{"id":1095,"date":"2012-03-30T10:56:33","date_gmt":"2012-03-30T08:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/cepal.lu\/WordPress3\/?p=1095"},"modified":"2013-09-02T10:52:49","modified_gmt":"2013-09-02T08:52:49","slug":"honigbienen-sichern-den-rapsertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/centralepaysanne.lu\/WordPress3\/?p=1095","title":{"rendered":"Honigbienen sichern den Rapsertrag"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Etwa 35% aller Pflanzen, die vom Menschen f\u00fcr die Nahrungs- und Saatproduktion genutzt werden, ben\u00f6tigen die Best\u00e4ubung durch Bienen f\u00fcr einen guten Fruchtansatz, z.B. f\u00fcr Mandel, Apfel und Kirsche. Spargel, Mohrr\u00fcben oder Sellerie w\u00fcrde es ohne eine Insektenbest\u00e4ubung \u00fcberhaupt nicht geben. Unter dem Begriff Best\u00e4ubung versteht man die \u00dcbertragung von Pollen (Bl\u00fctenstaub) auf die Narbe des Fruchtblattes. Es gibt eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten, wie der Pollen an sein Ziel gelangt. Ein Erfolgsmodel der Natur ist dabei der Transport von Pollen durch Insekten, z.B. durch die Honigbiene. Um die Biene anzulocken, produziert die Bl\u00fcte zuckers\u00fc\u00dfen Nektar als kleinen Anreiz. Beim Bl\u00fctenbesuch bleibt Pollen an den Haaren der Biene h\u00e4ngen und wird beim Besuch weiterer Bl\u00fcten gleichm\u00e4\u00dfig verteilt. Trotzdem wird aber noch gen\u00fcgend Pollen von der Biene selbst einbehalten und an den Hinterbeinen (Pollenh\u00f6schen) in den Stock gebracht. Honigbienen neigen zur Bl\u00fctenstetigkeit, d.h. es werden immer wieder Bl\u00fcten der gleichen Pflanzenart aufgesucht. Deswegen weist die Pollenladung, die eine Biene in den Stock bringt, einen Reinheitsgrad von etwa 90% auf. Pollen ist von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Bienen, da er ihre einzige Eiwei\u00dfgrundlage darstellt. Er ist durch keinen anderen Stoff zu ersetzen! Etwa 30 kg Pollen sind notwendig f\u00fcr die Versorgung eines Bienenvolkes pro Jahr. Der Wert eines Einzelvolkes f\u00fcr die Best\u00e4ubung in der Agrarkultur wird heute von der EU mit ca. 800 Euro pro Jahr beziffert. Das ist nur ein Richtwert und kann je nach best\u00e4ubter Kulturfrucht schwanken. Mandeln sind nun einmal wertvoller als Zwiebeln. Insbesondere im Raps bringt die Honigbiene als Best\u00e4uber gleich eine ganze Reihe von Vorteilen, die im folgenden beschrieben werden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Raps selbst ist eigentlich ein Windbest\u00e4uber und sein Pollen ist sehr leicht und kann daher gut mit dem Wind auf andere Bl\u00fcten verteilt werden.\u00a0Jeder, der einmal durch ein bl\u00fchendes Rapsfeld gelaufen ist, kann das erkennen. Durch den zus\u00e4tzlichen Einsatz von Bienen kann der Raps jedoch einen deutlich h\u00f6heren Ertrag erzielen. Allerdings wird die Best\u00e4ubungsleistung der Biene im Raps von den Fachleuten sehr unterschiedlich gewertet, da eine Vielzahl von Faktoren die Best\u00e4ubung beeinflussen, z.B. die Rapssorte. Sorten, die grunds\u00e4tzlich sehr wenig Pollen bilden, z.B. Hybridsorten der ersten Generation wie die Sorte COMPLEX, profitieren von der Best\u00e4ubung durch Bienen besonders, weil der Pollen durch die Insekten gezielter von Pflanze zu Pflanze \u00fcbertragen wird als durch den Wind. Durch diesen Sorteneffekt erkl\u00e4ren sich auch sehr unterschiedliche Ergebnisse in der Fachliteratur, wenn der Mehrertrag durch die Bienen gesch\u00e4tzt wird. \u00d6sterreichische Studien gehen von einem Mehrertrag von 10 dt\/ha bei 3 V\u00f6lkern pro Hektar aus. Deutsche und englische Studien hingegen nehmen an, da\u00df zwei Bienenv\u00f6lker pro Hektar Raps etwa einen Mehrertrag von etwa 4 dt\/ha bedeuten k\u00f6nnen. Neben dem positiven Einflu\u00df auf den Gesamtertrag der Rapspflanze steigert die Biene aber auch die Zahl der K\u00f6rner pro Schote. In einer deutschen Studie fanden sich lediglich 15 K\u00f6rner pro Schote bei Windbest\u00e4ubung, bei einer Bienenbest\u00e4ubung jedoch ca. 22 K\u00f6rner. Daneben stieg aber bei Windbest\u00e4ubung das Tausendkorngewicht etwas und die K\u00f6rner wurden gr\u00f6\u00dfer. Leider gibt die Studie keine Informationen zum \u00d6l- oder zum Proteingehalt. Es ist aber bekannt, da\u00df beim Senf (einem nahen Verwandten des Rapses), Insektenbest\u00e4ubung zu einem h\u00f6heren Proteingehalt im Samen f\u00fchrt als Windbest\u00e4ubung. Es m\u00fc\u00dfte also untersucht werden, ob kleinere, proteinreichere K\u00f6rner einen Vorteil gegen\u00fcber einem h\u00f6heren Tausendkorngewicht haben. Beides h\u00e4tte aus Sicht des Anbauers Vor- und Nachteile. Ein weiterer Effekt, der untersch\u00e4tzt wird, ist die gleichm\u00e4\u00dfige Abreife, die durch eine gleichm\u00e4\u00dfige Best\u00e4ubung hervorgerufen wird. Dadurch kann die Mehrzahl der reifen K\u00f6rner zum Erntetermin aus den Schoten gedroschen werden (Druschf\u00e4higkeit), es vermindern sich also die Druschverluste. Eine gleichm\u00e4\u00dfige, fr\u00fche Best\u00e4ubung erlaubt auch eine schnellere Ausbildung der Schotenoberfl\u00e4che, die wie die Bl\u00e4tter die M\u00f6glichkeit der Photosynthese besitzt. W\u00e4hrend der Vollbl\u00fcte sinkt die Photosyntheseleistung im Raps ab, weil die Mehrzahl der Bl\u00e4tter an der Pflanze bereits abgefallen sind. Je schneller sich die Schoten entwickeln, desto schneller kann diese Photosynthesel\u00fccke ausgef\u00fcllt werden. Rein theoretisch h\u00e4tte eine schnelle Bl\u00fcte durch gleichm\u00e4\u00dfige Best\u00e4ubung, und damit verbunden eine schnelle Entwicklung der Schoten, auch einen Effekt auf die Sch\u00e4dlinge. Der Kohlschotenr\u00fc\u00dfler bevorzugt f\u00fcr die Eiablage nur kleine Schoten von etwa 2 cm. Es k\u00f6nnte also sein, da\u00df der Raps dem Sch\u00e4dling \u201edavonw\u00e4chst\u201c. Leider fehlen zu diesem Punkt wissenschaftliche Daten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den Honigbienen sind viele Solit\u00e4rbienen, wie die Mauerbiene (<em>Osmia cornuta<\/em>), gute Best\u00e4uber im Raps. Einige Studien sehen in der Mauerbiene tats\u00e4chlich einen weit besseren Best\u00e4uber als die Honigbiene. Allerdings k\u00f6nnen Solit\u00e4rbienen kaum weiter als 15 m in den Rapsbestand einfliegen. Damit sind sie f\u00fcr gro\u00dfe Schl\u00e4ge nicht als Best\u00e4uber geeignet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorteile einer fl\u00e4chendeckenden Best\u00e4ubung durch die Honigbiene sind also von wirtschaftlicher Bedeutung. Es stellt sich nun die Frage, wieviele Bienenv\u00f6lker f\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Best\u00e4ubung und gute Ertragsentwicklung im Raps notwendig sind. Bei Trachtpflanzen (z.B. Apfel oder Kirsche) geht man von etwa 4 V\u00f6lkern pro Hektar aus. Beim Raps finden sich in der Literatur verschiedene Angaben von 2-6 V\u00f6lkern pro Hektar Raps. In den letzten Jahren mehren sich aber Hinweise auf eine Unterversorgung der Best\u00e4ubung von landwirtschaftlichen Kulturen, auch Best\u00e4ubungsl\u00fccke genannt. Dieses sehr ernste Problem wird bisher von der Agrarwirtschaft nicht gen\u00fcgend wahrgenommen. Am CRP-Gabriel Lippmann wurden bereits 2009 erste Modellrechnungen zur Best\u00e4ubung der Rapskultur in Luxemburg aufgestellt. Es wurde dabei von einer Mindestanzahl f\u00fcr eine ausreichende Best\u00e4ubung von 2 Bienenv\u00f6lkern pro Hektar Raps ausgegangen. Die Ergebnisse waren verbl\u00fcffend: es zeigten sich in 8 von 12 Kantonen deutliche Best\u00e4ubungsl\u00fccken, d.h. dort fehlten Bienenv\u00f6lker f\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Best\u00e4ubung. Besonders auff\u00e4llig war dies in den Kantonen Redange und Capellen. Der so entgangene Mehrertrag entsprach zum damaligen Zeitpunkt etwa 3,8 dt\/ha (etwa 11,4% des landesweiten Durchschnittsertrages). Die Vorhersagen f\u00fcr die Zukunft sind leider nicht g\u00fcnstig: einerseits nimmt die Zahl der Luxemburger Imker stetig ab (2% j\u00e4hrlich), anderseits sinkt dadurch auch die Zahl der Bienenv\u00f6lker im Land (von 2008 zu 2011 ein R\u00fcckgang von ca. 14% auf 4.827 V\u00f6lker). Hinzu kommen die V\u00f6lkerverluste, die sich oftmals zu Beginn eines Fr\u00fchjahrs zeigen und f\u00fcr den Imker hohe finanzielle Kosten bedeuten (ca. 100 Euro pro Volk). Bei den geschilderten Vorteilen der gleichm\u00e4\u00dfigen Best\u00e4ubung ist es verwunderlich, da\u00df die Politik noch kein \u201enationales Programm zur Sicherung der Best\u00e4ubung\u201c oder ein \u201ePr\u00e4miensystem f\u00fcr die Best\u00e4ubung\u201c aufgelegt hat. Das k\u00f6nnte nicht nur die Artenvielfalt f\u00f6rdern, sondern auch die Wertsch\u00f6pfung der Landwirte auf nat\u00fcrliche und nachhaltige Weise verbessern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\"><em>Dr. Michael Eickermann (CRP-Gabriel Lippmann)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\"><em>Antoine Clermont (CRP-Gabriel Lippmann)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\"><em>Roger Damm\u00e9 (Letzebuerger Landesverband fir Beienzuucht)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwa 35% aller Pflanzen, die vom Menschen f\u00fcr die Nahrungs- und Saatproduktion genutzt werden, ben\u00f6tigen die Best\u00e4ubung durch Bienen f\u00fcr einen guten Fruchtansatz, z.B. f\u00fcr Mandel, Apfel und Kirsche. Spargel, Mohrr\u00fcben oder Sellerie w\u00fcrde es ohne eine Insektenbest\u00e4ubung \u00fcberhaupt nicht geben. 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