Diskussiounsowend mam Bauer Willi

Am 5. April organisierte der Service Jeunesse einen Diskussionsabend mit Dr. Willi Kremer-Schillings, in Deutschland bekannt als „Bauer Willi“.

Marc Meyrer, Präsident des Service Jeunesse oblag es, die Versammlung zu eröffnen und die zahlreichen Teilnehmer zu begrüßen, unter ihnen Landwirtschaftsminister Etgen, Marc Weyland als neuer Direktor der Ackerbauverwaltung, die Vertreter der Bauernzentrale sowie die Vertreter des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm, die Wert darauf gelegt hatten, an diesem Diskussionsabend teilzunehmen.

Seit seiner Gründung im Jahr 1977 setzt der Service Jeunesse sich ein, um die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe zu vertreten. Die Öffentlichkeitsarbeit ist für die Junglandwirte ein wichtiger Aufgabenbereich. 1982 fand der erste “En Dag um Bauerenhaff” statt, um den Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern zu fördern. Fortan wurde jedes Jahr ein solches Event organisiert.

Marc Meyrer betonte, dass das Bild der Landwirtschaft immer mehr von der Realität abweicht und eine Sensibilisierung der Verbraucher heutzutage wichtiger denn je ist. In den vergangenen Jahren gab es bereits viele Veränderungen im Agrarbereich, doch diese werden in Zukunft wohl noch weiter zunehmen. Begriffe wie Digitalisierung, Robotisierung und Automatisierung werden zunehmend von Bedeutung in der Landwirtschaft sein. Die neuen Technologien können Chancen bieten, um eine Steigerung der Ressourceneffizienz zu erzielen und eine modernere Landwirtschaft in der Gesellschaft zu positionieren. Es gilt die Landwirtschaft als Zukunftssektor aufzuzeigen, der nach wie vor für die Ernährungssicherung der Weltbevölkerung steht. Zudem ist die Agrar- und Ernährungsbranche ein wichtiges Segment der Gesamtwirtschaft und dementsprechend müssen die nötigen Rahmenbedingungen von Seiten der Politik geschaffen werden, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten.

Das Bild des Bauern

Im Anschluss oblag es dem Gastredner, Dr. Willi Kremer-Schillings, von seinen Erfahrungen und Tätigkeiten aus dem Bereich der Landwirtschaft zu berichten. Seine Geschichte fing damit an, dass eine neue Wohnsiedlung immer näher an seinen Hof heranrückte. Im Laufe der Zeit war die Konsequenz, dass die neuen Nachbarn, größtenteils Stadtmenschen, ihm regelmäßig die Polizei vorbeischickten. Nicht nur wegen Lärm an den Erntetagen, sondern auch bei der Ausbringung von organischem Dünger wegen Geruchsbelästigung.

Auf diese Tatsache hin schrieb er einen Brief, der auf einer Internetplattform veröffentlicht wurde und innerhalb von zwei Tagen 60.000 Mal aufgerufen wurde. Als Bauer Willi wurde er durch seinen zweiten offenen Brief „Lieber Verbraucher“ in Deutschland noch bekannter. Seitdem versucht der Landwirt aus der Nähe von Köln in seinem Blog und auf Facebook Brücken zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern aufzustellen und die Sorgen und Probleme der Landwirte auszudrücken. Sein Ziel ist, die Kommunikation zwischen Landwirten und Verbrauchern anzuregen. Zudem will er für Klarheit und Verständnis zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern sorgen. Die Leistungen der Landwirtschaft sollen von der Gesellschaft geschätzt und anerkennt werden. Bauer Willi betont, dass viele Verbraucher nicht mehr wissen, wie Lebensmittel heute hergestellt werden. Seine Lebenserfahrung und das Know-How über die Zusammenhänge in der Landwirtschaft kommen in seinen Briefen deutlich zum Vorschein.

Steckbrief: Dr. Willi Kremer-Schillings („Bauer Willi“)

– Er bewirtschaftet einen 40 ha Ackerbaubetrieb mit Zuckerrüben, Raps und Getreide im Rheinland, den er 1983 von seinem Vater übernommen hat, in einer Betriebskooperation.

– Nach dem Abitur hat Bauer Willi Landwirtschaft studiert und anschließend im Fachbereich Pflanzenbau promoviert.

– Bis zu seinem Vorruhestand im Herbst 2014 war er für ein Familienunternehmen (Zuckerherstellung) im Rheinland tätig und hat seinen Betrieb im Nebenerwerb geführt.

– Heute bewirtschaftet er seinen Betrieb als Vorruheständler und hat „endlich Zeit zu schreiben“.

– Darüber hinaus ist er ehrenamtlich für die Bürgerstiftung seiner Gemeinde und eine landwirtschaftliche Genossenschaft tätig.

 

Zwei verschiedene Bilder von der Landwirtschaft

Es gibt zwei verschiedene Bilder von den Landwirten, so Bauer Willi. Zum einem das Bild aus der Perspektive der Bauern, die sich selbst als Lebensmittelproduzent, Landschaftspfleger und hart arbeitende Menschen sehen. Zudem sind sie an viele Auflagen und Vorschriften gebunden, werden jedoch viel kritisiert und verhöhnt.

Zum andern gibt es das Bild der Bürger und Verbraucher. Viele Menschen denken bei Landwirten an Begriffe wie Massentierhaltung, Turbokühe, Tierquälerei, Umweltsünder, Bienensterben und Glyphosat. Dieses Bild kommt nicht von alleine, sondern wird durch die Medien weitergegeben. Besonders Massentierhaltung ist ein Begriff, bei dem die Medien Aufmerksamkeit bekommen. In den Großstädten wissen die Leute nicht, was Landwirtschaft ist, sondern erhalten ihre Informationen über Dritte. Eine zunehmende Entfremdung der Landwirte ist Tatsache, da die Zahl der Landwirte immer weiter abnimmt und der Kontakt zum Landwirt in den Städten nicht gegeben ist. Viele Leute in den Großstädten haben noch nie Kühe oder einen Bauernhof gesehen. Seiner Ansicht nach ist das Bild von Bauern in der Öffentlichkeit entweder verklärt (ländliche Idylle) oder verzerrt (Agrarfabriken).

Auch NGO’s (Nicht-Regierungsorganisationen) wie Greenpeace und Food Watch bestimmen das Bild der Bauern. Die Argumente der NGO’s entsprechen nicht unbedingt der Wahrheit. Sie wollen die Umwelt und Natur schützen, aber die Tatsache, dass die Zahl der Rindviecher in den letzten Jahrzehnten und aufgrund der höheren Milchleistung ebenso der Ausstoß an Methan pro Liter Milch deutlich zurückgegangen ist, wird nicht berichtet. Für Bauer Willi gehören auch Supermarktketten wie Aldi, Rewe, Edeka und Lidl zu den NGO‘s. Sie machen ihm zufolge neue Gesetze und führen neue Auflagen ein, sie schaffen z.B. Abteilungen für genfreie, insektizidfreie und ohne Anbindehaltung erzeugte Produkte.

Keine Lebensmittel mehr an Aldi und Co. zu liefern, ist einfacher gesagt als getan, denn kein Bauer beliefert Aldi und Co. direkt. Die Ketten haben einen zentralen Einkauf und bis auf ein paar wenige regionale Artikel wie Kartoffeln oder Gemüse ist da meist nichts direkt vom Bauern zu sehen. Auch die Kirche ist gegen die Landwirtschaft, sagt Bauer Willi. Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch kritisierte Anfang des Jahres die Landwirte für ihre Methoden. Er warf ihnen „katastrophale Zustände“ und „Tierfabriken“ vor. Auch von Tierquälerei und Umweltverschmutzung sprach er in seiner Rede.

Konsum von Lebensmitteln

Für viele Menschen sollen die Lebensmittel genfrei, glutenfrei, lactosefrei, cholesterinfrei, kalorienarm und möglichst billig sein. Gemessen am Einkommen geben die Verbraucher immer weniger für Lebensmittel aus. Zudem soll es auch nicht stinken, geschweige denn gespritzt werden, doch die Lebensmittel müssen top aussehen und ohne Flecken sein. Nach Meinung von Dr. Kremer-Schillings wird sich der Konsum von Fleisch reduzieren, denn mehr und mehr Leute werden zu Vegetariern. Grund sei nicht, dass diese Leute kein Fleisch mögen, sondern weil sie keine Tiere töten und zudem das Klima retten wollen.

Moderne Tierhaltung

Moderne Tierhaltung ist hochspezialisiert, sie ist effizient, sie ist hygienisch. Es gibt keine Misthaufen mehr, auf denen der Hahn kräht, keine Weide, auf der sich die Schweine im Schlamm suhlen. Und kaum noch Kühe, die in einem dunklen Stall an der Kette stehen. Vor gerade mal 50 Jahren war das alles noch der Fall. Auch die Schweine liefen in einem dunklen Stall, auch hier stank es nach Ammoniak, die Wände waren voller Fliegen und Ratten liefen durch die Tröge. Die Realität heute sind moderne, offene, licht- und luftdurchflutete Kuhställe, in denen sich die Kühe frei bewegen können mit automatischer Entmistung und Liegematten aus weichem Gummi. Die Kuh geht zum Melkroboter, wenn sie Lust drauf hat, holt sich ihr schmackhaftes und gesundes Futter wann sie will oder lässt sich an der Kuh-Bürste den Rücken massieren. Diese Ställe sind Wellness-Hotels für Milchkühe und sind tiergerecht und tierfreundlich.

Kommunikation durch Rhetorik und Fragestellung

In der Diskussionsrunde wurde viel über den Umgang mit dem Bürger diskutiert. Auf Aussagen, wie “Ihr seid verdammte Tierquäler“ soll mit einer Frage geantwortet werden, etwa nachgefragt werden, worauf diese Beurteilung beruht oder wieviel Platz die Tiere benötigen. Neue Nachbarn sollen auf die Höfe eingeladen werden, um ihnen die Landwirtschaft in einer möglichst einfachen Sprache zu erläutern, wobei man von einer kompletten Ahnungslosigkeit der Bürger ausgehen sollte. Eines seiner Beispiele dafür war, dass ein Bürger Kartoffelsamen verlangte; als dieser Setzkartoffeln erhielt, war er entsetzt.

Zudem sollten Journalisten aktiv angesprochen und auf den Hof eingeladen werden, um ihnen die Technik der modernen Ställe zu erklären. Schwierig bis unmöglich bleibt es, militante Aktionsgruppen zu überzeugen.

Die Landwirtschaft ist vielschichtig und nicht einfach zu erklären, doch der Dialog mit Verbrauchern muss angenommen werden. Die Landwirte selbst müssen mehr mit den Bürgern kommunizieren, um ihnen die richtigen Botschaften zu vermitteln.

Das Schlusswort kam von Landwirtschaftsminister Fernand Etgen, der in seiner Rede die Öffentlichkeitsarbeit von Bauer Willi lobte und den Kontakt zwischen den Produzenten und Konsumenten als sehr wichtig bezeichnete.

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