{"id":1193,"date":"2012-04-27T13:59:39","date_gmt":"2012-04-27T11:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1193"},"modified":"2013-09-02T10:49:22","modified_gmt":"2013-09-02T08:49:22","slug":"sicherheitstechnische-betrachtung-von-biogasanlagen-und-deren-gefahrdungspotential","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1193","title":{"rendered":"Sicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gef\u00e4hrdungspotential"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><strong><em>Studie zu den Risiken der Biogasanlagen<\/em><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Im Rahmen der Generalversammlung der Biogasvereenegong am 3. April pr\u00e4sentierte Herr Philippe Steffen von der ITM die von dieser Beh\u00f6rde in Auftrag gegebene Studie zu den Risiken auf Biogasanlagen in Luxemburg: \u201eSicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gef\u00e4hrdungspotential\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Herr Steffen erl\u00e4uterte, wurde diese anlage\u00fcbergreifende Studie nach mehrfachen Diskussionen einerseits mit den Biogasanlagen-Betreibern, andererseits mit der Feuerwehr in Auftrag gegeben, dies auch verbunden mit der Frage, ob die derzeitigen Bestimmungen der ITM f\u00fcr die Biogasanlagen noch angemessen sind und den tats\u00e4chlichen Risiken ausreichend Rechnung tragen bzw. in welchen Punkten sie einer \u00dcberpr\u00fcfung oder Anpassung bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Risiko- oder Gefahrenbemessung werden die Biogasanlagen in drei Gruppen unterteilt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Typ I (klein): Gasspeicher &lt; 400 m<sup>3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Typ II (mittel): Gasspeicher 400 m<sup>3<\/sup>&lt; 1.200 m<sup>3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Typ III (gro\u00df): Gasspeicher &gt; 1200 m<sup>3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Risikoeinteilung erfolgt auf Basis des gr\u00f6\u00dften Einzelvolumens (meistens Fermenter) einer Anlage und als Berechnungsbasis wurde ein \u00dcberdruck von 50 mbar vorausgesetzt, wobei gewu\u00dft ist, da\u00df in den hiesigen Biogasanlagen allgemein der \u00dcberdruck wesentlich niedriger ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn eine Biogasanlage gut funktioniert und als technisch dicht gilt, stellt sie im regul\u00e4ren Betrieb keine Gefahren betreffend das Gas dar, so die allgemeine Bewertung von Herrn Steffen. Dennoch gilt Gas als die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche von einer Anlage ausgehende Gefahr, insofern Gas brennbar ist, explosionsf\u00e4hig und hochentz\u00fcndlich, jedoch nur bei Kontakt mit Sauerstoff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den anlagenspezifischen Gefahren geh\u00f6ren Korrosion, Leckagen (Folie, Leitungen), Ausfall der Elektrik, Versagen von Sicherheitseinrichtungen, Fehlbedienung, mechanischer Schutz und Brand, wobei Leckagen bei Folien und Leitungen als gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Risiko gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der durchgef\u00fchrten Studie wurden verschiedene Szenarien in Betracht gezogen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 einerseits die pl\u00f6tzliche Freisetzung von Gas etwa durch Folienri\u00df, mechanische Besch\u00e4digung, Blitzeinschlag oder Durchbrennen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 andererseits eine Rohrleitungsleckage, sei es eine Leckage an einem Flansch, sei es ein mechanischer Leitungsabri\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig relevant ist insgesamt die thermische Strahlung, insofern kein langer Brand von Gas ausgeht. Bei Verpuffung\/Explosion wird f\u00fcr einen ganz kurzen Moment (ein paar Sekunden) sehr viel Energie und Hitze freigesetzt, was f\u00fcr einen Menschen, der sich in direkter N\u00e4he befindet, gef\u00e4hrlich ist, jedoch keine Auswirkungen auf die Nachbarschaft hat. Die Druckwelle dahingegen hat einen gr\u00f6\u00dferen Radius.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Auswertung-Gasaustritt: Druckwelle\/Explosion<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der <strong>Explosion eines Gasspeichers<\/strong> von 2.000 m<sup>3<\/sup> mit einem \u00dcberdruck von 50 mbar w\u00fcrden beispielsweise durch die entstandene Druckwelle s\u00e4mtliche Fenster in einem Radius von 94 m zerbrechen \u2013 eine solche Druckwelle w\u00fcrde jedoch keinen Menschenschaden verursachen. Laut ITM-Bestimmungen sollen sich demnach auch in diesem Radius keine Nachbarschaftsgeb\u00e4ude oder \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen befinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Anlagenbetreiber sollen die entsprechenden Informationen zugestellt bekommen, womit dann jeder Betreiber \u00fcber die f\u00fcr ihn geltenden Werte verf\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong><em>Auswertung-Folienbrand: W\u00e4rmestrahlung\/Feuerball<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einem Folienbrand ist der Radius wesentlich kleiner als derjenige der Druckwelle bei Explosion, weil der \u00dcberdruck geringer ist, insofern hierbei das Gasvolumen nie vollst\u00e4ndig freigesetzt wird \u2013 nur etwa ein Drittel des Gases wird freigesetzt. Allerdings kann sich eine gewaltige Stichflamme ergeben, die Schaden verursacht. Die Gefahrenzone bleibt jedoch begrenzt: Je nach Anlagegr\u00f6\u00dfe ergibt sich eine Gefahrenzone von 5 bis 13 Metern. Diese Werte sollen als Schutzabstand zu anderen Geb\u00e4uden ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong><em>Leitungsabri\u00df<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Gefahrenquelle, die als zweith\u00f6chstes Kriterium gilt, ist der Leitungsabri\u00df: Hier gelten als Gefahrenzone f\u00fcr eine Druckwelle je nach Leitungsdurchmesser (50 oder 80 mm) und einem \u00dcberdruck von 50 mbar Abst\u00e4nde von 16 m bzw. 22 m. Demnach ergibt sich hieraus keine Zusatzgefahr, insofern die vorgesehenen Abst\u00e4nde zum Gasspeicher sehr viel gr\u00f6\u00dfer sind. Zudem k\u00f6nnen undichte Leitungen im Freien als nicht gef\u00e4hrlich eingestuft werden, da so wenig Gas freigesetzt wird, da\u00df keine Explosionsgefahr gegeben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gef\u00e4hrlicher kann dahingegen die Jet-Flamme sein: Je nach Leitungsdurchmesser von 50 mm oder 80 mm kann die Flammenl\u00e4nge, bei Windstille, 4 m bzw. 6 m betragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Gefahrenabwehr und Anpassung der Vorschriften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Ma\u00dfnahmen zwecks Gefahrenabwehr geh\u00f6ren die Verwendung der geeigneten Materialien, technische Schutzeinrichtungen, Schutzabst\u00e4nde, Explosionsschutzdokumente, Anfahrschutz bzw. Umz\u00e4unung der Anlagen, sowie eine geeignete r\u00e4umliche Aufteilung, Blitzschutz, Feuerwehreinsatzpl\u00e4ne sowie auch die Wartung und Kontrolle der Anlage durch den Betreiber selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Basis der durchgef\u00fchrten Studie wird eine Anpassung der ITM-Vorschriften f\u00fcr Biogasanlagen vorgenommen. So will die ITM in Zukunft einen verst\u00e4rkten Akzent auf den Blitzschutz legen, da der Blitzeinschlag eine reale, nicht vorhersehbare Gefahrenquelle ist. Diesbez\u00fcglich wird das Heranziehen eines Experten angeraten. Anpassungen der Vorschriften sind ebenfalls in bezug auf eine r\u00e4umliche Trennung von Maschinenraum und Kontrollraum vorgesehen. Da Br\u00e4nde oftmals durch die Elektrizit\u00e4t bedingt sind, ist eine Raumtrennung sinnvoll. F\u00fcr Neuanlagen soll eine Anpassung der Schutzabst\u00e4nde erfolgen. Verpflichtend wird die Aufstellung eines Feuerwehreinsatzplanes: Insofern Explosionsgefahr bei Biogasanlagen besteht, w\u00e4re eine Dokumentation zum Explosionsschutz verpflichtend. Weil solche Prozeduren jedoch sehr aufwendig f\u00fcr die Anlagen w\u00e4ren, werden die Feuerwehreinsatzpl\u00e4ne als gen\u00fcgend betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Altanlagen werden bei Umbau oder Erweiterung an die neuen Vorschriften angepa\u00dft. Falls dies nicht m\u00f6glich ist, kann die Anlage gegebenenfalls nicht dort ausgeweitet werden, wo sie steht und ein neuer Standort f\u00fcr den Fermenter oder den Gasspeicher mu\u00df gefunden werden. In solchen F\u00e4llen sollen die betroffenen Betreiber Kontakt mit der ITM zwecks L\u00f6sungssuche aufnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonderen Wert legt die ITM auf die Erstellung von Feuerwehreinsatzpl\u00e4nen: Alle Anlagen m\u00fcssen \u00fcber einen solchen Plan verf\u00fcgen oder ihn anfertigen lassen. Der Plan mu\u00df in Papierform und in digitaler Form vorliegen und der Feuerwehr zu Verf\u00fcgung gestellt werden. Im Feuerwehreinsatzplan enthalten sein m\u00fcssen alle feuerwehrrelevanten Angaben (wie Absperrventil, Notausgang, Ex-Zonen, Wasserentnahmestellen) sein. Er mu\u00df ebenfalls eine \u00dcbersichtskarte als Luftbild beinhalten, damit die Anlage besser lokalisiert bzw. die N\u00e4he zu anderen Bebauungen eingesch\u00e4tzt werden kann. Darin angegeben sein m\u00fcssen ebenfalls die Anfahrtswege, eventuelle Sammelstellen, weitere Vorsichtsma\u00dfnahmen sowie die Kontaktperson.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierbei bietet die ITM ihre Mitarbeit an, bzw. ist bereit, eine Vermittlerrolle zu \u00fcbernehmen. Geplant ist ebenfalls eine spezifische Schulung der Feuerwehr im Bereich der Biogasanlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt zeigt die Studie, da\u00df von den Biogasanlagen keine gro\u00dfen Gefahren ausgehen bzw. der Gefahren-Radius begrenzt ist. Zudem wird in der Studie jeweils vom \u201eworst case\u201c, d.h. dem schlimmstm\u00f6glichen Fall ausgegangen. Damit liefert die Studie auch wertvolle Informationen hinsichtlich des Abbaus unbegr\u00fcndeter \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen und zurecht wird unterstrichen, da\u00df gut greifbare Informationen dazu dienen k\u00f6nnen, die Akzeptanz der Biogasanlagen in der Bev\u00f6lkerung allgemein zu steigern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie zu den Risiken der Biogasanlagen Im Rahmen der Generalversammlung der Biogasvereenegong am 3. April pr\u00e4sentierte Herr Philippe Steffen von der ITM die von dieser Beh\u00f6rde in Auftrag gegebene Studie zu den Risiken auf Biogasanlagen in Luxemburg: \u201eSicherheitstechnische Betrachtung von Biogasanlagen und deren Gef\u00e4hrdungspotential\u201c. Wie Herr Steffen erl\u00e4uterte, wurde diese anlage\u00fcbergreifende Studie nach mehrfachen Diskussionen einerseits mit den Biogasanlagen-Betreibern, andererseits mit der Feuerwehr in Auftrag gegeben, dies auch verbunden mit der Frage, ob die derzeitigen Bestimmungen der ITM f\u00fcr die Biogasanlagen noch angemessen sind und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[176],"tags":[371],"class_list":["post-1193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biogas","tag-biogas"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2ls4K-jf","jetpack_likes_enabled":false,"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-22 06:21:59","action":"category-add","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1193"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2126,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1193\/revisions\/2126"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}