5. Lëtzebuerger Wäibaudag in Wormeldange

Fachveranstaltung stand diesmal im Zeichen von Önotourismus und Agrarpolitik

Am 5. Lëtzebuerger Wäibaudag, der am 20.02.2013 im Kulturzentrum von Wormeldange stattfand, nahmen wieder einmal viele Gäste aus Luxemburg und Deutschland teil. Wie im Vorjahr hatte der Wënzerverband als Veranstalter wieder für eine Kombination aus Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen gesorgt. Diesmal waren es gleich zwei Podiumsdiskussionen, und zwar zu den Themenbereichen Önotourismus und Agrarpolitik. Den Abschluß bildete eine Verkostung von Rivanerweinen aus europäischen Anbaugebieten.

Ansprache von Veranstalterseite

Der Präsident des Wënzerverbands, Marc Weyer, machte in seiner einleitenden Ansprache auf zahlreiche Aspekte aufmerksam, die den Berufsstand an der Luxemburger Mosel direkt betreffen. Eingangs kam er auf die schlechte Ernte 2012 zu sprechen, die im Durchschnitt unter 70 hl pro ha blieb. „Manches Faß ist diesmal leergeblieben“, resümierte er die Situation. „Wenn man weniger Wein hat, braucht man höhere Preise, damit der Winzer weiter existieren kann“, gab der Präsident der winzerlichen Berufsorganisation zu bedenken. Er sprach sich dafür aus, mit neuen Konzepten beim in- und ausländischen Absatz – u.a. unter Ausnutzung des Terroir-Gedankens – beim Marketing neue Wege zu beschreiten, um dieses Ziel zu erreichen. Marc Weyer sprach in diesem Kontext das Problem des schwindenden beruflichen Nachwuchses an, das nicht lösgelöst von der finanziellen Situation in den Betrieben betrachtet werden kann. Derzeit würden rund 60% der Rebfläche von Betriebsleitern jenseits der 50 bewirtschaftet.

Als weiteren Punkt schnitt er das Problem der Wildschäden und deren Entschädigung an, das den Winzern in der Gemeinde Schengen besonders zu schaffen macht. Er gab zu bedenken, daß es nach wie vor an Experten fehlt, die in der Lage wären, den Schaden konkret zu beziffern, wie dies zum Beispiel bei Hagelschäden praktiziert werde. Als Basis einer Entschädigung müßte eine Prozentangabe für den jeweiligen Schaden dienen, wie dies bei Hagelschäden gemacht werde. Ziel müsse es (neben der Lösung des Expertenproblems) sein, einen Entschädigungsmodus zu finden, der von allen getragen werde. Außerdem müsse der zu hohe Wildbestand reduziert werden.

Der Präsident kam dann auf die aktuelle Weinbaupolitik und die GAP-Reform zu sprechen. Er begrüßte die Entwarnung sowohl bei der von der Kommission geplanten Liberalisierung der Pflanzrechte wie bei der Einführung des Greenings, von der der Weinbau voraussichtlich verschont bleibt. In puncto ländliche Entwicklung sprach er die Erwartung der Winzer aus, die Mittelausstattung auf jetzigem Niveau beizubehalten.

Abschließend resümierte Marc Weyer kurz die 2013 auslaufende Leaderperiode. Eine Million Euro seien in touristische Projekte geflossen. Das erste Jahr des Projekts „100 Prozent Lëtzebuerg“ habe man erfolgreich abgeschlossen. Mit dieser Initiative habe man den Zeitgeist getroffen. Der Präsident erwähnte abschließend die 100-Jahr-Feier des Wënzerverbands, die noch in diesem Frühjahr in Grevenmacher stattfinden soll.

Luxemburger Mosel als Önotourismusregion entwickeln

Es folgte die schon erwähnte Podiumsveranstaltung in Sachen Önotourismus, die mit mehreren Vorträgen eingeleitet wurde. Olaf Gruppe, der Koordinator für das Leaderprojekt „Wäintourismus un der Lëtzebuerger Musel“, stellte zunächst die Perspektiven durch Önotourismus im Weinbau vor. Der Redner machte eingangs deutlich, daß es eines professionellen Önotourismus bedarf, um eine Weinregion weiterzuentwickeln und die Entwicklung des Önotourimus eine besonders wichtige Investition in die Zukunft des Weinbaugebiets sei. Ziele einer solchen Entwicklung seien:

  • die Ausschöpfung des touristischen Potentials,
  • ein verbessertes Weinmarketing (höhere Umsätze und Preise, stärkere Wettbewerbssituation) und
  • Weinbau und Tourismus gehen Hand in Hand.

Als besonders wichtiges touristisches Medium nannte er hierbei das sogenannte „Weinerlebnis“. Weintouristen seien sowohl Kunden als auch Botschafter der Region. Sie seien heutzutage Individualisten, die das Besondere suchten, kaufkräftig, neugierig und anspruchsvoll, an Kultur und kulinarischem Angebot interessiert. Beispiele für Angebote seien Events, Erlebnisführungen, Seminare sowie die Kombination von Wein und Kunst.

Als Handicaps bezüglich der weintouristischen Situation an der Luxemburger Mosel nannte der ORT-Koordinator:

  • ein zu dürftiges weintouristisches Angebot und die schlechte Visibilität des Angebots,
  • die Weinregion ist zu wenig bekannt,
  • „Kooperationskultur“ und „Servicementalität“ sind wenig entwickelt.

Mit dem Weintourismus-Projekt will man Abhilfe schaffen. Die Luxemburger Mosel solle als Ganzes vermarktet werden, das Angebot zusammengefaßt, präsentiert und ergänzt werden. Außerdem will man die Kooperation vor Ort stärken, indem man alle Akteure an einen Tisch holt. Als besonders wichtige Maßnahmen nannte er die Etablierung eines gemeinsamen Weinevents in der Weinregion, eine einheitliche weintouristische Beschilderung sowie einen weintouristischen Eventkalender resp. eine weintouristische Karte für die gesamte Region. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dies ergänzt werden durch ein weintouristisches Marketingkonzept, ausgebildete Weingästeführer sowie Seminare für weintouristische Anbieter.

Der Koordinator kam schließlich auf den aktuellen Stand zu sprechen. Er stellte zunächst das erstmalige gemeinsame Event „Offene Weinkeller“ vor, mit dem sich die Region vom 14. bis 16. Juni als Ganzes präsentieren wird. Das Event beinhaltet Führungen bei Winzern, Kellereien und Brennereien sowie ein Rahmenprogramm. Shuttlebusse sollen dafür sorgen, daß die Besucher aus der Großregion ohne Reue Wein bzw. Hochprozentiges genießen können. Auch die in Luxemburg lebenden Ausländer sollen direkt beworben werden für dieses Event.

Der erste Eventkalender liegt bereits vor und eine zweite Auflage ist in Vorbereitung. Für die weintouristische Karte will man demnächst Angebote von Graphikbüros einholen. Bei der weintouristischen Beschilderung ist man ebenfalls noch nicht so weit, aber die Vergabe des Konzepts ist in Vorbereitung.

Nathalie Reckinger von der „Commission de Promotion des Vins et Crémants de Luxembourg“ kam auf einen speziellen Punkt zu sprechen, nämlich den typischen Weintouristen von heute. Dieser suche den direkten Kontakt zum Winzer, will über den Wein und seine Herstellung informiert werden und kommt bei Zufriedenheit immer wieder zurück. Für die Region sei ein positives Image wichtig und müsse über Werbung und Eventmarketing gefördert werden. Nathalie Reckinger stellte diesbezüglich heraus, daß ein positives Image der Weinregion auch positiv auf das ganze Land ausstrahlt, also weit über das Miselerland hinaus den Tourismus positiv beeinflußt. Für den Winzer sei es wichtig, den Kunden zuzuhören und ein positives Erlebnis auf dem Betrieb, in der Kellerei oder im Weinberg zu ermöglichen. Dies sei Voraussetzung dafür, daß dieser Kunde, dieser Tourist wiederkehre. Sie erwähnte eine französische Studie, derzufolge der Direktabsatz im Keller bis zu 60% des Umsatzes erreichen kann.

Als nächstes referierte Segolène Charvet von „Terroir Moselle“. Die Koordinatorin für das grenzübergreifende Marketingprojekt hob eingangs hervor, daß Terroir Moselle im Grunde dieselben Ziele verfolgt wie das luxemburgische Weintourismusprojekt: eine Langzeitkooperation der lokalen Akteure und die Förderung des Önotourismus. Sie nannte folgende aktuelle Ansätze zur Kooperation: gemeinsame Messeauftritte oder Präsentationen zur Kostenreduzierung und zwecks besserem Zugang zu internationalen Werbestandorten (Brüssel, Paris, Berlin); des weiteren ein gemeinsamer Auftritt der Hoteliers sowie ein koordinierter gemeinsamer Veranstaltungskalender. Bei letzterem sei das Ziel, daß entlang der Mosel keine zwei Veranstaltungen von weintouristischem Interesse am selben Tag stattfinden.

Als weitere potentielle Projekte nannte sie ein Drei-Länder-Weinschiff mit Exkursionen und Weinverkostungen, ein trinationales Drei-Weine-Paket in den Touristenbüros entlang der Mosel, eine gemeinsame touristische Veranstaltung von französischer, luxemburgischer und deutscher Mosel und schließlich Vinotheken mit Weinen aus sämtlichen Anbauregionen an der Mosel.

Den Beitrag des Wäimusée stellte Anne-Catherine Mondloch vor. Dieser geht weit über die ursprüngliche Bedeutung der geschichtlichen Darstellung des heimischen Weinbaus hinaus. Heute steht das Wäimusée auch für Weinverkostungen, seit 2011 ebenso für den Bereich „Weinerlebnis“. Es werden Weinerlebnisführungen und Veranstaltungen mit verschiedenen Schwerpunkten (für Kinder, für Senioren, Geologie, Sensorik, Kulinarik usw.) in Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort angeboten. Die Verantwortliche für das Wäimusée betonte, daß die Geschmäcker und die Vorkenntnisse bei den Touristen sehr verschieden sind und man individuell auf die Wünsche eingehen sollte. Das künftige „Centre Mosellan“ wird mit einer Weinerlebniswelt ein weiteres önotouristisches Angebot ermöglichen.

Podiumsdiskussion in Sachen Önotourismus

Im folgenden stellten eine Reihe von Akteuren der Luxemburger Mosel ihre Aktivitäten bzw. ihre Sicht der Dinge in Sachen Önotourismus und dessen Weiterentwicklung vor. Privatwinzer Henri Ruppert bestreitet 45% seines Umsatzes mit seiner Weinstube. Dreimal pro Jahr bietet er einen Tag der offenen Tür an. Hinzu kommen weitere Veranstaltungen. Als besonders nützlich sieht er seinen Fundus mit rund 1.500 E-Mail-Adressen an, der u.a. für spontane Veranstaltungen und Werbeaktionen während „Saure-Gurken-Phasen“ genutzt wird.

Henri Ruppert bemängelte das heimische Angebot an Weinstuben. Pro Weindorf müßte mindestens eine Weinstube mit regelmäßigen Öffnungszeiten existieren, war sein diesbezüglicher Vorschlag. Der Privatwinzer regte zudem eine Studienfahrt in die österreichische Wachau an, wo man bezüglich Önotourismus schon wesentlich weiter sei als hierzulande.

Der Direktor von Domaines Vinsmoselle, Georges Schaaf, machte auf die Vorteile der direkten Kommunikation mit dem Weinkonsumenten aufmerksam, der etwas von der Herkunft des Weins und vom Terroir erfahren will. Hierdurch biete sich die Möglichkeit, auf die ganze Produktpalette und auch auf Nischenprodukte einzugehen. „Das schönste Produkt hat man immer im Haus“, betonte der Vinsmoselle-Direktor, der sich an einem Ausbau des Direktverkaufs interessiert zeigt. Vier Weinstuben hat Domaines Vinsmoselle entlang der Mosel. In Luxemburg-Stadt kommt nun eine weitere Vinothek hinzu. Georges Schaaf nannte den Service und den angemessenen Empfang von Neukunden als ganz wichtigen Punkt. Er betonte des weiteren, daß neue, junge Kunden ein anderes Verständnis von Wein hätten als traditionelle Kunden. Hierauf müsse man eingehen.

Georges Schaaf vertrat darüber hinaus die Ansicht, daß sich Luxemburg mit einer entsprechenden Kampagne als Ganzes vermarkten sollte. Wichtigster Anziehungspunkt für Touristen aus der Großregion und darüber hinaus sei die Hauptstadt. Aber auch der inländische Weinkonsument könne dort angesprochen werden. Als Idee brachte er das Projekt einer hauptstädtischen „Maison du Luxembourg“ ins Spiel, wo man als Winzerschaft vereint die Luxemburger Mosel bewerben und die Menschen dazu bringen könnte, zu den Winzern an die Mosel zu fahren.

Isabelle Gales sprach von individuellen Kunden mit individuellen Bedürfnissen. Gewünscht ist eine Führung mit dem Fachmann, eine umfangreiche Verkostung, allgemein ein Weinerlebnis. Hierfür greift man auch auf die Zusammenarbeit mit Gastronomen und Hotels zurück. Zur Kommunikation wird das Internet intensiv genutzt. Die Weinfachfrau sprach sich dafür aus, die Hauptstadt quasi als weintouristische Marketingplattform zu optimieren, um mehr Touristen zu einem Aufenthalt an der Luxemburger Mosel zu bewegen.

„Wir haben Superprodukte. Wir sind nur zu bescheiden, um sie richtig zu bewerben“, zeigte sich Désirée Albert, die die Hotelierseite vertrat, überzeugt. Sie machte insbesondere deutlich, daß von Touristenseite ein immenses Interesse an kommentierten Degustationsveranstaltungen, wo Winzer ihre eigenen Produkte vorstellen, besteht. Deshalb wolle man gerne entsprechende Soirées im eigenen Hause anbieten.

Weinerlebnisführerin Marie-Therèse Sibenaler machte deutlich, daß bei Touristen Weinverkostungen im Weinberg immer sehr hoch im Kurs stehen und man sich hierbei idealerweise jeweils zum passenden Weinberg begibt, wo die verkostete Rebsorte wächst. Mit Wein verbinde man allgemein Geselligkeit und schöne, gemütliche Stunden. Der Önotourismus könne ohne weiteres an Bedeutung gewinnen, weil man mit Wein und Crémant ein „Wohlfühlklima“ vermitteln könne, war das Fazit der Weinerlebnisführerin. Wenn diese schönen Erlebnisse mit nach Hause genommen und weitererzählt würden, wäre dies auch im Interesse der heimischen Winzer.

Marc Kuhn, der Großmeister der Weinbruderschaft St Cunibert, hob hervor, daß Weintourismus hierzulande nichts Neues, aber man nun im Gange sei, ihn zu perfektionieren. Die 2012 neu konstituierte Weinbruderschaft unterstütze alle weinkulturellen und touristischen Initiativen. Auf dem Programm stünde u.a. eine Ausbildung in Sachen Verkostung. Auch von Luxemburg ausgehende Weinverkostungsveranstaltungen in der Großregion wolle man konkret unterstützen.

Ministerin Françoise Hetto-Gaasch betonte eingangs, daß ein qualitativ hochwertiges Angebot an der Luxemburger Mosel vorhanden sei, es aber mehr Kooperation unter den einzelnen Akteuren bedürfe. Auch die Ministerin hob die Bedeutung der Hauptstadt als touristische Plattform hervor. Sie warb für den neuen Internetauftritt www.visitluxemburg.com, wo das vorhandene touristische Angebot zusammengefaßt wird.

Die Ministerin kam auch auf das Projekt Centre Mosellan zu sprechen, das den Akteuren dieser Tage vorgestellt worden ist. Dieses werde als Anlaufstelle für Önotouristen gebraucht, zeigte sich die Ministerin überzeugt.

Des weiteren sprach sie von der Beschilderung in der Region. Schilder entlang der Straßen, in den Orten und an den Radwegen sollen die Touristen künftig auf das Angebot aufmerksam machen. Die Genehmigung sei hierfür bereits vorhanden. Geprüft werde auch, ob die Weinlagen beschildert werden können.

Kulturministerin Octavie Modert mahnte mehr interne Kommunikation und mehr Zusammenarbeit der touristischen Akteure an und sprach gleichzeitig von der Notwendigkeit, das vorhandene önotouristische Angebot zu verbessern. Wein sollte als Alleinstellungsmerkmal hervorgestrichen werden.

Octavie Modert machte zudem deutlich, daß Weintourismus auch bedeutet, sich um die Gestaltung der Landschaft und der Dörfer zu kümmern, letzteres u.a. mit einer kohärenten Bautenpolitik und Denkmalschutz.

Schließlich kam die Ministerin auf die Notwendigkeit zu sprechen, neue Kundschaft, neue Zielgruppen zu gewinnen und hierzu den „Innen- und Außentourismus“ zu fördern. Zu den Zielgruppen sollten auch die Luxemburger jenseits der Moselregion sowie die hier lebenden Ausländer zählen. Sie stellte diesbezüglich die überragende Bedeutung der Kultur heraus und warb für den alternativen Begriff „Önokultur“. Tourismus und Kultur seien zwei Seiten einer Medaille, so die Ministerin.

Podiumsdiskussion zur Reform der Agrarpolitik

Am Nachmittag fand eine Podiumsdiskussion mit Weinbauminister Romain Schneider sowie Vertretern des heimischen Weinbaus statt. Moderiert wurde die Diskussion vom IVV-Weinbauberater Serge Fischer.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch die Erläuterungen von SER-Direktor Pierre Treinen und von Regierungsrat André Loos. Pierre Treinen kam zunächst auf die Themen Betriebsprämie und Modulation zu sprechen. Er erwähnte, daß im Weinbau auf Antrag von 243 Winzern etwas über 1.130 Jetons zu je 518,40 Euro zugeteilt wurden, was in der Summe ca. 588.000 Euro ergibt. Von der Modulation seien nur die Betriebe ab rund 10 ha betroffen.

Der Präsident des Fonds de Solidarité Viticole, Aly Leonardy, sagte in der Diskussion, daß die Betriebsprämie eines der weinbaupolitischen Hauptthemen ist. Wenn die Konvergenz Wirklichkeit werde, dann werde für Landwirtschaft und Weinbau ein Durchschnitt für die Betriebsprämie gerechnet. Die Betriebsprämie werde demzufolge sehr stark sinken, und zwar bis zu 50%. Der Präsident betonte, daß die seit nunmehr vier Jahren ausbezahlte Betriebsprämie als Unterstützung der Winzer bitternötig sei und forderte deshalb, daß die Auszahlung dieser Gelder, die den Winzern seinerzeit versprochen worden seien, in voller Höhe fortgesetzt werde.

Der Präsident der Privatwinzervereinigung, Erny Schumacher, machte ebenfalls deutlich, daß es bei diesen flächengebundenen Zahlungen nicht angehen kann, den Weinbau mit der Landwirtschaft gleichzusetzen.

Der Präsident des Wënzerverbands, Marc Weyer, sprach in diesem Kontext von einem Ungerechtigkeitsgefühl seitens der Winzer, weil eine weinbaubezogene Prämie nun gekürzt werden soll und den Winzern somit versprochene Gelder entzogen werden. Er hob zudem hervor, daß nicht technisch-administrative Gründe vorgeschoben werden dürften, um hierzulande eine nivellierte Einheitsprämie einzuführen.

Weinbauminister Romain Schneider sprach in seinen Ausführungen von sehr großen Unterschieden, die im Agrarsektor hierzulande bei der Betriebsprämie bestehen. Der Ressortchef betonte, daß man derzeit noch in einer frühen Phase ist bezüglich der konkreten Ausgestaltung der Agrarpolitik. Derzeit werde in Brüssel vorgeschlagen, daß das Greening für den Weinbau entfallen soll. Die Bedingungen bei der Konvergenz zwischen den Mitgliedstaaten und auch intern seien noch nicht klar. Nach der Festsetzung des Budgets würden die Bedingungen für die künftige GAP noch im Trilogverfahren verhandelt, was möglichst bis Juni abgeschlossen werden könnte. Erst dann könne ein PDR ausgearbeitet werden, der als Basis für die Ausarbeitung des Agrargesetzes diene. Der Minister erwähnte, daß Luxemburg in Brüssel bereits eine Anfrage für eine Interimsphase gemacht hat, um die Umsetzung der GAP-Reform und die Ausarbeitung des Agrargesetzes gegenüber der ursprünglichen Planung etwas nach hinten schieben zu können.

Der zweite Punkt der Podiumsdiskussion war der ländliche Entwicklungsplan (PDR) und das Agrargesetz. Regierungsrat André Loos informierte eingangs das Procedere, das einzuhalten ist. Der Regierungsrat nannte sechs von Brüssel vorgegebene Prioritäten: Weiterbildung und Beratung, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, die Organisation der Chène alimentaire, der Umweltbereich, der Klimabereich sowie als letzten Punkt der soziale Kontext bei der ländlichen Entwicklung.

Derzeit arbeite man im Ministerium eine Stärke-Schwächen-Analyse aus. Auf deren Basis werde dann der Bedarf festgestellt und anschließend die geeigneten Maßnahmen definiert, um diesem Bedarf gerecht zu werden. Der ländliche Entwicklungsplan werde schließlich nach Brüssel übermittelt und nach mehrmonatigen Verhandlungen der endgültige Text festgelegt. Mit dem künftigen Agrargesetz werde das Programm schließlich umgesetzt.

Als allgemeine Leitmotive von Brüsseler Seite erwähnte er:

  • Alle Maßnahmen müssen zielgerichtet sein.
  • Ein sehr selektives Vorgehen wird vorgeschrieben.
  • Alle Maßnahmen müssen zu kontrollieren sein.

André Loos erwähnte den Umfang des 2013 auslaufenden PDR. 400 Millionen Euro wurden vorgesehen, von denen 94 Mio. Euro aus Brüssel flossen.

Des weiteren machte André Loos deutlich, daß die Kommission nach einem entsprechenden Bericht des Europäischen Rechnungshofs eine Nachbesserung bei den luxemburgischen Investitionsbeihilfen gefordert hat, damit diese zielgerichtet erfolgen können.

In der anschließenden Diskussion wurde von Akteuren des Weinbaus Stellung zu spezifischen Fragen bezogen. In puncto Umwelt und Nachhaltigkeit sprach IVV-Direktor Roby Ley von der Notwendigkeit, weitere Fortschritte hinsichtlich eines umweltfreundlichen, nachhaltigen Weinbaus zu erzielen. Man habe in den letzten Jahren schon so manches erreicht und der Konsument werde immer sensibler zu diesen Themen.

Marc Desom als Vertreter des Weinhandels sprach davon, daß der Konsument immer mehr wissen wolle über die Produktion und Pflanzenschutzmittelrückstände. Bio sei im Trend und man begrüße, daß das IVV Betriebe begleite, um in Richtung Bio gehen zu können.

Privatwinzer Erny Schumacher machte auf den Insektizidverzicht aufmerksam und forderte die Beibehaltung der RAK-Subventionen. Zudem sprach er sich dafür aus, Versuche mit Bioherbiziden zu machen, um auch in diesem Bereich praxisgerechte Lösungen zu finden.

Josy Gloden, Jungwinzer von Domaines Vinsmoselle, wies auf die Vorzüge des integrierten Weinbaus hin. Der Jungwinzer forderte die Beibehaltung der Helikopterspritzungen, bei denen die umweltgerechte Entsorgung der Spritzmittelreste garantiert sei. 90% der Rebfläche würden derzeit mit dem Helikopter abgedeckt.

Aly Leonardy sprach sich dafür aus, Flächen, die hierzulande von ausländischen Winzern bewirtschaftet werden, in die RAK-Förderung aufzunehmen, um flächendeckende Maßnahmen zu ermöglichen. Des weiteren forderte der Präsident des Fonds de Solidarité Viticole, bei der Landschaftspflegeprämie auch für Flächen mit weniger als 15% Steigung eine Förderung vorzusehen.

Marc Weyer äußerte die Überzeugung, daß mehr in die zeitnahe und den lokalen Gegebenheiten eher Rechnung tragende Prognose von Krankheiten auf der Basis lokaler Klimadaten investiert werden sollte, um nachhaltigen Pflanzenschutz zu ermöglichen. Außerdem sprach er sich für staatliche Forschung in Sachen Bioherbizide sowie für die verstärkte Förderung von innovativen Techniken zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Pflanzenschutz aus.

Weinbauminister Romain Schneider versicherte, daß man den eingeschlagenen Weg in Richtung Nachhaltigkeit fortsetzen wird. Wichtig sei, daß man bei Forschung und Beratung dranbleibe und das Weinbauinstitut als Anlaufstelle für die Beratung ausgebaut werde. Der Ressortchef kam zudem auf die Pestizidrichtlinie und den diesbezüglichen Aktionsplan zu sprechen. Er hob hervor, daß man einen sinnvollen, praxisgerechten Übergang schaffen müsse.

In Sachen Investitionsbeihilfen bzw. Neuinstallationen gab Josy Gloden zu bedenken, daß die jeweilige Obergrenze wegen der Inflation im Laufe der Jahre innerhalb der Gültigkeitsperiode des Agrargesetzes real sinkt. Er äußerte zudem die Überzeugung, daß weitere Maschinen förderfähig sein sollten.

Erny Schumacher nannte die Aufhebung des Plafonds, für den der Beruf lange gekämpft habe, als großen Vorteil. Eine Aussiedlung sei heute sehr teuer und die Betriebe würden immer größer werden. Ohne staatliche Unterstützung gehe es nicht.

Ähnlich argumentierte Jungwinzer Ben Duhr, der sich momentan installieren will. Der Jungwinzer sprach bezüglich der Verschiebung des neuen Agrargesetzes von einer Hiobsbotschaft. Viele Investitionen seien momentan nicht zu machen. Er machte deutlich, daß es ohne Subventionen schwer ist, Fuß zu fassen und die Voraussetzungen für nachhaltige Bewirtschaftung zu schaffen. Ben Duhr kritisierte zudem, daß es im IVV keinen Ansprechpartner für die Installation gibt.

Der Weinbauminister sagte hierzu, daß für das aktuelle Agrargesetz 400.000 Euro nachgeschossen wurden, irgendwann aber der Topf leer sei. Für Jungwinzer seien zusätzliche Unterstützungen geplant, aber die entsprechenden Beträge bzw. Prozentsätze stünden noch nicht fest.

Als vorletzter Punkt wurde der Strukturwandel angesprochen. IVV-Direktor Roby Ley betonte hierzu, daß eine flächendeckende Bewirtschaftung im Hinblick auf die gewünschte önotouristische Ausrichtung unabdingbar ist. Er rechnete vor, daß derzeit über 60% der Rebfläche von Winzern bewirtschaftet werden, die mindestens 50 Jahre alt sind. Die Altersgruppe über 65 bewirtschaftet 14% der Rebfläche. Roby Ley machte deutlich, daß der Strukturwandel ein ganz ernstes Thema ist. Für viele Betriebe ist zu befürchten, daß es keine Betriebsnachfolge gibt und dann stellt sich die Frage, wer die Bewirtschaftung der frei werdenden Flächen übernehmen soll. Die Kategorie unter 35 Jahre zählt momentan nur 22 der insgesamt 375 Betriebe. „Den künftigen Betriebsnachfolgern muß also jede mögliche Unterstützung zukommen“, war die Schlußfolgerung des IVV-Direktors.

Aly Leonardy hob die Bedeutung des Einkommens und des ökonomischen Umfelds hervor. Wenn ein ähnlich gutes Einkommen wie in vergleichbaren Branchen möglich sei, dann würden sich junge Leute installieren. Er sprach diesbezüglich – auch im Hinblick auf die Einführung der AOP – die Hoffnung aus, daß das Image der Luxemburger Mosel als Weinbaugebiet besser werde und dann bessere Preise zu erzielen seien.

Erny Schumacher kritisierte, daß man als junger Betriebsleiter lange warten muß, bis man die zweite Hälfte der Erstinstallierungsprämie erhält.

Bezüglich der Aussiedlung und Neubauten sagte Weinbauminister Schneider, daß ein neuer Leitfaden ausgearbeitet wird. In Sachen Simplification administratif wolle man weiterkommen.

Schließlich wurde das Thema Nebenerwerbs(NE)-Weinbau angesprochen. Roby Ley erwähnte, daß der NE-Weinbau an der Luxemburger Mosel eine lange Tradition habe und immer gewollt war. Derzeit seien es 170 NE-Winzer. Diese betrieben Weinbau aus Passion. Auch in Zukunft werde der Nebenerwerb seine Rolle spielen.

Marc Weyer vertrat die Ansicht, daß es den klassischen Feierabendwinzer nicht mehr gibt. Heute gebe es so manchen NE-Winzer mit mehreren ha Rebfläche. Es sei nun die Frage, welche Kriterien anzulegen seien, wenn man bei der Förderung differenzieren wolle.

Erny Schumacher sagte hierzu, daß man unterscheiden müsse zwischen hauptberuflichen Winzern und Hobbywinzern. Der kleine Hobbywinzer sollte keine staatliche Förderung bekommen, während ein nebenberuflicher Betrieb, der als weinbauliches Unternehmen zu sehen sei, ebenso unterstützt werden sollte.

Aly Leonardy sprach davon, daß man schlecht damit leben könne, wenn kapitalträchtige Quereinsteiger dasselbe bekommen sollen wie der Winzer vor Ort.

Auch der Weinbauminister stellte heraus, daß man klar unterscheiden müsse zwischen dem Haupterwerbswinzer, dem NE-Winzer und dem Hobbywinzer. Luxemburg sei das einzige Land, das hier einen klaren Unterschied mache; diese Differenzierung solle auch in Zukunft so bleiben.

Bezüglich Leader sagte André Loos, daß es Anfang 2014 einen Aufruf zur Fortführung der Leader-Initiativen geben wird. Es sei an den Regionen, ihr Interesse hierfür anzumelden. Erst dann werde das Ministerium aktiv.

Vitisol-Projekt

Am Vormittag standen bei Fachvorträgen drei Forschungsprojekte im Mittelpunkt, die sich zum einen mit der Beeinflussung der Reb- und Traubenversorgung via Bodenpflege bzw. der Detektierung einer mangelhaften Rebversorgung, zum anderen mit dem Faktor Terroir auseinandersetzten.

Zunächst war es an Dr. Daniel Molitor vom CRP G. Lippmann, der über die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojekts Vitisol referierte. In diesem Projekt wurde von einem Team von sechs Wissenschaftlern der Einfluß unterschiedlicher Bodenpflegemaßnahmen auf den Boden selbst, auf Wüchsigkeit, Rebversorgung (Wasser und Nährstoffe), Traubengesundheit, Gärung und Weinqualität untersucht. Der Referent konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf den Versuchsweinberg A1, wo Bodenpflegevarianten verglichen wurden. Auf zwei weiteren Flächen wurde der Einfluß von Unterstockpflege (A2) und Einsaaten (A3) getestet.

Bei A1 handelte es sich um eine Fläche mit der Sorte Pinot Blanc in Grevenmacher. Vier Varianten wurden verglichen: Einsaat mit Wolff-Mischung, Einsaat Dauerbegrünung, Einsaat mit Wintermischung (im Sommer offen) sowie Einsaat Dauerbegrünung mit Stören (mittels Kreiselegge). Bei der Winterbegrünung erfolgte jeweils im August die Einsaat. Während sich die vier Versuchsglieder im Ausgangsjahr 2010 noch recht gleichmäßig präsentierten, kam es mit zunehmender Versuchsdauer zu einer stärkeren Ausdifferenzierung bei manchen der untersuchten Parameter. Erhöhte Nmin-Gehalte jenseits von 20 kg pro ha wurden nur in der Variante Winterbegrünung festgestellt, wo die frühe Bodenbearbeitung zu einem Mineralisierungsschub führte. Beim Parameter Wüchsigkeit – festgestellt anhand des Chlorophyllgehalts im Blatt, des Schnittholzgewichts pro Rebe und des Traubenertrags pro Rebe – verhielt es sich ähnlich: nur die Winterbegrünungs-Variante ergab ab dem zweiten Versuchsjahr deutlich höhere Werte. Die anderen Varianten ergaben bei der Blattgrün-Bewertung eher gelbgrüne Blätter, die zudem im Herbst früher verfärbten. Beim Schnittholz kam es im dritten Jahr zu einem deutlichen Vorsprung der Variante 3, während bei den Varianten Dauerbegrünung und Wolff-Mischung die Werte zu niedrig waren. Beim Ertrag war bereits im 2. Versuchsjahr eine starke Variation zu beobachten. Der Ertrag in der Variante Winterbegrünung war fast 50% höher als bei Dauerbegrünung ohne Störung. Letztere erreichte 2012 nur noch knapp 2 kg Ertrag pro Stock.

Die Traubenstruktur zeigte sich anfangs noch recht gleichmäßig. 2012 waren die Unterschiede groß. Bei der Dauerbegrünung war die Struktur locker, bei der Winterbegrünung kompakt. Dies wirkte sich natürlich auch auf den Botrytisbefall aus, der bei Winterbegrünung am schlechtesten war, gefolgt von der Variante Wolff-Mischung.

Beim Parameter Wasserversorgung wurde festgestellt, das es keinen Trockenstreß gab, nicht einmal im Trockenjahr 2011. Anders verhielt es sich bei der Nährstoffversorgung im Most: diese war 2011 schlecht, 2012 wieder viel besser, wobei die Winterbegrünung jeweils die höchsten Werte aufwies.

Der Gärverlauf war 2010 noch einheitlich, während in den beiden Folgejahren die Gärung bei der Winterbegrünungs-Variante deutlich schneller war als bei den drei anderen Varianten.

Bei der Verkostung der 2011er-Weine zeigte sich, daß die Winterbegrünungs-Variante deutlich besser bewertet wurde: die Weine waren frischer, fruchtiger und körperreicher.

Dr. Molitor ging abschließend noch auf die beiden anderen Versuchsflächen ein. Auf A2 wurden bei der Unterstock-Bodenpflege die Varianten Motorsense, Kreiselegge und Herbizid verglichen. Es zeigte sich ein deutlich negativer Einfluß durch die Motorsense bei Ertrag und Nährstoffen im Most, ein positiver bei Fäulnis.

Im Versuchsweinberg A3 wurden die Varianten Naturbegrünung, Gras, Klee, Wolff-Mischung und Rummel-Mischung miteinander verglichen. Die Kleevariante hat als einzige einen deutlich ertragssteigernden Einfluß, aber auch einen negativen Effekt auf die Parameter Traubenstruktur und Fäulnis.

Das Fazit des Wissenschaftlers vom CRP G. Lippmann war, daß man mit Bodenpflegesystemen die Wüchsigkeit steuern kann, ein mittlerer Wuchs hierbei das Ziel sein sollte. Eine Begrünungsmischung mit vielen Arten wird hierbei als Kompromiß angesehen. Standort-, produktionsziel- und Weinjahr-abhängig sollte man bei der Bearbeitung variieren, z.B. durch eine Bodenbearbeitung in jeder zweiten Reihe, wenn es an Wüchsigkeit mangelt.

Fernerkundung und Terroir-Projekt

Fernerkundung ist im Weinbau noch ein ganz frisches Thema und es gibt keine praxisreifen Lösungen. Dennoch ist es von wissenschaftlichem Interesse, ob man auch im Weinbau die Versorgung der Rebpflanzen mit solchen Methoden beurteilen kann. Dieser Frage ging ein Geographenteam von der Universität Trier und dem CRP G. Lippmann nach. Die beiden wissenschaftlichen Einrichtungen betreiben gemeinsam ein Fernerkundungslabor.

Professor Thomas Udelhoven stellte das Projekt vor, das auf der Fernerkundung mittels Multispektral- und Thermalkameras beruht. Diese wurden mit kleinen, unbemannten Flugobjekten, sogenannten Drohnen, in geringer Flughöhe über den Weinbergen eingesetzt, um Spektralprofile der Vegetation zu erstellen. Die sechs Einzelkameras sind zu gleichen Teilen mit Filtern im sichtbaren Bereich bzw. im Nahinfrarotbereich bestückt. Man erhält schließlich einen „spektralen Fingerabdruck“ von der Vegetation. Weitere Einsatzmöglichkeiten solcher Spektralanalysen sind laut Referent u.a. die Erfassung von organisch gebundenem Kohlenstoff im Oberboden oder die Abschätzung des Energiewerts von Biogasmais.

Im konkreten Fall ging es darum, Aufschluß über Proteine, Lipide, Chlorophyll und die Wasserversorgung in Rebpflanzen zu erhalten. Professor Udelhoven betonte, daß erst ein Referenzsystem erstellt werden muß. Testgebiet war die Versuchsfläche A1 aus dem Vitisol-Projekt. Für die Referenz müssen Spektralanalysen im Weinberg gemacht und weitere Daten zu den Rebpflanzen herangezogen werden, wie zum Beispiel Chlorophyllgehalt, Blattflächenindex, Belaubungsgrad und N-Gehalt in den Blättern. Aus den Daten werden sog. Vegetationsindizes abgeleitet, die Aufschluß geben über physiologische Aktivität und Photosyntheseleistung. Saisonale Effekte müssen ebenfalls in der Referenz Berücksichtigung finden.

Viele technische Schritte sind deshalb erforderlich, bis die aus der Fernerkundung gewonnenen Spektraldaten so ausgewertet werden können, daß ein realistisches Bild vom physiologischen Zustand der Rebe sowie ihrer Entwicklung möglich ist. Für Chlorophyll, Blattflächenindex, Dichteindex und Ertrag wurden bei der Auswertung der Spektraldaten schließlich lineare Zusammenhänge gefunden. Professor Udelhoven machte deutlich, daß mit der vorhandenen Datenbasis auch in anderen Weinbergen Untersuchungen gemacht werden können. Der Wissenschaftler zeigte abschließend eine mögliche künftige Anwendung auf: Die Feststellung von Pflanzenstreß (respektive N-Mangel), noch bevor er optisch sichtbar wird.

Präsentation des laufenden Forschungsprojekts Terroir

Um Pionierarbeit handelt es sich auch beim Forschungsprojekt Terroir, an dem fünf Wissenschaftler vom CRP G. Lippmann beteiligt sind. Hierüber referierten Dr. Cédric Guillard und Dr. Danièle Evers. Unter Terroir versteht man hier die an den Boden gebundene Standortausprägung bezüglich des Produkts Wein, wobei neben dem Boden selbst die Faktoren Topographie und Mikroklima eingehen. Ziel des bis 2015 laufenden Forschungsprojekts ist, zu untersuchen, ob Terroir durch eine Kombination von physiko-chemischen Eigenschaften charakterisiert werden kann.

Für die bislang stattgefundene Vorstudie hat man 40 Parzellen der Sorte Riesling zwischen Schengen und Grevenmacher ausgewählt, die in sechs geographische Zonen eingeteilt wurden. Die Rebstöcke in diesen Anlagen sind zwischen 10 und 25 Jahre alt. Variationen gibt es bezüglich Böden, Hangneigung und Mikroklima. In den letzten Tagen vor der Lese wurden jeweils ca. zehn Trauben entnommen, aus denen rund ein halber Liter Most gewonnen wurde. Diese Mostproben wurden eingefroren bei -20°C. Chemisch wurden zum einen 40 mineralische Elemente analysiert, darunter auch Spurennährstoffe. Bei ersten Untersuchungen ergaben sich relativ geringe Unterschiede bei den Hauptnährstoffen und keine Korrelationen mit der jeweiligen geographischen Zone. Bei den Mikronährstoffen und seltenen Erden waren die Unterschiede viel stärker, die Korrelationen mit der jeweiligen geographischen Zone aber gering.

Weitere Untersuchungsgegenstände waren flüchtige organische Verbindungen und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Die gewonnenen Daten, zusammen mit topographischen und eventuell noch meteorologischen Daten, sollen zum Abschluß umfassend statistisch ausgewertet werden.

Bei der Fortführung des Projekts wird man sich auf 20 Parzellen beschränken und das Augenmerk viel stärker auf den Weinberg (Kulturführung, Laubwandstruktur, Mikroklima, Infektionsgrad von Botrytis, Lesezeitpunkt, Ertrag) sowie den Bodeneinfluß richten. Zudem soll in kleinem Stil Wein ausgebaut werden, der untersucht werden soll bzgl. biochemischer Eigenschaften und rieslingspezifischer Aromatik. Schließlich sollen Zusammenhänge von Most und Wein untersucht werden.

Was tun bei Fehltönen im Wein?

Über Fehltöne im Wein und den Umgang mit Fehltönen referierte der Wissenschaftler Marc Behr vom CRP G. Lippmann. Als Quellen dieser Fehltöne nannte er Substanzen, die für Erd- bzw. Staubtöne (Geosmin, IPMP, ICP) sowie für Pilztöne (Octenon, Octenol, Nonenon) verantwortlich sind. Die Wahrnehmungsschwelle ist bei diesen Substanzen sehr niedrig, insbesondere bei ICP und Nonenon, wo sie nur wenige Milliardstel Gramm pro Liter beträgt.

Der Redner machte deutlich, daß man erst die Kontaminationsquelle und somit die verantwortlichen Substanzen kennen sollte, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Im zweiten Schritt sollte man verschiedenste Substanzen in unterschiedlich hohen Konzentrationen testen, um bei der Behandlung das Optimum erzielen zu können.

Im entsprechenden Versuch am CRP G. Lippmann wurde die Wirkung von verschiedenen Substanzen zur Beseitigung von Geosmin bzw. Octenon verglichen. 200 Milliardstel Gramm pro Liter wurden jeweils dem Versuchswein zugegeben. Bei Geosmin (Erdton) waren verschiedene Aktivkohletypen, Chitosan (aus Pilzen gewonnen), Zeolithe (Aluminiumsilikate) sowie verschiedene Filtermaterialien im Einsatz. Mit dem geruchsbindenden Aktivkohletyp Gota wurden bei einer Aufwandmenge von 40 g/l immerhin 92% des Geosmins herausgefiltert. Bei anderen geruchsbindenden Typen ergaben sich bei dieser Aufwandmenge zwischen 31 und 75 Prozent Reduktion. Für entfärbende Aktivkohletypen lagen die Werte bei einer Aufwandmenge von 30 g/l zwischen 68 und 88 Prozent.

Chitosan und die Zeolithe erwiesen sich als nicht geeignet zum Herausfiltern von Geosmin. Ganz anders hingegen das Filtersystem Filtrox TX-R. Es konnte 97% des Geosmins herausfiltern. Bei Folgeuntersuchungen zeigte sich, daß bei entsprechender Auslegung bis 100% herausgefiltert werden können. Unklar blieb, wie hoch die Sättigungsgrenze für dieses Filtersystem ist.

Für Octenon wurden nur zwei Aktivkohletypen mit Chitosan verglichen. Wiederum war die Aktivkohle Gota am effizientesten mit 73% Reduktion bei einer Aufwandmenge von 40 g/l, während Chitosan ungeeignet war.

Abschließend gab Marc Behr einige Empfehlungen. Man sollte bei Fehltönen eigene Versuche anstellen bezüglich der Behandlung. Wenn möglich, sollte man die Fehltöne durch eine Analyse bestimmen und die Dosierung der Gegenmittel an die Stärke des Fehltons anpassen. Beim Herausfiltern werden allerdings nicht nur Fehltonsubstanzen herausgefiltert, sondern auch die Qualität des Weins wird beeinträchtigt. Auf keinen Fall sollten Fehlton-Weine ohne vorherige Behandlung mit anderen, „gesunden“ Weinen gemischt werden. Und schließlich das Verfahren nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als heilen“: besser alle Möglichkeiten im Vorfeld ausschöpfen, um Fehltöne im Wein erst gar nicht entstehen zu lassen.

Flavascence dorée – Vergilbungskrankheit mit hohem Schadpotential

Am Nachmittag ging es abschließend um die gefürchtete Pilzkrankheit Flavescence dorée (Kürzel: FD), die mit der Schwarzholzkrankheit (Bois Noir, Kürzel: BN) verwandt ist. Im Gegensatz zu letzterer tritt sie jedoch epidemisch auf und kann sich binnen weniger Jahre auf die ganze Anlage ausbreiten und sehr große Schäden anrichten. Hierüber referierte Dr. Michael Maixner vom Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsanstalt für Kulturpflanzen – Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Siebeldingen).

FD ist eine Vergilbungskrankheit, die von Phytoplasmen verursacht wird. Es handelt sich beim Erreger um sehr einfach gebaute, parasitisch lebende zellwandlose Bakterien, die die Siebröhren im Phloem besiedeln. Erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konnten FD und BN molekularbiologisch unterschieden werden, galten zuvor als identisch. Bislang tritt FD in Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, der Schweiz, Serbien, Slowenien und Spanien auf.

Der Erreger wird in der Natur spezifisch von der Amerikanischen Rebzikade (Scaphoideus titanus) übertragen. Er ist zudem Pfropfgut-übertragbar. Vom natürlichen Vektor werden die Eier bevorzugt am zweijährigen Rebholz abgelegt. Die Larven besiedeln die unteren Blätter. Symptome treten nach und nach an Blättern, Trieben (Trauertracht), Gescheinen und Trauben auf. Die Beeren bleiben klein und haben einen bitteren Geschmack. Die Übertragung geschieht von Stock zu Stock, was bei der BN sehr unwahrscheinlich ist. Bei der Erstinfektion ist sofort der ganze Stock betroffen, dies im Gegensatz zur BN, wo zunächst nur einzelne Bereiche betroffen sind. Wie aus Frankreich bekannt wurde, reicht ein einziger infizierter Rebstock, um binnen vier Jahren fast die kompletten Rebstöcke einer Parzelle zu infizieren. Im französischen Anbaugebiet Poitou-Charentes hat sich die durch FD gefährdete Rebfläche binnen acht Jahren versechsfacht. Das Schadensrisiko durch eine Einschleppung von FD ist enorm hoch. Man hat herausgefunden, daß es nach dem Erstauftreten des Vektors binnen fünf Jahren zum epidemischen Ausbruch der FD kommen kann. Der Vektor ist viel weiter verbreitet als die Krankheit selbst und tritt seit 2011 auch in der Champagne auf. Das Verbreitungsgebiet der FD reicht im Norden bis in die Steiermark.

Bislang ist kein resistenter Rebstamm bekannt. Die Verbreitung geschieht häufig mit infiziertem Pflanzmaterial, womit der Erreger in bislang FD-freie Gebiete eingeschleppt wird. Sowohl die Unterlage als auch Vitis vinifera können infiziert werden. Erschwerend kommt hinzu, daß eine Latenzzeit besteht und im ersten Jahr keine Symptome zu sehen sind. Auch in den Folgejahren sind bei vielen Rebsorten nur undeutliche oder keine Symptome sichtbar. Die Unterlagen zeigen keine oder nur undeutliche Symptome. Jedenfalls kann in den Rebschulen infiziertes Material nicht sicher ausgeschlossen werden. Bei Untersuchungen im norditalienischen Veneto zeigte sich in Rebschulen ein Prozentsatz infizierten Materials von 0,005%, bei ein- bis zweijährigen Reben von 0,001%.

FD gilt in der EU als Quarantänekrankheit. Beim Auftreten treten Schutzgebietsregelungen in Kraft. Ein Pflanzenpaß soll dafür sorgen, daß nur gesundes Pflanzmaterial in Umlauf kommt. Vermehrungsflächen müssen mindestens während zwei Vegetationsperioden symptomfrei sein.

Nationale Verordnungen können darüber hinausgehen. So kann die Vernichtung kranker Rebstöcke und die Produktion von gesundem Pflanzgut verfügt werden. Außerdem kann die Bekämpfung des Vektors angeordnet werden, um den Infektionszyklus zu unterbrechen. In Frankreich müssen Anlagen gerodet werden, wenn der Befall über 20% liegt. Im Umkreis von Zwangsrodungsflächen muß von Vermehrern das komplette Pflanzmaterial einer Heißwasserbehandlung unterzogen werden. Schutzgebiete in Frankreich sind Champagne, Lothringen und Elsaß.

Direkte Schäden entstehen über Ertragsverluste und Stockausfälle, Folgekosten durch Monitoring und Bekämpfung des Vektors. Hinzu kommen Kosten durch Raubmilbenschädigung infolge dreimaliger Insektizidgaben und durch schwindende Akzeptanz bei der Pheromonbekämpfung des Traubenwicklers.

Dr. Maixner nannte das positive Beispiel Katalonien. Dort konnte die Krankheit durch die Bekämpfung des Vektors und durch Rodungsmaßnahmen erfolgreich eingedämmt werden.

Der Wissenschaftler sprach schließlich von Plänen zur Prävention und Eindämmung in Deutschland. So soll es zum einen ein Monitoring für den Vektor an möglichen Eintrittspforten und günstigen Lebensräumen geben. Zudem soll ein Präventions- und Notfallprogramm erarbeitet werden, das folgende Punkte beinhaltet: Monitoringprogramm, Bekämpfungsstrategien für erste Befallsherde des Vektors und Maßnahmen beim Auftreten der FD (Schaffung von Befalls- und Pufferzonen, Strategien zur Eindämmung und Bekämpfung).

Abschließend sprach der Redner davon, daß Luxemburg ebenso gefährdet sei wie Deutschland.

IVV-Weinbauberater Serge Fischer ergänzte, daß spätestens 2014 ein Monitoring für den Vektor eingeführt werden soll. Außerdem gibt es Überlegungen, für die Luxemburger Mosel den Schutzgebietsstatus zu beantragen. Dies würde zu erhöhten Anforderungen beim Import von Unterlagenmaterial führen.

Den Abschluß der Veranstaltung bildete die Verkostung von 16 Rivanerweinen aus Luxemburg, Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn. Josy Gloden machte darauf aufmerksam, daß es sich beim Rivaner um eine international sehr stark verbreitete Weißweinsorte mit einer Anbaufläche von 42.000 ha handelt. Die 1882 in Geisenheim gezüchtete Sorte entstammt jedoch nicht einer Kreuzung von Riesling und Silvaner, wie lange vermutet wurde. Bei der Muttersorte handelt es sich vielmehr um Madeleine Royale, wie man 1998 mit molekularbiologischen Methoden nachweisen konnte.

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