Dauerthema IBR-Bekämpfung

Interview mit Dr. Félix Wildschutz, dem Direktor der Veterinärinspektion

(hl).- IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit der Rinder. Der Name ergibt sich aus dem klinischen Erscheinungsbild, einer Nasenentzündung (Rhinitis) und Luftröhrenentzündung (Tracheitis). Sie führt in der akuten Phase zu Fieber und Nasenausfluß; in der Folge kann eine Infektion aber auch zu Zyklusstörungen, Abort/Totgeburt oder Mastitis und sowohl bei adulten Rindern als auch bei Kälbern bei schweren Verläufen zum Tod führen. Die Ansteckungsgefahr von Tier zu Tier ist ungleich höher als bei BVD. Bei belgischen Untersuchungen zeigte sich 1997, daß es in zwei Drittel der Rinderhaltungen latent infizierte Tiere gab, die in Streßsituationen wieder zu Virusausscheidern werden können. In vielen europäischen Ländern gelten die Rinderbestände als IBR-frei oder es existieren obligatorische Bekämpfungsprogramme.

Die exportorientierten Rinderzüchter haben hierzulande von jeher ein großes Interesse daran, daß sie ihren Abnehmern IBR-Freiheit garantieren können. Schon vor etlichen Jahren wurde ein freiwilliges IBR-Bekämpfungsprogramm von der Veterinärinspektion gestartet. Dieses erhielt unlängst durch den Start eines obligatorischen IBR-Bekämpfungsprogramms in Belgien neue Aktualität. De Letzebuerger Bauer (LB) sprach hierüber mit Dr. Félix Wildschutz, dem Direktor der Veterinärinspektion.

LB: Dr. Wildschutz, wie groß ist der ökonomische Impakt von IBR hierzulande?

Dr. Wildschutz: Das läßt sich schwer beziffern. Von den Betrieben, die am freiwilligen IBR-Bekämpfungsprogramm teilnehmen, wissen wir, daß eine Reihe von Beständen latent infiziert sind und IBR auch akut auftreten kann, das Virus also auch aktiv zirkuliert. Im Vergleich zu anderen Seuchen wurde die ökonomische Bedeutung von IBR bislang relativ niedrig eingestuft, weshalb wir uns bei den Bekämpfungsprogrammen auf diese anderen Seuchen konzentriert haben. 

LB: Ist beim Thema IBR-Bekämpfung nun trotzdem Eile geboten?

Dr. Wildschutz: Es gibt schon recht lange ein freiwilliges Bekämpfungsprogramm. Dieses wurde jedoch nur von vergleichsweise wenigen Betrieben angenommen. In den vergangenen Jahren schlief es mangels Nachfrage fast gänzlich ein. Erst mit den neuen Vorgaben aus Belgien ist das freiwillige Programm wieder verstärkt nachgefragt worden. Besonders bei Betrieben entlang der Grenze zu Belgien besteht ein Interesse an der IBR-Bekämpfung.

LB: Welche Maßnahmen müssen Betriebe treffen, die ihre Rinder auf Weiden in Belgien bringen wollen?

Dr. Wildschutz: Es gibt drei Möglichkeiten für Betriebe, die Tiere nach Belgien auf die Weide bringen wollen:

1. die Teilnahme am freiwilligen IBR-Bekämpfungsprogramm, also Analysen von allen Tieren, und Erhalt des „Status 1“ oder „Status 2“.

2. Analysen nur von den Tieren, die nach Belgien sollen, zwei Wochen vor dem Austrieb und mit einem IgE negativen Resultat.

3. Tiere, welche nach Belgien verbracht werden, müssen geimpft und diese Impfung muß vom Hoftierarzt bescheinigt werden.

Sowohl der Nachweis der Impfung als auch eine amtliche Bescheinigung mit negativen Analyseresultaten werden von der belgischen Veterinärverwaltung anerkannt.

LB: Wird es in den nächsten Jahren auch hierzulande ein obligatorisches Bekämpfungsprogramm gegen IBR geben?

Dr. Wildschutz: Wir sind im Prinzip nicht gegen ein obligatorisches Programm, aber wir haben derzeit nicht die Kapazitäten, um ein solches Programm in Eigenregie durchzuführen. Es fehlen zum einen die Laborkapazitäten, zum anderen ist der administrative Aufwand für uns zu groß. Wenn der Sektor im allgemeinen sich nun starkmacht für ein obligatorisches Programm, werden alternative Lösungen gebraucht. Dies könnte dann so aussehen, daß die Analysen und die Auswertung in einem Privatlabor gemacht werden und die Veterinärinspektion sich nur um die sanitären Aspekte kümmert. Auf jeden Fall wäre eine finanzielle Beteiligung des Sektors an den Analysen erforderlich. In Belgien existiert für solche Zwecke eine Tierseuchenstelle namens „Arsia“, wo u.a. Beiträge seitens der Tierhalter eingehen.

Nach den Osterferien wird es bezüglich des Vorgehens bei der Tierseuchenbekämpfung ein Rundtischgespräch mit dem Sektor geben, an dem die Landwirtschaftskammer, die verschiedenen Verbände und die Veterinärverwaltung teilnehmen werden. Geplant ist die Schaffung einer „Task force sanitaire“.