{"id":1714,"date":"2013-05-31T13:50:43","date_gmt":"2013-05-31T11:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1714"},"modified":"2013-08-30T15:19:32","modified_gmt":"2013-08-30T13:19:32","slug":"wassererosion-ein-zunehmendes-problem-auch-in-luxemburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1714","title":{"rendered":"Wassererosion \u2013 ein zunehmendes Problem auch in Luxemburg"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"line-height: 1.4em;\">ASTA verf\u00fcgt inzwischen \u00fcber eine Erosionsrisikokarte<\/span><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wassererosion, das hei\u00dft der Verlust von Boden infolge von starken Niederschl\u00e4gen, gab es schon immer. Aber mit dem Klimawandel nimmt das Problem zu, weil Starkniederschl\u00e4ge (mehr als 10 mm pro Stunde) h\u00e4ufiger werden und keineswegs mehr auf den Hochsommer beschr\u00e4nkt bleiben. Es handelt sich bei den Verlusten immer um guten Oberboden, in dem die wertvolle organische Substanz und N\u00e4hrstoffe konzentriert sind. F\u00fcr die Landwirtschaft ist dies bedenklich, weil mit dem Boden ein St\u00fcck \u201ebetriebliches Kapital\u201c verlorengeht. Dies k\u00f6nnen im Extremfall mehr als 30 Tonnen pro Hektar und Jahr sein, was einen j\u00e4hrlichen Verlust von zwei Millimeter Boden \u00fcbersteigt. Wenn man bedenkt, da\u00df es (je nach Ausgangsgestein) rund 20 bis 80 Jahre dauert, um 2 mm Boden neu zu bilden, wird die Dimension eines solchen Verlusts klar. Deshalb ist es wichtig, da\u00df mit Hilfe der Beratung neue Wege beschritten werden, um die Wassererosion wenigstens auf ein duldbares Ma\u00df zu reduzieren. Hierf\u00fcr bedarf es einer belastbaren Datengrundlage, denn nicht \u00fcberall ist das Erosionsrisiko gleich hoch. Es gibt vielmehr \u2013 je nach Bodentyp und Humusgehalt \u2013 riesige Unterschiede in der Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Wassererosion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ASTA, genauer gesagt die bodenkundliche Abteilung am ASTA-Laboratorium in Ettelbr\u00fcck, hat sich in den vergangenen Jahren dieses sehr komplexen Themas angenommen und von der Universit\u00e4t Gembloux Karten erstellen lassen, die nun als wertvolle Datenbasis der Verwaltung zur Verf\u00fcgung stehen und der Beratung zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen. Bereits im Winter gab es eine erste Weiterbildungsma\u00dfnahme, um den landwirtschaftlichen Beratern die Nutzungsm\u00f6glichkeiten der detaillierten Karten nahezubringen. Und die Karten haben einen gewissen Erkl\u00e4rungsbedarf, weil der Laie erst einmal verstehen mu\u00df, was aus den Karten herausgelesen kann und was nicht. Zwecks sinnvoller Interpretation ist es mitunter erforderlich, mehrere Karten parallel zu \u201elesen\u201c. Und wichtig ist auch zu wissen, da\u00df die als \u201eCartes finales\u201c angegebenen Karten zum Erosionsrisiko sich nur auf das Risiko der Fl\u00e4chenerosion beziehen, das Risiko der Rinnen- bzw. Grabenerosion aber au\u00dfer Acht lassen. Dies mu\u00df separaten Karten entnommen werden, die auf Ebene kleinerer Fl\u00e4cheneinheiten von wenigen Quadratkilometern das zus\u00e4tzliche Erosionsrisiko durch Abflie\u00dfen und Zusammenlaufen des Oberfl\u00e4chenwassers im Gel\u00e4nde aufgrund der topographischen Gegebenheiten simulieren (risque de ruissellement concentr\u00e9). Wenn diese Rinnen bei einem Starkregenereignis mitten auf der Ackerparzelle entstehen, dann geht dort extrem viel Boden verloren. Die Karte wurde von der Verwaltung ein erstes Mal praktisch im Flurbereinigungsprojekt Clervaux eingesetzt, um bei der Neudefinierung der Parzellen erosionsverhindernde Gr\u00fcnstreifen und Hecken an den sensiblen Stellen einzuplanen.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Unmengen an Daten verarbeitet<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zun\u00e4chst einmal einige Bemerkungen zur Datenbasis. Am wichtigsten zur Absch\u00e4tzung des Erosionsrisikos sind die Daten zur Topographie (Steigung in Prozent, kombiniert mit der Hangl\u00e4nge) sowie zur Bodentextur. Letztere stellt die Zusammensetzung der im Boden vorhandenen K\u00f6rnungen (Sand, Schluff, Ton) dar. Die K\u00f6rnung Schluff ist von der Feinheit mit Mehl zu vergleichen. Sand- und schluffreiche B\u00f6den sind besonders gef\u00e4hrdet, w\u00e4hrend tonreiche, schwere B\u00f6den als wenig anf\u00e4llig gelten. Kaum gef\u00e4hrdet sind sehr schwere B\u00f6den in ebener Lage, die allerdings auch nicht ackerf\u00e4hig sind, weil sie nur w\u00e4hrend einer sehr kurzen Zeitspanne bearbeitet werden k\u00f6nnen und nach Regenperioden nur sehr langsam abtrocknen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere relevante Daten zum Boden sind insbesondere der Humusgehalt und die Infiltrationsrate, also die Niederschlagsmenge, die pro Zeiteinheit in den Boden eindringen kann. Ein weiterer Parameter ist die Tiefgr\u00fcndigkeit der B\u00f6den.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich ist noch die Steinigkeit zu nennen, denn die Steine auf der Bodenoberfl\u00e4che nehmen den Regentropfen ihre erosive Kraft. Analog gilt dies f\u00fcr den Mulchanteil an der Oberfl\u00e4che nach einer Mulchsaat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es mu\u00df recht gro\u00dftropfiger Regen fallen, der gen\u00fcgend kinetische Energie mitbringt, um Bodenteilchen abl\u00f6sen und mitrei\u00dfen zu k\u00f6nnen. Die belgischen Experten haben herausgefunden, da\u00df dies in zwei Drittel der F\u00e4lle in der zweiten Jahresh\u00e4lfte zu erwarten ist. Dies hei\u00dft aber nicht, da\u00df f\u00fcr Mais\u00e4cker, die nach der Saat besonders stark gef\u00e4hrdet sind, das Risiko f\u00fcr Wassererosion gering ist. Gerade im Maisanbau geht man das gr\u00f6\u00dfte Risiko ein, Boden durch Erosion zu verlieren, wie am 7. Mai wieder so mancher Maiserzeuger leidvoll erfahren mu\u00dfte. Stark gef\u00e4hrdet ist auch der Raps in der Zeit nach der Aussaat.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Faktoren, die in die Modellierung einflie\u00dfen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Modellierung wird die weltweit genutzte <i>Revised Universal Soil Loss Equation<\/i> (RUSLE) der amerikanischen Forscher Wishmeier &amp; Smith (1978) benutzt. Jedem Boden wurde ein bestimmter Wert f\u00fcr die Erosionsanf\u00e4lligkeit zugeordnet (facteur K), der sich aus der Bodentextur, dem Humusgehalt, wichtigen Eigenschaften zum Wasserhaushalt (Infiltration, Tiefgr\u00fcndigkeit) und den hydrologischen Daten ergibt. Zum anderen wurde der Einflu\u00df der Bodenbedeckung (facteur C) modelliert, wobei dem Ackerland die Fruchtfolge von 2010-2012 zugrundegelegt wurde. Wie nicht anders zu erwarten, hat die Bodenbedeckung einen starken Einflu\u00df auf die tats\u00e4chliche Erosionsgefahr. Zusammen mit der Erosivit\u00e4t des Regens (facteur R) und dem Einflu\u00df der Topographie (facteur LS) ergeben sich realistische Werte f\u00fcr den potentiellen Bodenverlust auf der Fl\u00e4che. Kommen zus\u00e4tzlich erosionsmindernde Ma\u00dfnahmen (facteur P) ins Spiel, so wird der potentielle Verlust von Ackerfl\u00e4chen recht deutlich reduziert.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Informationen aus der Erosionskarte<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eigentliche Erosionskarte stellt die landesweit modellierte Fl\u00e4chenerosion in einer Pixelgr\u00f6\u00dfe von 5 m x 5 m in Tonnen\/ha Boden dar. Dabei geht sie von der eigentlichen Fl\u00e4chennutzung wie Wald, Dauergr\u00fcnland oder Ackerland aus. Im Ackerland sind die reellen Kulturen aus den Jahren 2010, 2011 und 2012 ber\u00fccksichtigt. \u00dcberlagert man diese Daten mit den FLIK-Parzellen, kann man pro Parzelle ein scharfes Bild der Erosionsanf\u00e4lligkeit einer Parzelle aufgrund der 3j\u00e4hrigen Fruchtfolge herauslesen. Nicht ber\u00fccksichtigt werden konnten ausbremsende Elemente wie Hecken, Wege usw. In der eigentlichen Erosionskarte wurden auch keine erosionsmindernden Ma\u00dfnahmen eingebaut. Man geht im Ackerbau also vom Pflug aus. Jedoch kann man anhand einer zweiten Karte den Einflu\u00df einer Mulchsaat in einer typischen maisbetonten Fruchtfolge (Mais-WW-WG) auf der gleichen Parzelle ablesen. Auch ist die Karte nicht interaktiv im eigentlichen Sinne des Wortes, so da\u00df man auf einem ehemaligen Dauergr\u00fcnlandstandort durch Umwandlung in Ackerland die Erosionsanf\u00e4lligkeit des Ackers ablesen k\u00f6nnte. Hierf\u00fcr mu\u00df man auf eine dritte oder vierte Karte wechseln, je nachdem welche Fruchtfolge man vorsieht (Mais-WW-WG oder Raps-WW-WG). Umgekehrt kann man auf einer f\u00fcnften Karte die positive Auswirkung der Umwandlung von Ackerland in Dauergr\u00fcnland sichtbar machen. \u00dcberlagert werden kann die Karte noch mit den Hauptachsen des Oberfl\u00e4chenabflusses, die aus landesplanerischer Sicht interessant sind, um potentiellen Schlammlawinen aus dem Wege zu gehen oder auch k\u00fcnstliche Barrieren f\u00fcr den Bodenabgang am Rande der Parzellen einzuplanen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ASTA verf\u00fcgt inzwischen \u00fcber eine Erosionsrisikokarte Wassererosion, das hei\u00dft der Verlust von Boden infolge von starken Niederschl\u00e4gen, gab es schon immer. Aber mit dem Klimawandel nimmt das Problem zu, weil Starkniederschl\u00e4ge (mehr als 10 mm pro Stunde) h\u00e4ufiger werden und keineswegs mehr auf den Hochsommer beschr\u00e4nkt bleiben. Es handelt sich bei den Verlusten immer um guten Oberboden, in dem die wertvolle organische Substanz und N\u00e4hrstoffe konzentriert sind. F\u00fcr die Landwirtschaft ist dies bedenklich, weil mit dem Boden ein St\u00fcck \u201ebetriebliches Kapital\u201c verlorengeht. 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