{"id":1161,"date":"2012-08-17T12:05:02","date_gmt":"2012-08-17T10:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1161"},"modified":"2013-08-30T16:04:22","modified_gmt":"2013-08-30T14:04:22","slug":"generationswechsel-vorbedingung-fur-den-erhalt-einer-lebensfahigen-nahrungsmittelproduktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1161","title":{"rendered":"Generationswechsel: Vorbedingung f\u00fcr den Erhalt einer lebensf\u00e4higen Nahrungsmittelproduktion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung bleibt nach wie vor die vorrangigste Aufgabe der Landwirtschaft. Es ist dies eine Tatsache, die von niemandem, egal welcher politischer Couleur oder ideologischer Gesinnung, in Frage gestellt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es nicht nur des Erhalts des landwirtschaftlichen Produktionspotentials \u2013 u.a, auch der landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4che \u2013 sowie tragbarer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und eines ausreichenden Einkommens; es bedarf vor allem auch ausreichender Menschen \u2013 vor allem junger Menschen, die bereit sind, in der Landwirtschaft zu arbeiten und dort ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Junge Menschen in einen Sektor ziehen, der durch allgemein niedrige Einkommen und zahlreichen Unsicherheiten gekennzeichnet ist, ist denn auch eine Herausforderung, die dringendst angegangen werden mu\u00df, um die Zukunft der Landwirtschaft und die Lebensmittelversorgung in Europa sicherzustellen. So die Schlu\u00dffolgerung der Kommission in einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten, vor allem statistischen \u00dcberblick \u00fcber die Junglandwirte in der Union. Der Generationswechsel wird dabei zurecht als Vorbedingung \u00fcberhaupt f\u00fcr den Erhalt einer lebensf\u00e4higen Nahrungsmittelproduktion und der Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Sektors bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von der Kommission angef\u00fchrten Daten zur Lage der Junglandwirte in der EU stammen leider schon aus dem Jahr 2007 \u2013 wirklich einschneidend d\u00fcrfte sich die Situation in den letzten f\u00fcnf Jahren allerdings kaum ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2007 z\u00e4hlte die Union 13,7 Millionen landwirtschaftliche Betriebe mit einer Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe von 13 ha (22 ha in den alten und 6 ha in den neuen Mitgliedstaaten). Bewirtschaftet wurden rund 172,5 Mio. ha Land; die Zahl der regelm\u00e4\u00dfig Vollzeit- oder Teilzeitbesch\u00e4ftigten lag bei \u00fcber 26 Mio. Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kennzeichnend und zugleich besorgniserregend ist die allgemein sehr geringe Zahl von jungen Betriebsleitern unter 35 Jahren: Sie stellten in 2007 nur 6% der Betriebsleiter in der Union dar \u2013 noch besorgniserregender: Relativ gesehen hat die Zahl der Junglandwirte zwischen 2003 und 2007 stark bis sehr stark abgenommen \u2013 immerhin um mehr als 47% in den alten Mitgliedgliedstaaten, damit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig auch bedeutend st\u00e4rker als die Zahl der \u00e4lteren Betriebsleiter. Somit standen in 2007 jedem Junglandwirt unter 35 Jahren neun Landwirte von \u00fcber 55 Jahren gegen\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Situation ist in den alten Mitgliedstaaten ausgepr\u00e4gter als in den neuen Mitgliedstaaten: In Polen wurden 0,35 Junglandwirte pro \u00e4lteren Landwirt gez\u00e4hlt, in Portugal nur 0,03. In Polen lag denn auch EU-weit der Anteil der Junglandwirte an der Gesamtzahl der Betriebsleiter mit 12,3% am h\u00f6chsten, w\u00e4hrend in Portugal die Landwirte von mehr als 55 Jahren 73,4% aller dortigen Betriebsleiter darstellten. Damit ist Portugal das Land, wo die Veralterung in der Landwirtschaft am st\u00e4rksten ist. Allerdings sind auch in Bulgarien und Rum\u00e4nien, sowie in Teilen von Gro\u00dfbritannien, Italien und Spanien, fast 70% der Betriebsleiter mehr als 55 Jahre alt, gegen\u00fcber 55% im EU-Durchschnitt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohl hat die Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe der von Junglandwirten bewirtschafteten Betriebe zugenommen \u2013 in Jahr 2007 wurden jedoch nur 8,6% der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen von Junglandwirten bewirtschaftet und damit (relativ gesehen) sp\u00fcrbar weniger Fl\u00e4che als in 2003. 37% der Fl\u00e4chen wurden von Landwirten \u00fcber 55 Jahren und 54% von Landwirten zwischen 35 und 54 Jahren bewirtschaftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Vorbehalt darf die allgemein bessere Ausbildung der Junglandwirte als positiv bewertet werden. Allerdings verf\u00fcgten EU-weit bei Erhebung der Daten kaum 15% der Junglandwirte \u00fcber eine landwirtschaftliche Grundausbildung und nur 17% \u00fcber eine komplette landwirtschaftliche Ausbildung \u2013 Zahlen, die dennoch \u00fcberraschen und beunruhigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Positiv hervorgehoben werden ebenfalls im Kommissionspapier die Leistungen, die von den Betrieben mit jungen Betriebsleitern erbracht werden: Die Produktivit\u00e4t in diesen Betrieben und deren wirtschaftliche Effizienz liegen wesentlich h\u00f6her als in den Betrieben mit \u00e4lteren Betriebsleitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren Schlu\u00dffolgerungen h\u00e4lt die Kommission insbesondere die Schwierigkeiten beim Zugang zum Boden sowie die Verz\u00f6gerungen bei der Land\u00fcbergabe durch die \u00e4lteren Landwirte fest, um gleichzeitig zu unterstreichen, da\u00df die Junglandwirte hinsichtlich der Modernisierung ihrer Betriebe und der St\u00e4rkung von deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit eine angemessene Unterst\u00fctzung bei Investitionen ben\u00f6tigen, daneben den Zugang zu Krediten sowie Beratung und Weiterbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn vorgenannte Fakten hinl\u00e4nglich bekannt sind und sich auch ein gewisses politisches Bewu\u00dftsein zu dieser Problematik gebildet hat, ist es dennoch wichtig, immer wieder auf die Notwendigkeit, gen\u00fcgend junge Menschen in der Landwirtschaft zu installieren, hinzuweisen. Dabei stellt sich vor allem auch die Frage, ob die von der Kommission vorgeschlagenen Mittel und Instrumente tats\u00e4chlich ausreichen, um das angestrebte Ziel eines erfolgreichen Generationswechsels \u2013 einhergehend mit, wie vorstehend erw\u00e4hnt, der Modernisierung der Betriebe und deren wirtschaftlichen St\u00e4rkung \u2013 zu erreichen. Die bislang gew\u00e4hrten bzw. nach 2014 geplanten Installierungsbeihilfen sind zweifelsohne wichtig und richtig; positiv ist ebenfalls der Vorschlag der Kommission, den Junglandwirten in den ersten Jahren zus\u00e4tzliche Direktzahlungen zu gew\u00e4hren. Dennoch bleibt der Eindruck, da\u00df diese Ma\u00dfnahmen in mancher Hinsicht eher ein Trostpflaster bleiben. Die Kommission t\u00e4te allemal gut daran, gerade auch bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik \u2013 man denke dabei nur an das Problem der Sofa-Farmer \u2013, ihre Vorschl\u00e4ge allgemein auf deren Pertinenz und Koh\u00e4renz zu \u00fcberpr\u00fcfen, sie t\u00e4te ebenfalls gut daran, die Preis- und Einkommenssituation in der Landwirtschaft verst\u00e4rkt im Auge zu behalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung bleibt nach wie vor die vorrangigste Aufgabe der Landwirtschaft. Es ist dies eine Tatsache, die von niemandem, egal welcher politischer Couleur oder ideologischer Gesinnung, in Frage gestellt wird. 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