Limousinzüchter feiern 2012 40jähriges Jubiläum

Generalversammlung und Limousintreff in Colpach-Bas

Die diesjährige Generalversammlung der „Eleveurs Luxembourgeois des Bovins Limousins“ (ELBL) stand im Zeichen des 40jährigen Jubiläums der heimischen Limousinzucht, die 1972 mit der Einführung dieser westfranzösischen Fleischrasse begann. Sehr viele Mitglieder und Gäste hatten sich am 16. März zur Generalversammlung und dem sogenannten „Limousintreff“ auf dem Betrieb Weis frères & Schuh in Niederkolpach eingefunden. Auch zahlreiche Fleischrinderproduzenten anderer Rassen nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Limousinproduktion auf dem Betrieb Weis frères & Schuh werfen zu können. Vorgeschaltet war am Vormittag eine Pressekonferenz zu „Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer“. Die eigentliche Jahresversammlung 2011 zu dieser Labelproduktion fand dann am Nachmittag im Anschluß an die ELBL-Generalversammlung statt.

Hoffnung auf IBR-Bekämpfungsprogramm

ELBL-Präsident Robert Duhr konnte neben den zahlreichen Fleischrinderproduzenten auch ASTA-Direktor Léon Wietor und den Direktor der Veterinärinspektion, Félix Wildschutz, als Gäste begrüßen. „Die Limousinrasse braucht nichts zu befürchten; sie hat als Fleischrasse bei weitem das größte Potential im Land“, befand der Präsident in seiner einleitenden Ansprache. Und dieses Potential ist natürlich auch bezogen auf das wichtigste Label in der Qualitätsrindfleischproduktion, dem Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer. Diesbezüglich hob der ELBL-Präsident hervor: „Wir haben kontinuierlich eine gute Qualität geliefert; dies ist es, was das Label starkmacht.“ Robert Duhr streifte dann die seiner Ansicht nach günstig verlaufende Impfkampagne gegen BVD und das aktuelle Geschehen mit dem Schmallenberg-Virus, bevor er auf ein „Sorgenkind“ der Limousinzüchter zu sprechen kam, die IBR-Bekämpfung: „Wir hoffen, daß endlich ein IBR-Bekämpfungsprogramm anläuft im Land.“

Robert Duhr kam im folgenden auf das Jahr 2011 zu sprechen, das er als „ganz schwieriges Jahr“ für die Mutterkuhbetriebe bezeichnete. Es wuchs zuwenig Futter und im Herbst und Winter kam noch das Problem massiver Wühlmausschäden hinzu. Der Präsident bedankte sich abschließend bei allen, die sich für die heimische Limousinzucht engagieren und rief die Züchter auf, zahlreich am Jubiläums-Wettbewerb im Rahmen der FAE 2012 teilzunehmen.

Zahlreiche Aktivitäten im Jubiläumsjahr

Der aktuelle Stand zum Jubiläumsprogramm sowie die letztjährigen Aktivitäten wurden dann von ELBL-Sekretär Guy Majerus vorgestellt. Zu letzterem sei die Studienfahrt im November nach Thüringen erwähnt, die der Sekretär als lehrreich bezeichnete. Er erwähnte zudem die Erfolge heimischer Züchter bei Schauen in Paris und Metz und merkte hierzu an, daß die heimische Limousinzucht auf dem richtigen Weg sei.

Doch nun zum Jubiläumsprogramm: verschiedene Werbeaktionen sollen stattfinden. Dazu gehören regionale Verkostungsveranstaltungen und Limousins-Diners mit renommierten Gastronomen und Winzern, wobei Léa Linster, La Rameaudière und Pärdsstall bereits zugesagt haben. Des weiteren sind Infostände am Hauptbahnhof in Luxemburg-Stadt und Sonderzüge zur FAE 2012 geplant, welche diesmal im Zeichen des Limousin-Jubiläums stehen wird. In diesem Rahmen sollen auch die luxemburgischen Regierungsmitglieder auf der FAE empfangen werden. Weitere Werbemaßnahmen sind Faltblätter und Werbebanner, für die ASTA, ELBL und CONVIS zuständig sein werden, sowie ein Jubiläumslogo. Zur FAE soll zudem eine Jubiläumsbroschüre erscheinen.

Auf der FAE wird es ein „Limousin-Dorf“ geben. Am 30. Juni und 1. Juli findet ein internationaler Limousin-Concours statt, für den 150-200 Zuchttiere aus Luxemburg, Frankreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Italien erwartet werden. Am Samstag findet zudem eine von von KBS, CONVIS und ELBL veranstaltete Eliteversteigerung mit 25 Top-Zuchttieren statt. Außerdem ist auf der FAE am Sonntag ein «Concours international du meilleur jeune présentateur» geplant. Bei den hochkarätigen Veranstaltungen in Ettelbrück erhofft man sich noch mehr internationale Präsenz als üblich. Im Vorfeld des ab dem 2. Juli stattfindenden internationalen Limousin-Kongresses in Dänemark wird nämlich für die Kongreßteilnehmer aus aller Welt offiziell eine sogenannte Prétour nach Luxemburg angeboten.

Es folgen Beteiligungen bei der Foire de Libramont und der Eurotier in Hannover. Am 21. November wird es eine Tagesreise zum Europaparlament geben, zehn Tage später den traditionellen Limousin-Bâl. Das Abschlußessen in der Hotelschule Alexis Heck wird im November oder Dezember die Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell beschließen.

Guy Majerus trug im Anschluß an den Aktivitätsbericht den Kassenbericht sowie die Bilanz 2011 vor. Es wurde ein Gewinn von 2.461,39 Euro erwirtschaftet und die Kassenlage ist weiterhin gesund. Aufsichtsratspräsident Paul Nothum bestätigte die Korrektheit der Bilanz und empfahl die Entlastung der Führungsgremien, wofür es keine Gegenstimme gab. Der Mitgliedsbeitrag bleibt unverändert.

In seinem Schlußwort kam ELBL-Vizepräsident Marc Wagner auf das hohe Niveau der heimischen Limousinzucht zu sprechen. Noch vor 20 Jahren sei es „eine Himmelfahrtsreise“ gewesen, wenn man in Frankreich Zuchttiere kaufen wollte. Heute habe man in den heimischen Betrieben Zuchttiere, die den strengen Kriterien der angesehenen Zuchtstation in Lanaud gerecht werden. „Die Mutterkuhbetriebe profitieren vom hohen Zuchtstatus im Land“, so Marc Wagner. Abschließend sagte er, daß er auf mehr Engagement seitens der Mitglieder hofft.

Limousintreff

Es folgte die Jahresversammlung von Cactus-Rëndfleesch vum Lëtzebuerger Bauer (siehe Beitrag in Nr. 11) und schließlich der beliebte Limousintreff. Die Gebrüder Weis bewirtschaften einen auf fünf Dörfer verteilten Betrieb mit Milchvieh, Mutterkühen und einer Biogasanlage. Einige andere landwirtschaftliche Betriebe wurden hinzugepachtet und ein Teil der Betriebsgebäude angemietet. Insgesamt werden rund 2.000 Stück Rindvieh gehalten. 60% der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt im nahen Belgien.

An der zentralen Hofstelle in Niederkolpach befinden sich u.a. der Fleischrinderstall und die Biogasanlage. Die Fleischrinderproduktion mit eigener Mast basiert auf einer 450 Mutterkühen starken Herde. Da die Fleischrinderproduktion einst mit einer Charolais-Herde begann, sind noch einzelne Mutterkühe dieser Rasse bzw. Kreuzungstiere vorhanden. Der Betrieb setzt nun einzig auf die Limousinrasse, ist aber ein reiner Produktionsbetrieb. Im Herbst 2011 wurde die Herde erstmals mit einem Lebendimpfstoff gegen IBR geimpft, jetzt im Frühjahr folgt ein zweiter Impfgang. Wie vom Direktor der Veterinärinspektion vor Ort bestätigt wurde, erhält der Betrieb damit einen gesonderten Status, der es ihm erlaubt, Tiere auf Weiden in Belgien zu bringen, wo ein obligatorisches IBR-Bekämpfungsprogramm läuft.

Romain Weis betonte, daß man die Tiere je nach sanitärem Status selektiert und entsprechend auf Weiden verteilt. Allzu nervöse Muttertiere mit schlechtem Charakter werden aus der Herde entfernt.

Der Betrieb verfügt über rund 14 klassifizierte Deckbullen, die nicht über mangelnde Arbeit klagen können. Da bei den rund 40 Muttertieren umfassenden Kohorten unerfahrene Deckbullen nicht geeignet sind, kauft der Betrieb in der Regel bereits im Deckeinsatz bewährte Vererber zu, häufig von heimischen Zuchtbetrieben. Unter den beim Limousintreff vorgestellten Bullen waren auch die „Franzosen“ Danseur und Erin, die aus Lanaud bzw. einer lokalen französischen Zuchtstation stammen. CONVIS-Zuchtleiter Gerry Ernst bezeichnete die beiden Bullen als sehr gut für die Produktion. Danseur ist von Lanaud aussortiert worden, da die Fellzeichnung nicht den Zuchtkriterien entsprach.

Der CONVIS-Zuchtexperte, der das gute Management im Betrieb Weis lobte, betonte zudem, daß die Bullen heutzutage nicht nur guten Charakter und Leichtkalbigkeit vererben sollen, sondern auch gute Fruchtbarkeit. Jedes Jahr ein Kalb zu erhalten, sei das Ziel der Produktion. Des weiteren zeigte er sich überzeugt, daß ein gutes Management und somit eine gut geführte Herde auch bei einem anderen Kriterium positive Auswirkungen hat, nämlich der Langlebigkeit. Drei der Deckbullen im Betrieb Weis seien mit einem Alter von mehr als zehn Jahren schon wahre „Senioren“, erwähnte er diesbezüglich. Bei den Produktionsdaten liegt der Betrieb Weis frères & Schuh, der jährlich 175 zertifizierte Jungbullen abliefert, nur wenig vom Durchschnitt der Cactus-Labelbetriebe weg: Das Gewicht beträgt durchschnittlich 437,4 kg, das Alter 21 Monate.

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