{"id":1666,"date":"2013-05-03T10:47:49","date_gmt":"2013-05-03T08:47:49","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1666"},"modified":"2013-08-30T15:30:05","modified_gmt":"2013-08-30T13:30:05","slug":"praxistaugliche-und-zukunftsorientierte-agrarpolitik-ist-unverzichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1666","title":{"rendered":"Praxistaugliche und zukunftsorientierte Agrarpolitik ist unverzichtbar"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><i style=\"line-height: 1.4em;\">Im Rahmen der Internationalen Tagung in St. Vith vom 22. <\/i><i style=\"line-height: 1.4em;\">April verabschiedeten die Bauernverb\u00e4nde aus den drei L\u00e4ndern \u2013 der <\/i><i style=\"line-height: 1.4em;\">Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., der Belgische Bauernbund und die Bauernzentrale ein gemeinsames Positionspapier mit ihren Forderungen an die politisch Verantwortlichen zur anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, dies mit der Sorge und dem Anliegen, auch in weniger beg\u00fcnstigten Regionen eine produktive, zukunftorientierte und zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft zu erhalten. Nachstehend der Text des Positionspapiers, mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen, den Anliegen und Forderungen der Landwirtschaft das n\u00f6tige Geh\u00f6r zukommen zu lassen und mitzuhelfen, deren Interessen voranzubringen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<strong>Positionspapier der drei Bauernverb\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach den Beschl\u00fcssen der Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten zur mittelfristigen Finanzplanung 2014 bis 2020 und nach den jeweiligen politischen Positionierungen des EU-Agrarrates sowie des EU-Parlamentes zu den Vorschl\u00e4gen der EU-Kommission zur Reform der gemeinsamen Agrarpolitik stehen in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten die sogenannten Dreier-Verhandlungen (Trilog) von Rat, Parlament und Kommission an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Verhandlungen wird es darum gehen, \u201epolitische tragbare Kompromisse\u201c zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, der Belgische Bauernbund und die Centrale Paysanne Luxembourgeoise fordern eine ma\u00dfgeschneiderte GAP, die den Eigenheiten aller europ\u00e4ischen Regionen Rechnung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei sind einerseits eine hinreichende Planungssicherheit und andererseits eine ausreichende Flexibilit\u00e4t f\u00fcr eine zukunftsorientierte Entwicklung der landwirtschaftlichen Unternehmen in Eifel, Ardennen und Luxemburg unverzichtbar. Das geplante Greening wird von den Bauernverb\u00e4nden nach wie vor grunds\u00e4tzlich abgelehnt, weil die Bauern bereits jetzt freiwillig im Bereich der 2. S\u00e4ule und obligatorisch im Bereich der 1. S\u00e4ule Vorleistungen zum Wohle von Tier und Umwelt erbringen. Durch unproduktives Greening k\u00f6nnen die vorhandenen Produktionspotentiale nicht voll genutzt werden, was im Hinblick auf den weltweit zunehmenden Bedarf an Nahrungsmitteln unverantwortlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Sicht der Bauernverb\u00e4nde Bauern- und Winzerverband Rheinland Nassau, Belgischer Bauernbund und Centrale Paysanne Luxembourgeoise besteht dringender Ver\u00e4nderungsbedarf in folgenden Punkten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Die Direktzahlungen im Rahmen der 1. S\u00e4ule leisten einen wichtigen Beitrag zur Einkommensstabilit\u00e4t in den b\u00e4uerlichen Betrieben. Ohne diese Zahlungen sind die Betriebe nicht existenzf\u00e4hig. Politische Flexibilit\u00e4t entsprechend der regionalen oder nationalen Besonderheiten mu\u00df m\u00f6glich bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Das Greening \/ die Vergr\u00fcnung sind insgesamt weiter zu flexibilisieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Absenkung des Prozentsatzes der \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch erweiterte Anrechnung von Landschaftselementen, Feldstreifen oder Hecken, Waldr\u00e4ndern und Bl\u00fchstreifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Freistellung nicht nur \u00f6kologisch wirtschaftender Betriebe sondern auch von Betrieben mit \u00fcberdurchschnittlichem Gr\u00fcnlandanteil (mehr als 50%),<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Anrechnung von freiwilligen Agrarumweltma\u00dfnahmen ohne Pr\u00e4mienk\u00fcrzung im Rahmen der 2. S\u00e4ule,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Anrechnung von z.B. Leguminosen und Zwischenfr\u00fcchten sowie von umweltfreundlichen Pflanzen wie Flachs, Hanf, Miscanthus usw.,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Befreiung der Dauerkulturen (z.B. Wein, Obstanbau) von der Verpflichtung zu \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch Losl\u00f6sung der Greening-\/ Vergr\u00fcnungs-Komponente von der Basispr\u00e4mie (auch bei Sanktionen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Eine verpflichtende \u00dcbertragung von Mitteln aus der 1. S\u00e4ule in die 2. S\u00e4ule wird abgelehnt. Nicht verwendete Gelder z.B. durch zu starre Greening- bzw. Vergr\u00fcnungsauflagen oder durch R\u00fcckgang von Fl\u00e4chen mit Zahlungsanspr\u00fcchen m\u00fcssen innerhalb der 2. S\u00e4ule zur Verf\u00fcgung stehen und dort f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zu Gunsten der landwirtschaftlichen Betriebe genutzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Ein funktionsf\u00e4higes, europ\u00e4isches Sicherheitsnetz mu\u00df angesichts der starken Preisspr\u00fcnge am Markt (Volatilit\u00e4ten) im Interesse von Erzeugern und Verbrauchern erhalten bleiben. Die staatliche Intervention soll jederzeit m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erzeugern sollte bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignissen wirksame Hilfestellung gegeben und im Rahmen eines ausreichend ausgestatteten Krisenfonds Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt werden. Diese Krisenhilfe mu\u00df auch bei Marktverwerfungen greifen, die durch einen Verlust von Verbrauchervertrauen verursacht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Die bisherige Aufteilung der ELER-Mittel auf die Mitgliedstaaten mu\u00df beibehalten werden. Es mu\u00df sichergestellt sein, da\u00df die Mittel aus dem ELER-Fonds vorrangig aktiven Landwirten zugutekommen. Gleichzeitig mu\u00df im Rahmen der 2. S\u00e4ule der F\u00f6rderschwerpunkt im Bereich der Wettbewerbsverbesserungen liegen, wobei der Zugang zu den entsprechenden Beihilfen f\u00fcr alle Betriebe gleicherma\u00dfen gegeben sein mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Die Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete mu\u00df zeitlich verschoben werden und eine Beibehaltung der bestehenden Kriterien erm\u00f6glichen. F\u00fcr notwendige Anpassungen sollte ein ausreichend langer Zeitraum zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Zur Wahrung von Pers\u00f6nlichkeitsrechten mu\u00df auch f\u00fcr Bauern ein umfangreicher Datenschutz gew\u00e4hrleistet sein. Die Ver\u00f6ffentlichung von Namen und Adresse der Zahlungsempf\u00e4nger wird mit Nachdruck abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. Eine tatkr\u00e4ftige und nachhaltige Entb\u00fcrokratisierung ist sowohl f\u00fcr den Agrarsektor wie auch f\u00fcr die staatliche Verwaltung selbst dringend erforderlich. Die Beschl\u00fcsse im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik m\u00fcssen zu einer Erleichterung der b\u00fcrokratischen Belastung f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bauern- und Winzerfamilien in Eifel, Ardennen und Luxemburg erwarten von der Politik \u2013 vom EU-Parlament, dem Agrarrat und der EU-Kommission \u2013 politische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, die eine moderne, unternehmerische, wettbewerbs- und zukunftsf\u00e4hige, nachhaltige, fl\u00e4chendeckende und rentable Landwirtschaft sicherstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b style=\"line-height: 1.4em;\">Die regionale Politik soll mehr auf die Probleme der Landwirtschaft eingehen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karl-Heinz Lambertz, Ministerpr\u00e4sident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, legt den Schwerpunkt seiner Rede auf die regionale Zusammenarbeit in Europa. Ihm zufolge handelt es sich bei dem Dreil\u00e4ndereck Belgien-Deutschland-Luxemburg um eine Region, in der Landschaft und Kultur sich \u00e4hneln. Da die Landwirtschaft es oft nicht einfach hat in der Region, mu\u00df der Berufsstand zusammenhalten. Des weiteren erkl\u00e4rt er, da\u00df die regionale Politik mehr auf die Probleme der Landwirtschaft eingehen soll. Er w\u00fcnscht sich einen Dialog der Notwendigkeit, anstatt ein Durchsetzen von \u00dcberzeugungen und Ideologien. Herr Lambertz hebt auch die wirtschaftliche und kulturelle Rolle der Landwirtschaft f\u00fcr die Region hervor. Die Landwirtschaft mu\u00df in der Region erhalten bleiben, ohne da\u00df sie g\u00e4nzlich von europ\u00e4ischen Beihilfen abh\u00e4ngig ist. So sieht er auch die Notwendigkeit, den Erzeuger in der Wertsch\u00f6pfungskette zu st\u00e4rken. Man m\u00fcsse neue Vermarktungswege in der Region finden, sich zusammenschlie\u00dfen und organisieren. Laut Lambertz m\u00fcssen auch kleine Betriebe eine Existenzgrundlage haben. Es gebe schlie\u00dflich immer weniger Bauern, aber man w\u00fcrde immer mehr von ihnen verlangen. Wenn Naturschutz zu einer Rolle der Landwirtschaft wird und man den Landwirten immer mehr Auflagen zumutet, m\u00fcsse die Landwirtschaft auch an der Ausarbeitung der Naturschutzprojekte beteiligt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Die Herausforderungen f\u00fcr Luxemburg im Kontext der GAP-Reform<\/b><b><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der darauffolgenden Rede von Pierre Treinen, Direktor des SER, werden die Herausforderungen f\u00fcr Luxemburg im Kontext der GAP-Reform dargelegt. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung stellt die interne Angleichung der Direktzahlungen dar, insofern damit f\u00fcr eine Reihe von Betrieben eine K\u00fcrzung der Fl\u00e4chenpr\u00e4mien einhergeht. Ziel mu\u00df die Sicherung der \u00dcberlebensf\u00e4higkeit der Betriebe sein, denen nach der Reform K\u00fcrzungen drohen. In dem Sinn wird in Luxemburg auch bis 2019 keine einheitliche Fl\u00e4chenpr\u00e4mie anvisiert \u2013 laut Pierre Treinen werden auch nach der Reform noch unterschiedliche Direktzahlungen bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Greening, so der Direktor des SER, sei kein gr\u00f6\u00dferes Problem f\u00fcr Luxemburg, da die meisten Betriebe die Bedingungen der \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen jetzt schon erf\u00fcllen. Wenn Betriebe Hecken, B\u00fcsche, Gr\u00fcnland und andere Landschaftselemente an die 5 Prozent Vorrangfl\u00e4chen anrechnen k\u00f6nnen, ist dieser Aspekt des Greenings meistens schon erf\u00fcllt. Die Dienstleistungsstellen des Staates nehmen sich vor, die Umsetzung der GAP in das nationale Agrargesetz einfach zu gestalten, um unn\u00f6tigen Verwaltungsaufwand zu vermeiden. Des weiteren begr\u00fc\u00dft das Landwirtschaftsministerium die Idee einer Ma\u00dfnahme zur Unterst\u00fctzung junger Landwirte. Obwohl diese Hilfe f\u00fcr Junglandwirte dem Text der Kommission zufolge f\u00fcr die Mitgliedstaaten fakultativ ist, wird sie in Luxemburg eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den wichtigsten Mitteln der GAP f\u00fcr Luxemburg sind die Investitionsbeihilfen der 2. S\u00e4ule zu nennen. Herr Treinen unterstreicht den Stellenwert dieser Beihilfen, die von Br\u00fcssel und Luxemburg zusammen finanziert werden. Luxemburg zahlt f\u00fcr jeden Euro aus Br\u00fcssel 3 Euro dazu. Das Engagement des Luxemburger Staates f\u00fcr die Investitionen der Betriebe ist also sehr hoch und sucht seinesgleichen unter den Mitgliedstaaten der EU. Auch die Ausgleichszulage f\u00fcr benachteiligte Gebiete bleibt f\u00fcr Luxemburg ein besonders wichtiges Thema. Zur Neuabgrenzung dieser Gebiete wollte Pierre Treinen den Berufstand beruhigen, indem er unterstrich, da\u00df der Gro\u00dfteil des Landes h\u00f6chstwahrscheinlich benachteiligte Fl\u00e4che bleiben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In bezug auf die Marktma\u00dfnahmen ist Pierre Treinen eher kritisch. Diese sind mit unn\u00f6tigem administrativen Aufwand verbunden und schw\u00e4chen die Konkurrenzf\u00e4higkeit der Milchwirtschaft in Luxemburg. Der Staat, sowie auch Br\u00fcssel, haben jahrelang in die Milchwirtschaft investiert. Marktma\u00dfnahmen in diesem Bereich w\u00fcrden diese Investitionen in Frage stellen und die nationale Milchwirtschaft k\u00f6nnte nicht von ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit profitieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ma\u00dfnahme zur Begrenzung der Auszahlungen auf aktive Landwirte wird vom Landwirtschaftsministerium als notwendig erachtet, jedoch besteht f\u00fcr Luxemburg kein Interesse, da\u00df dies auf einer supranationalen Ebene geregelt wird. Herr Treinen erw\u00e4hnt, da\u00df die Regierung sich auf das Subsidiarit\u00e4tsprinzip beruft und es bevorzugt, dies im nationalen Agrargesetz zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Die GAP-Reform aus Sicht der belgischen Landwirte<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Raymond Geiben, Pr\u00e4sident des Verbandes deutschsprachiger Landwirte Belgiens, obliegt es, die GAP aus s\u00fcdostbelgischer Sicht zu kommentieren. Bevor er auf die heimischen Probleme eingeht, zieht er einen Vergleich mit Luxemburg und der Eifel und findet in beiden Nachbarl\u00e4ndern Vor- und Nachteile f\u00fcr die Landwirtschaft. Ohne Zweifel w\u00fcrden die Luxemburger Landwirte h\u00f6here Investitionsbeihilfen erhalten als die belgischen Berufskollegen, allerdings seien sie auf der anderen Seite mit teureren Fl\u00e4chenpreisen geplagt. In Deutschland k\u00f6nnen die Betriebe zwar auf billigere Arbeitskr\u00e4fte zur\u00fcckgreifen, sind jedoch durch die vielen Biogasanlagen einem Wettbewerb um Futter und Fl\u00e4che ausgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Vorteil f\u00fcr Belgien bewertet Raymond Geiben die etwas h\u00f6heren Fl\u00e4chenpr\u00e4mien, wobei Belgien bislang am historischen Modell festh\u00e4lt. Diese Pr\u00e4mien werden jedoch mit der anstehenden Reform, im Rahmen der externen Konvergenz, eine der h\u00f6chsten K\u00fcrzungen unter den EU-L\u00e4ndern erfahren. Weiterhin bef\u00fcrchtet Raymond Geiben, da\u00df die Pr\u00e4mien zweckentfremdet werden, weil die Rechte auf Pr\u00e4mien beim Verkauf von Fl\u00e4chen mit transferiert werden. So k\u00f6nnten Agrarpr\u00e4mien nach dem Kauf von ehemaligen Agrarfl\u00e4chen an Umweltorganisationen oder an Akteure aus anderen Aktivit\u00e4tsbereichen gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Thema, das von Herrn Geiben hervorgehoben wird, ist die Imagepflege der Landwirtschaft in der Region. Die Landwirtschaft genie\u00dft nicht genug Anerkennung f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit im Umweltschutz und Landschaftsschutz. Deshalb mu\u00df sie Wege finden, um ihre Anstrengungen f\u00fcr den B\u00fcrger sichtbar zu machen bzw. ihm zu zeigen, da\u00df die Landwirtschaft immer gr\u00fcner wird, u.a. wegen der sich vermehrenden Umweltauflagen. Diese haben laut Raymond Geiben leider auch einen negativen Effekt auf die Motivation des Nachwuchses. Im bezug auf die Ausgleichszulagen hofft Raymond Geiben, da\u00df S\u00fcdostbelgien nach der Reform der GAP weiterhin als benachteiligtes Gebiet gelten wird. Das Aberkennen dieses Status w\u00fcrde noch weitere finanzielle Einbu\u00dfen f\u00fcr die Landwirtschaft in der deutschsprachigen Gemeinschaft bedeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit die Milchwirtschaft in S\u00fcdostbelgien weiterhin bestehen kann, m\u00fcssen sich die Landwirte in der Milchwirtschaft b\u00fcndeln, um ihren Einflu\u00df auf die Molkereien zu st\u00e4rken. Weiterhin m\u00fcssen die Bauernverb\u00e4nde Landwirte ausbilden, um die bestehenden Genossenschaften zu leiten. Im Kontext der Milchwirtschaft hat sich Raymond Geiben f\u00fcr eine m\u00f6gliche Intervention im Milchmarkt in Krisenzeiten ausgesprochen. Damit die Landwirte der Region die zuk\u00fcnftigen Verluste kompensieren k\u00f6nnen, m\u00fcsse man vermehrt auf Direktvermarktung und Diversifizierung setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Die GAP-Reform aus Sicht der Luxemburger Landwirte<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marc Fisch, Pr\u00e4sident der Bauernzentrale, nimmt das Fazit seiner Rede vorweg und sieht in Zukunft immer mehr B\u00fcrokratie und Pflichten f\u00fcr die Landwirtschaft, w\u00e4hrend das Einkommen schwindet. So werden \u00f6ffentliche Leistungen durch die Landwirtschaft weniger gut bezahlt und durch weitere Pflichten im Kontext des Greenings erweitert. Gr\u00fcne Politik liegt heutzutage im Trend und die \u00d6kolobby hat mehr Mittel zur Verf\u00fcgung als die traditionellen Landwirtschaftsvertretungen. Dar\u00fcber hinaus wird dazu tendiert, ein verzerrtes Konzept von Nachhaltigkeit zu verbreiten, indem die \u00f6kologische Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit hierarchisch \u00fcbergeordnet wird. Diese Sichtweise kann die Bauernzentrale nicht absegnen, denn es ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, die erst eine \u00f6kologische Nachhaltigkeit erm\u00f6glicht. Diese wirtschaftlichen Aspekte stehen jedoch in Luxemburg auf der Kippe, wenn man bedenkt, da\u00df der Luxemburger Landwirt im Durchschnitt nur 80% des nationalen Referenzeinkommens erwirtschaftet. Dieses Einkommen steht in Verbindung mit rasant steigenden Produktionskosten und stagnierenden bzw. r\u00fcckl\u00e4ufigen Erzeugerpreisen. Die Differenz mu\u00df mit Pr\u00e4mien entsch\u00e4digt werden. Die Betriebe in Luxemburg beziehen im Durchschnitt 38% Prozent ihres Gewinns durch Beihilfen. EU-weit variiert dieser Anteil zwischen 30% und 60%.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritik \u00fcbt Marc Fisch an den bisherigen Kompromissen in Ministerrat und Parlament im Bereich des Greenings. Das Konzept der \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen ist f\u00fcr die Bauernzentrale inakzeptabel. Angesichts der steigenden Nachfrage an Lebensmitteln auf dem Weltmarkt ist es unverantwortlich, einen Teil der Produktion in irgendeiner Weise zu beschr\u00e4nken oder mit weiteren Auflagen zu verbinden. Mit der Einf\u00fchrung von 5 oder 7 Prozent \u00f6kologischer Vorrangfl\u00e4che w\u00fcrde europaweit auf Millionen Hektaren die Produktion stark verringert oder gar ganz zum Stilliegen kommen. Marc Fisch vertritt die Meinung, da\u00df die Produktion maximiert werden und auch in weniger beg\u00fcnstigten Gebiete die Priorit\u00e4t auf der Produktion liegen mu\u00df. Ein weiteres Argument gegen die \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen in Luxemburg ist der Fakt, da\u00df bereits eine sehr umfangreiche Implementierung an Umweltma\u00dfnahmen und Landschaftselementen besteht. Die Bauernzentrale w\u00fcrde es begr\u00fc\u00dfen, da\u00df das Konzept des \u201eGreening by definition\u201c ausgeweitet w\u00fcrde. Demzufolge w\u00fcrden Betriebe mit umfangreichem Gr\u00fcnland, \u00f6kologische Betriebe oder Betriebe, die an Agrarumweltprogrammen teilnehmen, von zus\u00e4tzlichen Greening-Auflagen verschont bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In bezug auf die Konvergenz der Direktzahlungen pl\u00e4diert die Bauernzentrale f\u00fcr ein System, in dem die unterschiedlichen Ausgangspositionen in den EU-L\u00e4ndern ber\u00fccksichtigt werden. W\u00e4hrend Luxemburg keine gr\u00f6\u00dferen Verluste durch die Angleichung der Direktzahlungen an die anderen EU-L\u00e4nder erfahren wird, stellt sich die landesinterne Angleichung der Pr\u00e4mien problematischer dar. Auch wenn es keine Riesenunterschiede zwischen den Auszahlungen an die verschiedenen Betriebe gibt, k\u00f6nnten verschiedene Betriebe zwischen 20 und 25 Prozent ihres Gewinnes verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Problematisch stellen sich auch die Vorschl\u00e4ge zur Erweiterung des Anwendungsbereichs der 2. S\u00e4ule dar. Wenn auch Akteure aus anderen Sektoren als der Landwirtschaft zu Pr\u00e4mien berechtigt sind, besteht das Risiko, da\u00df der Landwirtschaft weniger Geld zur Verf\u00fcgung steht. Die Bauernzentrale fordert deshalb eine vorrangige Behandlung der Landwirtschaft im Rahmen der 2. S\u00e4ule der zuk\u00fcnftigen GAP und dem entsprechenden nationalen Agrargesetz. Wenn Kommission und Landwirtschaftsministerium eine h\u00f6here Selektivit\u00e4t der Investitionsausgaben einf\u00fchren wollen, kann dies nicht auf Kosten der gr\u00f6\u00dferen Betriebe oder der zukunftsorientierten Betriebe geschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner ist die Hilfe f\u00fcr Junglandwirte nicht ausreichend. Eine zus\u00e4tzliche Beihilfe f\u00fcr f\u00fcnf Jahre ist nicht genug, um eine erfolgreiche Installierungspolitik zu gew\u00e4hrleisten. Zur effektiven Unterst\u00fctzung des Einstiegs von jungen Landwirten werden alternative Ma\u00dfnahmen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt spricht Marc Fisch die Zukunft f\u00fcr die Ausgleichszahlung f\u00fcr benachteiligte Gebiete an. Sollten nicht mehr alle landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen als benachteiligt gelten, k\u00f6nnten die Betriebe in den betroffenen Gebieten bis zu einem Drittel ihres Gewinns verlieren. Kumuliert man dies mit den restlichen K\u00fcrzungen, so werden die betroffenen Betriebe sehr ernsthafte Einkommens- bzw. \u00dcberlebensprobleme haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Die GAP-Reform aus Sicht der deutschen Landwirte<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Redner im Rahmen dieser Veranstaltung ist Herr Michael Horper, Pr\u00e4sident des Bauernkreisverbandes Bitburg-Pr\u00fcm. Er stellt eine erfolgreiche Kooperation der Grenzregion und eine Belebung des europ\u00e4ischen Zusammenhaltes in den Mittelpunkt seiner Ausf\u00fchrungen und bewertet dabei die Landwirtschaft als Treiber der europ\u00e4ischen Integration und die Zusammenarbeit in dem Gebiet als Gegenmittel zu Krieg und Armut. Die Positionen der einzelnen Regionen w\u00fcrden sich sehr \u00e4hneln, auch wenn es verschiedene Schwerpunkte gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht umhin kommt auch Michael Horper, um auf das Greening einzugehen. Er zeigt sich erstaunt \u00fcber manche politische Akteure, die anzweifeln, da\u00df Agraringenieure und Meister der Hauswirtschaft am besten \u00fcber den Erhalt der Umwelt Bescheid wissen. Es k\u00f6nne nicht sein, da\u00df man immer mehr Rechtfertigungen brauche trotz niedrigerer Beihilfen. In bezug auf die Vorrangfl\u00e4chen und das Verbot des Gr\u00fcnlandumbruchs ist die Region sich einig. Die regionale Landwirtschaft braucht eine produktionsorientierte Politik, welche die Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf dem Weltmarkt sichert. Michael Horper erwartet von der Politik, da\u00df sie die Situation mit innovativen Ideen entsch\u00e4rft. Es ist nicht gerecht, da\u00df die Landwirtschaft weniger Geld bekommt und mehr Auflagen erf\u00fcllen mu\u00df. Mehr Geh\u00f6r bei der Politik ist erforderlich. Dabei m\u00fcssen auch die Medien ihre Rolle spielen, damit die B\u00fcrger die Position der Landwirtschaft verstehen und deren Bedeutung f\u00fcr die Region erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>Gro\u00dfe Einigkeit in den Forderungen an die Politk und gemeinsames Positionspapier<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen vereinen die gleichen Sorgen um die Zukunft der Landwirtschaft in der Region die drei Bauernverb\u00e4nde aus Belgien, Luxemburg und Rheinland-Nassau. In einem gemeinsamen Positionspapier, welches zum Abschlu\u00df der Tagung pr\u00e4sentiert und angenommen wurde, unterstreichen die drei Organisationen nochmals ihre Forderungen in bezug auf die Gestaltung der k\u00fcnftigen GAP an die politisch Verantwortlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Sankt Vith, 22.4.2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Internationalen Tagung in St. Vith vom 22. April verabschiedeten die Bauernverb\u00e4nde aus den drei L\u00e4ndern \u2013 der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., der Belgische Bauernbund und die Bauernzentrale ein gemeinsames Positionspapier mit ihren Forderungen an die politisch Verantwortlichen zur anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, dies mit der Sorge und dem Anliegen, auch in weniger beg\u00fcnstigten Regionen eine produktive, zukunftorientierte und zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft zu erhalten. Nachstehend der Text des Positionspapiers, mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen, den Anliegen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[6,123],"tags":[232,41],"class_list":["post-1666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eu-agrarpolitik","category-leitartikel","tag-agrarpolitik","tag-gap"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2ls4K-qS","jetpack_likes_enabled":false,"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-22 08:12:27","action":"category-add","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1666"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2646,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666\/revisions\/2646"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}