{"id":4487,"date":"2017-04-12T13:44:51","date_gmt":"2017-04-12T11:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=4487"},"modified":"2017-04-12T13:45:57","modified_gmt":"2017-04-12T11:45:57","slug":"diskussiounsowend-mam-bauer-willi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=4487","title":{"rendered":"Diskussiounsowend mam Bauer Willi"},"content":{"rendered":"<p>Am 5. April organisierte der Service Jeunesse einen Diskussionsabend mit Dr. Willi Kremer-Schillings, in Deutschland bekannt als \u201eBauer Willi\u201c.<\/p>\n<p>Marc Meyrer, Pr\u00e4sident des Service Jeunesse oblag es, die Versammlung zu er\u00f6ffnen und die zahlreichen Teilnehmer zu begr\u00fc\u00dfen, unter ihnen Landwirtschaftsminister Etgen, Marc Weyland als neuer Direktor der Ackerbauverwaltung, die Vertreter der Bauernzentrale sowie die Vertreter des Kreisbauernverbandes Bitburg-Pr\u00fcm, die Wert darauf gelegt hatten, an diesem Diskussionsabend teilzunehmen.<\/p>\n<p>Seit seiner Gr\u00fcndung im Jahr 1977 setzt der Service Jeunesse sich ein, um die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe zu vertreten. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist f\u00fcr die Junglandwirte ein wichtiger Aufgabenbereich. 1982 fand der erste \u201cEn Dag um Bauerenhaff\u201d statt, um den Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern zu f\u00f6rdern. Fortan wurde jedes Jahr ein solches Event organisiert.<\/p>\n<p>Marc Meyrer betonte, dass das Bild der Landwirtschaft immer mehr von der Realit\u00e4t abweicht und eine Sensibilisierung der Verbraucher heutzutage wichtiger denn je ist. In den vergangenen Jahren gab es bereits viele Ver\u00e4nderungen im Agrarbereich, doch diese werden in Zukunft wohl noch weiter zunehmen. Begriffe wie Digitalisierung, Robotisierung und Automatisierung werden zunehmend von Bedeutung in der Landwirtschaft sein. Die neuen Technologien k\u00f6nnen Chancen bieten, um eine Steigerung der Ressourceneffizienz zu erzielen und eine modernere Landwirtschaft in der Gesellschaft zu positionieren. Es gilt die Landwirtschaft als Zukunftssektor aufzuzeigen, der nach wie vor f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherung der Weltbev\u00f6lkerung steht. Zudem ist die Agrar- und Ern\u00e4hrungsbranche ein wichtiges Segment der Gesamtwirtschaft und dementsprechend m\u00fcssen die n\u00f6tigen Rahmenbedingungen von Seiten der Politik geschaffen werden, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten.<\/p>\n<h1>Das Bild des Bauern<\/h1>\n<p>Im Anschluss oblag es dem Gastredner, Dr. Willi Kremer-Schillings, von seinen Erfahrungen und T\u00e4tigkeiten aus dem Bereich der Landwirtschaft zu berichten. Seine Geschichte fing damit an, dass eine neue Wohnsiedlung immer n\u00e4her an seinen Hof heranr\u00fcckte. Im Laufe der Zeit war die Konsequenz, dass die neuen Nachbarn, gr\u00f6\u00dftenteils Stadtmenschen, ihm regelm\u00e4\u00dfig die Polizei vorbeischickten. Nicht nur wegen L\u00e4rm an den Erntetagen, sondern auch bei der Ausbringung von organischem D\u00fcnger wegen Geruchsbel\u00e4stigung.<\/p>\n<p>Auf diese Tatsache hin schrieb er einen Brief, der auf einer Internetplattform ver\u00f6ffentlicht wurde und innerhalb von zwei Tagen 60.000 Mal aufgerufen wurde. Als Bauer Willi wurde er durch seinen zweiten offenen Brief \u201eLieber Verbraucher\u201c in Deutschland noch bekannter. Seitdem versucht der Landwirt aus der N\u00e4he von K\u00f6ln in seinem Blog und auf Facebook Br\u00fccken zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern aufzustellen und die Sorgen und Probleme der Landwirte auszudr\u00fccken. Sein Ziel ist, die Kommunikation zwischen Landwirten und Verbrauchern anzuregen. Zudem will er f\u00fcr Klarheit und Verst\u00e4ndnis zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern sorgen. Die Leistungen der Landwirtschaft sollen von der Gesellschaft gesch\u00e4tzt und anerkennt werden. Bauer Willi betont, dass viele Verbraucher nicht mehr wissen, wie Lebensmittel heute hergestellt werden. Seine Lebenserfahrung und das Know-How \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge in der Landwirtschaft kommen in seinen Briefen deutlich zum Vorschein.<\/p>\n<h3>Steckbrief: Dr. Willi Kremer-Schillings (\u201eBauer Willi\u201c)<\/h3>\n<p>&#8211; Er bewirtschaftet einen 40 ha Ackerbaubetrieb mit Zuckerr\u00fcben, Raps und Getreide im Rheinland, den er 1983 von seinem Vater \u00fcbernommen hat, in einer Betriebskooperation.<\/p>\n<p>&#8211; Nach dem Abitur hat Bauer Willi Landwirtschaft studiert und anschlie\u00dfend im Fachbereich Pflanzenbau promoviert.<\/p>\n<p>&#8211; Bis zu seinem Vorruhestand im Herbst 2014 war er f\u00fcr ein Familienunternehmen (Zuckerherstellung) im Rheinland t\u00e4tig und hat seinen Betrieb im Nebenerwerb gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&#8211; Heute bewirtschaftet er seinen Betrieb als Vorruhest\u00e4ndler und hat &#8222;endlich Zeit zu schreiben&#8220;.<\/p>\n<p>&#8211; Dar\u00fcber hinaus ist er ehrenamtlich f\u00fcr die B\u00fcrgerstiftung seiner Gemeinde und eine landwirtschaftliche Genossenschaft t\u00e4tig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4490\" src=\"http:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_3-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_3-201x300.jpg 201w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_3-768x1144.jpg 768w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_3-687x1024.jpg 687w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_3.jpg 1944w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Zwei verschiedene Bilder von der Landwirtschaft<\/h1>\n<p>Es gibt zwei verschiedene Bilder von den Landwirten, so Bauer Willi. Zum einem das Bild aus der Perspektive der Bauern, die sich selbst als Lebensmittelproduzent, Landschaftspfleger und hart arbeitende Menschen sehen. Zudem sind sie an viele Auflagen und Vorschriften gebunden, werden jedoch viel kritisiert und verh\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Zum andern gibt es das Bild der B\u00fcrger und Verbraucher. Viele Menschen denken bei Landwirten an Begriffe wie Massentierhaltung, Turbok\u00fche, Tierqu\u00e4lerei, Umwelts\u00fcnder, Bienensterben und Glyphosat. Dieses Bild kommt nicht von alleine, sondern wird durch die Medien weitergegeben. Besonders Massentierhaltung ist ein Begriff, bei dem die Medien Aufmerksamkeit bekommen. In den Gro\u00dfst\u00e4dten wissen die Leute nicht, was Landwirtschaft ist, sondern erhalten ihre Informationen \u00fcber Dritte. Eine zunehmende Entfremdung der Landwirte ist Tatsache, da die Zahl der Landwirte immer weiter abnimmt und der Kontakt zum Landwirt in den St\u00e4dten nicht gegeben ist. Viele Leute in den Gro\u00dfst\u00e4dten haben noch nie K\u00fche oder einen Bauernhof gesehen. Seiner Ansicht nach ist das Bild von Bauern in der \u00d6ffentlichkeit entweder verkl\u00e4rt (l\u00e4ndliche Idylle) oder verzerrt (Agrarfabriken).<\/p>\n<p>Auch NGO\u2019s (Nicht-Regierungsorganisationen) wie Greenpeace und Food Watch bestimmen das Bild der Bauern. Die Argumente der NGO\u2019s entsprechen nicht unbedingt der Wahrheit. Sie wollen die Umwelt und Natur sch\u00fctzen, aber die Tatsache, dass die Zahl der Rindviecher in den letzten Jahrzehnten und aufgrund der h\u00f6heren Milchleistung ebenso der Aussto\u00df an Methan pro Liter Milch deutlich zur\u00fcckgegangen ist, wird nicht berichtet. F\u00fcr Bauer Willi geh\u00f6ren auch Supermarktketten wie Aldi, Rewe, Edeka und Lidl zu den NGO\u2018s. Sie machen ihm zufolge neue Gesetze und f\u00fchren neue Auflagen ein, sie schaffen z.B. Abteilungen f\u00fcr genfreie, insektizidfreie und ohne Anbindehaltung erzeugte Produkte.<\/p>\n<p>Keine Lebensmittel mehr an Aldi und Co. zu liefern, ist einfacher gesagt als getan, denn kein Bauer beliefert Aldi und Co. direkt. Die Ketten haben einen zentralen Einkauf und bis auf ein paar wenige regionale Artikel wie Kartoffeln oder Gem\u00fcse ist da meist nichts direkt vom Bauern zu sehen. Auch die Kirche ist gegen die Landwirtschaft, sagt Bauer Willi. Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch kritisierte Anfang des Jahres die Landwirte f\u00fcr ihre Methoden. Er warf ihnen \u201ekatastrophale Zust\u00e4nde\u201c und \u201eTierfabriken\u201c vor. Auch von Tierqu\u00e4lerei und Umweltverschmutzung sprach er in seiner Rede.<\/p>\n<h2>Konsum von Lebensmitteln<\/h2>\n<p>F\u00fcr viele Menschen sollen die Lebensmittel genfrei, glutenfrei, lactosefrei, cholesterinfrei, kalorienarm und m\u00f6glichst billig sein. Gemessen am Einkommen geben die Verbraucher immer weniger f\u00fcr Lebensmittel aus. Zudem soll es auch nicht stinken, geschweige denn gespritzt werden, doch die Lebensmittel m\u00fcssen top aussehen und ohne Flecken sein. Nach Meinung von Dr. Kremer-Schillings wird sich der Konsum von Fleisch reduzieren, denn mehr und mehr Leute werden zu Vegetariern. Grund sei nicht, dass diese Leute kein Fleisch m\u00f6gen, sondern weil sie keine Tiere t\u00f6ten und zudem das Klima retten wollen.<\/p>\n<h2>Moderne Tierhaltung<\/h2>\n<p>Moderne Tierhaltung ist hochspezialisiert, sie ist effizient, sie ist hygienisch. Es gibt keine Misthaufen mehr, auf denen der Hahn kr\u00e4ht, keine Weide, auf der sich die Schweine im Schlamm suhlen. Und kaum noch K\u00fche, die in einem dunklen Stall an der Kette stehen. Vor gerade mal 50 Jahren war das alles noch der Fall. Auch die Schweine liefen in einem dunklen Stall, auch hier stank es nach Ammoniak, die W\u00e4nde waren voller Fliegen und Ratten liefen durch die Tr\u00f6ge. Die Realit\u00e4t heute sind moderne, offene, licht- und luftdurchflutete Kuhst\u00e4lle, in denen sich die K\u00fche frei bewegen k\u00f6nnen mit automatischer Entmistung und Liegematten aus weichem Gummi. Die Kuh geht zum Melkroboter, wenn sie Lust drauf hat, holt sich ihr schmackhaftes und gesundes Futter wann sie will oder l\u00e4sst sich an der Kuh-B\u00fcrste den R\u00fccken massieren. Diese St\u00e4lle sind Wellness-Hotels f\u00fcr Milchk\u00fche und sind tiergerecht und tierfreundlich.<\/p>\n<h2>Kommunikation durch Rhetorik und Fragestellung<\/h2>\n<p>In der Diskussionsrunde wurde viel \u00fcber den Umgang mit dem B\u00fcrger diskutiert. Auf Aussagen, wie \u201cIhr seid verdammte Tierqu\u00e4ler\u201c soll mit einer Frage geantwortet werden, etwa nachgefragt werden, worauf diese Beurteilung beruht oder wieviel Platz die Tiere ben\u00f6tigen. Neue Nachbarn sollen auf die H\u00f6fe eingeladen werden, um ihnen die Landwirtschaft in einer m\u00f6glichst einfachen Sprache zu erl\u00e4utern, wobei man von einer kompletten Ahnungslosigkeit der B\u00fcrger ausgehen sollte. Eines seiner Beispiele daf\u00fcr war, dass ein B\u00fcrger Kartoffelsamen verlangte; als dieser Setzkartoffeln erhielt, war er entsetzt.<\/p>\n<p>Zudem sollten Journalisten aktiv angesprochen und auf den Hof eingeladen werden, um ihnen die Technik der modernen St\u00e4lle zu erkl\u00e4ren. Schwierig bis unm\u00f6glich bleibt es, militante Aktionsgruppen zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft ist vielschichtig und nicht einfach zu erkl\u00e4ren, doch der Dialog mit Verbrauchern muss angenommen werden. Die Landwirte selbst m\u00fcssen mehr mit den B\u00fcrgern kommunizieren, um ihnen die richtigen Botschaften zu vermitteln.<\/p>\n<p>Das Schlusswort kam von Landwirtschaftsminister Fernand Etgen, der in seiner Rede die \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Bauer Willi lobte und den Kontakt zwischen den Produzenten und Konsumenten als sehr wichtig bezeichnete.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4489\" src=\"http:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_2-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_2-300x201.jpg 300w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_2-768x516.jpg 768w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_2-1024x687.jpg 1024w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_2-447x300.jpg 447w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4488\" src=\"http:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_1-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_1-300x201.jpg 300w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_1-768x516.jpg 768w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_1-1024x687.jpg 1024w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Foto_1-447x300.jpg 447w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. 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