Offizielle Feldbegehung in Everlingen

Am vergangenen Mittwoch fand in Everlingen auf den von der Ackerbauschule und der Bauernzentrale gemeinsam betreuten Versuchsfeldern die offizielle Feldbegehung im Beisein von Landwirtschaftsminister Romain Schneider unter dem diejährigen Motto „Eiweißpflanzen und rationelle Stickstoffdüngung“ statt. Wie in den letzten Jahren schon, wurden auch in diesem Jahr wieder verschiedene Stickstoffdüngungsvarianten miteinander verglichen. Daneben wurden aber auch diverse Fungizid- und Insektizidversuche durchgeführt.

In seiner Begrüßungsrede ging der Präsident der Bauernzentrale, Marc Fisch, auf die Bedeutung der Everlinger Versuchsfelder für die Landwirtschaft und die Forschung ein und hob den Eiweißpflanzenversuch (insbesondere bezüglich Soja) hervor, da dies seiner Meinung nach ein wichtiger Schritt sei, um von genmanipuliertem Futter in der Viehhaltung abzukommen. Er dankte allen, die für die vorbildliche und reibungslose Arbeit auf den Everlinger Versuchsfeldern verantwortlich sind.

Im Anschluß sprach Landwirtschaftsminister Romain Schneider zu den zahlreich erschienenen Gästen und hob die Wichtigkeit solcher praxisnahen Versuche hervor, vor allem im Hinblick auf den Klimawandel. Weiter lobte er die Anbau- und Düngeversuche im Zusammenhang mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, die den größtmöglichen Schutz der natürlichen Ressourcen anstrebt. Weiter findet es Herr Schneider jedes Jahr aufs neue interessant, sich in Everlingen einen  Eindruck über den Stand der Dinge auf den Ackerflächen zu verschaffen. Zum Abschluß dankte er allen Verantwortlichen für die geleistete Arbeit.

Abschließend war es LTA-Professor Guy Mirgain, welcher kurz auf die Anlage der einzelnen Versuche einging und ganz besonders den Leguminosenversuch sowie die Depotdüngung hervorhob. In den Düngungsversuchen wurden in diesem Jahr wieder die CULTAN-Variante sowie AHL-, SSA- und LOG-N-Düngung eingesetzt. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein Versuch mit Gülle-Depot gedüngt wurde, wurde dieser Versuch in diesem Jahr ausgedehnt und es ist laut Herrn Mirgain erstaunlich zu sehen, was man alles mit hofeigenem Wirtschaftsdünger erreichen könne.

Bei der anschließenden Führung konnte sich Herr Schneider neben den zahlreichen anderen Besuchern einen Einblick in die diesjährigen Versuche verschaffen. Vorweg kann man sagen, daß alle Kulturen in diesem Versuchsjahr gut stehen, bis auf einige Ausnahmen, wie zum Beispiel leichte Auswinterungsschäden beim Wintergetreide. Diese beschränkten sich allerdings auf die Wintergerste mit der zweizeiligen Sorte KWS Cassia und die Wintertriticale mit den Sorten Triskell und Tarzan. Bei der Triticale sind diese Schäden auf eine zu frühe Saat zurückzuführen, während bei der Wintergerste eine höhere Saatstärke bei der zweizeiligen Sorte vermutet wird.  Zu bemerken ist, daß der Versuch einer Spätdüngung in der Triticale mit AHL durch den Einsatz von Flachstrahldüsen nicht die befürchteten Verbrennungen hervorgerufen hat. Die Fungizidbehandlung hat sich bei Triticale gegenüber der 0-Fungizidvariante gelohnt. Auch die CULTAN-Variante in der Triticale scheint sich auszuzahlen.

Im Winterweizen wurde in diesem Versuchsjahr der im letzten Jahr begonnene Versuch der Gülledepotdüngung ausgeweitet – wie es scheint sehr erfolgreich. Hierbei wurden Mitte März 150 N in Form von Schweinegülle ausgebracht. Die beiden anderen Düngungsvarianten im Winterweizen waren zum einen die LOG-N-Variante und zum anderen die Depot-Düngung mit AHL. Im Winterweizenversuch wurden die Sorten Orcas und Mulan, beides B-Weizen, Skagen und Privileg als E-Weizen sowie Chevalier und Kerubino als A-Weizen angebaut. Zu erwähnen bleibt, daß die Sorte Kerubino inzwischen als E-Weizen eingestuft wurde.

Die Firma Versis hat in diesem Jahr einen Herbizidversuch im Winterweizen durchgeführt. Serge Turmes stellte den Versuch vor, bei dem die Herbstbehandlungen diesmal nicht so wirksam waren wie die Frühjahrsbehandlungen, was vor allem an der Herbsttrockenheit lag. Der Nachteil bei den Frühjahrsbehandlungen ist der höhere Preis, sie haben allerdings den Vorteil, daß man Unkräuter und Ungräser gezielt bekämpfen kann. In der Praxis scheint sich laut Serge Turmes immer mehr eine Herbst-Frühjahrskombination zu etablieren.

Beim Winterraps wurden in diesem Jahr auf der einen Seite wieder die Düngungsversuche und die Sortenversuche sowie auf der anderen Seite erstmals auch ein Insektizidversuch durchgeführt. Beim Insektizidversuch wurden je eine Linien- und eine Hybridsorte ausgesät und in jeweils vier Kleinparzellen unterteilt. Dann wurde nach Erreichen der Schadschwelle beim Stengelrüßler respektive den Schotenschädlingen eine Insektizidbehandlung vorgenommen.

Auch das Centre de Recherche Public Gabriel Lippmann beteiligte sich dieses Jahr wieder maßgeblich an den Arbeiten auf den Versuchsfeldern. So wurden wieder Befallszahlen von Rapsschädlingen ermittelt und der Insektizidversuch im Raps betreut, sowie die einzelnen Bekämpfungsschwellen der Krankheitserreger im Getreide ermittelt.

Eine größere Fläche auf dem Versuchsfeld nehmen in diesem Jahr die Leguminosen mit Ackerbohnen, Lupinen, Sommer- und Wintererbsen sowie Soja ein. Dieser Versuch wurde angelegt, um die Leguminosenproduktion in Luxemburg weiter zu optimieren, damit unsere Landwirtschaft in Zukunft weniger abhängig ist von Soja-Importen. Während bei den Sommererbsen Saatstärkeversuche angelegt wurden, ist es bei den Wintererbsen ein Versuch bezüglich des Saattermins. Hierbei ist gut zu erkennen, daß eine zu frühe Saat zu Ertragsminderungen oder sogar zu totalen Auswinterungen führt.

Im Sommergetreide wurde wieder auf eine unterschiedliche Art und Weise gedüngt. Zum einen wurde im CULTAN-Verfahren gesät und zum anderen wurden die N-Dünger in Form von SSA respektive AHL gleich nach der Saat ausgebracht. Die Bestände, welche im CULTAN-Verfahren gesät wurden, scheinen momentan besser versorgt zu sein als die beiden anderen Varianten.

Interessant zu erwähnen sind auch die Versuche von zwei Schülergruppen aus dem LTA, welche zum einen verschiedene Anbaumethoden im Soja miteinander vergleichen und zum anderen sich mit dem Anbau von Hartweizen beschäftigen.

Alles in allem läßt das diesjährige Wetter auf höhere Erträge und bessere Verwertbarbarkeit der gewonnenen Daten hoffen.

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