{"id":1199,"date":"2012-04-27T14:12:47","date_gmt":"2012-04-27T12:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1199"},"modified":"2013-09-02T10:49:11","modified_gmt":"2013-09-02T08:49:11","slug":"blattlause-und-zikaden-als-virusubertrager-im-getreide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1199","title":{"rendered":"Blattl\u00e4use und Zikaden als Virus\u00fcbertr\u00e4ger im Getreide"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort \u201eVirus\u201c stammt aus dem Lateinischen und bedeutet \u201edas Gift\u201c. Daher findet man in Fachpublikationen oft die Bezeichnung \u201edas Virus\u201c. Heute wissen wir, da\u00df Viren keine Gifte sind, sondern unbelebte Krankheitserreger, die in der Regel aus Erbinformation bestehen, die in einer Eiwei\u00dfh\u00fclle verpackt ist. Gerstengelbverzwergungsviren (Barley yellow dwarf virus = BYDV) haben etwa einen Durchmesser von 30 Nanometern und enthalten ca. 25% Erbsubstanz und 75% Eiwei\u00df. Die Erbinformation eines Virus wird bei erfolgreicher Infektion in die Erbinformation der Wirtszelle eingebaut und verhindert so das fehlerfreie Ablesen der Erbinformation der Wirtszelle. Blattl\u00e4use spielen eine wichtige Rolle als \u00dcbertr\u00e4ger (Vektor) von Viruserkrankungen im Getreide. In den letzten Jahren wird von unseren europ\u00e4ischen Nachbarn eine Zunahme der Gerstengelbverzwergungsviren (BYDV) und des Weizenverzwergungsvirus (WDV) gemeldet. Beide Viruserkrankungen sind optisch nicht zu unterscheiden, da sich die Symptome stark \u00e4hneln. Erst eine molekulare Analyse im Labor kann das jeweilige Virus (oder eine Mischinfektionen aus mehreren Viren) nachweisen. Im folgenden sollen diese Erkrankungen vorgestellt und Hinweise zur Vermeidung gegeben werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0Gerstengelbverzwergungsviren<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es handelt sich um einen Komplex von mehreren verschiedenen, nahe verwandten Viren, bzw. Virusst\u00e4mmen. Diese Viren werden <span style=\"text-decoration: underline;\">ausschlie\u00dflich<\/span> \u00fcber Blattl\u00e4use \u00fcbertragen. Als Haupt\u00fcbertr\u00e4ger gelten vor allem die Haferblattlaus (<em>Rhopalosiphum padi<\/em>), die Gro\u00dfe Getreideblattlaus (<em>Sitobion avenae<\/em>) und die Bleiche Getreideblattlaus (<em>Metopolophium avenae<\/em>), dazu k\u00f6nnen noch bis zu 20 weitere Arten die Viren \u00fcbertragen. Unterschiedliche L\u00e4use-Arten \u00fcbertragen auch unterschiedliche Virus-St\u00e4mme des BYDV. Neben der Gerste wird auch Hafer, Weizen, Roggen, Mais sowie Wildgr\u00e4ser der Gattung Poaceae durch BYDV befallen. Auch in Mais und Weidelgras finden sich die Viren, ohne jedoch deutliche Symptome hervorzurufen. Alle Viren verursachen im Getreide eine Verzwergung bzw. K\u00fcmmerwuchs oder eine Behinderung von Spro\u00df- und Wurzelwachstum. Teilweise unterbleibt das Schossen. Hinzu kommt bei der Gerste eine gelbe Verf\u00e4rbung, bei Weizen und Hafer hingegen eine gelbliche bis r\u00f6tliche F\u00e4rbung (Haferr\u00f6te), die erst an der Blattspitze beginnt und sich dann \u00fcber das Blatt ausbreitet. Dies wird durch eine Anh\u00e4ufung von Kohlenhydraten hervorgerufen, die das Phloem verstopfen und somit den Transport der Assimilate verhindern. Die Winterh\u00e4rte infizierter Pflanzen kann reduziert sein. Eine rein visuelle Diagnose ist schwierig, weil andere biotische und abiotische Stre\u00dffaktoren (Stickstoffmangel, Frostsch\u00e4den, Trockenheit) \u00e4hnliche Symptome verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erstinfektion findet im Herbst statt. Den Sommer haben die L\u00e4use in Mais, Gr\u00fcnland, Ausfallgetreide oder Randbewuchs \u00fcberdauert, nachdem sie bereits im Sommergetreide oder auch im Mais Viren aufgenommen haben. Bei Temperaturen zwischen 10-15\u00b0C findet die Zuwanderung der L\u00e4use in Getreidefelder und damit auch eine m\u00f6gliche Erstinfektion der Jungpflanzenbest\u00e4nde statt. Die Viren werden persistent-zirkulativ \u00fcbertragen, was hier kurz erl\u00e4utert werden soll. BYDV liegt tief im Pflanzengewebe vor (hier in den Leitb\u00fcndeln, deswegen ist auch die mechanische \u00dcbertragung nicht m\u00f6glich). Um das Virus aufzunehmen, mu\u00df die Laus die Pflanze anstechen, den Saugr\u00fcssel tief in das Phloem schieben und mehrere Stunden saugen. Nach der Aufnahme ist das Virus aber nicht sofort weiter\u00fcbertragbar, sondern besitzt eine sogenannte Latenzzeit von mehreren Stunden. In dieser Zeit gelangt das Virus vom Verdauungstrakt der Laus \u00fcber die Darmwand in die Speicheldr\u00fcse. Dies bezeichnet man als zirkulativ. Danach kann die Laus das Virus bei einem erneuten Anstich einer Pflanze \u00fcber den Speichel weitergeben. BYDV ist bis zu 80 Tage durch die Laus \u00fcbertragbar. Dies bezeichnet man als persistent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Symptome einer Infektion zeigen sich meist erst im folgenden Fr\u00fchjahr zun\u00e4chst nesterweise, bei starkem Befall oder in einem vorangegangenen warmen Herbst hingegen schnell fl\u00e4chendeckend. Fr\u00fchsaaten werden zuerst befallen und zeigen daher auch schnell erste Symptome der Vergilbung. Verwechselungsm\u00f6glichkeiten gibt es z.B. mit den Symptomen durch Bodenverdichtung und resultierenden N\u00e4hrstoffmangel (verz\u00f6gerte N\u00e4hrstoffaufnahme). W\u00e4hrend bei N\u00e4hrstoffmangel die gelben Bl\u00e4tter schlaff sind und teilweise auf dem Boden liegen, stehen durch Viren vergilbte Bl\u00e4tter aufrecht. Bei einem milden Winter (wie z.B. in 2006\/07) \u00fcberleben die L\u00e4use nicht als Winter-Ei, sondern als lebendgeb\u00e4rende Erwachsene auf den Sommerwirten, was die Infektionsgefahr f\u00fcr das Folgejahr deutlich erh\u00f6ht, da die L\u00e4use dann sofort mit der Produktion von Nachwuchs beginnen k\u00f6nnen. Die Viren k\u00f6nnen sich in den L\u00e4usen nicht vermehren und werden nicht an die Nachkommen weitergegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte hingegen aufgrund eines kalten Herbstes die Infektion erst im folgenden Fr\u00fchjahr erfolgen, dann ist der Zwergwuchs meist weniger stark ausgepr\u00e4gt. Infizierte Pflanzen bilden meist keine oder nur taube \u00c4hren. Deswegen kann man den Ertragsverlust grob von der Befallsh\u00e4ufigkeit ableiten. Wenn also 10% der Pflanzen virusinfiziert sind, dann betr\u00e4gt der Ertragsausfall auch etwa 10%. Grunds\u00e4tzlich kann der Befall durch L\u00e4use und die mit ihnen transportierte Viruslast nur schwer vorausgesagt werden, da eine Vielzahl von Faktoren (Wetter, Fruchtfolge, Kultur der Nachbarfelder, Feldhygiene und auch D\u00fcngung) eine Rolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verluste durch BYDV sind abh\u00e4ngig von der Gerstensorte, vom Infektionszeitpunkt und auch von dem jeweiligen Virusstamm. Erfolgt die Infektion vor dem Sprosswachstum, so k\u00f6nnen die Ertragsverluste bis zu 50% ausmachen (dann wird ein Umbruch empfohlen). Bei Infektionen nach dem Spro\u00dfwachstum betragen sie meist nur 10-15%. Die Verluste sind im Hafer zumeist h\u00f6her als in der Gerste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Bek\u00e4mpfung bedient man sich des Prinzips der Bek\u00e4mpfungsschwelle, um unn\u00f6tige Insektizidapplikationen gegen die L\u00e4use zu vermeiden. Als Bek\u00e4mpfungsrichtwert gilt: 10% befallene Pflanzen bei Fr\u00fchsaaten (Auflaufen vor dem 25. September) und 25% bei Normalsaat (Auflaufen nach dem 25. September), wobei die Pflanzen im 2-3-Blattstadium sein sollten. Das setzt allerdings eine wiederholte Bestandskontrolle (alle 4 Tage) und eine genaue Bestimmung der jeweiligen Blattlausart voraus, da in erster Linie die Haupt\u00fcbertr\u00e4ger (Haferblattlaus, Gro\u00dfe Getreideblattlaus) erfa\u00dft werden m\u00fcssen. Die Verwendung von Insektizidbeizen auf der Basis von Neonikotinoiden ist zwar m\u00f6glich, jedoch aufgrund der vermuteten Bienensch\u00e4dlichkeit eher abzulehnen. Die Wirtschaftlichkeit einer Insektizid-Applikation im Herbst, z.B. mit Pyrethroiden, ist umstritten, da sie nicht immer mit einer Herbizidma\u00dfnahme verbunden werden kann. Es fallen daher neben den reinen Mittelkosten (ca. 12 Euro\/ha, abh\u00e4ngig vom verwendeten Mittel) auch zus\u00e4tzliche \u00dcberfahrkosten (ca. 18 Euro\/ha) an. Die Wirkungsdauer der Pyrethroide im Herbst betr\u00e4gt etwa 5-7 Tage. Unn\u00f6tige Insektizidma\u00dfnahmen m\u00fcssen unbedingt vermieden werden. Sicherheitsspritzungen sind nicht nur teuer, sondern auch \u00f6kologisch h\u00f6chst bedenklich. Hilfe von Seiten der Offizialberatung sollte bei der Entscheidung \u00fcber eine Insektizidma\u00dfnahme in Anspruch genommen werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0Das Weizenverzwergungsvirus<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Virus verursacht eine starke Wuchshemmung (Verzwergung) der Jungpflanzen. Au\u00dferdem zeigen sich streifige Aufhellungen, bzw. Vergilbungen der Pflanzen. Die Wurzeln sind nur schwach entwickelt. Befallene Pflanzen sind oftmals innerhalb einer Drillreihe zu finden. Das Virus wird durch eine Zwergzikade (<em>Psammotettix alienus<\/em>) \u00fcbertragen. Die Zikade infiziert sich mit dem Virus durch Saugen am Xylem an befallenem Ausfallgetreide oder befallenen Wildgr\u00e4sern, wie z.B. Trespe, Weidelgras oder Einj\u00e4hrige Rispe. Die Weitergabe des Virus kann aber erst nach einigen Tagen erfolgen, da der Erreger erst im Insektenk\u00f6rper zirkuliert (sogenannte persistente \u00dcbertragung). Die Zikade wandert in die Weizenbest\u00e4nde ein und kann bereits nach kurzer Saugt\u00e4tigkeit das Virus an die Pflanze abgeben. Erst bei Temperaturen unter 0\u00b0C wird die Aktivit\u00e4t der Zikade gestoppt. Es k\u00f6nnen sowohl erwachsene Zikaden als auch deren Larven das Virus \u00fcbertragen. Damit ist eine \u00dcbertragung des Virus bis in den November hinein m\u00f6glich. Die Zikade kann das Virus nicht nur auf Weizen, sondern auch auf andere Getreidearten (Gerste, Dinkel usw., allerdings nicht Mais) \u00fcbertragen, ohne jedoch erheblich zu sch\u00e4digen. Es kommt hinzu, da\u00df die Zikade sehr mobil ist und daher einen Bestand schnell fl\u00e4chig infizieren kann. Viele Zikaden-Arten sehen sich recht \u00e4hnlich, eine genaue Bestimmung der Zwergzikade <em>Psammotettix<\/em> ist durch den Praktiker also schwierig. Au\u00dferdem springen Zikaden bei leichten Ersch\u00fctterungen schon davon. Deswegen wird das Auftreten der Zikade eher gesch\u00e4tzt als gez\u00e4hlt. Einen konkreten Wert als Bek\u00e4mpfungsrichtwert gibt es aber nicht. Eine chemische Bek\u00e4mpfung der Zikade gilt als schwierig, weil systemische Insektizide kaum Wirkung zeigen.<strong> <\/strong>Auch der Bek\u00e4mpfungserfolg durch Kontaktinsektizide (z.B. Pyrethroide) wird als mittelm\u00e4\u00dfig eingestuft.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0Was kann der Landwirt tun?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Virus- oder blattlausresistente Getreidesorten liegen derzeit noch nicht vor. Offenbar werden aber Getreidesorten mit sehr hell gef\u00e4rbten Bl\u00e4ttern von den L\u00e4use bevorzugt angeflogen, weil sie diese vor einem dunklen Hintergrund (Boden) besser wahrnehmen k\u00f6nnen. Einige Sorten sind zus\u00e4tzlich in der Lage, den physiologischen Stre\u00df einer Virusinfektion besser zu kompensieren, aber die Untersuchungen zu diesem Ph\u00e4nomen sind noch d\u00fcrftig. Da eine direkte Bek\u00e4mpfung der Viren nicht m\u00f6glich ist, m\u00fcssen in erster Linie pflanzenbauliche Ma\u00dfnahmen und die Bek\u00e4mpfung der \u00dcbertr\u00e4ger im Vordergrund stehen. Zur Sicherung Ihres Getreidebestandes vor Virusbefall sollten Sie folgende Punkte beachten.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u00a0Saatzeitpunkt sp\u00e4t w\u00e4hlen: Wintergerste und -roggen nicht vor dem 25. September und Winterweizen und Triticale nicht vor dem 20. Oktober (insbesondere bei windgesch\u00fctzten Lagen).<\/li>\n<li>D\u00fcnnsaaten vermeiden, da sie von den L\u00e4usen besser wahrgenommen werden.<\/li>\n<li>Feldstoppel <span style=\"text-decoration: underline;\">umgehend<\/span> bearbeiten, Ausfallgetreide bek\u00e4mpfen (Feldhygiene, keine gr\u00fcnen Br\u00fccken zulassen).<\/li>\n<li>Am Feldrand Gr\u00e4ser abm\u00e4hen.<\/li>\n<li>Wintergerste m\u00f6glichst nicht in Nachbarschaft zu sp\u00e4treifen Maissorten.<\/li>\n<li>Auf gef\u00e4hrdeten Fl\u00e4chen insektizide Saatgutbeizung entsprechend w\u00e4hlen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>Michael Eickermann, Marco Beyer<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\"><em>Arbeitsgruppe Pflanzenschutz am\u00a0<\/em><em>CRP-Gabriel Lippmann<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort \u201eVirus\u201c stammt aus dem Lateinischen und bedeutet \u201edas Gift\u201c. 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