{"id":1100,"date":"2012-04-06T11:07:38","date_gmt":"2012-04-06T09:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1100"},"modified":"2013-09-02T10:51:43","modified_gmt":"2013-09-02T08:51:43","slug":"dauerwald-und-natura-2000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1100","title":{"rendered":"Dauerwald und Natura 2000"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><a href=\"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSC0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1101\" title=\"_DSC0001\" alt=\"\" src=\"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSC0001-300x201.jpg\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSC0001-300x201.jpg 300w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSC0001-1024x687.jpg 1024w, https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSC0001-446x300.jpg 446w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vom Waldsymposium von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch in Wiltz<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der naturnah bewirtschaftete Dauerwald und Natura 2000 waren die beiden gro\u00dfen Themen beim sogenannten Waldsymposium von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch, das am 22. M\u00e4rz im \u201ePrabbeli\u201c in Wiltz stattfand. Die mittlerweile zur Tradition gewordene forstliche Fachveranstaltung war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Die Vereinigung der Privatwaldbesitzer hatte zwei hochkar\u00e4tige Redner gewinnen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich Max Freiherr von Rotenhan (Boscor Forst GmbH) und Fran\u00e7ois Kremer (EU-Kommission \u2013 Generaldirektion Umwelt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pr\u00e4sident von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch, Hubert de Schorlemer, hie\u00df die zahlreichen G\u00e4ste willkommen und gab das Wort weiter an Maximilian Freiherr von Rotenhan, Privatwaldbesitzer und zugleich Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer waldbaulichen Unternehmungsgesellschaft namens Boscor GmbH in Issigau im Norden Bayerns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gastreferent aus dem oberfr\u00e4nkischen Issigau hatte seinen Vortrag folgenderma\u00dfen betitelt: \u201eVom Altersklassenwald zum naturnah bewirtschafteten Dauerwald\u201c. Er stellte zun\u00e4chst kurz die Boscor-Gruppe vor, die zum einen Forstbewirtschaftung und -beratung (auf 25.000 ha Fl\u00e4che), zum anderen Holzhandel (180.000 fm) und Verwaltunggsservice anbietet. Das dritte Glied ist der Bereich Forstinvestments mit betriebswirtschaftlicher Beratung sowie 3.100 ha Land- und Forstwirtschaft.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Holzqualit\u00e4t ist das A und O<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freiherr von Rotenhan zeigte dann anhand einer banal aussehenden Formel f\u00fcr den Umsatz auf, was der Bewirtschafter grunds\u00e4tzlich beeinflussen kann, um \u00f6komonomisch zu wirtschaften, also seinen Gewinn zu maximieren, n\u00e4mlich die Holzqualit\u00e4t. \u201eDer gr\u00f6\u00dfte Fehler bei der Bewirtschaftung von Wald ist aus \u00f6konomischer Perspektive die Produktion von minderwertigen Holzsortimenten\u201c, so eine seiner zentralen Aussagen. Im folgenden kam der Forstexperte auf ein Beispiel aus der Praxis zu sprechen, ein 190 ha umfassendes Forstrevier, das lange Zeit im \u201eDornr\u00f6schenschlaf\u201c lag und seit zwei Jahren von Boscor bewirtschaftet wird. Derzeit werden j\u00e4hrlich 1.500 fm eingeschlagen, davon 60% Industrieholz. Der Referent rechnete vor, da\u00df sich hieraus bei Holzpreisen von 20 Euro\/fm f\u00fcr Industrieholz und 60 Euro\/fm f\u00fcr S\u00e4geholz ein Jahresumsatz von 54.000 Euro ergibt. Dem stellte er die Rechnung f\u00fcr einen optimal bewirtschafteten Wald mit einem nur halb so hohen Industrieholzanteil gegen\u00fcber. Hieraus leitete er einen j\u00e4hrlichen Verlust von 18.000 Euro f\u00fcr das besagte Forstrevier ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freiherr von Rotenhan nannte als Ursachen f\u00fcr mangelnde Holzqualit\u00e4t:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Verbi\u00dfsch\u00e4den,<\/li>\n<li>Sch\u00e4lsch\u00e4den,<\/li>\n<li>mangelnde Jungwuchspflege und<\/li>\n<li>Durchforstungsr\u00fcckst\u00e4nde.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu ersteren f\u00fchrte er aus, da\u00df mehrfach verbissene B\u00e4ume nicht die gew\u00fcnschte Qualit\u00e4t bringen. Des weiteren machte er deutlich, da\u00df die Verj\u00fcngung des Waldes oftmals durch Wildverbi\u00df gestoppt wird, bevor sie in Erscheinung tritt. Zudem hob er hervor, da\u00df Wildverbi\u00df selektiv ist: Vom Reh werden zum Beispiel Eiche und Tanne bevorzugt. Diese Faktoren f\u00fchren dann je nach Ausgangslage auf unterschiedliche Art und Weise zu \u00f6konomischen Verlusten: der Verlust von gew\u00fcnschten Baumarten f\u00fchrt zu einem schlechten Portfolio bei den Holzsortimenten, durch starken Verbi\u00df werden Holzsortimente entwertet, gepflanzte B\u00e4ume produzieren im Vergleich zu naturverj\u00fcngten minderwertige Qualit\u00e4ten und schlie\u00dflich kommt es zu einem Produktionszeitverlust von hochwertigen Sortimenten. Hinzu kommen die Kosten durch Aufforstung und Umz\u00e4unung dieser aufgeforsteten Bereiche. Diese kalkulierte er f\u00fcr das besagte Revier von 190 ha auf 11.400-15.200 Euro pro Jahr. Allein dieser Posten verschlingt also schon rund ein Viertel des Umsatzes im suboptimalen Forstbestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch bei den Sch\u00e4lsch\u00e4den zeigte er das hohe Schadpotential auf. Durch die Vermeidung von Sch\u00e4lsch\u00e4den l\u00e4\u00dft sich der Industrieholzanteil demzufolge um 60% reduzieren. Aus der obigen Beispielrechnung ergab dies einen j\u00e4hrlichen Verlust von 14.400 Euro f\u00fcr das 190 ha umfassende Forstrevier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam der Forstexperte auf vermeidbare Fehler zu sprechen, die mangelnden Investitionen und die Durchforstungsr\u00fcckst\u00e4nde. \u201eRegelm\u00e4\u00dfige Durchforstung ist wichtig; nur das ist nachhaltig\u201c, zeigte er sich \u00fcberzeugt. Als optimales Zeitintervall gab er hierzu f\u00fcnf Jahre an. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr solche R\u00fcckst\u00e4nde nannte er das \u201eWarten auf den guten Preis\u201c, die Fokussierung auf andere Gesch\u00e4ftsfelder und die Jagd, die so manchem Waldbesitzer die Zeit f\u00fcr eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Bewirtschaftung stiehlt. Freiherr von Rotenhan zeigte schlechte Beispiele aus dem Laub- und Nadelwald und machte deutlich, da\u00df solche R\u00fcckst\u00e4nde zu einem Zuwachsverlust an wertvollen Sortimenten f\u00fchren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Grunds\u00e4tze einer naturnahen Waldwirtschaft<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im n\u00e4chsten Teil seines Vortrags kam Freiherr von Rotenhan auf die Grunds\u00e4tze zu sprechen, die einen naturnahen Waldbau ausmachen. Er definierte einen naturnahen Waldbestand als eine Mischung standortgerechter Baumarten mit unterschiedlich alten und unterschiedlich gro\u00dfen B\u00e4umen. Bevorzugt werden Waldgesellschaften mit einheimischen Arten, aber auch ausl\u00e4ndische, standortangepa\u00dfte Arten k\u00f6nnen interessant sein. Pflege und Nutzung erfolgen auf Basis des Einzelstamms und nicht fl\u00e4chig. Der Waldbewirtschafter geht schonend mit dem Standortpotential um und es herrschen waldvertr\u00e4gliche Schalenwilddichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob der traditionelle Waldbau immer in Verw\u00fcstung endet, wie der Redner etwas polemisch darstellte, sei dahingestellt. Aber da\u00df ein langfristig naturnah bewirtschafteter Wald ein sch\u00f6neres Landschaftsbild bietet und die nachhaltige Bewirtschaftung f\u00f6rdert, steht au\u00dfer Zweifel. Ebenfalls au\u00dfer Zweifel steht die Bemerkung, da\u00df ein artenreicher Mischbestand auch eine artenreichere Tierwelt beheimatet als ein reiner Fichtenbestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Referent zeigte im Anschlu\u00df auf, was in der Praxis getan werden sollte bei einer Umstellung auf naturnahe Bewirtschaftung. Die Pflege sollte auf Qualit\u00e4t ausgerichtet sein und jene B\u00e4ume f\u00f6rdern, die sichtlich gut wachsen. Sogenannte Werttr\u00e4ger sollten konsequent freigestellt und es sollte hierbei eher zu stark als zu schwach eingegriffen werden. Der (einzelstammweise) Holzeinschlag sollte bei den Werttr\u00e4gern nach Beendigung des Wertzuwachses erfolgen, auf Kahlschl\u00e4ge (auch kleinfl\u00e4chige) g\u00e4nzlich verzichtet werden. Pflege und Holzeinschlag sollten nach dem Grundsatz \u201em\u00e4\u00dfig aber regelm\u00e4\u00dfig\u201c erfolgen. F\u00fcr die Durchforstung, die alle f\u00fcnf Jahre durchgef\u00fchrt werden sollte, kalkulierte der Fachmann Kosten von 500-1000 Euro\/ha. Er betonte die Wichtigkeit von R\u00fcckegassen zur Bodenschonung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollten Neuanpflanzungen n\u00f6tig sein, so sollte man Standortgerechtigkeit anvisieren, auf gute Pflanzware achten, evtl. fremdl\u00e4ndische Geh\u00f6lze als sogenannte <em>Sprinter<\/em> einsetzen, aber die Pflanzung nicht nach dem Holzmarkt ausrichten. Pflanzungen sollten allerdings nur f\u00fcr Beimischungen genutzt werden. Man sollte in Pflege investieren, nicht in Pflanzungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam er auf ein auch in Deutschland leidiges Thema zu sprechen, das der viel zu hohen Wilddichte. \u201eIn Deutschland mu\u00df jeder einzelne Baum gesch\u00fctzt werden. Die J\u00e4ger versagen v\u00f6llig\u201c, konstatierte der Waldbesitzer, der die Bedeutung der Wildregulierung aus eigener Anschauung kennt. Er zeigte hierzu als Beispiel eine Neuanpflanzung, wo jeder Baum eine Wildschutzr\u00f6hre verpa\u00dft bekam. Der Experte wies auf die potentielle M\u00f6glichkeit waldbesitzerfreundlicher Jagdpachtvertr\u00e4ge hin und nannte diesbez\u00fcglich das sog. \u201eRosenheimer Modell\u201c. Zumal in waldbepr\u00e4gten Jagdlosen k\u00f6nnten die Waldbesitzer einen deutlichen Einflu\u00df auf die Jagd aus\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde davor abgeraten, in nicht naturnahe und zudem nicht stabile Forstbest\u00e4nde stark einzugreifen bei der Durchforstung. Freiherr von Rotenhan kalkulierte einen Zeitraum von 50 Jahren, um einen Altersstufenwald in einen stabilen, naturnahen Bestand zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Natura 2000 auf Gemeinschaftsebene<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als n\u00e4chster Redner ging Fran\u00e7ois Kremer von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission in Br\u00fcssel auf das Thema \u201eNatura 2000 mal anders&#8230;\u201c ein. Der f\u00fcr das Referat B3 \u2013 Natur zust\u00e4ndige Kommissionsbeamte nannte zun\u00e4chst die sechs Einzelziele der Biodiversit\u00e4tsstrategie der EU-Kommission f\u00fcr 2020. Dazu z\u00e4hlt auch die vollst\u00e4ndige Umsetzung der FFH- (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzrichtlinie. Zur 1995 verabschiedeten FFH-Richtlinie sagte er, da\u00df man das Ziel, den Artenr\u00fcckgang zu stoppen, nicht erreicht habe. Bis 2020 sollen nun die unter das europ\u00e4ische Naturschutzrecht fallenden Lebensr\u00e4ume einen signifikant besseren Zustand als 2010 aufweisen und ebenfalls beim Artenschutz will man gegen\u00fcber dem jetzigen Zustand einen deutliche Verbesserung erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Natura 2000, das als weltgr\u00f6\u00dftes Netzwerk gesch\u00fctzter Gebiete gilt, fu\u00dft auf den beiden genannten Richtlinien. Es handelt sich um insgesamt 26.000 Gebiete in der Europ\u00e4ischen Union. Die terrestrischen Gebiete machen mit 752.000 qkm 17,5% der EU aus. Die gesch\u00fctzten Meeresgebiete umfassen 204.000 qkm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Br\u00fcsseler Experte stellte heraus, da\u00df die Auswahl der Schutzgebiete auf wissenschaftlichen Kriterien beruht. Basis ist eine Liste von Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse. Die Gebiete sind nun zu \u00fcber 80% ausgewiesen. Den Mitgliedstaaten obliegt es, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die gesteckten Natur- und Artenschutzziele zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luxemburg hat von allem etwas: Vogelschutz- und FFH- sowie gemischte Gebiete, wobei die Waldfl\u00e4chen dominieren. Es sind insgeamt rund 60 Gebiete mit 455 qkm Fl\u00e4che. Fran\u00e7ois Kremer hob diesbez\u00fcglich hervor, da\u00df der Privatwald ein wichtiger Akteur bei Natura 2000 ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Europaweit steht es um den \u00f6kologischen Zustand der W\u00e4lder wohl nicht zum besten. Nur etwas mehr als ein F\u00fcnftel wird von den Experten als g\u00fcnstig eingestuft, mehr als 60% hingegen als unzureichend oder gar schlecht. Bei der Bestandsentwicklung h\u00e4ufiger Waldvogelarten ist in den letzten drei Jahrzehnten hingegen keine Verschlechterung eingetreten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Waldbesitzer und Landwirte sind wichtige Partner im Naturschutz<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Redner, der die Evaluierungsgruppe f\u00fcr Natura 2000 pr\u00e4sidiert, zeigte sich \u00fcberzeugt, da\u00df Basisinformationen und Aufkl\u00e4rung an die Adresse der Fl\u00e4chenbewirtschafter unabdingbar sind. Es gebe viele Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse bzgl. Natura 2000, konstatierte er. Er bezeichnete die Waldbesitzer als Unternehmer im Naturschutz und machte deutlich, da\u00df Waldbesitzer und Landwirte Partner im Naturschutz sind (keine \u201eVerwaltungsobjekte\u201c) und ihr Know-how f\u00fcr das Erreichen der Naturschutzziele unerl\u00e4\u00dflich ist. Auf der anderen Seite betonte Fran\u00e7ois Kremer die Wichtigkeit von Information und Transparenz \u00fcber die konkreten Naturschutzziele. Zudem machte er deutlich, da\u00df Beratung hierbei ein wichtiges Element sein kann und nannte die wallonische Beratungsstelle \u201eNaturawal\u201c als l\u00f6bliches Beispiel. Nur bei einigen besonders seltenen Biotopen sei eine Bewirtschaftung wegen des strengen Schutzes untersagt; die Bewirtschaftung von Natura 2000-Fl\u00e4chen sei hingegen die Regel. Ma\u00dfnahmen sollten prinzipiell in enger Kooperation mit den betroffenen Landwirten und Waldbesitzern ausgearbeitet werden; eine Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis sei hierbei der bevorzugte Ansatz. Er nannte hierzu auch einige Beispiele, wie sich Natura 2000-Regionen in Europa mit ihren Produkten erfolgreich vermarkten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem stellte der Referent heraus, da\u00df bei Natura 2000 das Subsidiarit\u00e4tsprinzip zur Anwendung kommt. Es wird also den Mitgliedstaaten \u00fcberlassen, wie sie konkret vorgehen, um die Naturschutzziele zu erreichen. Der Ansatz sei ergebnis- und nicht ma\u00dfnahmenorientiert. Als wichtigstes Instrument zur Planung und Umsetzung von Erhaltungs- und Entwicklungsma\u00dfnahmen f\u00fcr ein Natura 2000-Gebiet nannte er den integrierten Bewirtschaftungsplan, der vor allem f\u00fcr gro\u00dfe Natura 2000-Gebiete wichtig sei. F\u00fcr Inhalt und Umfang eines solchen Planes gebe es keine konkreten rechtlichen Vorgaben, so der Kommissionsexperte. Eigent\u00fcmer und Bewirtschafter w\u00fcrden intensiv mit einbezogen und die Ma\u00dfnahmen soweit wie m\u00f6glich im Einvernehmen mit allen Beteiligten festgelegt und umgesetzt werden. Ziele, Methoden und Ergebnisse seien transparent und f\u00fcr jedermann nachvollziehbar, so der EU-Experte, der damit den Standpunkt der EU-Kommission klarstellte, wie das Vorgehen auf dem Terrain eigentlich sein sollte. Er erw\u00e4hnte diesbez\u00fcglich eine Studie der EU-Kommission zur Konfliktl\u00f6sung im Naturschutz, die auf der Webseite der Kommission zu finden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Beihilfen anbelangt, sprach Fran\u00e7ois Kremer von einer Bindung an spezifische Erhaltungsziele. Der Privatwald sei ein bevorzugter Partner und eine neue Partnerschaft mit der Forstwirtschaft auf EU-Ebene erw\u00fcnscht. Kurzfristig geplant ist die Entwicklung neuer Leitlinien zum Thema \u201eNatura 2000 und W\u00e4lder\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, inwiefern der Ausschlu\u00df von Fl\u00e4chen aus Natura 2000 m\u00f6glich ist. Fran\u00e7ois Kremer stellte hierzu klar, da\u00df dies nur auf Betreiben des Mitgliedstaates m\u00f6glich ist, wenn dieser nachweisen kann, da\u00df die wissenschaftlichen Annahmen bez\u00fcglich der Schutzw\u00fcrdigkeit des betreffenden Gebiets nichtig sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der EU-Experte zeigte auch die Gefahr auf, da\u00df sich nationale Beh\u00f6rden hinter dem sog. Verschlechterungsverbot verstecken, um jede Ma\u00dfnahme (auch Infrastrukturma\u00dfnahme) auf dem Terrain zu verhindern. Er betonte, da\u00df der Artenschutz z.B. nicht \u00fcbertrieben umgesetzt werden d\u00fcrfe, sondern allgemein angemessen sein solle, um die nationalen Erhaltungsziele \u2013 in diesem Fall die Arterhaltung innerhalb der Landesgrenzen \u2013 zu erreichen. Er pl\u00e4dierte allgemein f\u00fcr einen \u201eNaturschutz mit Augenma\u00df\u201c, der nicht zur Verhinderung von Infrastrukturprojekten ausgelegt werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marco Gaasch, Sekret\u00e4r von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch, befand, da\u00df hierzulande bei Natura 2000 nicht viel von Partnerschaft zu sp\u00fcren sei. In der Gesetzgebung sei nur von Gefahren f\u00fcr die Natur die Rede, aber nie von Chancen f\u00fcr die Bewirtschafter durch Natura 2000. Er forderte, da\u00df die Umweltverwaltung den Bewirtschaftern doch erkl\u00e4ren sollte, warum Einschr\u00e4nkungen gefordert werden, und was konkret erreicht werden soll, um somit auf dem Terrain Akzeptanz f\u00fcr die Naturschutzanliegen zu schaffen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>Leitfaden f\u00fcr Naturschutzfl\u00e4chen in Ausarbeitung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dritter Redner sprach Frank Wolter, der stellvertretende Direktor der Umweltverwaltung, zum Thema \u201eLeitfaden f\u00fcr die Bewirtschaftung der Natura 2000-W\u00e4lder in Luxemburg\u201c. Er zeigte zun\u00e4chst eine Karte mit den Habitat- und Vogelschutzgebieten in Luxemburg, die insgesamt knapp 18% der Landesfl\u00e4che bedecken. Von den 45.260 ha Natura 2000-Fl\u00e4chen sind rund 83% Waldgebiete. Darunter sind vier gro\u00dfe Buchenhabitate, aber auch einige Schlucht- und Auenw\u00e4lder. Letztere gelten als rare Habitate. Der Experte von der Umweltverwaltung sagte, da\u00df die vor 20 Jahren erstellte pflanzensoziologische Karte bis sp\u00e4testens Anfang 2013 aktualisiert werden soll. Auf deren Basis wird es u.U. zu Neubewertungen von Habitaten kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stellte Frank Wolter Grunds\u00e4tze des neuen Leitfaden vor, der sich auf die Bewirtschaftung der unter Art. 17 des Naturschutzgesetzes als sch\u00fctzenswert deklarierten Waldfl\u00e4chen bezieht. Hierunter fallen auch Biotope, die nicht Natura 2000-Fl\u00e4chen sind. Der stellvertretende Direktor erw\u00e4hnte, da\u00df man sich bei der Ausarbeitung an der Wallonie und Baden-W\u00fcrttemberg inspiriert hat. Laut der baden-w\u00fcrttembergischen Liste gilt z.B. eine \u00fcberh\u00f6hte Schalenwilddichte als \u201eerhebliche Beeintr\u00e4chtigung\u201c f\u00fcr die sch\u00fctzenswerte Fl\u00e4che, also als ein Faktum, das aus Sicht des Naturschutzes nicht geduldet werden kann. In der Wallonie gilt ein Kahlschlag auf mehr als einem Hektar als genehmigungspflichtig. W\u00e4hrend man den Akteuren im baden-w\u00fcrttembergischen Leitfaden recht viel Freiraum lasse, seien die Ma\u00dfnahmen in der Wallonie weitaus konkreter gefa\u00dft, so der stellvertretende Direktor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frank Wolter machte abschlie\u00dfend darauf aufmerksam, da\u00df die Ma\u00dfnahmen im neuen Leitfaden noch konkret zu definieren sind. Hierbei will man partizipativ vorgehen. Von Mai bis Juni soll hierzu im Rahmen des nationalen Forstprogramms eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch dreimal zusammenkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der anschlie\u00dfenden Diskussion gab Frank Wolter zu, da\u00df sich die Umweltverwaltung in Sachen konsensuellem Naturschutz unter Beteiligung der Bewirtschafter noch in einem Lernproze\u00df befindet. Man wolle sich beim Leitfaden eher am baden-w\u00fcrttembergischen Konzept inspirieren mit weniger konkreten Vorgaben und den Bewirtschaftern vor Ort mit dem Leitfaden eine Hilfestellung geben, mit welchen Ma\u00dfnahmen die angestrebten Ziele zu erreichen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Landwirtschaftsminister Schneider lobte den Ansatz, in Kooperation mit den Fl\u00e4chenbewirtschaftern Naturschutz betreiben zu wollen. Er sprach des weiteren die Themen Wegebau und Remembrement an. Bei den bisherigen Projekten zur Fl\u00e4chenzusammenlegung habe man die Nachhaltigkeit der Ma\u00dfnahmen beachtet, also auch den sozialen und \u00f6konomischen Aspekten Rechnung getragen. Der Ressortchef zeigte sich \u00fcberzeugt, da\u00df man in Sachen Remembrement im Forstbereich weitere Fortschritte machen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Waldsymposium von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch in Wiltz Der naturnah bewirtschaftete Dauerwald und Natura 2000 waren die beiden gro\u00dfen Themen beim sogenannten Waldsymposium von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch, das am 22. M\u00e4rz im \u201ePrabbeli\u201c in Wiltz stattfand. Die mittlerweile zur Tradition gewordene forstliche Fachveranstaltung war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Die Vereinigung der Privatwaldbesitzer hatte zwei hochkar\u00e4tige Redner gewinnen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich Max Freiherr von Rotenhan (Boscor Forst GmbH) und Fran\u00e7ois Kremer (EU-Kommission \u2013 Generaldirektion Umwelt). Der Pr\u00e4sident von L\u00ebtzebuerger Privatb\u00ebsch, Hubert de Schorlemer, hie\u00df die zahlreichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[148,251,149],"class_list":["post-1100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-letzebuerger-privatbesch","tag-natura-2000","tag-waldsymposium"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2ls4K-hK","jetpack_likes_enabled":false,"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-28 11:55:36","action":"category-add","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1100"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2814,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1100\/revisions\/2814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}