{"id":313,"date":"2011-05-06T09:47:54","date_gmt":"2011-05-06T07:47:54","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=313"},"modified":"2013-09-02T14:06:40","modified_gmt":"2013-09-02T12:06:40","slug":"die-landwirtschaft-groser-verlierer-beim-mercosur-abkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=313","title":{"rendered":"Die Landwirtschaft \u2013 Gro\u00dfer Verlierer beim Mercosur-Abkommen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/mercusor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-775\" title=\"mercusor\" alt=\"\" src=\"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/mercusor-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/mercusor-300x225.jpg 300w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/mercusor-400x300.jpg 400w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/mercusor.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Dieser Tage wurden in Paraguay die Gespr\u00e4che hinsichtlich eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-L\u00e4ndern fortgesetzt. Im Vorfeld pr\u00e4sentierte die EU-Kommission Modellberechnungen, die eindeutig belegen, da\u00df die europ\u00e4ische Landwirtschaft, insbesondere der Rindfleischsektor und die auf Rinderhaltung ausgerichteten Regionen Europas, sehr negativ von diesem in Diskussion stehenden Freihandelsabkommen betroffen sein werden. Im schlimmsten Fall, d.h. bei Umsetzung der Forderungen der Mercosur-Staaten bzw. der Zugest\u00e4ndnisse im Rahmen der Doha- Runde, m\u00fc\u00dfte der EU-Rindfleischsektor aufgrund vermehrter Importe einen Produktionsverlust von ann\u00e4hernd 3 Mrd. Euro hinnehmen, w\u00e4hrend das landwirtschaftliche Einkommen insgesamt um fast 7 Mrd. Euro oder 3,2% sinken w\u00fcrde, so die Resultate dieser Berechnungen. Preisminderungen von bis zu 30% werden aufgrund der stark steigenden Fleischimporte nicht ausgeschlossen. Wenn sich die EU auf das eigene Angebot von 2004 beschr\u00e4nkte \u2013 es ist dies ein Minimalangebot ohne weitere WTO-Liberalisierung \u2013, w\u00fcrde sich der Wert der EU-Rindfleischproduktion um etwa 250 Mio. Euro verringern. Die EU-Landwirtschaft insgesamt m\u00fc\u00dfte eine Einkommenseinbu\u00dfe von 0,5% hinnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur der Rindfleischsektor, sondern auch der Gefl\u00fcgelsektor w\u00e4re vergleichsweise stark betroffen, sollte es zu den maximal geforderten Zugest\u00e4ndnissen kommen.\u00a0Hier werden Verluste vonmehr als 500 Mio. Euro angesetzt. Des weiteren wird damit gerechnet, da\u00df \u00fcber einen R\u00fcckgang der Futternachfrage durch Abstokkung der Tierbest\u00e4nde, der EU-Getreidesektor Einbu\u00dfen von mehr als 1 Mrd. Euro hinnehmen m\u00fc\u00dfte, derweil Einbu\u00dfen von mehreren hundert Millionen Euro im Obst- und Gem\u00fcsesektor erwartet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Kommissionsberechnungen w\u00e4ren andere Sektoren wohl weniger durch das Abkommen mit den Mercosur-L\u00e4ndern betroffen, umso st\u00e4rker jedoch durch die bei der WTO in Diskussion stehenden Vorschl\u00e4ge: An erster Stelle kommt hier die europ\u00e4ische Zuckererzeugung, wo mit Verlusten von mehr als 1,5 Mrd. Euro gerechnet wird; die EU-Oliven\u00f6lwirtschaft k\u00f6nnte rund 1 Mrd. Euro verlieren, w\u00e4hrend bei Schweinefleisch, Butter und K\u00e4se Wertminderungen von jeweils mehr als 400 Mio. Euro veranschlagt werden. \u00c4hnlich gestalten sich die Berechnungen bei Magermilch und Sahne. Dar\u00fcber hinaus zeigen die Berechnungen der Kommissionsexperten, da\u00df die Verluste zwischen den EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich ausfallen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Fazit unterstreichen die von der Kommission mit diesen Berechnungen beauftragten Wissenschaftler, da\u00df die Gesamtauswirkungen eines m\u00f6glichen Freihandelsabkommens auf den Agrarsektor negativ sind. Die Heftigkeit sei vom gew\u00e4hlten Liberalisierungsszenario abh\u00e4ngig und schwanke zwischen Produkten und Regionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend demnach Einkommenseinbu\u00dfen in zweistelliger Milliardenh\u00f6he in der Landwirtschaft errechnet werden, prescht die Generaldirektion Handel der EU-Kommission mit einer anderen Studie vor, um das mit dem Mercosur-Abkommen erwartete Wachstumspotential im Industrie- und Dienstleistungsbereich ins Fenster zu stellen: Ihrerseits hei\u00dft es, mit dem Freihandelsabkommen w\u00e4re eine Steigerung des EU-Bruttoinlandsprodukts in H\u00f6he von 14,7 Mrd. Euro bis 21,4 Mrd. Euro m\u00f6glich. Mercosur sei ein immer wichtigerer Handelspartnermit hohen Wachstumsraten und erheblichen Handelsbarrieren. Die Industrie- und Dienstleistungsbereiche w\u00e4ren allemal auf der Gewinnerseite. Lapidar wird lediglich einger\u00e4umt, da\u00df es auch Verlierer gebe, darunter die Landwirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die europ\u00e4ische Landwirtschaft kommen solche Zahlen und Aussagen faktisch einer Verh\u00f6hnung gleich: Vielfach haben die europ\u00e4ischen Bauernorganisationen bereits mit Nachdruck vor dem geplanten Abkommen gewarnt, weil damit der Abbau der europ\u00e4ischen Landwirtschaft und ihres Produktionspotentials vorprogrammiert ist. Verluste von mehr als 13 Milliarden Euro werden veranschlagt, zuz\u00fcglich dazu die negativen Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigung in den l\u00e4ndlichen Gebieten der Union, wo die Landwirtschaft derzeit immerhin 28 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz bietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Copa unterstreicht, exportiert bereits der Mercosur in gro\u00dfem Umfang, \u00fcber die zollfreien Kontigente hinaus, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel in die EU \u2013 86% der EU-Rindfleischimporteund 70% der Gefl\u00fcgelfleischimporte stammen aus diesen L\u00e4ndern. In bezug auf die Produktionskosten befinden sich die europ\u00e4ischen Erzeuger real im Nachteil gegen\u00fcber s\u00fcdamerikanischen Exportl\u00e4ndern. Gewu\u00dft ist, da\u00df die Produktionskosten im Rindfleischsektor in Brasilien mit umgerechnet 81 Euro je 100 kg Lebendgewicht nur etwa ein Drittel der Kosten in Italien (233 Euro) Die Landwirtschaft \u2013 Gro\u00dfer Verlierer beim Mercosur-Abkommen betragen; da\u00df sie in Frankreich 221 Euro im Vergleich zu nur 73 Euro in Argentinien erreichen. Das geplante Freihandelsabkommen bedeutet demnach eine unvertretbare Wettbewerbsverzerrung und zurecht warnt Copa auch davor, da\u00df die EU damit riskiert, ihre Ern\u00e4hrungssicherheit von einer externen Quelle und somit von klimabezogenen oder politischen Entscheidungen dieser L\u00e4nder abh\u00e4ngig zumachen, ohne da\u00df diese Importe den hohen Umwelt- und Qualit\u00e4tsstandards der EU entsprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob nun den immer wieder angef\u00fchrten Zielen der Ern\u00e4hrungssicherung und der Versorgung mit hochwertigen Qualit\u00e4tsprodukten der Vorrang gegeben wird oder aber den alleinigen Handelsinteressen von Industrie und Dienstleistungssektor, dies auf Kosten der europ\u00e4ischen Landwirtschaft, bleibt ungewi\u00df. In letzterem Fall w\u00fcrde die europ\u00e4ische Politik allemal nicht an Glaubw\u00fcrdigkeit gewinnen und der Schaden f\u00fcr die Verbraucher und die Gesellschaft insgesamt w\u00e4re enorm. Daran \u00e4ndern auch die beschwichtigenden Worte seitens der Kommission nichts, man w\u00fcrde die Landwirte nicht im Stich lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage wurden in Paraguay die Gespr\u00e4che hinsichtlich eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-L\u00e4ndern fortgesetzt. Im Vorfeld pr\u00e4sentierte die EU-Kommission Modellberechnungen, die eindeutig belegen, da\u00df die europ\u00e4ische Landwirtschaft, insbesondere der Rindfleischsektor und die auf Rinderhaltung ausgerichteten Regionen Europas, sehr negativ von diesem in Diskussion stehenden Freihandelsabkommen betroffen sein werden. Im schlimmsten Fall, d.h. bei Umsetzung der Forderungen der Mercosur-Staaten bzw. der Zugest\u00e4ndnisse im Rahmen der Doha- Runde, m\u00fc\u00dfte der EU-Rindfleischsektor aufgrund vermehrter Importe einen Produktionsverlust von ann\u00e4hernd 3 Mrd. 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