{"id":191,"date":"2012-01-27T13:46:38","date_gmt":"2012-01-27T12:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=191"},"modified":"2013-09-02T11:48:16","modified_gmt":"2013-09-02T09:48:16","slug":"50-jahre-gemeinsame-agrarpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=191","title":{"rendered":"50 Jahre Gemeinsame Agrarpolitik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 14. Januar 1962 einigten sich die Agrarminister der sechs Gr\u00fcndungsmitgliedstaaten der heutigen Europ\u00e4ischen Union \u2013 Deutschland, Italien, Frankreich und die drei Beneluxl\u00e4nder \u2013 nach einem langen Verhandlungsmarathon darauf, gemeinsame Marktordnungen f\u00fcr die einzelnen Produktbereiche zu schaffen, dies mit dem Ziel, die Ern\u00e4hrung der B\u00fcrger zu sichern und den Landwirten einen entsprechenden Lebensstandard zu erm\u00f6glichen. Mit dem Romvertrag war bereits 1957 der Grundstein f\u00fcr die gemeinsame Agrarpolitik gelegt und deren Ziele festgeschrieben worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Anf\u00e4ngen der gemeinsamen Agrarpolitik ging es vor allem darum, die Produktivit\u00e4t in der Landwirtschaft zu steigern, die M\u00e4rkte zu stabilisieren und die Versorgung der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung mit Nahrungsmitteln zu sichern, was damals keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit war und eventuell morgen auch keine mehr ist, wenn die Weichen heute nicht richtig gestellt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinsame Agrarpolitik feiert somit in diesem Jahr ihr 50j\u00e4hriges Bestehen und selbst deren Gegner und Kritiker m\u00fcssen anerkennen, da\u00df sie einen wesentlichen Beitrag zur europ\u00e4ischen Integration und zum Aufbau der heutigen Union geleistet hat, da\u00df sie die Voraussetzung \u00fcberhaupt f\u00fcr eine gemeinsame EU-Politik wurde und auch heute noch immer die einzige wahrhaft gemeinsame Politik der Union ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 50-j\u00e4hrige Bestehen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik war Anla\u00df f\u00fcr einen Festakt am vergangenen Montag im Rahmen des EU-Agrarrates. Kommissionspr\u00e4sident Barroso betonte dabei, da\u00df die Gemeinsame Agrarpolitik zweifelsohne einer der gro\u00dfen Erfolge des europ\u00e4ischen Aufbaus ist und auch heute noch zu den zentralen Anliegen europ\u00e4ischer Politik geh\u00f6rt. Der europ\u00e4ische Agrarsektor zeichne sich durch Dynamismus und ein gro\u00dfes Potential aus und die GAP bleibe ein Trumpf f\u00fcr die Union. Mehr denn je brauche Europa eine modernisierte GAP, die stark, wettbewerbsf\u00e4hig, innovativ und gr\u00fcn sei, um den Erwartungen der B\u00fcrger in bezug auf die Nahrungsmittelversorgung zu entsprechen, der internationalen Konkurrenz zu begegnen und einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel sowie zum nachhaltigen Umgang mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen zu erbringen. Die reformierte GAP m\u00fcsse, so der Kommissionspr\u00e4sident, eine vorrangige Rolle zum Erreichen der Ziele der EU-Strategie 2020 f\u00fcr ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum spielen, damit Europa noch st\u00e4rker und vereinter aus der derzeitigen Krise herausgehe. Dar\u00fcber hinaus soll die GAP eine bedeutende Rolle in bezug auf Wachstum und Besch\u00e4ftigung spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit ihrer Gr\u00fcndung wurde die Gemeinsame Agrarpolitik mehrfach grundlegend reformiert, wobei insbesondere mit der Reform von 2003 ein g\u00e4nzlicher Paradigmenwechsel vollzogen wurde, dies zuletzt auch unter dem Einflu\u00df der internationalen Handelsgespr\u00e4che. Markt- und Produktionsst\u00fctzungsma\u00dfnahmen wurden weitgehend durch die Direktzahlungen ersetzt, dies einhergehend mit strengen Auflagen insbesondere im Bereich Umweltund Naturschutz, Produktqualit\u00e4t und Tierschutz. Der gemeinsamen Agrarpolitik wurde ganz klar ein gr\u00fcner Mantel verpa\u00dft, w\u00e4hrend von den Landwirten im Laufe der Jahre, parallel zu immer mehr B\u00fcrokratieaufwand, ein besonderes Anpassungsverm\u00f6gen an st\u00e4ndig neue Rahmenbedingungen abverlangt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute zeichnet sich die europ\u00e4ische Landwirtschaft durch die weltweit h\u00f6chsten Standards in bezug auf Umwelt- und Tierschutz sowie inbezug auf Qualit\u00e4t und Produktsicherheit aus. Und dennoch bleibt sie ungemindert in der Kritik: F\u00fcr die einen kostet sie zuviel, f\u00fcr andere ist sie nicht gr\u00fcn genug&#8230; Die tats\u00e4chlich von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen, die von ihr erbrachten Wohlstandsgewinne, von denen ein jeder B\u00fcrger der Union profitiert, kommen dabei leider zu kurz bzw. werden zerredet, woran die Kommission selbst nicht ganz unschuldig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Landwirtschaft und der Gemeinsamen Agrarpolitik werden heute st\u00e4ndig neue, zus\u00e4tzliche Aufgaben zugewiesen und nicht umsonst wird auch aus wissenschaftlicher Sicht vor einer \u00dcberbelastung oder \u00dcberforderung gewarnt, dies umso mehr als dabei tiefgreifende Zielkonflikte immer deutlicher werden. Selbst in Barrosos vorerw\u00e4hnten Ausf\u00fchrungen werden diese Zielkonflikte sichtbar: Die Gemeinsame Agrarpolitik soll gr\u00fcner, jedoch auch wettbewerbsf\u00e4higer werden, um im Konkurrenzkampf mit den internationalen Handelspartnern mithalten zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll sie s\u00e4mtliche zus\u00e4tzlich an sie gestellten Aufgaben mit noch weniger Finanzmitteln bew\u00e4ltigen. All diejenigen, die in diese Richtung pl\u00e4dieren, m\u00fcssen sich bewu\u00dft sein, da\u00df immer mehr Umweltauflagen und Restriktionen mit wesentlichen Mehrkosten einhergehen und damit die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Landwirtschaft glattweg unterlaufen. Sie m\u00fcssen sich auch bewu\u00dft sein, da\u00df das geplante zus\u00e4tzliche Begr\u00fcnen, u.a. mit einer 7%igen \u00f6kologischen Fl\u00e4chenstilllegung, automatisch zu Einkommensverlusten f\u00fchrt, sei es weil diese Fl\u00e4chen der Bewirtschaftung entzogen werden, sei es weil die bislang gew\u00e4hrten Umweltzahlungen den Landwirten damit entzogen werden. Boden ist ein knapper, aber unersetzlicher Faktor in der Landwirtschaft: Jedweder Entzug von landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4chen l\u00e4uft auch der Ern\u00e4hrungssicherung diametral entgegen, ebenso wie der Sicherung eines angemessenen landwirtschaftlichen Einkommens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gemeinsame Agrarpolitik hat sicherlich in den letzten 50 Jahren Gro\u00dfes im Interesse der Wirtschaft und der Gesellschaft geleistet \u2013 Lebensmittel gibt es heute in H\u00fclle und F\u00fclle; Umweltschutz, Landschaftspflege und Artenschutz haben seit langem ihren Einzug in die landwirtschaftliche Praxis gefunden; Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssektor geh\u00f6ren heute mit \u00fcber 40 Millionen Besch\u00e4ftigten zu den gr\u00f6\u00dften Arbeitgebern in der Union und rangieren vor der Automobil- oder Luftfahrtindustrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umsomehr gilt es \u2013 angesichts der sich stellenden, bereits oftmals thematisierten Herausforderungen \u2013 die Weichen in die richtige Richtung zu stellen, dabei auch ein besonderes Augenmerk auf die immer noch schwierige Einkommenslage in der Landwirtschaft zu richten. Diesen Anforderungen werden die Reformvorschl\u00e4ge der Kommission allerdings nicht gerecht und es gen\u00fcgt dabei sicherlich auch nicht, sich den ungehemmten, allerdings realit\u00e4tsfremden und auch in vieler Hinsicht abtr\u00e4glichen W\u00fcnschen der gr\u00fcnen Lobby zu beugen. Vielmehr sind die politisch Verantwortlichen gefordert, die notwendigen Korrekturen durchzusetzen, damit das angestrebte gr\u00fcne Wachstum tats\u00e4chlich erreicht werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Festakt im Rahmen des Agrarrates vom23. Januar wurde eine EU-weite Kampagne zu \u201e50 Jahren GAP\u201c gestartet. Es bleibt zu w\u00fcnschen, da\u00df mit dieser Kampagne dem B\u00fcrger die GAP tats\u00e4chlich n\u00e4hergebracht werden kann, da\u00df damit auch viele Falschinformationenwiderlegt undVorurteile abgebaut werden k\u00f6nnen bzw. dem B\u00fcrger klar bewu\u00dft wird, da\u00df Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Tierschutz, Artenschutz heute bereits nicht nur zur GAP, sondern auch zur g\u00e4ngigen tagt\u00e4glichen Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben geh\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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