angestrebt. Gleichzeitig gibt es auch phänologische, also sichtbare Merkmale, die den Entwicklungszustand der Pflanzen kennzeichnen. Hierzu gehört das Ähren- und Rispenschieben der bestandsbildenden Gräser (bei 50 % der bestandsbildenden Gräser sind Ähren oder Rispen geschoben) oder die Blüte des Löwenzahns (1/4 der Blüten haben Samenstände). Während der nächsten Wochen werden Sie deshalb regelmäßig von ASTA, Ackerbauschule und CONVIS über den aktuellen Entwicklungszustand der Pflanzenbestände – hoffentlich auch in Ihrer Nähe – informiert.

Vergleichen lohnt sich!

Auf der Karte sind die Schnittflächen ausgewiesen und in der Tabelle können Sie die ersten Ergebnisse vom 10. April 2012 nachlesen. Weiswampach wurde zum ersten Termin noch nicht beerntet, da hier der Aufwuchs noch nicht ausreichte. Im allgemeinen sind die Grünlandbestände lückig, das englische Raygras hat den Mäusefraß im Herbst und die niedrigen Temperaturen im Februar vielerorts nicht so gut überstanden. Der Timothee hat sich oftmals als Lückenfüller in den Bestandslücken breitgemacht. Durch Nach- und Übersaat kann hier der Anteil an engl. Raygras bei großen Bestandslücken gefördert werden. Dort wo die Pflanzenbestände Mäuse und Frost überlebt haben, kann die Ertrags- und Qualitätsentwicklung in den nächsten Wochen verfolgt werden.

Standort

TS in %

Ertrag in dt/ha

Rohprotein in der TS in %

Rohfaser in der TS in %

Energie in VEM

Canach

17,9

3,6

29,2

17,7

1.086

Schouweiler

19,5

4,2

28,6

17,3

1.078

Schoenfels

16,0

8,4

27,4

19,2

1.067

Erpeldange

20,1

0,9

21,8

17,4

1.088

Merscheid bei Mertzig

18,2

2,7

26,4

16,9

1.067

Wahlhausen I

19,4

2,3

27,0

15,5

1.096

Wahlhausen II

17,5

2,9

29,8

15,2

1.107

Weiswampach I

noch keine Messungen

Weiswampach II
Elvange/Schweich

14,3

9,7

29,5

16,2

1.102

 

Alle Ergebnisse werden auch immer zeitnah (also schon mittwochs oder donnerstags) auf den Internetseiten von CONVIS www.convis.lu, ASTA www.asta.etat.lu und Ackerbauschule www.lta.lu veröffentlicht.

 

 

 

Vereinigte Hagel ruft zur Gründung eines Regionalvereins in Luxemburg auf

Älteste Auslandsniederlassung ist bislang nicht genossenschaftlich organisiert

(hl).- Auf Einladung der Vereinigten Hagel Luxemburg fand am 28. März im Agrocenter in Mersch eine Informationsversammlung statt. Anlaß war das Ansinnen der Vereinigten Hagel Luxemburg, die Kunden zur Gründung eines Regionalvereins zu bewegen. Die Vereinigte Hagel ist nämlich als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit im Stammland Deutschland und inzwischen auch in Litauen genossenschaftlich organisiert und die Mitglieder können über einen Delegierten aus ihren Reihen somit Einfluß nehmen auf die Politik der Versicherung. Zurzeit gibt es rund 80.000 Mitglieder, die in 63 Regionalvereinen organisiert sind und über einen regionalen Delegierten jeweils eine Stimme in der Hauptversammlung der Versicherungsgruppe haben. Da in den Satzungen eine Obergrenze von 10% der Versicherungssumme für Nichtmitglieder festgeschrieben ist und die Vereinigte Hagel ihre Auslandsaktivitäten weiter ausbaut, ist man seitens der Vereinigten Hagel bestrebt, auch bei allen ausländischen Töchtern (neben Luxemburg betrifft dies Polen, Italien, Dänemark und die Niederlande) Regionalvereine zu etablieren. Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel, Dr. Rainer Langner, war eigens nach Mersch gekommen, um für dieses Ziel zu werben. Auf einen Mitgliedsbeitrag soll verzichtet werden.

Seit 13 Jahren in Luxemburg aktiver Spezialversicherer

Zunächst erläuterte der Mandataire Générale für die Vereinigte Hagel Luxemburg, Toni Esch, die Entwicklung im Großherzogtum. 1999 wurde in Kooperation mit „Le Foyer“ die Gesellschaft Vereinigte Hagel – Succursale Luxembourg gegründet und die Weinfrostversicherung eingeführt. Bereits im Folgejahr erlebte man das bislang schlimmste Schadereignis für die damals noch neue Versicherung, und zwar am 2.7.2000 mit großflächigen Hagelschäden entlang der Luxemburger Mosel. 2001 wurde dann eine Kooperation mit La Luxembourgeoise besiegelt. Drei Jahre später folgte die Einführung der Mehrgefahrenversicherung durch die Vereinigte Hagel Luxemburg. Bereits ein Jahr danach wurden die Bedingungen für dieses Versicherungsangebot etwas überarbeitet. Letztes Jahr wurde dann vor dem Hintergrund der Harmonisierung der Produkte in Europa das flexiblere Angebot Secufarm eingeführt mit neuen Produkten und Bedingungen. Winterstaunässe wurde als Schadereignis gänzlich herausgenommen. Gleichzeitig wurde die Hagelversicherung in die Mehrgefahrenversicherung integriert. Dieses neue Angebot erlaubte eine verbesserte Anpassung an die Schadenssituation.

Toni Esch zeigte anhand von Graphiken die deutlichen Steigerungen bei Versicherungssumme und Prämienzahlungen. Erstere stieg von anfangs 43 Mio. Euro auf rund 90 Mio. Euro, während die Prämien von rund einer Mio. Euro auf ca. zwei Millionen Euro stiegen.

Gruppe Vereinigte Hagel mit 150jähriger Tradition

Im folgenden erläuterte Dr. Rainer Langner den Aufbau der Versicherungsgruppe, die sich traditionell – die Ursprünge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – als genossenschaftliche Hagelversicherung dem Gegenseitigkeitsgedanken verschrieben hat. Die in Gießen ansässige Gruppe ist im Gartenbau, im Weinbau und in der Landwirtschaft aktiv und verfügt über rund 1.000 Sachverständige, die für eine schnelle, unbürokratische Schadensabwicklung sorgen. Neben der Zentrale in Gießen, wo sämtliche Produkte über eine Datenbank verwaltet werden, existieren acht Regionalbüros, wo Schadensdossiers primär bearbeitet werden. Daneben betreibt die Versicherung ein umfangreiches Versuchswesen.

Die Gruppe nimmt in der Summe rund 150 Millionen Euro Prämien ein. Allein in Deutschland sind 4,8 Mio. ha versichert. Auf das Auslandsgeschäft entfallen inzwischen 40 Mio. Euro Prämien. Das Doppelte dessen, was innerhalb der Gruppe als Prämien eingezahlt wird, steht aufgrund der obligatorischen Rückversicherung zur Verfügung, um Schäden auszubezahlen. Dr. Langner stellte heraus, daß die inzwischen breite räumliche Streuung von Dänemark bis Italien für eine Risikostreuung bei den Schadereignissen sorgt, so daß das Gegenseitigkeitsprinzip noch besser in die Praxis umgesetzt werden kann. Als aktuelles Schadereignis nannte er die großflächige Auswinterung von Wintergetreide in Polen mit einem Ausfall von insgesamt 25% der Bestände. Kernprodukt bleibt die Hagelversicherung, aber die Nachfrage nach einem umfassenderen Risikomanagement in Acker-, Wein- und Gartenbau nimmt zu, dies nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels.

Dr. Langner hob hervor, daß es sich bei der Vereinigten Hagel um ein nicht profitorientiertes Unternehmen handelt. Die Mitglieder seien gleichzeitig Eigentümer. Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel stellte klar, daß mit einem Verwaltungskostenanteil von 14,5% eine „schlanke Struktur“ vorliege und man aufgrund der Spezialisierung die Know-how-Führerschaft innehabe. Dann gab er Erläuterungen zu den beschlußfähigen Organen: Neben Vorstand und Aufsichtsrat sind dies die alljährlich stattfindende Hauptversammlung sowie die Mitgliederversammlungen auf regionaler Ebene.

Schadensdossiers werden in Alzey eingereicht

Abschließend gab Dr. Hurtmanns von der Bezirksdirektion Alzey Informationen zur Verwaltungsstruktur in den Regionen. Die Bezirksdirektion Alzey mit ihren acht Außendienstmitarbeitern ist für die Abwicklung von Schadensdossiers aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, dem südlichen Hessen und Luxemburg zuständig. Die Zuständigkeit für Luxemburg ergab sich aufgrund der räumlichen Nähe zum benachbarten Rheinland-Pfalz. Derzeit werden rund 7.000 Betriebe von hier aus betreut. Mit einem Verwaltungssatz von 10,5% fährt die Bezirksdirektion Alzey in puncto Kosten nochmals günstiger als die gesamte Gruppe. 120 ausgebildete Experten stehen zur Verfügung, um die jährlich 1.000-3.000 Schadensmeldungen zu bearbeiten. Bislang gibt es fünf Regionalvereine im Zuständigkeitsbereich der Bezirksdirektion Alzey.

Wird künftig nun auch das Regenwasser auf den Straßen gesondert erfaßt?

Sauberes Wasser, dies haben wir bereits vielfach unterstrichen, ist ein besonders wertvolles Gut, ein Tatbestand, dessen die Landwirtschaft sich voll und ganz bewußt ist. Die Landwirtschaft erbringt bereits heute eine Vielzahl von Leistungen in dieser Hinsicht und ist auch zu einer weiteren positiven Zusammenarbeit hinsichtlich der Gewährung eines guten Zustandes des Grundwassers sowie auch des Oberflächenwassers bereit. Dabei müssen jedoch die Auflagen und Restriktionen tatsächlich begründet und sinnvoll sein, sie müssen auch im Machbarkeitsbereich liegen. Bekanntlich stammen bei weitem nicht alle belastenden Eintragungen, sei es ins Grundwasser oder aber ins Oberflächenwasser, von der Landwirtschaft; darüber hinaus stellt sich allerdings die Frage, ob alle angedachten bzw. den landwirtschaftlichen Betrieben auferlegten Auflagen tatsächlich sinnvoll sind.

Seit Inkrafttreten des Wassergesetzes im Dezember 2008 unterliegt jedweder Neu- oder Ausbau von landwirtschaftlichen Gebäuden, neben allen sonstigen eingeforderten Genehmigungen, einer Genehmigung des Wasserwirtschaftsamtes, womit die Betriebe sich mit zusätzlichen kostenintensiven Auflagen konfrontiert sehen.

Gemäß den von dieser Verwaltung vorgegebenen Auflagen muß sämtliches Regenwasser von den Gebäudedächern separat erfaßt werden, um dann via Auffang- bzw. Retentionsbecken in einen Regenwasserkanal oder in das nächstliegende Fließgewässer abgeleitet zu werden, wobei der Bauherr sich beim Queren von fremden Grundstücken ein „droit de passage“ sichern muß. Versickert das Regenwasser, so gelten noch strengere Bedingungen.

Bei den versiegelten Hofflächen wird vom Wasserwirtschaftsamt zwischen den sogenannten „sauberen“ und „schmutzigen“ Flächen unterschieden. Sämtliches Regenwasser von den sogenannten „schmutzigen“ Flächen muß, laut Vorschrift des Wasserwirtschaftsamtes, separat erfaßt und in eine Güllegrube abgeleitet werden.

Daß Hofplätze, wo mit Öl oder Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird, als sogenannte „schmutzige“ Plätze gelten und dort Schutzmaßnahmen vorgesehen werden, mag noch nachvollziehbar sein. Nicht mehr nachvollziehbar ist es allerdings, daß auch die Gras- und Maissilos, die Hofabschnitte, die zwischen Silos und Stall liegen oder aber die Flächen, auf denen Vieh zirkuliert, wie etwa der Weg vom Stall auf die Weide, als sogenannte „schmutzige“ Flächen eingestuft werden und demzufolge sämtliches Regenwasser auf diesen Flächen spezifisch erfaßt und behandelt werden muß. Bei Silos geht hier nicht die Rede von Gärwasser, was bereits jetzt separat gefaßt werden muß; von den Auflagen anvisiert sind ebenfalls mit Plastik abgedeckte oder leere Silos.

Seitens des Wasserwirtschaftsamtes heißt es, daß zwecks Ausstellung der Genehmigung, wir zitieren, „die gesetzlich geforderten Mindestlagerkapazitäten garantiert sein müssen, dies mit ALLEN Wässern eingerechnet (Melkraum, Silagen, Regenwasser von Fahrsilos, angeschlossene Außenflächen, Gülleentnahmefläche, ggfs. Waschplatz, usw.)“.

Man möge sich die Mengen an Regenwasser vorstellen, die angesichts dieser Auflagen in einer Güllegrube aufgefangen und anschließend per Güllefaß auf die Felder ausgebracht werden müssen.

Bei den hierzulande üblichen rund 800 Liter Niederschlag pro m2 ergeben sich bei einer sogenannten „schmutzigen“ Hoffläche von 1.500 m2 in etwa 1.200.000 Liter Regenwasser, das gesondert erfaßt werden muß. Zu diesem Zweck muß zunächst ein spezifisches Wasserauffangbecken angelegt oder aber die Güllegrube von den Stallgebäuden entsprechend größer gebaut werden, sowie alle erforderlichen infrastrukturellen Maßnahmen (z.B. Ablaufrinnen) angelegt werden, was für den landwirtschaftlichen Betrieb Zusatzkosten von bis zu 100.000 Euro bedeutet. Wenn dann dieses nicht oder kaum belastete Regenwasser per Güllefaß beispielsweise à 12.000 Liter aufs Feld ausgebracht wird, werden dafür 100 Fahrten benötigt.

Kosten, Treibstoffverbrauch, Arbeitsaufwand und vor allem Klimaschutz lassen dabei grüßen!

Von integriertem, vernetztem und nachhaltigem Denken zeugen solche Auflagen, die den Landwirt verpflichten, sauberes bzw. kaum belastetes Wasser per Güllefaß auszubringen, allemal nicht.

Diese Auflagen sind umso unsinniger, als die Belastung von Regenwasser, welches auf diese Flächen fällt (und damit das Verunreinigungsrisiko der Gewässer), sicherlich nicht größer sein dürfte als die Belastung von Regenwasser bzw. die damit einhergehenden Eintragungen auf Parkplätzen oder Straßen, geschweige denn Autobahnen.

Deshalb unsere einleitende Frage, ob denn künftig nun auch alles Wasser von den Straßen separat erfaßt und spezifisch wieder ausgebracht (auf welche Flächen??) werden muß?

Deshalb auch die Frage nach Sinn und Unsinn etlicher dieser Maßnahmen und Auflagen, bei denen die Verhältnismäßigkeit jedenfalls nicht mehr gegeben ist, bei denen auch die Nachhaltigkeit nicht mehr gesichert ist.

Nicht nur im Interesse der Landwirtschaft, sondern auch im Interesse des Umwelt- und des Klimaschutzes kann nur die Forderung an die Verantwortlichen des Wasserwirtschaftsamtes ergehen, diese Auflagen zu überprüfen und gemeinsam mit der Landwirtschaft angemessene Schutzmaßnahmen festzulegen.

Concours International des Eaux-de-Vie et Liqueurs de Fruits

Luxemburgische Brenner räumten wieder zahlreiche Medaillen ab

Am 22. März fand der im dreijährigen Rhythmus stattfindende Concours International des Eaux-de-Vie et Liqueurs de Fruits in Metz unter reger luxemburgischer Beteiligung statt. Wie bei den letzten Wettbewerben im nahen Lothringen bestätigte sich abermals die hohe Qualität der heimischen Produkte in diesem Bereich. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat von jeher die Marque Nationale des Eaux-de-vie, die die Produkte heimischer Brenner unabhängig prüft und einen hohen Qualitätsstandard gewährleistet.

Beim diesjährigen Wettbewerb waren insgesamt zehn heimische Brenner mit ihren Produkten erfolgreich. Nachfolgend die Resultate:

 

SIGILLES D’OR

Mirabelle 2010                                        Fisch-Schroeder, Calmus

Poire Williams 2011                               Difrulux, Breidweiler

Pomme 2008                                          Dahm-Reiter, Lilien

Prunelle 2011                                          Difrulux, Breidweiler

Vieux Marc 2007                                     Distillerie Diedenacker, Niederdonven

Kirsch 2009                                             Distillerie Max Lahr, Ahn

 

SIGILLES D’ARGENT

Mirabelle 2010                                        Wampach Carlo, Berbourg

Mirabelle 2011                                        Kayser-Duhr Emile, Bech-Kleinmacher

Poire Williams 2010                               Difrulux, Breidweiler

Poire Williams 2011                               Distillerie Miny Michel, Nommern

Poire Williams 2011                               Wampach Carlo, Berbourg

Framboise 2010                                     Distillerie Muller-Lemmer, Contern

Framboise 2010                                     Dahm Gaston, Herborn

Quetsch 2009                                          Distillerie Diedenacker, Niederdonven

Kirsch 2010                                             Dahm Gaston, Herborn

Liqueur de Mirabelle 30°                        Dahm-Reiter, Lilien

 

SIGILLES DE BRONZE

Mirabelle 2010                                        Difrulux, Breidweiler

Poire Williams 2010                               Distillerie Diedenacker, Niederdonven

Kirsch 2011                                             Distillerie Muller-Lemmer, Contern

Liqueur de Quetsch 25°                         Distillerie Miny Michel, Nommern

Dauerwald und Natura 2000

Vom Waldsymposium von Lëtzebuerger Privatbësch in Wiltz

Der naturnah bewirtschaftete Dauerwald und Natura 2000 waren die beiden großen Themen beim sogenannten Waldsymposium von Lëtzebuerger Privatbësch, das am 22. März im „Prabbeli“ in Wiltz stattfand. Die mittlerweile zur Tradition gewordene forstliche Fachveranstaltung war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Die Vereinigung der Privatwaldbesitzer hatte zwei hochkarätige Redner gewinnen können, nämlich Max Freiherr von Rotenhan (Boscor Forst GmbH) und François Kremer (EU-Kommission – Generaldirektion Umwelt).

Der Präsident von Lëtzebuerger Privatbësch, Hubert de Schorlemer, hieß die zahlreichen Gäste willkommen und gab das Wort weiter an Maximilian Freiherr von Rotenhan, Privatwaldbesitzer und zugleich Geschäftsführer einer waldbaulichen Unternehmungsgesellschaft namens Boscor GmbH in Issigau im Norden Bayerns.

Der Gastreferent aus dem oberfränkischen Issigau hatte seinen Vortrag folgendermaßen betitelt: „Vom Altersklassenwald zum naturnah bewirtschafteten Dauerwald“. Er stellte zunächst kurz die Boscor-Gruppe vor, die zum einen Forstbewirtschaftung und -beratung (auf 25.000 ha Fläche), zum anderen Holzhandel (180.000 fm) und Verwaltunggsservice anbietet. Das dritte Glied ist der Bereich Forstinvestments mit betriebswirtschaftlicher Beratung sowie 3.100 ha Land- und Forstwirtschaft.

Holzqualität ist das A und O

Freiherr von Rotenhan zeigte dann anhand einer banal aussehenden Formel für den Umsatz auf, was der Bewirtschafter grundsätzlich beeinflussen kann, um ökomonomisch zu wirtschaften, also seinen Gewinn zu maximieren, nämlich die Holzqualität. „Der größte Fehler bei der Bewirtschaftung von Wald ist aus ökonomischer Perspektive die Produktion von minderwertigen Holzsortimenten“, so eine seiner zentralen Aussagen. Im folgenden kam der Forstexperte auf ein Beispiel aus der Praxis zu sprechen, ein 190 ha umfassendes Forstrevier, das lange Zeit im „Dornröschenschlaf“ lag und seit zwei Jahren von Boscor bewirtschaftet wird. Derzeit werden jährlich 1.500 fm eingeschlagen, davon 60% Industrieholz. Der Referent rechnete vor, daß sich hieraus bei Holzpreisen von 20 Euro/fm für Industrieholz und 60 Euro/fm für Sägeholz ein Jahresumsatz von 54.000 Euro ergibt. Dem stellte er die Rechnung für einen optimal bewirtschafteten Wald mit einem nur halb so hohen Industrieholzanteil gegenüber. Hieraus leitete er einen jährlichen Verlust von 18.000 Euro für das besagte Forstrevier ab.

Freiherr von Rotenhan nannte als Ursachen für mangelnde Holzqualität:

  1. Verbißschäden,
  2. Schälschäden,
  3. mangelnde Jungwuchspflege und
  4. Durchforstungsrückstände.

Zu ersteren führte er aus, daß mehrfach verbissene Bäume nicht die gewünschte Qualität bringen. Des weiteren machte er deutlich, daß die Verjüngung des Waldes oftmals durch Wildverbiß gestoppt wird, bevor sie in Erscheinung tritt. Zudem hob er hervor, daß Wildverbiß selektiv ist: Vom Reh werden zum Beispiel Eiche und Tanne bevorzugt. Diese Faktoren führen dann je nach Ausgangslage auf unterschiedliche Art und Weise zu ökonomischen Verlusten: der Verlust von gewünschten Baumarten führt zu einem schlechten Portfolio bei den Holzsortimenten, durch starken Verbiß werden Holzsortimente entwertet, gepflanzte Bäume produzieren im Vergleich zu naturverjüngten minderwertige Qualitäten und schließlich kommt es zu einem Produktionszeitverlust von hochwertigen Sortimenten. Hinzu kommen die Kosten durch Aufforstung und Umzäunung dieser aufgeforsteten Bereiche. Diese kalkulierte er für das besagte Revier von 190 ha auf 11.400-15.200 Euro pro Jahr. Allein dieser Posten verschlingt also schon rund ein Viertel des Umsatzes im suboptimalen Forstbestand.

Auch bei den Schälschäden zeigte er das hohe Schadpotential auf. Durch die Vermeidung von Schälschäden läßt sich der Industrieholzanteil demzufolge um 60% reduzieren. Aus der obigen Beispielrechnung ergab dies einen jährlichen Verlust von 14.400 Euro für das 190 ha umfassende Forstrevier.

Dann kam der Forstexperte auf vermeidbare Fehler zu sprechen, die mangelnden Investitionen und die Durchforstungsrückstände. „Regelmäßige Durchforstung ist wichtig; nur das ist nachhaltig“, zeigte er sich überzeugt. Als optimales Zeitintervall gab er hierzu fünf Jahre an. Als Gründe für solche Rückstände nannte er das „Warten auf den guten Preis“, die Fokussierung auf andere Geschäftsfelder und die Jagd, die so manchem Waldbesitzer die Zeit für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung stiehlt. Freiherr von Rotenhan zeigte schlechte Beispiele aus dem Laub- und Nadelwald und machte deutlich, daß solche Rückstände zu einem Zuwachsverlust an wertvollen Sortimenten führen.

Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft

Im nächsten Teil seines Vortrags kam Freiherr von Rotenhan auf die Grundsätze zu sprechen, die einen naturnahen Waldbau ausmachen. Er definierte einen naturnahen Waldbestand als eine Mischung standortgerechter Baumarten mit unterschiedlich alten und unterschiedlich großen Bäumen. Bevorzugt werden Waldgesellschaften mit einheimischen Arten, aber auch ausländische, standortangepaßte Arten können interessant sein. Pflege und Nutzung erfolgen auf Basis des Einzelstamms und nicht flächig. Der Waldbewirtschafter geht schonend mit dem Standortpotential um und es herrschen waldverträgliche Schalenwilddichten.

Ob der traditionelle Waldbau immer in Verwüstung endet, wie der Redner etwas polemisch darstellte, sei dahingestellt. Aber daß ein langfristig naturnah bewirtschafteter Wald ein schöneres Landschaftsbild bietet und die nachhaltige Bewirtschaftung fördert, steht außer Zweifel. Ebenfalls außer Zweifel steht die Bemerkung, daß ein artenreicher Mischbestand auch eine artenreichere Tierwelt beheimatet als ein reiner Fichtenbestand.

Der Referent zeigte im Anschluß auf, was in der Praxis getan werden sollte bei einer Umstellung auf naturnahe Bewirtschaftung. Die Pflege sollte auf Qualität ausgerichtet sein und jene Bäume fördern, die sichtlich gut wachsen. Sogenannte Wertträger sollten konsequent freigestellt und es sollte hierbei eher zu stark als zu schwach eingegriffen werden. Der (einzelstammweise) Holzeinschlag sollte bei den Wertträgern nach Beendigung des Wertzuwachses erfolgen, auf Kahlschläge (auch kleinflächige) gänzlich verzichtet werden. Pflege und Holzeinschlag sollten nach dem Grundsatz „mäßig aber regelmäßig“ erfolgen. Für die Durchforstung, die alle fünf Jahre durchgeführt werden sollte, kalkulierte der Fachmann Kosten von 500-1000 Euro/ha. Er betonte die Wichtigkeit von Rückegassen zur Bodenschonung.

Sollten Neuanpflanzungen nötig sein, so sollte man Standortgerechtigkeit anvisieren, auf gute Pflanzware achten, evtl. fremdländische Gehölze als sogenannte Sprinter einsetzen, aber die Pflanzung nicht nach dem Holzmarkt ausrichten. Pflanzungen sollten allerdings nur für Beimischungen genutzt werden. Man sollte in Pflege investieren, nicht in Pflanzungen.

Dann kam er auf ein auch in Deutschland leidiges Thema zu sprechen, das der viel zu hohen Wilddichte. „In Deutschland muß jeder einzelne Baum geschützt werden. Die Jäger versagen völlig“, konstatierte der Waldbesitzer, der die Bedeutung der Wildregulierung aus eigener Anschauung kennt. Er zeigte hierzu als Beispiel eine Neuanpflanzung, wo jeder Baum eine Wildschutzröhre verpaßt bekam. Der Experte wies auf die potentielle Möglichkeit waldbesitzerfreundlicher Jagdpachtverträge hin und nannte diesbezüglich das sog. „Rosenheimer Modell“. Zumal in waldbeprägten Jagdlosen könnten die Waldbesitzer einen deutlichen Einfluß auf die Jagd ausüben.

In der anschließenden Diskussion wurde davor abgeraten, in nicht naturnahe und zudem nicht stabile Forstbestände stark einzugreifen bei der Durchforstung. Freiherr von Rotenhan kalkulierte einen Zeitraum von 50 Jahren, um einen Altersstufenwald in einen stabilen, naturnahen Bestand zu überführen.

Natura 2000 auf Gemeinschaftsebene

Als nächster Redner ging François Kremer von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission in Brüssel auf das Thema „Natura 2000 mal anders…“ ein. Der für das Referat B3 – Natur zuständige Kommissionsbeamte nannte zunächst die sechs Einzelziele der Biodiversitätsstrategie der EU-Kommission für 2020. Dazu zählt auch die vollständige Umsetzung der FFH- (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzrichtlinie. Zur 1995 verabschiedeten FFH-Richtlinie sagte er, daß man das Ziel, den Artenrückgang zu stoppen, nicht erreicht habe. Bis 2020 sollen nun die unter das europäische Naturschutzrecht fallenden Lebensräume einen signifikant besseren Zustand als 2010 aufweisen und ebenfalls beim Artenschutz will man gegenüber dem jetzigen Zustand einen deutliche Verbesserung erreichen.

Natura 2000, das als weltgrößtes Netzwerk geschützter Gebiete gilt, fußt auf den beiden genannten Richtlinien. Es handelt sich um insgesamt 26.000 Gebiete in der Europäischen Union. Die terrestrischen Gebiete machen mit 752.000 qkm 17,5% der EU aus. Die geschützten Meeresgebiete umfassen 204.000 qkm.

Der Brüsseler Experte stellte heraus, daß die Auswahl der Schutzgebiete auf wissenschaftlichen Kriterien beruht. Basis ist eine Liste von Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse. Die Gebiete sind nun zu über 80% ausgewiesen. Den Mitgliedstaaten obliegt es, Maßnahmen zu ergreifen, um die gesteckten Natur- und Artenschutzziele zu erreichen.

Luxemburg hat von allem etwas: Vogelschutz- und FFH- sowie gemischte Gebiete, wobei die Waldflächen dominieren. Es sind insgeamt rund 60 Gebiete mit 455 qkm Fläche. François Kremer hob diesbezüglich hervor, daß der Privatwald ein wichtiger Akteur bei Natura 2000 ist.

Europaweit steht es um den ökologischen Zustand der Wälder wohl nicht zum besten. Nur etwas mehr als ein Fünftel wird von den Experten als günstig eingestuft, mehr als 60% hingegen als unzureichend oder gar schlecht. Bei der Bestandsentwicklung häufiger Waldvogelarten ist in den letzten drei Jahrzehnten hingegen keine Verschlechterung eingetreten.

Waldbesitzer und Landwirte sind wichtige Partner im Naturschutz

Der Redner, der die Evaluierungsgruppe für Natura 2000 präsidiert, zeigte sich überzeugt, daß Basisinformationen und Aufklärung an die Adresse der Flächenbewirtschafter unabdingbar sind. Es gebe viele Mißverständnisse bzgl. Natura 2000, konstatierte er. Er bezeichnete die Waldbesitzer als Unternehmer im Naturschutz und machte deutlich, daß Waldbesitzer und Landwirte Partner im Naturschutz sind (keine „Verwaltungsobjekte“) und ihr Know-how für das Erreichen der Naturschutzziele unerläßlich ist. Auf der anderen Seite betonte François Kremer die Wichtigkeit von Information und Transparenz über die konkreten Naturschutzziele. Zudem machte er deutlich, daß Beratung hierbei ein wichtiges Element sein kann und nannte die wallonische Beratungsstelle „Naturawal“ als löbliches Beispiel. Nur bei einigen besonders seltenen Biotopen sei eine Bewirtschaftung wegen des strengen Schutzes untersagt; die Bewirtschaftung von Natura 2000-Flächen sei hingegen die Regel. Maßnahmen sollten prinzipiell in enger Kooperation mit den betroffenen Landwirten und Waldbesitzern ausgearbeitet werden; eine Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis sei hierbei der bevorzugte Ansatz. Er nannte hierzu auch einige Beispiele, wie sich Natura 2000-Regionen in Europa mit ihren Produkten erfolgreich vermarkten.

Außerdem stellte der Referent heraus, daß bei Natura 2000 das Subsidiaritätsprinzip zur Anwendung kommt. Es wird also den Mitgliedstaaten überlassen, wie sie konkret vorgehen, um die Naturschutzziele zu erreichen. Der Ansatz sei ergebnis- und nicht maßnahmenorientiert. Als wichtigstes Instrument zur Planung und Umsetzung von Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für ein Natura 2000-Gebiet nannte er den integrierten Bewirtschaftungsplan, der vor allem für große Natura 2000-Gebiete wichtig sei. Für Inhalt und Umfang eines solchen Planes gebe es keine konkreten rechtlichen Vorgaben, so der Kommissionsexperte. Eigentümer und Bewirtschafter würden intensiv mit einbezogen und die Maßnahmen soweit wie möglich im Einvernehmen mit allen Beteiligten festgelegt und umgesetzt werden. Ziele, Methoden und Ergebnisse seien transparent und für jedermann nachvollziehbar, so der EU-Experte, der damit den Standpunkt der EU-Kommission klarstellte, wie das Vorgehen auf dem Terrain eigentlich sein sollte. Er erwähnte diesbezüglich eine Studie der EU-Kommission zur Konfliktlösung im Naturschutz, die auf der Webseite der Kommission zu finden ist.

Was die Beihilfen anbelangt, sprach François Kremer von einer Bindung an spezifische Erhaltungsziele. Der Privatwald sei ein bevorzugter Partner und eine neue Partnerschaft mit der Forstwirtschaft auf EU-Ebene erwünscht. Kurzfristig geplant ist die Entwicklung neuer Leitlinien zum Thema „Natura 2000 und Wälder“.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, inwiefern der Ausschluß von Flächen aus Natura 2000 möglich ist. François Kremer stellte hierzu klar, daß dies nur auf Betreiben des Mitgliedstaates möglich ist, wenn dieser nachweisen kann, daß die wissenschaftlichen Annahmen bezüglich der Schutzwürdigkeit des betreffenden Gebiets nichtig sind.

Der EU-Experte zeigte auch die Gefahr auf, daß sich nationale Behörden hinter dem sog. Verschlechterungsverbot verstecken, um jede Maßnahme (auch Infrastrukturmaßnahme) auf dem Terrain zu verhindern. Er betonte, daß der Artenschutz z.B. nicht übertrieben umgesetzt werden dürfe, sondern allgemein angemessen sein solle, um die nationalen Erhaltungsziele – in diesem Fall die Arterhaltung innerhalb der Landesgrenzen – zu erreichen. Er plädierte allgemein für einen „Naturschutz mit Augenmaß“, der nicht zur Verhinderung von Infrastrukturprojekten ausgelegt werde.

Marco Gaasch, Sekretär von Lëtzebuerger Privatbësch, befand, daß hierzulande bei Natura 2000 nicht viel von Partnerschaft zu spüren sei. In der Gesetzgebung sei nur von Gefahren für die Natur die Rede, aber nie von Chancen für die Bewirtschafter durch Natura 2000. Er forderte, daß die Umweltverwaltung den Bewirtschaftern doch erklären sollte, warum Einschränkungen gefordert werden, und was konkret erreicht werden soll, um somit auf dem Terrain Akzeptanz für die Naturschutzanliegen zu schaffen.

Leitfaden für Naturschutzflächen in Ausarbeitung

Als dritter Redner sprach Frank Wolter, der stellvertretende Direktor der Umweltverwaltung, zum Thema „Leitfaden für die Bewirtschaftung der Natura 2000-Wälder in Luxemburg“. Er zeigte zunächst eine Karte mit den Habitat- und Vogelschutzgebieten in Luxemburg, die insgesamt knapp 18% der Landesfläche bedecken. Von den 45.260 ha Natura 2000-Flächen sind rund 83% Waldgebiete. Darunter sind vier große Buchenhabitate, aber auch einige Schlucht- und Auenwälder. Letztere gelten als rare Habitate. Der Experte von der Umweltverwaltung sagte, daß die vor 20 Jahren erstellte pflanzensoziologische Karte bis spätestens Anfang 2013 aktualisiert werden soll. Auf deren Basis wird es u.U. zu Neubewertungen von Habitaten kommen.

Dann stellte Frank Wolter Grundsätze des neuen Leitfaden vor, der sich auf die Bewirtschaftung der unter Art. 17 des Naturschutzgesetzes als schützenswert deklarierten Waldflächen bezieht. Hierunter fallen auch Biotope, die nicht Natura 2000-Flächen sind. Der stellvertretende Direktor erwähnte, daß man sich bei der Ausarbeitung an der Wallonie und Baden-Württemberg inspiriert hat. Laut der baden-württembergischen Liste gilt z.B. eine überhöhte Schalenwilddichte als „erhebliche Beeinträchtigung“ für die schützenswerte Fläche, also als ein Faktum, das aus Sicht des Naturschutzes nicht geduldet werden kann. In der Wallonie gilt ein Kahlschlag auf mehr als einem Hektar als genehmigungspflichtig. Während man den Akteuren im baden-württembergischen Leitfaden recht viel Freiraum lasse, seien die Maßnahmen in der Wallonie weitaus konkreter gefaßt, so der stellvertretende Direktor.

Frank Wolter machte abschließend darauf aufmerksam, daß die Maßnahmen im neuen Leitfaden noch konkret zu definieren sind. Hierbei will man partizipativ vorgehen. Von Mai bis Juni soll hierzu im Rahmen des nationalen Forstprogramms eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Lëtzebuerger Privatbësch dreimal zusammenkommen.

In der anschließenden Diskussion gab Frank Wolter zu, daß sich die Umweltverwaltung in Sachen konsensuellem Naturschutz unter Beteiligung der Bewirtschafter noch in einem Lernprozeß befindet. Man wolle sich beim Leitfaden eher am baden-württembergischen Konzept inspirieren mit weniger konkreten Vorgaben und den Bewirtschaftern vor Ort mit dem Leitfaden eine Hilfestellung geben, mit welchen Maßnahmen die angestrebten Ziele zu erreichen sind.

Landwirtschaftsminister Schneider lobte den Ansatz, in Kooperation mit den Flächenbewirtschaftern Naturschutz betreiben zu wollen. Er sprach des weiteren die Themen Wegebau und Remembrement an. Bei den bisherigen Projekten zur Flächenzusammenlegung habe man die Nachhaltigkeit der Maßnahmen beachtet, also auch den sozialen und ökonomischen Aspekten Rechnung getragen. Der Ressortchef zeigte sich überzeugt, daß man in Sachen Remembrement im Forstbereich weitere Fortschritte machen wird.

CONVIS schreibt erstmals schwarze Zahlen

Gewinn wird integral für Reservenbildung verwendet

Von der Tierzuchtgenossenschaft CONVIS wurde 2011 erstmals ein positives Geschäftsresultat erzielt. Dieses wurde durch das Auslagern der stark defizitären Sauenzucht auf Kuelbecher Haff in eine eigene Gesellschaft namens KH s.a. ermöglicht. Besonders positiv verlief die Entwicklung bei der Viehvermittlung, die insbesondere bei den Zuchtrindern stark zulegte. Dies wurde bei der Generalversammlung der Genossenschaft deutlich, die am vergangenen Dienstag am Verwaltungssitz in Ettelbrück stattfand.

Rücklagen von einer Million Euro als Zielmarke

CONVIS-Präsident Louis Boonen sprach bezüglich 2011 von einem guten Jahr mit einem guten Resultat, das man sich hart erarbeitet hätte. „Jetzt sind wir dort, wo wir hinwollten bei der CONVIS-Gründung. Es hat deutlich länger gedauert als ursprünglich geplant“, merkte der CONVIS-Präsident an und schob das mittelfristige Ziel hinterher: „In fünf Jahren wollen wir eine Million Euro als Reserve haben.“

Er erläuterte das Auslaufen des Betriebs der Sauenanlage auf Kuelbecherhaff unter der Ägide von CONVIS zum 15. August 2011. An der neu entstandenen Holding namens KH s.a. unter Führung des deutschen Unternehmens Fleming+ Wendeln hat CONVIS einen Anteil von 30%.

Der Präsident hob lobend hervor, daß 2011 für die Züchter ein enorm erfolgreiches Jahr war. Auch im neuen Jahr gehe es bislang so weiter. Er lobte vor allem den Erfolg bei der Luxemburg Summer Classics Sale auf der FAE 2011, wo mit einem Durchschnittspreis von 7.331 Euro ein Spitzenwert in Europa erzielt wurde. Des weiteren lobte Louis Boonen das gute Resultat bei der Viehvermittlung. Vor allem bei den Zuchtrindern wurde ein Rekordniveau mit sehr guten Erlösen erzielt.

Abschließend kam Louis Boonen auf mehrere Punkte bezüglich der Agrarpolitik zu sprechen. Zum einen vertrat er die Ansicht, daß mit der geplanten Gleichstellung bei den Prämienzahlungen die großen Viehbetriebe zu Verlierern werden. Zum anderen kritisierte er den enormen Flächenverlust auf Kosten der Landwirtschaft. Hierzulande sind es 500 ha jährlich, die der Landwirtschaft auf Dauer entzogen werden.

Des weiteren sprach er sich dafür aus, nicht diejenigen zu belohnen, die weniger tun, sondern konkrete Leistungen zu honorieren, wie z.B. Humusvermehrung, CO2-Bindung, heimische Eiweißproduktion, Förderung von Artenreichtum im Grünland…

Als weiteren Punkt sprach er die seiner Ansicht nach international zu wenig koordinierte Seuchenbekämpfung an. So sei Luxemburg in der Großregion das einzige Land mit obligatorischer Para-TB-Bekämpfung und das einzige ohne obligatorische IBR-Bekämpfung. Außerdem sei Luxemburg das einzige Land, wo eine staatliche Stelle für die Tiergesundheit allein zuständig sei. Er sprach den Wunsch aus, gemeinsam mit den Veterinären Lösungen zu finden, einerseits in puncto besser koordinierte Seuchenbekämpfung in der Großregion, andererseits bezüglich der Gründung einer nicht-staatlichen Stelle (einer Art Tierseuchenkasse) mit Beteiligung des Sektors.

Geschäftsbericht 2011

Es folgte der Geschäftsbericht, den CONVIS-Direktor Christoph Peifer-Weihs vortrug. Der Direktor bedankte sich zunächst bei den Mitarbeitern und den Mitgliedern der Führungsgremien für ihren tatkräftigen Einsatz im vergangenen Geschäftsjahr, in dem 541.421,37 Euro Gewinn erzielt wurden. Der Direktor blickte zurück auf die harten Einschnitte im Krisenjahr 2008, als 14 Mitarbeiter entlassen und an vielen „Kostenschräubchen“ gedreht wurde. Binnen fünf Jahren ist der Umsatz trotz geringerer Mitarbeiterzahlen um fast fünf Millionen Euro gestiegen.

Die Zahl der Vollmitglieder nahm trotz des Strukturwandels um drei auf 773 zu, die der Teilnehmerbetriebe um vier auf 524. In der mit 503 Vollmitgliedern dominierenden Abteilung Milchrinderzucht sticht vor allem der bislang unerreichte Leistungsanstieg um 309 M-kg auf 7.881 M-kg (bzw. + 20 F+E-kg) hervor. Bei 7.237 Betriebsbesuchen innerhalb der Milchleistungsprüfung wurden 397.090 Kühe kontrolliert. Von den knapp 50.000 verkauften Spermaportionen entfielen 43% auf Besamungen durch CONVIS-Techniker. Im Rahmen von Reprocheck, laut Direktor ein Wachstumsbereich, wurden 2.112 Betriebsbesuche durchgeführt. 302 Besuche gab es im Rahmen der Zuchtberatung.

Die Abteilung Fleischrinderzucht zählt 214 Vollmitglieder. 52 Betriebe sind in der Zucht aktiv, sieben mehr als 2010. Die Zahl der BLQ-Betriebe stieg um acht auf 175, während die BLWQ-Betriebe um sieben auf 15 abnahm. Der Direktor erwähnte beim Cactus-Programm mit derzeit 170 Betrieben die erzielten Umweltleistungen binnen 15 Jahren. Durch Düngereinsparungen wurden umgerechnet 15 Mio. Liter Diesel eingespart.

In der Abteilung Schweinezucht, mit 56 Betrieben die kleinste Abteilung, sah es düster aus, insbesondere in der Ferkelerzeugung. Christoph Peifer-Weihs machte deutlich, daß sich für kleinere Betriebe Neuinvestitionen nicht lohnen und diese nach und nach aufgegeben werden. Man müsse nun bestrebt sein, die Schweinezucht im Land zu erhalten. Derzeit sei die Situation bei den Ferkelpreisen wieder wesentlich günstiger mit einem doppelt so hohen Preis wie im absoluten Tief 2011. Der CONVIS-Direktor erläuterte im Detail das neue Konstrukt „KH s.a.“, das nur die Sauenanlage betrifft, nicht jedoch die Besamungsstation und das Verwaltungsgebäude auf Kuelbecherhaff. Demzufolge wurde die Bilanz neutral ausgelagert, die Jungsauen und das Inventar an die KH s.a. verkauft, wodurch sich außerordentliche Erträge in Höhe von annähernd 700.000 Euro ergaben. Mit der neuen Holding gibt es zudem einen Dienstleistungsvertrag bzgl. der Verwaltung der Sauenzucht. Beim Mehrheitseigner Fleming+Wendeln handelt es sich um ein auf den Handel mit Naima-Zuchtsauen spezialisiertes deutsches Unternehmen, wovon man sich neue Impulse bei der Vermarktung verspricht.

In der Viehvermarktung waren zum Teil enorme Zuwächse zu verzeichnen. Bei den Kälbern war der prozentuale Zuwachs mit 40,7% am stärksten, gefolgt von Schlachtvieh für den Export mit 35,3% sowie Zucht- und Nutzvieh mit 18,2%. Der Direktor zeigte sich überzeugt, daß man noch mehr verkaufen kann.

In der Abteilung Forschung und Entwicklung wurden die beiden Projekte QuaM (Fettsäurezusammensetzung der Milch) und BVL (Nachhaltigkeitsaspekte) verlängert bis September 2012. Für das Nachfolgeprojekt OptiMIR steht bereits eine 100%ige Finanzierung via Interreg und Landwirtschaftsministerium.

Schließlich kam der Direktor auf Investitionen im Bereich der Datenerfassung und -verarbeitung zu sprechen. Für die Energie-Nährstoff-Bilanzen (ENB) wurde diesbezüglich eine neue Basis geschaffen. Einen wahren „Quantensprung“ habe es bei der Warenbuchhaltung gegeben; hier gibt es nun u.a. eine automatische Datenerfassung. Christoph Peifer-Weihs sprach zudem die TVA-Problematik beim Viehhandel an, von der Dienstleister betroffen sind. Ab April werde die korrekte Ausweisung der TVA auf den Rechnungen von den zuständigen Stellen überprüft.

Nach der Vorstellung der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz trug Wirtschaftsprüfer Raphael Loschetter von der Fidewa Audit s.a. seinen Bericht vor, in dem er CONVIS eine korrekte Bilanzierung bescheinigte. Der Gewinn des Geschäftsjahres 2011 beträgt 541.421,37 Euro.

Anschließend kam Aufsichtsratspräsident Guy Didderich auf die wirtschaftliche Situation zu sprechen und sprach ebenfalls von einem guten Jahr. Er lobte die Steigerung des Umsatzes pro Mitarbeiter auf 320.000 Euro. Bezüglich des Lohnindexes vertritt der Aufsichtsrat die Meinung, daß die Kostensteigerungen bei den Löhnen in Zukunft weitergereicht werden müssen.

Die Bilanz wurde dann einstimmig angenommen und die Führungsgremien ebenso einstimmig entlastet. Der Jahresbeitrag wurde bei 100 Euro belassen. Louis Boonen schlug der Versammlung vor, den Gewinn 2011 integral dem Reservefonds zuzuführen, der in den letzten Jahren zunehmend negativ notiert war. Dieser Vorschlag wurde von der Generalversammlung gutgeheißen.

Berichte aus den Abteilungen

Es folgten die Berichte der Zuständigen für die einzelnen CONVIS-Abteilungen. In der MRZ ist eine wachsende Spezialisierung zu verzeichnen. Bei SBT gab es erstmals mehr als 8.000 M-kg, bei Fleckvieh und RBT erstmals mehr als 7.000 M-kg. Die Milchleistungsprüfung wurde bei 33.104 Kühen vorgenommen. Wachsend ist der Anteil der „Roboterkühe“, auf die 14,2% entfielen. Deutlich zugenommen haben die Exterieur-Bewertungen (+ 15,2% bei Kühen und + 18,1% bei Bullen). Acht Bullenmutterverträge mit Ankaufspreisen von 5.400 bis 12.400 Euro wurden erfüllt. Bezüglich Jungbullenselektion wurden 2011 260 Genomics-Untersuchungen in Auftrag gegeben. Die heimischen Züchter konnten 2011 große Erfolge bei Zuchtwettbewerben in Belgien und Deutschland feiern.

Ebenfalls große Auslandserfolge konnten die Fleischrinderzüchter feiern (Sima und Libramont). Sie waren so stark wie noch nie auf ausländischen Schauen vertreten. Für die Vermarktung der Zuchttiere werden die Kontakte zu französischen Partnern (KBS, Interlim) genutzt. Als besonderer Zuchterfolg sei die Einstufung des Limousinbullen Biscuit (De Martines, Huldange) erwähnt: er zählt mit seiner RRE-Einstufung nun zu den am höchsten eingestuften seiner Rasse in der französischen Population (bestes ein Prozent der Population).

Ab April 2012 fließt das Temperament als Bewertungsfaktor in der Zucht ein. Künftig werden verstärkt ruhige Tiere für die immer größer werdenden Herden gebraucht. Auch in der Hornloszucht will man am Ball bleiben. Des weiteren sollen in der Abteilung FRZ demnächst neue Beratungsmodule geschaffen werden, u.a. ein Index für Aufzucht- und Mastleistung beim BLQ-Programm. In Sachen Management großer Herden sind für den nächsten Winter Seminare geplant.

Im Bereich Beratung steht 2012 der Abschluß bei den Projekten Optenerges und TEPagro an. Bei letzterem können die Auswertungen dank neuer Software nun wesentlich schneller erfolgen als vorher. Die Futterberatung unter TopFeed zählte Ende 2011 138 Betriebe; hier sollen evtl. neue Module geschaffen werden. Das Projekt Optigras mit derzeit 24 Betrieben wird fortgeführt. Es werden neue Projekte ausgearbeitet. Beim TEPagro-Nachfolgeprojekt sollen neue Inhalte hinzukommen, u.a. Produktgüte und Bodenversauerung.

Ansprache des Ministers

Landwirtschaftsminister Romain Schneider lobte den CONVIS-Präsidenten und den Direktor für die zustandegekommene Lösung für die stark defizitäre Jungsauenproduktion auf Kuelbecherhaff. Man freue sich nun über die positive Bilanz.

Der Minister streifte des weiteren die GAP-Reform und merkte hierzu an, daß die Kommission wohl eine Reihe von Kompromissen eingehen werde. Er sprach sich dagegen aus, den Strukturwandel im Milchbereich zu bremsen und kündigte zudem die Fortsetzung des sog. „Milchtisches“ an.

Des weiteren sprach der Minister die Planungen für ein Label „OGM-frei“ an. Zwei bis drei Privatiniativen gebe es diesbezüglich bereits im Land. Der Entwurf für ein großherzogliches Reglement in dieser Angelegenheit solle im April diskutiert werden. Auch der Segen aus Brüssel sei noch einzuholen.

Honigbienen sichern den Rapsertrag

Etwa 35% aller Pflanzen, die vom Menschen für die Nahrungs- und Saatproduktion genutzt werden, benötigen die Bestäubung durch Bienen für einen guten Fruchtansatz, z.B. für Mandel, Apfel und Kirsche. Spargel, Mohrrüben oder Sellerie würde es ohne eine Insektenbestäubung überhaupt nicht geben. Unter dem Begriff Bestäubung versteht man die Übertragung von Pollen (Blütenstaub) auf die Narbe des Fruchtblattes. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie der Pollen an sein Ziel gelangt. Ein Erfolgsmodel der Natur ist dabei der Transport von Pollen durch Insekten, z.B. durch die Honigbiene. Um die Biene anzulocken, produziert die Blüte zuckersüßen Nektar als kleinen Anreiz. Beim Blütenbesuch bleibt Pollen an den Haaren der Biene hängen und wird beim Besuch weiterer Blüten gleichmäßig verteilt. Trotzdem wird aber noch genügend Pollen von der Biene selbst einbehalten und an den Hinterbeinen (Pollenhöschen) in den Stock gebracht. Honigbienen neigen zur Blütenstetigkeit, d.h. es werden immer wieder Blüten der gleichen Pflanzenart aufgesucht. Deswegen weist die Pollenladung, die eine Biene in den Stock bringt, einen Reinheitsgrad von etwa 90% auf. Pollen ist von großer Bedeutung für die Bienen, da er ihre einzige Eiweißgrundlage darstellt. Er ist durch keinen anderen Stoff zu ersetzen! Etwa 30 kg Pollen sind notwendig für die Versorgung eines Bienenvolkes pro Jahr. Der Wert eines Einzelvolkes für die Bestäubung in der Agrarkultur wird heute von der EU mit ca. 800 Euro pro Jahr beziffert. Das ist nur ein Richtwert und kann je nach bestäubter Kulturfrucht schwanken. Mandeln sind nun einmal wertvoller als Zwiebeln. Insbesondere im Raps bringt die Honigbiene als Bestäuber gleich eine ganze Reihe von Vorteilen, die im folgenden beschrieben werden sollen.

Raps selbst ist eigentlich ein Windbestäuber und sein Pollen ist sehr leicht und kann daher gut mit dem Wind auf andere Blüten verteilt werden. Jeder, der einmal durch ein blühendes Rapsfeld gelaufen ist, kann das erkennen. Durch den zusätzlichen Einsatz von Bienen kann der Raps jedoch einen deutlich höheren Ertrag erzielen. Allerdings wird die Bestäubungsleistung der Biene im Raps von den Fachleuten sehr unterschiedlich gewertet, da eine Vielzahl von Faktoren die Bestäubung beeinflussen, z.B. die Rapssorte. Sorten, die grundsätzlich sehr wenig Pollen bilden, z.B. Hybridsorten der ersten Generation wie die Sorte COMPLEX, profitieren von der Bestäubung durch Bienen besonders, weil der Pollen durch die Insekten gezielter von Pflanze zu Pflanze übertragen wird als durch den Wind. Durch diesen Sorteneffekt erklären sich auch sehr unterschiedliche Ergebnisse in der Fachliteratur, wenn der Mehrertrag durch die Bienen geschätzt wird. Österreichische Studien gehen von einem Mehrertrag von 10 dt/ha bei 3 Völkern pro Hektar aus. Deutsche und englische Studien hingegen nehmen an, daß zwei Bienenvölker pro Hektar Raps etwa einen Mehrertrag von etwa 4 dt/ha bedeuten können. Neben dem positiven Einfluß auf den Gesamtertrag der Rapspflanze steigert die Biene aber auch die Zahl der Körner pro Schote. In einer deutschen Studie fanden sich lediglich 15 Körner pro Schote bei Windbestäubung, bei einer Bienenbestäubung jedoch ca. 22 Körner. Daneben stieg aber bei Windbestäubung das Tausendkorngewicht etwas und die Körner wurden größer. Leider gibt die Studie keine Informationen zum Öl- oder zum Proteingehalt. Es ist aber bekannt, daß beim Senf (einem nahen Verwandten des Rapses), Insektenbestäubung zu einem höheren Proteingehalt im Samen führt als Windbestäubung. Es müßte also untersucht werden, ob kleinere, proteinreichere Körner einen Vorteil gegenüber einem höheren Tausendkorngewicht haben. Beides hätte aus Sicht des Anbauers Vor- und Nachteile. Ein weiterer Effekt, der unterschätzt wird, ist die gleichmäßige Abreife, die durch eine gleichmäßige Bestäubung hervorgerufen wird. Dadurch kann die Mehrzahl der reifen Körner zum Erntetermin aus den Schoten gedroschen werden (Druschfähigkeit), es vermindern sich also die Druschverluste. Eine gleichmäßige, frühe Bestäubung erlaubt auch eine schnellere Ausbildung der Schotenoberfläche, die wie die Blätter die Möglichkeit der Photosynthese besitzt. Während der Vollblüte sinkt die Photosyntheseleistung im Raps ab, weil die Mehrzahl der Blätter an der Pflanze bereits abgefallen sind. Je schneller sich die Schoten entwickeln, desto schneller kann diese Photosyntheselücke ausgefüllt werden. Rein theoretisch hätte eine schnelle Blüte durch gleichmäßige Bestäubung, und damit verbunden eine schnelle Entwicklung der Schoten, auch einen Effekt auf die Schädlinge. Der Kohlschotenrüßler bevorzugt für die Eiablage nur kleine Schoten von etwa 2 cm. Es könnte also sein, daß der Raps dem Schädling „davonwächst“. Leider fehlen zu diesem Punkt wissenschaftliche Daten.

Neben den Honigbienen sind viele Solitärbienen, wie die Mauerbiene (Osmia cornuta), gute Bestäuber im Raps. Einige Studien sehen in der Mauerbiene tatsächlich einen weit besseren Bestäuber als die Honigbiene. Allerdings können Solitärbienen kaum weiter als 15 m in den Rapsbestand einfliegen. Damit sind sie für große Schläge nicht als Bestäuber geeignet.

Die Vorteile einer flächendeckenden Bestäubung durch die Honigbiene sind also von wirtschaftlicher Bedeutung. Es stellt sich nun die Frage, wieviele Bienenvölker für eine flächendeckende Bestäubung und gute Ertragsentwicklung im Raps notwendig sind. Bei Trachtpflanzen (z.B. Apfel oder Kirsche) geht man von etwa 4 Völkern pro Hektar aus. Beim Raps finden sich in der Literatur verschiedene Angaben von 2-6 Völkern pro Hektar Raps. In den letzten Jahren mehren sich aber Hinweise auf eine Unterversorgung der Bestäubung von landwirtschaftlichen Kulturen, auch Bestäubungslücke genannt. Dieses sehr ernste Problem wird bisher von der Agrarwirtschaft nicht genügend wahrgenommen. Am CRP-Gabriel Lippmann wurden bereits 2009 erste Modellrechnungen zur Bestäubung der Rapskultur in Luxemburg aufgestellt. Es wurde dabei von einer Mindestanzahl für eine ausreichende Bestäubung von 2 Bienenvölkern pro Hektar Raps ausgegangen. Die Ergebnisse waren verblüffend: es zeigten sich in 8 von 12 Kantonen deutliche Bestäubungslücken, d.h. dort fehlten Bienenvölker für eine flächendeckende Bestäubung. Besonders auffällig war dies in den Kantonen Redange und Capellen. Der so entgangene Mehrertrag entsprach zum damaligen Zeitpunkt etwa 3,8 dt/ha (etwa 11,4% des landesweiten Durchschnittsertrages). Die Vorhersagen für die Zukunft sind leider nicht günstig: einerseits nimmt die Zahl der Luxemburger Imker stetig ab (2% jährlich), anderseits sinkt dadurch auch die Zahl der Bienenvölker im Land (von 2008 zu 2011 ein Rückgang von ca. 14% auf 4.827 Völker). Hinzu kommen die Völkerverluste, die sich oftmals zu Beginn eines Frühjahrs zeigen und für den Imker hohe finanzielle Kosten bedeuten (ca. 100 Euro pro Volk). Bei den geschilderten Vorteilen der gleichmäßigen Bestäubung ist es verwunderlich, daß die Politik noch kein „nationales Programm zur Sicherung der Bestäubung“ oder ein „Prämiensystem für die Bestäubung“ aufgelegt hat. Das könnte nicht nur die Artenvielfalt fördern, sondern auch die Wertschöpfung der Landwirte auf natürliche und nachhaltige Weise verbessern.

Dr. Michael Eickermann (CRP-Gabriel Lippmann)

Antoine Clermont (CRP-Gabriel Lippmann)

Roger Dammé (Letzebuerger Landesverband fir Beienzuucht)

 

BZ-Mitgliederversammlungen: Wichtige Grundsatzfragen bleiben zu diskutieren

In den letzten Wochen hat die Bauernzentrale sechs regionale Mitgliederversammlungen organisiert, die die Gelegenheit boten, eine Reihe von anstehenden Themen und Anliegen gemeinsam zu diskutieren.

Eines der Hauptthemen bei diesen Versammlungen war sicherlich die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, die mit mehr oder minder einschneidenden Auswirkungen auf die Betriebe einhergehen wird, insbesondere im Zusammenhang mit der schrittweisen Einführung einer Einheitsprämie auf nationaler Ebene und der damit verbundenen Umverteilung der Direktzahlungen sowie das Greening derselben, u.a. mit der Schaffung von ökologischen Vorrangflächen. Auf etliche in diesem Rahmen getätigten Kritiken bzw. gestellten Forderungen waren wir bereits letzte Woche an dieser Stelle eingegangen. Auch werden wir in den kommenden Wochen die Stellungnahme der Bauernzentrale zu den GAP-Reformvorschlägen vollständig veröffentlichen.

Ein weiteres wichtiges Diskussionsthema bei den Mitgliederversammlungen war die geplante Abänderung des Naturschutzgesetzes, mit etlichen wesentlichen Neuerungen. So sollen Waldflächen nicht mehr nur auf landwirtschaftlichen Flächen innerhalb der betroffenen Gemeinde oder der Nachbargemeinde kompensiert werden können, sondern in sogenannten „secteurs écologiques“ bzw. den benachbarten „secteurs écologiques“.  Eine solche Maßnahme würde wohl eine größere Flexibilität für die Kompensierungsmaßnahmen schaffen, löst aber das grundsätzliche Problem nicht. Darüber hinaus riskiert eine solche Vorgehensweise den Druck auf landwirtschaftliche Flächen in eher ruralen Gebieten noch zusätzlich zu verstärken. Im Rahmen der geplanten Änderungen soll neben den nationalen Naturschutzzonen ein vereinfachtes Verfahren eingeführt werden, um kommunale bzw. sogar private Naturschutzzonen zu schaffen. Auch eine solche Maßnahme, ob der damit potentiell einhergehenden negativen Auswirkungen für die Landwirtschaft, ist sehr kritisch zu bewerten bzw. mit größter Vorsicht anzugehen, zumal unklar bleibt, welches die realen Auswirkungen davon sind, und die vorgesehene Schaffung von sogenannten „sites à potentiel d’optimisation écologique“ – darunter können gegebenenfalls alle nicht versiegelten Flächen fallen – Tür und Tor für jeden Unfug öffnen kann. Des weiteren sollen im Zuge der Abänderung die im Gesetz aufgelisteten und zu schützenden Biotope präziser definiert werden, was mehr Rechtssicherheit schaffen dürfte. Positiv bewertet werden darf ebenfalls die vorgesehene Möglichkeit, Biotope mit Ministerialgenehmigung zu ändern. Allerdings müssen auch zu diesen Punkten etliche Vorbehalte geäußert werden. Das gleiche gilt für die geplante Einführung eines Ökopunktesystems sowie die damit einhergehende Schaffung eines Flächenpools zu Kompensierungszwecken. Eine derartige Maßnahme ist dazu angetan, ein weiteres Mal den Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen zu erhöhen bzw. einen Wildwuchs von Flächenpools, auch wiederum zum Schaden der Landwirtschaft, zu bewirken.

Äußerst kritisch muß ebenfalls das geplante Vorkaufsrecht für Staat und Gemeinden bewertet werden. Sicherlich soll dieses auf spezifische Schutzzonen beschränkt bleiben. Damit würden dennoch einmal mehr die Möglichkeiten, über die die Gemeinden bereits heute, u.a. durch das Gesetz zum Wohnungspakt verfügen, um auf den Grundstücksmarkt einzugreifen, ausgeweitet werden. Die Erfahrung zeigt leider, daß ein solches Vorkaufsrecht für die Gemeinden den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen durch die Landwirte und damit die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe wesentlich behindern bzw. unmöglich machen kann.

Die Spekulation auf dem Grundstücksmarkt, mit den bekannten Exzessen, ist bereits heute nicht mehr tragbar; die geplanten Abänderungen des Naturschutzgesetzes riskieren dabei die Tendenz noch zu verstärken, alles nur noch durch die Ökobrille zu sehen und immer mehr Kompensierungen, ob berechtigt oder nicht berechtigt, einzufordern, dies auf Kosten der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Entgegen der derzeitigen Tendenz, dies kam deutlich bei den Diskussionen mit den Landwirten zum Ausdruck, müßte sich vielmehr mit der Frage beschäftigt werden, ob denn nun tatsächlich jeder Eingriff in die Natur kompensiert werden muß, womit allmählich den landwirtschaftlichen Betrieben ihre Lebensgrundlage entzogen wird, auch mit dem Ergebnis, daß langfristig gesehen das Land irgendwann riskiert, nur noch aus versiegelten Flächen und aus Kompensationsflächen zu bestehen.

Mehr denn je ist die Politik gefordert, diesbezüglich klar Stellung zu beziehen: Grundsätzlich geht es nämlich auch um die Frage, welcher Platz der Landwirtschaft in diesem Land noch erhalten bleiben soll.

Vor kurzem hatten wir darauf verwiesen, daß im Zusammenhang mit dem sektoriellen Landschaftsplan noch sehr viel Diskussionsbedarf besteht. Ebenso viel Diskussionsbedarf besteht auch im Zusammenhang mit den geplanten Abänderungen des Naturschutzgesetzes. Nach Meinung der Bauernzentrale und mit Blick auf einen verstärkten Schutz der landwirtschaftlichen Flächen, dies auch im Sinn der Nachhaltigkeit, müssen zu dem einen oder anderen dieser Themen vorrangig eine Reihe von wichtigen und gewichtigen Grundsatzfragen behandelt und etliche bisherige Politiken hinterfragt werden, bevor weitere Maßnahmen in die Wege geleitet werden.

Limousinzüchter feiern 2012 40jähriges Jubiläum

Generalversammlung und Limousintreff in Colpach-Bas

Die diesjährige Generalversammlung der „Eleveurs Luxembourgeois des Bovins Limousins“ (ELBL) stand im Zeichen des 40jährigen Jubiläums der heimischen Limousinzucht, die 1972 mit der Einführung dieser westfranzösischen Fleischrasse begann. Sehr viele Mitglieder und Gäste hatten sich am 16. März zur Generalversammlung und dem sogenannten „Limousintreff“ auf dem Betrieb Weis frères & Schuh in Niederkolpach eingefunden. Auch zahlreiche Fleischrinderproduzenten anderer Rassen nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Limousinproduktion auf dem Betrieb Weis frères & Schuh werfen zu können. Vorgeschaltet war am Vormittag eine Pressekonferenz zu „Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer“. Die eigentliche Jahresversammlung 2011 zu dieser Labelproduktion fand dann am Nachmittag im Anschluß an die ELBL-Generalversammlung statt.

Hoffnung auf IBR-Bekämpfungsprogramm

ELBL-Präsident Robert Duhr konnte neben den zahlreichen Fleischrinderproduzenten auch ASTA-Direktor Léon Wietor und den Direktor der Veterinärinspektion, Félix Wildschutz, als Gäste begrüßen. „Die Limousinrasse braucht nichts zu befürchten; sie hat als Fleischrasse bei weitem das größte Potential im Land“, befand der Präsident in seiner einleitenden Ansprache. Und dieses Potential ist natürlich auch bezogen auf das wichtigste Label in der Qualitätsrindfleischproduktion, dem Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer. Diesbezüglich hob der ELBL-Präsident hervor: „Wir haben kontinuierlich eine gute Qualität geliefert; dies ist es, was das Label starkmacht.“ Robert Duhr streifte dann die seiner Ansicht nach günstig verlaufende Impfkampagne gegen BVD und das aktuelle Geschehen mit dem Schmallenberg-Virus, bevor er auf ein „Sorgenkind“ der Limousinzüchter zu sprechen kam, die IBR-Bekämpfung: „Wir hoffen, daß endlich ein IBR-Bekämpfungsprogramm anläuft im Land.“

Robert Duhr kam im folgenden auf das Jahr 2011 zu sprechen, das er als „ganz schwieriges Jahr“ für die Mutterkuhbetriebe bezeichnete. Es wuchs zuwenig Futter und im Herbst und Winter kam noch das Problem massiver Wühlmausschäden hinzu. Der Präsident bedankte sich abschließend bei allen, die sich für die heimische Limousinzucht engagieren und rief die Züchter auf, zahlreich am Jubiläums-Wettbewerb im Rahmen der FAE 2012 teilzunehmen.

Zahlreiche Aktivitäten im Jubiläumsjahr

Der aktuelle Stand zum Jubiläumsprogramm sowie die letztjährigen Aktivitäten wurden dann von ELBL-Sekretär Guy Majerus vorgestellt. Zu letzterem sei die Studienfahrt im November nach Thüringen erwähnt, die der Sekretär als lehrreich bezeichnete. Er erwähnte zudem die Erfolge heimischer Züchter bei Schauen in Paris und Metz und merkte hierzu an, daß die heimische Limousinzucht auf dem richtigen Weg sei.

Doch nun zum Jubiläumsprogramm: verschiedene Werbeaktionen sollen stattfinden. Dazu gehören regionale Verkostungsveranstaltungen und Limousins-Diners mit renommierten Gastronomen und Winzern, wobei Léa Linster, La Rameaudière und Pärdsstall bereits zugesagt haben. Des weiteren sind Infostände am Hauptbahnhof in Luxemburg-Stadt und Sonderzüge zur FAE 2012 geplant, welche diesmal im Zeichen des Limousin-Jubiläums stehen wird. In diesem Rahmen sollen auch die luxemburgischen Regierungsmitglieder auf der FAE empfangen werden. Weitere Werbemaßnahmen sind Faltblätter und Werbebanner, für die ASTA, ELBL und CONVIS zuständig sein werden, sowie ein Jubiläumslogo. Zur FAE soll zudem eine Jubiläumsbroschüre erscheinen.

Auf der FAE wird es ein „Limousin-Dorf“ geben. Am 30. Juni und 1. Juli findet ein internationaler Limousin-Concours statt, für den 150-200 Zuchttiere aus Luxemburg, Frankreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Italien erwartet werden. Am Samstag findet zudem eine von von KBS, CONVIS und ELBL veranstaltete Eliteversteigerung mit 25 Top-Zuchttieren statt. Außerdem ist auf der FAE am Sonntag ein «Concours international du meilleur jeune présentateur» geplant. Bei den hochkarätigen Veranstaltungen in Ettelbrück erhofft man sich noch mehr internationale Präsenz als üblich. Im Vorfeld des ab dem 2. Juli stattfindenden internationalen Limousin-Kongresses in Dänemark wird nämlich für die Kongreßteilnehmer aus aller Welt offiziell eine sogenannte Prétour nach Luxemburg angeboten.

Es folgen Beteiligungen bei der Foire de Libramont und der Eurotier in Hannover. Am 21. November wird es eine Tagesreise zum Europaparlament geben, zehn Tage später den traditionellen Limousin-Bâl. Das Abschlußessen in der Hotelschule Alexis Heck wird im November oder Dezember die Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell beschließen.

Guy Majerus trug im Anschluß an den Aktivitätsbericht den Kassenbericht sowie die Bilanz 2011 vor. Es wurde ein Gewinn von 2.461,39 Euro erwirtschaftet und die Kassenlage ist weiterhin gesund. Aufsichtsratspräsident Paul Nothum bestätigte die Korrektheit der Bilanz und empfahl die Entlastung der Führungsgremien, wofür es keine Gegenstimme gab. Der Mitgliedsbeitrag bleibt unverändert.

In seinem Schlußwort kam ELBL-Vizepräsident Marc Wagner auf das hohe Niveau der heimischen Limousinzucht zu sprechen. Noch vor 20 Jahren sei es „eine Himmelfahrtsreise“ gewesen, wenn man in Frankreich Zuchttiere kaufen wollte. Heute habe man in den heimischen Betrieben Zuchttiere, die den strengen Kriterien der angesehenen Zuchtstation in Lanaud gerecht werden. „Die Mutterkuhbetriebe profitieren vom hohen Zuchtstatus im Land“, so Marc Wagner. Abschließend sagte er, daß er auf mehr Engagement seitens der Mitglieder hofft.

Limousintreff

Es folgte die Jahresversammlung von Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer (siehe Beitrag in Nr. 11) und schließlich der beliebte Limousintreff. Die Gebrüder Weis bewirtschaften einen auf fünf Dörfer verteilten Betrieb mit Milchvieh, Mutterkühen und einer Biogasanlage. Einige andere landwirtschaftliche Betriebe wurden hinzugepachtet und ein Teil der Betriebsgebäude angemietet. Insgesamt werden rund 2.000 Stück Rindvieh gehalten. 60% der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt im nahen Belgien.

An der zentralen Hofstelle in Niederkolpach befinden sich u.a. der Fleischrinderstall und die Biogasanlage. Die Fleischrinderproduktion mit eigener Mast basiert auf einer 450 Mutterkühen starken Herde. Da die Fleischrinderproduktion einst mit einer Charolais-Herde begann, sind noch einzelne Mutterkühe dieser Rasse bzw. Kreuzungstiere vorhanden. Der Betrieb setzt nun einzig auf die Limousinrasse, ist aber ein reiner Produktionsbetrieb. Im Herbst 2011 wurde die Herde erstmals mit einem Lebendimpfstoff gegen IBR geimpft, jetzt im Frühjahr folgt ein zweiter Impfgang. Wie vom Direktor der Veterinärinspektion vor Ort bestätigt wurde, erhält der Betrieb damit einen gesonderten Status, der es ihm erlaubt, Tiere auf Weiden in Belgien zu bringen, wo ein obligatorisches IBR-Bekämpfungsprogramm läuft.

Romain Weis betonte, daß man die Tiere je nach sanitärem Status selektiert und entsprechend auf Weiden verteilt. Allzu nervöse Muttertiere mit schlechtem Charakter werden aus der Herde entfernt.

Der Betrieb verfügt über rund 14 klassifizierte Deckbullen, die nicht über mangelnde Arbeit klagen können. Da bei den rund 40 Muttertieren umfassenden Kohorten unerfahrene Deckbullen nicht geeignet sind, kauft der Betrieb in der Regel bereits im Deckeinsatz bewährte Vererber zu, häufig von heimischen Zuchtbetrieben. Unter den beim Limousintreff vorgestellten Bullen waren auch die „Franzosen“ Danseur und Erin, die aus Lanaud bzw. einer lokalen französischen Zuchtstation stammen. CONVIS-Zuchtleiter Gerry Ernst bezeichnete die beiden Bullen als sehr gut für die Produktion. Danseur ist von Lanaud aussortiert worden, da die Fellzeichnung nicht den Zuchtkriterien entsprach.

Der CONVIS-Zuchtexperte, der das gute Management im Betrieb Weis lobte, betonte zudem, daß die Bullen heutzutage nicht nur guten Charakter und Leichtkalbigkeit vererben sollen, sondern auch gute Fruchtbarkeit. Jedes Jahr ein Kalb zu erhalten, sei das Ziel der Produktion. Des weiteren zeigte er sich überzeugt, daß ein gutes Management und somit eine gut geführte Herde auch bei einem anderen Kriterium positive Auswirkungen hat, nämlich der Langlebigkeit. Drei der Deckbullen im Betrieb Weis seien mit einem Alter von mehr als zehn Jahren schon wahre „Senioren“, erwähnte er diesbezüglich. Bei den Produktionsdaten liegt der Betrieb Weis frères & Schuh, der jährlich 175 zertifizierte Jungbullen abliefert, nur wenig vom Durchschnitt der Cactus-Labelbetriebe weg: Das Gewicht beträgt durchschnittlich 437,4 kg, das Alter 21 Monate.

Dauerthema IBR-Bekämpfung

Interview mit Dr. Félix Wildschutz, dem Direktor der Veterinärinspektion

(hl).- IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit der Rinder. Der Name ergibt sich aus dem klinischen Erscheinungsbild, einer Nasenentzündung (Rhinitis) und Luftröhrenentzündung (Tracheitis). Sie führt in der akuten Phase zu Fieber und Nasenausfluß; in der Folge kann eine Infektion aber auch zu Zyklusstörungen, Abort/Totgeburt oder Mastitis und sowohl bei adulten Rindern als auch bei Kälbern bei schweren Verläufen zum Tod führen. Die Ansteckungsgefahr von Tier zu Tier ist ungleich höher als bei BVD. Bei belgischen Untersuchungen zeigte sich 1997, daß es in zwei Drittel der Rinderhaltungen latent infizierte Tiere gab, die in Streßsituationen wieder zu Virusausscheidern werden können. In vielen europäischen Ländern gelten die Rinderbestände als IBR-frei oder es existieren obligatorische Bekämpfungsprogramme.

Die exportorientierten Rinderzüchter haben hierzulande von jeher ein großes Interesse daran, daß sie ihren Abnehmern IBR-Freiheit garantieren können. Schon vor etlichen Jahren wurde ein freiwilliges IBR-Bekämpfungsprogramm von der Veterinärinspektion gestartet. Dieses erhielt unlängst durch den Start eines obligatorischen IBR-Bekämpfungsprogramms in Belgien neue Aktualität. De Letzebuerger Bauer (LB) sprach hierüber mit Dr. Félix Wildschutz, dem Direktor der Veterinärinspektion.

LB: Dr. Wildschutz, wie groß ist der ökonomische Impakt von IBR hierzulande?

Dr. Wildschutz: Das läßt sich schwer beziffern. Von den Betrieben, die am freiwilligen IBR-Bekämpfungsprogramm teilnehmen, wissen wir, daß eine Reihe von Beständen latent infiziert sind und IBR auch akut auftreten kann, das Virus also auch aktiv zirkuliert. Im Vergleich zu anderen Seuchen wurde die ökonomische Bedeutung von IBR bislang relativ niedrig eingestuft, weshalb wir uns bei den Bekämpfungsprogrammen auf diese anderen Seuchen konzentriert haben. 

LB: Ist beim Thema IBR-Bekämpfung nun trotzdem Eile geboten?

Dr. Wildschutz: Es gibt schon recht lange ein freiwilliges Bekämpfungsprogramm. Dieses wurde jedoch nur von vergleichsweise wenigen Betrieben angenommen. In den vergangenen Jahren schlief es mangels Nachfrage fast gänzlich ein. Erst mit den neuen Vorgaben aus Belgien ist das freiwillige Programm wieder verstärkt nachgefragt worden. Besonders bei Betrieben entlang der Grenze zu Belgien besteht ein Interesse an der IBR-Bekämpfung.

LB: Welche Maßnahmen müssen Betriebe treffen, die ihre Rinder auf Weiden in Belgien bringen wollen?

Dr. Wildschutz: Es gibt drei Möglichkeiten für Betriebe, die Tiere nach Belgien auf die Weide bringen wollen:

1. die Teilnahme am freiwilligen IBR-Bekämpfungsprogramm, also Analysen von allen Tieren, und Erhalt des „Status 1“ oder „Status 2“.

2. Analysen nur von den Tieren, die nach Belgien sollen, zwei Wochen vor dem Austrieb und mit einem IgE negativen Resultat.

3. Tiere, welche nach Belgien verbracht werden, müssen geimpft und diese Impfung muß vom Hoftierarzt bescheinigt werden.

Sowohl der Nachweis der Impfung als auch eine amtliche Bescheinigung mit negativen Analyseresultaten werden von der belgischen Veterinärverwaltung anerkannt.

LB: Wird es in den nächsten Jahren auch hierzulande ein obligatorisches Bekämpfungsprogramm gegen IBR geben?

Dr. Wildschutz: Wir sind im Prinzip nicht gegen ein obligatorisches Programm, aber wir haben derzeit nicht die Kapazitäten, um ein solches Programm in Eigenregie durchzuführen. Es fehlen zum einen die Laborkapazitäten, zum anderen ist der administrative Aufwand für uns zu groß. Wenn der Sektor im allgemeinen sich nun starkmacht für ein obligatorisches Programm, werden alternative Lösungen gebraucht. Dies könnte dann so aussehen, daß die Analysen und die Auswertung in einem Privatlabor gemacht werden und die Veterinärinspektion sich nur um die sanitären Aspekte kümmert. Auf jeden Fall wäre eine finanzielle Beteiligung des Sektors an den Analysen erforderlich. In Belgien existiert für solche Zwecke eine Tierseuchenstelle namens „Arsia“, wo u.a. Beiträge seitens der Tierhalter eingehen.

Nach den Osterferien wird es bezüglich des Vorgehens bei der Tierseuchenbekämpfung ein Rundtischgespräch mit dem Sektor geben, an dem die Landwirtschaftskammer, die verschiedenen Verbände und die Veterinärverwaltung teilnehmen werden. Geplant ist die Schaffung einer „Task force sanitaire“.