Gut besuchter Limousin-Treff in Niederglabach

Am 8. März fand der diesjährige Limousintreff, der alljährlich von der Vereinigung der Limousinzüchter (ELBL) veranstaltet wird, auf dem Betrieb von Pierre Diderrich-Steichen in Niederglabach statt. Vorgeschaltet war wie in den Vorjahren die ELBL-Generalversammlung. Die ELBL hatte SER-Direktor Pierre Treinen eingeladen, der über die aktuelle Agrarpolitik und wirtschaftliche Aspekte der Mutterkuhhaltung referierte. 

Ansprache des Präsidenten

ELBL-Präsident Robert Duhr konnte eine große Zahl von Züchtern und Fleischrinderproduzenten auf dem Betrieb Diderrich-Steichen in Niederglabach begrüßen. Der Präsident kam eingangs auf die Verdienste des im vergangenen Jahr verstorbenen langjährigen Vorstandsmitglieds Marc Clemes zu sprechen. Mit Weitsicht und züchterischem Können habe er einen großen Beitrag zur heimischen Limousinzucht geleistet, betonte der Präsident.

Ein weiterer Punkt waren die letztjährigen Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Einführung der Limousinrasse. Vor allem auf der Foire agricole habe man sich im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs und einem internationalen Verkauf präsentieren können. Der Präsident dankte abschließend insbesondere CONVIS für ihre diesbezügliche Unterstützung.

Aktivitäten der ELBL

Auf die letztjährigen ELBL-Aktivitäten sowie den Stand der Planungen für 2013 kam dann Sekretär Guy Majerus zu sprechen. Die Aktivitäten 2012 begannen mit der Jungviehausstellung, wo erstmals Hornlos-Zuchttiere präsentiert und das beste ausgezeichnet wurde. Bei den Verkäufen wurden knapp 3.000 Euro im Durchschnitt erzielt.

Den Wettbewerb auf der FAE mit Beteiligung von belgischen, schweizerischen, französischen und deutschen Züchtern bezeichnete der Sekretär als ausgezeichnet. Auch die erstmalige Eliteversteigerung in Zusammenarbeit mit CONVIS und KBS sei ein Erfolg gewesen.

Bei der Agrimax in Metz im Oktober habe man ebenfalls gut abgeschnitten. Guy Majerus erwähnte diesbezüglich den kürzlichen Besuch von elsässischen Züchtern, die in Metz auf die luxemburgische Zucht aufmerksam geworden sind.

Weitere Erfolge fuhren heimische Züchter bzw. Tiere aus heimischer Zucht u.a. beim Sommet de l’Elevage in Cournon ein. Im November wurden einzelne Zuchttiere auf der Eurotier in Hannover gezeigt.

Für 2013 kündigte der Sekretär eine zweite internationale Versteigerung auf der FAE an. Zudem ist die Teilnahme an der nationalen Veranstaltung der französischen Limousinzucht in Nancy geplant, die Anfang September stattfinden wird.

Abschließend wies Guy Majerus auf den Umstand hin, daß man künftig bestrebt sein muß, sehr gute Zuchttiere besser zu valorisieren. Nach wie vor wird im internationalen Vergleich relativ wenig für herausragende heimische Zuchttiere erlöst. Allgemein müsse es in Zukunft darum gehen, professioneller zu vermarkten, so der Sekretär.

Im Anschluß trug Nico Keup-Duhr die Bilanz vor, welche von Aufsichtsratspräsident Paul Nothumb nicht weiter kommentiert wurde. Die Bilanz, welche einen vierstelligen Gewinn auswies, wurde von der Generalversammlung einstimmig angenommen.

Präsident Robert Duhr kam im folgenden auf den Tagesordnungspunkt Vorstandswahlen zu sprechen. Wahlen waren allerdings nicht erforderlich, da es für die beiden austretenden Mitglieder keine überschüssigen Kandidaturen gab. Neu im Komitee sind Claude Kieffer aus Roeser und Alain Majerus aus Mensdorf. Paul Wirtz hat sich nach 15 Jahren Tätigkeit in den Führungsgremien, die ersten sieben Jahre im Aufsichtsrat, nun aus dem Vorstand zurückgezogen. Robert Duhr kündigte an, nach 17 Jahren an der Spitze des ELBL sein Amt zur Verfügung zu stellen und „einem Jüngeren Platz zu machen“, wie er sich ausdrückte.

Gute Marktaussichten in der Rindfleischproduktion

Es folgte ein Vortrag von SER-Direktor Pierre Treinen. Der SER-Direktor kam zunächst auf verschiedene Aspekte der aktuell noch nicht abgeschlossenen GAP-Reform zu sprechen. In Sachen Greening hob er hervor, daß die Debatten derzeit in die richtige Richtung laufen und sich viel Flexibilität abzeichne. So sei nicht mehr die Rede von verpflichtenden 7% Fläche. Außerdem könnten die Agrarumweltmaßnahmen berücksichtigt werden. Auch bei der internen Konvergenz der Direktzahlungen sprach er davon, daß es derzeit in Richtung Flexibilität geht. Des weiteren machte er deutlich, daß man in Sachen Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete ein Dossier in Brüssel eingereicht hat. Hierzu müßten noch einige Parameter diskutiert werden. Beim hektarbezogenen Einkommen ist nach den Worten des SER-Direktors für die Idemnité compensatoire eine Obergrenze vorgesehen. In puncto Agrargesetz sagte er zudem, daß der Rahmen inzwischen relativ weit feststeht.

Pierre Treinen zeigte sich zuversichtlich, daß die GAP-Reform noch zum Ende der irischen Ratspräsidentschaft unter Dach und Fach gebracht werden kann.

Im zweiten Teil seines Vortrags beleuchtete der SER-Direktor die aktuellen betriebswirtschaftliche Situation im SER-Testbetriebsnetz. So präsentierte er den wichtigen wirtschaftlichen Indikator „Gewinnrate“ (Gewinn/Umsatz) bei verschiedenen Betriebstypen und betonte, daß die Mutterkuhhalter einen relativ geringen Durchschnitt aufweisen. Deshalb sei es sehr wichtig, die Kosten im Auge zu behalten, insbesondere auch die Fixkosten. Die Durchschnittswerte für die Gewinnrate betragen rund 13% bei einer Betriebsgröße von 50-100 ha und rund 17% bei mehr als 100 ha. Als nächsten Punkt zeigte er die Entwicklung für das Ergebnis pro nAK auf. Er stellte heraus, daß es bei der Mutterkuhhaltung dank Qualitätsprogrammen und -labels von 2010-12 zu einem relativ gesicherten und konstanten Absatz kam, der zu einem Ergebnis von rund 20.000 bis 25.000 Euro pro nAK führte.

Des weiteren machte Pierre Treinen auf einen heiklen Punkt aufmerksam, nämlich die Jetons. Mit durchschnittlich rund 280 Euro pro ha LNF liegen die Mutterkuhhalter bei den Jetons mit am höchsten und deshalb sind für die Mutterkuhhalter bei einer nationalen Konvergenz der Direktzahlungen Einbußen zu befürchten. Extreme Schwankungen bei den Jetons von Betrieb zu Betrieb sollten in Zukunft vermieden werden, so der SER-Direktor.

Pierre Treinen kam schließlich noch auf die Themen Vermarktung und Handelsbilanz zu sprechen. Luxemburg wandelte sich vor rund acht Jahren vom Nettoexporteur zum -importeur. Seit 2010 ist wieder eine gegenläufige Tendenz zu beobachten. Diesbezüglich machte er anhand einer Graphik deutlich, daß die Preisdifferenz gegenüber Drittstaaten wie Argentinien vor vier Jahren noch wesentlich größer war als heute. Der heimische Markt ist also für Drittlandsexporteure weitaus unattraktiver als damals. Beim Export in den arabischen Raum habe man wegen der Beschränkung auf Lebendvieh zudem Wettbewerbsvorteile gegenüber überseeischen Konkurrenten.

Des weiteren machte der Direktor darauf aufmerksam, daß die Marktpreise in der Tendenz voraussichtlich auf hohem Niveau fortbestehen werden. Vom Preisauftrieb hätte man bei den weiblichen Tiere noch stärker profitiert als bei den männlichen. Die Marktaussichten für die nächsten Jahre bezeichnete er als positiv. Ergänzend sagte er hierzu, daß Futtermittelautarkie zu höheren Margen führt und die betriebswirtschaftliche Ausgangssituation noch weiter verbessert.

In der anschließenden Diskussion wurde u.a. das Thema Jetons aufgegriffen. Der SER-Direktor machte hierzu deutlich, daß eine Art „Tunnellösung“ vorgeschlagen wird. Am unteren Ende wird demzufolge eine Anhebung, am oberen Ende eine Kappung vorgesehen, die nominal stärker ausfällt, je höher der Betrag ist.

ELBL-Vizepräsident Marc Wagner bedankte sich in seinem Schlußwort beim Präsidenten sowie bei Paul Wirtz für ihren großen Einsatz für den ELBL. Beim Essen anläßlich des Abschlusses von „40 Jahre Limousin“ werde man die Verdienste der beiden noch einmal würdigen.

Des weiteren sprach der Vizepräsident Punkte an, die jeder Betriebsleiter selber positiv beeinflussen kann. Dazu gehören zum Beispiel die Genetik, die Fruchtbarkeit, die Vermarktung, die Tiergesundheit und bei den Investitionen die Beschränkung auf das unbedingt Notwendige. Im Kontext mit der GAP-Reform bleibe zu hoffen, daß man nicht zu sehr in Richtung Extensivierung gehen werde.

Der Betrieb Diderrich-Steichen

Es folgte der Limousin-Treff im neuen Stall des Betriebs Diderrich-Steichen. Pierre Diderrich stellte seinen Zucht- und Produktionsbetrieb kurz vor. Er verfügt über ca. 120 Mutterkühe mit eigener Nachzucht. Der Betrieb ist am Cactus-Programm beteiligt, vermarktet auch über PDT Lëtzebuerger Rëndfleesch und widmet sich zudem der Zucht. Die Tiere sind auf zwei Ställe aufgeteilt. Im unteren Stall wird hauptsächlich Mast betrieben.

Pierre Diderrich machte deutlich, daß sich das Bauen lange hinzog. Von den ersten baulichen Ideen 2006 bis zur Belegung der Ställe im Frühjahr 2012 vergingen sechs Jahre. Er wies darauf hin, daß die Tiergesundheit in den neuen Stallungen merklich besser ist als zuvor, insbesondere bei den Kälbern, wo Grippe quasi kein Thema mehr ist. Zudem wies er auf arbeitswirtschaftliche Vorteile hin.

Vor dem ersehnten Rundgang durch den Mutterkuhstall gab CONVIS-Zuchtleiter Gerry Ernst noch einige allgemeine Erläuterungen zu aktuellen Entwicklungen in der Limousinzucht. Er betonte, daß die Vereinfachung der Haltung angesichts der größer werdenden Strukturen immer wichtiger wird. Als die beiden wichtigsten Selektionskriterien hob er diesbezüglich die Leichtkalbigkeit und das Temperament hervor. Das Kriterium Leichtkalbigkeit sei in der jüngsten Vergangenheit leicht verlorengegangen in der Zucht und solle nun wieder stärker kontrolliert werden. Nicht nur in der Zucht, sondern auch beim Produktions-Management müsse auf dieses Kriterium stärker geachtet werden.

Seit 2011 werde das Temperament hierzulande bewertet und dies werde künftig in die Zuchtwerte eingehen. Günstige Werte gingen in der Regel einher mit einer besseren Leistung, die bis zu 20% höher sein könne.

Als weiteren Punkt sprach er die Hornloszucht an. Erste Durchbrüche bei der Zucht von Hornlos-Stieren hoher Qualität seien geschafft. Nun stünden rund sechs Besamungsbullen mit anständigen Zuchtwerten zur Verfügung. Die Hornloszucht sei ein Schritt, der gegangen werden sollte bzw. müsse. Man sollte aber bei der Hornloszucht derzeit noch vorsichtig sein, da auch noch viele schlechte Zuchttiere auf dem Markt seien, merkte er hierzu abschließend an.

Schließlich kam der Zuchtleiter von CONVIS auf die seit dem letzten Jahr betriebene genomische Selektion zu sprechen und betonte, daß diese weitergeführt werde. Hierbei werden von den Zuchtkälbern Gewebeproben genommen und analysiert, so daß man schon wenige Wochen nach der Geburt sichere Hinweise auf die Zuchteignung erhalten kann. Die ersten Zahlen, die hierzulande gewonnen wurden, hätten sich bei den Zuchtwerten auch tatsächlich bestätigt, außer bei der Leichtkalbigkeit. Gerry Ernst wies hier auf den Umstand hin, daß das Wiegen des neugeborenen Kalbs auf der Weide oft illusorisch ist und deshalb nun eine praxistaugliche Alternative entwickelt werden soll. Diese würde darin bestehen, den Brust- oder Röhrbeinumfang mit einem eigens für die Rasse geeichten Band zu bestimmen, wo man das Gewicht (bzw. dessen Schätzung) direkt ablesen könne.

Beim Rundgang durch den Stall gab Gerry Ernst Erläuterungen zur Zucht im Betrieb von Pierre Diderrich. Der Betrieb ist in der Zucht recht breit aufgestellt. Die meisten der eigenen, teilweise in Gemeinschaftsbesitz befindlichen Zuchtbullen sind in Lanaud geprüft worden. Ergänzt wird die eigene genetische Basis durch Besamungen mit gewünschten Vererbern wie Ramses, Roussilliou, Cesar, Star und dem Hornlos-Stier Matteo. Insbesondere vom Vererber Star soll mehr Blut in den Bestand gebracht werden. Neue Stiere und die selbst gezüchteten Stiere werden jeweils genomisch geprüft, um rasch Aufschluß über ihre Zuchteignung zu erhalten.

Von den eigenen Vererbern ragt besonders Depaz (im Gemeinschaftsbesitz mit den Betrieben Hilgert und Biren) heraus. Bei den Zuchtkriterien Abkalbung zählt er zu den 10% besten der Rasse, bei Milch und Rahmen zu den 5% besten und beim Wachstum sogar zu den 1% besten. Diese Kombination ist äußerst selten, da Wachstum und Milch eigentlich negativ korrelieren (d.h. wenn man das eine verbessert, verschlechtert sich tendentiell das andere Kriterium).

Bei den Zuchtkühen ist es die BN-Tochter Fameuse mit dem Gesamtzuchtwert 119, die laut Pierre Diderrich zu den fünf höchstbewerteten Kühen im Land gehört. Der als brauchbar eingestufte Hornlos-Stier Matteo wird zwar in der KB eingesetzt; die Hornloszucht steckt im Betrieb aber noch in den Kinderschuhen. (Weitere Informationen zum Betrieb unter www.diderrich.lu.)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.